Welcher § würde hier greifen, Notwehr, rechtfertigender Notstand oder was anderes?

9. November 2023 Thema abonnieren
 Von 
guest-12311.11.2023 20:25:09
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Welcher § würde hier greifen, Notwehr, rechtfertigender Notstand oder was anderes?

Geehrtes Forum,

aus aktuellem Anlass habe ich eine (hypothetische) Frage:

Wenn ein Autofahrer von einem anderen Autofahrer ausgebremst wird und dann mit einem Messer angegriffen wird und das Opfer, nachdem die Seitenscheibe zerstört wurde, aus Furcht um sein Leben Gas gibt und a) den Täter bzw. b) einen unbeteiligten Passanten überfährt und hierbei schwer verletzt oder gar tötet, welcher § greift dann? Ist es über Notwehr abgedeckt? Wäre eine andere Vorgehensweise empfehlenswert?

Besten Dank im Voraus.



-- Editiert von User am 9. November 2023 13:44

-- Editiert von User am 9. November 2023 13:45

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7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Tom998
Status:
Student
(2048 Beiträge, 1180x hilfreich)

Da sich Seitenscheiben üblicherweise an der Seite befinden, stellt sich die Frage, ob der angegriffene Fahrer seinen Fluchtreflex noch so lange unterdrücken konnte, bis sich der Angreifer wieder vor dem Fahrzeug befand...oder nicht einfach den Rückwärtsgang einlegte. Soll fast immer Serienausstattung sein.
Zwischen Ausbremsen und Zerstörung der Scheibe muss auch irgendwas passiert sein...
Notwehr oder nicht, sagt dir das Gericht.

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#2
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47223 Beiträge, 16730x hilfreich)

Das Überfahren eines unbeteiligten Dritten würde jedenfalls nicht als Notwehr gelten.

Das Überfahren des Täters kann als Notwehr gelten, wobei auch mir unklar ist, wie das gehen soll, wenn der Täter sich an der Seitenscheibe befindet.

Im Hinblick auf den Dritten läge nach meiner Auffassung auch kein rechtfertigender Notstand vor und Nothilfe kann auch nicht vorliegen, weil man niemandem zur Hilfe kommen wollte.

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#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118491 Beiträge, 39579x hilfreich)

Zitat (von hh):
wobei auch mir unklar ist, wie das gehen soll, wenn der Täter sich an der Seitenscheibe befindet.

Es gibt da so einen Effekt, mit dem man mit dem Auto eine 180° Wende machen kann. Seitentreffer inklusive ...



Zitat (von Entenwurst):
Ist es über Notwehr abgedeckt?

Nö, da gibt es nichts gegen das es sich zu erwehren gibt



Zitat (von Entenwurst):
Wäre eine andere Vorgehensweise empfehlenswert?

Also ich pflege dann meine 9mm demonstrativ durchzuladen. Mitunter noch versehen mit dem Hinwies das da meine kleinen Freunde drin sind, die schneller fliegen als er laufen kann. Aber meist sind die dann schon wieder weg, bevor ich was sagen kann ...


insbesondere wenn der Psychopath sich schon die Mühe macht auszusteigen, sollte man nicht weiter abwarten, sondern versuchen zielführende Maßnahmen einleiten

Man könnte z.B. die 110 wählen.
Dann wäre auch die Nutzung des Rückwärtsganges eine Alternative - eventuell sogar beides gleichzeitig.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#4
 Von 
DeusExMachina
Status:
Lehrling
(1350 Beiträge, 269x hilfreich)

Zitat (von Entenwurst):
überfährt und hierbei schwer verletzt oder gar tötet, welcher § greift dann?
Bis hin zum 222 StGB oder - hinsichtlich der vorsätzlich überfahrenen Person - auch 211 (bedarfsweise 212) StGB wäre einiges denkbar.

Zitat (von Entenwurst):
Wäre eine andere Vorgehensweise empfehlenswert?
Ja, z.B. indem man sich der Situation frühestmöglich entzieht, ohne andere Personen dabei zu überfahren. In der Konstellation Auto vs. Messer befindet man sich als Fahrzeugführer in der überlegenen Position. Zu den Unstimmigkeiten in der Fallbeschreibung haben die Vorredner ja bereits hinreichend ausgeführt. Als Positivbeispiel könnte ich mir nach den bisherigen Schilderungen waghalsig ausdenken, dass der Ausweg nach hinten sowie vorne und rechts versperrt war, so dass man das Fahrzeug - scharf nach links lenkend - beschleunigen musste, womit man den (auf der Fahrerseite befindlichen) Angreifer touchierte und ggf. mit dem linken Hinterrad überrollte. Über diesen Fall könnte man diskutieren, die bisherigen Schilderungen geben allerdings nichts dazu her.

