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Vorbestraft & Bewährungsversager - Nochmal Bewährung möglich? (Gewerbsmäßiger Betrug)

 Von 
st123mitglied
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Vorbestraft & Bewährungsversager - Nochmal Bewährung möglich? (Gewerbsmäßiger Betrug)

Im Jahr 2012 wurde ich wegen Betruges u.a. zu einer Jugendstrafe von 1 Jahr auf Bewährung verurteilt.

2014 habe ich während der laufenden Bewährung einen Einbruch begangen, meine Bewährung wurde sodann Wiederrufen. Gegen den Widerruf habe ich sofortige Beschwerde eingelegt, das Landgericht hat den widerruf aufgrund meiner positiven Sozialprognose verworfen, der Bewährungszeitraum wurde um ein weiteres Jahr verlängert.

30.11.2017 wurde ich wegen Betruges in 7 fällen unter Einbeziehung des Urteils im Jahr 2012 zu einer Einheitsjugendstrafe von 1 Jahr und 11 Monaten auf 3 Jahre Bewährungszeitraum verurteilt.

02.2019 wurde ich wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis und Betruges zu 10 Monaten auf 4 Jahre Bewährung verurteilt die taten wurden zwischen dem 11.02.2017 bis 24.08.17 begangen.

Leider habe ich nach dem Urteil vom 30.11.2017 wieder Straftaten begangen- Tatzeitraum zwischen dem 01.04 und 01.08.2018 (also wieder während laufender Bewährung): Betrug in 7 fällen, schaden 27.000 €.

Ich habe mir von Firmen Sicherheitstechnik einbauen lassen und diese teilweise Verkauft, bei einer Hausdurchsuchung wurde Ware in wert von ca. 8500 € beschlagnahmt. Laut Anklage wird mir Gewerbsmäßiger Betrug in allen 7 fällen vorgeworfen. Im März 2020 finden nun die Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht statt. Während der Taten war ich jedoch nicht mehr Herr meiner sinne, ich war manisch-depressiv und komplett in einem krankhaften Rausch.

Meine Kindheit war sehr schlimm bereits mit 7 Jahren war ich in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht, meine Eltern haben mir nie regeln aufzeigen können geschweige denn liebe oder Zuneigung. Ich war in unzähligen Heimen untergebracht gewesen und habe danach sehr oft zwischen meinen getrennten Eltern hin und her gewechselt. Meine Kindheit hat mich geprägt und sicherlich dazu beigetragen, das ich kriminell geworden bin.

Seitdem ich 21 Jahre alt bin, stehe ich unter gesetzlicher Betreuung, in meinem Betreuungsgutachten vom 19.10.2016 steht u. a. folgendes:

,,diagnostisch handelt es sich bei Herrn X um eine schwere Persönlichkeitsstörung i.S. einer dissozialen, auch soziopathischen bzw. psychopathischen Persönlichkeit mit erheblichem Krankheitswert. Im Hier vorliegenden zu beurteilenden Fall zeigt Herr X aufgrund seiner Erkrankung erhebliche emotionale Defizite. Das Urvertrauen ist gestört. Umgang mit Geld ist ein erhebliches Problem für ihn. Schulden in erheblicher Größe wurden verursacht. Das Kritikvermögen und der Realitätsbezug des Betroffenen sind erheblich gestört. Der Betroffene ist aufgrund seiner Erkrankung nur bedingt in der Lage einen freien Willen zu bilden. Die freue Willensbildung ist Krankheitsbedingt beeinträchtigt, aber nicht aufgehoben, denn die Krankheit des Betroffenen beherrscht den Willen des Betroffenen derart, dass die Bestimmbarkeit des Willens durch vernünftiges Erwägen erheblich beeinträchtigt, aber nicht ausgeschlossen ist.'

Seit der letzten Tat (08.2018) habe ich mir wirklich bis heute nichts mehr zuschulden kommen lassen also keine neuen Straftat mehr begangen. Ich habe inzwischen geheiratet und bin Vater geworden. Seitdem mein Kind geboren ist hat sich alles verändert! Ich bin mir sehr sicher, dass ich schon allein für mein Kind zukünftig straffrei bleibe. Auch habe ich am 09.2019 von allein eine Verhaltenstherapie angefangen, um meine Defizite endgültig zu beseitigen, ich setze mich in der Therapie u.a. mit den Straftaten auseinander und lerne mich besser kennen, ich habe inzwischen 20 Sitzungen wahrgenommen. (Es ist eine Langzeittherapie geplant) außerdem befinde ich mich gleichzeitig in psychiatrischer Behandlung und werde medikamentös behandelt. Mein Bewährungshelfer meinte, er würde mir wie bei der letzen Verhandlung wieder eine positive Sozialprognose ausstellen. 2015 habe ich eine Ausbildung angefangen und befinde mich im dritten Lehrjahr, ich musste meine Ausbildung leider mehrmals Unterbrechen (aktuell bin ich bis auf Weiteres Krankgeschrieben) möchte aber zeitnah die Ausbildung endlich wieder fortsetzen und beenden. Bei allen Betrogenen Firmen habe ich mich auch über einen Brief aufrichtig entschuldigt. Bis zur Berufungsverhandlung werde ich zumindest symbolisch monatlich einen Betrag in Höhe von 50 € für die geschädigten ansparen, es ist zwar ein Tropfen auf den heißen Stein aber mehr geht leider nicht...

Leider kann ich während der Hauptverhandlung keine reue zeigen bzw. ein Geständnis ablegen, weil dann meine zwei laufenden Bewährungen auch ohne Rechtskraft des neuen Urteils Wiederrufen werden können!

Ich weiß sehr großes Problem ist natürlich das ich einschlägig vorbestraft und ein Bewährungsversager bin dennoch,

Mit welchem Strafmaß ist in der ersten Instanz zu rechen?

Wird eine verminderte Schuldfähigkeit (§ 21 StGB) anerkannt?

Wird eine nachträgliche Gesamtstrafe mit dem Urteil vom 02.2019 gebildet?? Und wie könnte diese ausfallen?

Gibt es eine Chance in der Berufungsverhandlung nochmal auf Bewährung zukommen?
Wie könnte ich meine Chancen noch verbessern?




-- Editiert von st123mitglied am 08.02.2020 02:12

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Bewährung StGB Strafmaß vorbestraft


2 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(27616 Beiträge, 8113x hilfreich)


Zitat (von st123mitglied):
Wird eine verminderte Schuldfähigkeit (§ 21 StGB) anerkannt?


Das kann hier niemand wissen. Das solltest Du Deinen Anwalt/Pflichtverteidiger fragen.

Zitat (von st123mitglied):
Wird eine nachträgliche Gesamtstrafe mit dem Urteil vom 02.2019 gebildet?? Und wie könnte diese ausfallen?


Ja. Dass die nicht über 2 Jahre geht, also im bewährungsfähigen Bereich bleibt, ist schwer vorstellbar.

Zitat (von st123mitglied):
Gibt es eine Chance in der Berufungsverhandlung nochmal auf Bewährung zukommen?


Du redest schon von der Berufung, obwohl noch nicht mal die erste Instanz verhandelt wurde.

Rein theoretisch, also rein rechtlich, gibt es die Chance noch mal Bewährung zu bekommen. Wie groß diese Chance ist, ist eine andere Frage. Bei mehr als 10% würde ich die gemäß der Schilderung nicht ansiedeln, es ist aber aus der Ferne natürlich auch kaum zu beurteilen.

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#2
 Von 
Rexdeutschland
Status:
Frischling
(44 Beiträge, 9x hilfreich)

Zitat (von st123mitglied):
Gibt es eine Chance in der Berufungsverhandlung nochmal auf Bewährung zukommen?

Lass sie Dich doch erstmal in der ersten Instanz verurteilen! Vielleicht erübrigt sich damit eine Berufung.

Zitat (von st123mitglied):
Wie könnte ich meine Chancen noch verbessern?

Indem Du den Schaden zurückzahlst! Was Du nicht kannst. Bei Deiner Beschreibung von Dir selbst fürchte ich Du musst dich neu erfinden und das auch noch glaubhaft machen! Das funktioniert normal auch nicht. Ein Geständnis und etwas Reue kommt immer gut! Das willst Du nicht.
Fazit: Deine Chancen auf ein paar Jahre Gefängnis stehen so richtig gut ich würde sogar sagen phantastisch.

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