-- Editiert von User am 9. November 2023 22:23

Signatur:

Wahrheit ist Verhandlungssache.

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#5
 Von 
Interessierter_Laie_1
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 0x hilfreich)

Puh schwer zu sagen. Kommt ganz drauf an. Vorsatz, bedingter Vorsatz, Fahrlässigkeit oder vielleicht nur ein Unfall? Alles kann möglich sein.

Wenn er durch die Notwehr jemanden unbeteiligten absichtlich tötet würde ich sagen Mord eher nicht. Eher Totschlag den ich wüsste nicht welches Mordmerkmal vorliegen sollte.

Wichtig zu erwähnen, weder Mord noch Totschlag kann von der Notwehr abgedeckt sein. Das Ziel von Notwehr kann nie der Tod sein. Wenn durch Notwehr jemand stirbt ist es Körperverletzung mit Todesfolge.

Wenn er durch die Notwehr unbeteiligte Tötet ist es entweder Fahrlässige Tötung oder nur ein Unfall. Fahrlässigkeit bedeutet man hätte daran denken können aber hat es nicht getan. Ein Unfall wäre wenn man auch nicht daran hätte denken können. Etwas in Kauf zu nehmen also bedingter Vorsatz bedeutet man weis das es passieren kann aber es ist einem ****** egal.

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#6
 Von 
guest-12311.11.2023 20:25:09
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Ja, natürlich kann man den polizeilichen Notruf wählen. Aber selbst im Bestfall dauert es mindestens 5 Minuten, bis jemand kommt, erfahrungsgemäß deutlich länger. Solche Angriffe erfolgen dagegen innerhalb weniger Sekunden. Und bei aller Liebe, ich lasse mich weder aufschlitzen noch erschießen. Würde die Polizei auch nicht mit sich machen lassen, die hätten da schon längst mehrere Magazine geleert.

Mir geht es vor allem um die juristische Bewertung, wenn bei solchen Fällen ein unbeteiligter Dritter zu Schaden kommt. Kann mal immer passieren.

Als mal vor Jahren eine Person mit erhobener Faust auf mein Auto zu rannte, habe ich instinktiv Vollgas gegeben und bin mit 45 km/h in den Auflieger eines LKWs gefahren. Der Angreifer wurde später rechtskräftig wegen Nötigung und Verkehrsunfallflucht verurteilt und durfte zudem den enormen Sachschaden zahlen. Der Richter hat damals ausdrücklich mein Fluchtverhalten gelobt. Aber was wäre, wenn z. B. der unbeteiligte LKW-Fahrer hierbei verletzt worden wäre?

-- Editiert von User am 11. November 2023 00:34

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#7
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118491 Beiträge, 39579x hilfreich)

Zitat (von Entenwurst):
Aber selbst im Bestfall dauert es mindestens 5 Minuten, bis jemand kommt, erfahrungsgemäß deutlich länger.

Es erstaunt immer wieder, wie schnell solche Leute die Flucht ergreifen, wenn sie bemerken, dass man die Polizei am anderen Ende der Leitung hat ...



Zitat (von Entenwurst):
Aber was wäre, wenn z. B. der unbeteiligte LKW-Fahrer hierbei verletzt worden wäre?

Aufgrund der Vielzahl unbekannter Faktoren / zahlreicher Unwägbarkeiten ist das in Ermangelung hellseherischer Fähigkeiten nicht seriös zu beantworten.

Das wird von Gerichten regelmäßig unter Beachtung des Einzelfalles, Würdigung der Gesamtumstände, mitunter unter Zuhilfenahme von externen Experten sowie besonderer Berücksichtigung der Güte der Argumente der jeweiligen Parteien entschieden.

Nützliche Hinweise könnte man vermutlich aus der Urteilsbegründung ableiten.




-- Editiert von User am 11. November 2023 00:44

Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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