Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung

3. November 2008 Thema abonnieren
 Von 
micha66
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung

Hallo zusammen,

zu folgendem Fall habe ich eine Frage und hoffe schon jetzt dankbar auf eine Antwort:

Ein Freund (42 Jahre) randaliert unter starkem Alkoholeinfluss in seiner Wohnung. Hintergrund ist eine Trennungsgeschichte. Er tritt gegen Türen und brüllt herum, bis die Nachbarschaft die Polizei ruft. Bis diese eintrifft (nach ca. 30 Min) beruhigt sich der Täter und sitzt vor dem PC und hört Musik. Die Ehefrau lässt die Beamten in die Wohnung und treffen den Täter auf einem Stuhl sitzend an. Dieser reagiert nicht auf die Ansprache der Polizisten, da er Kopfhörer trägt und laut Musik hört. Die Beamten tippen den Täter an; dieser erschrickt, steht auf und schlägt um sich. Dabei wird er überwältigt, in Gewahrsam genommen und in eine Ausnüchterungszelle gesteckt. Dort verhält er sich ruhig. Am nächsten Morgen wird er entlassen und ihm wird auf den Weg mitgegeben, dass er einem Polizisten die Hand verletzt hat (Fraktur des Mittelhandknochens) und er deshalb mit einer Anzeige wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung zu rechnen hat.

Der Beschuldigte hat einen „Filmriss“ und kann sich nur noch bruchstückhaft an den Vorfall erinnern. Er beteuert aber, dass er niemals einem Menschen absichtlich eine Verletzung zufügen würde. Er hat deshalb ein sehr schlechtes Gefühl und entschuldigt sich telefonisch bei der Polizei. Dies ist zwar nicht relevant, wollte dies aber dennoch erwähnen.

Der Freund ist bisher nicht polizeilich aufgefallen und hat ein regelmäßiges Einkommen und strebt nun eine Therapie wegen seines Alkoholkonsums an. Auf der Polizewache wurden 2,7 Promille mittels Alkomat festgestellt. Es wurde keine Blutprobe entnommen.

Mit welchen Konsequenzen muss mein Freund rechnen? Was kann er aktiv unternehmen, um die zu erwartenden Konsequenzen abzumildern?

Besten Dank für eine Antwort.

Viele Grüße
Micha

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5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Dieter25
Status:
Lehrling
(1970 Beiträge, 995x hilfreich)

Strafrahmen bei Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, wenn es kein besonders schwerer Fall ist: Gefängnis bis zu 2 Jahren oder Geldstrafe; bei Körperverletzung gem. § 223 StGB : Gefängnis bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe. Sind die Handlungen in Tateinheit begangen, so ist die Strafe dem Gesetz zu entnehmen, das die höhere Strafe androht

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#2
 Von 
Ilsa1939
Status:
Bachelor
(3728 Beiträge, 1170x hilfreich)

Ich denke, mit Antworten, in denen das mögliche Höchstmaß des Strafrahmens angegeben wird, kann ein Fragesteller nur wenig anfangen.

Unabhängig davon kann mit einem „Filmriss“ ein strafbares Verhalten jedenfalls nicht entschuldigt oder gerechtfertigt werden. Ein „Filmriss“, der scheinbar auch immer in den strafrechtlich entscheidenden Momenten auftritt, lässt überdies auch Zweifel an der Richtigkeit der Sachverhaltsschilderung insgesamt aufkommen, da es ja durchaus so sein kann, dass gerade eigenes Fehlverhalten „ausgeblendet“ worden ist.

Aus meiner Sicht stehen hier eine Widerstandsleistung und eine einfache Körperverletzung im Raum. Da die Körperverletzung nicht nur unerheblich ist - Handfraktur – wird die Sache bei einem nicht vorbestraften Erwachsenen wohl auf eine Geldstrafe im unteren Bereich hinauslaufen, bei einsichtigem Nachtatverhalten eventuell unter 90 Tagessätzen und mit Strafbefehl.

Wegen der Alkoholisierung war der Freund aber wahrscheinlich schuldunfähig, was zu einer Bestrafung wegen Vollrausch - § 323a StGB – führen würde; der „Preis“ für die Straftat dürfte ähnlich sein. Eventuell gibt’s eine Therapieauflage oben drauf – eine Therapie ist wahrscheinlich sowieso angebracht und könnte als Zeichen guten Willens bis zur strafrechtlichen Entscheidung bereits schon einmal aus eigener Initiative begonnen werden. Das sollten dann natürlich auch der Polizei / Staatsanwaltschaft mitgeteilt werden.

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Dieter25
Status:
Lehrling
(1970 Beiträge, 995x hilfreich)

...Ich denke, mit Antworten, in denen das mögliche Höchstmaß des Strafrahmens angegeben wird, kann ein Fragesteller nur wenig anfangen.
......................................................................................................................
Es kann aber auch hier niemand Gericht spielen und vorhersgaen, welche Strafe erwartet werden kann, ohne den Ablauf des Geschehens, d.h. den geauen Sachverhalt und die Aussagen von Zeugen zu kennen.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Ilsa1939
Status:
Bachelor
(3728 Beiträge, 1170x hilfreich)

> ... Es kann aber auch hier niemand Gericht spielen und vorhersgaen, welche Strafe erwartet werden kann, ...

Wenn einer nach den Konsequenzen seines Handelns fragt, dann kann man ihm natürlich sagen, das gesetzliche Höchsmaß ist soundso hoch. Ob das den Fragestellern bei Ihren fiktiven Fällen hilft oder eher erschreckt, möchte ich einmal dahinstehen lassen; wahrscheinlich sieht / sah sich Micha66 bei derartigen Antworten schon für fünf Jahre im Gefängnis

Darüberhinaus schildern die Fragesteller doch auch nicht völlig grundlos einen Sachverhalt - sogar trotz Filmriss. Bei Antworten a'la von Geldstrafe bis 5 Jahre Gefängnis ist Alles drin, kann man sich als Ratsuchender dieses alles sparen. Oder als Antwortender erspart man sich seine Antwort.

Tatsächlich ist es so, dass der gesetzliche Höchstrahmen in den alleralerallerwenigsten Fällen ausgeschöpft wird, erst recht nicht bei einem Ersttäter. In aller Regel liegen die Strafen sogar sehr viel niedriger, als sich diese echte Laien vorstellen.
Ich denke schon, dass man sich hier um Forum mit aller gebotenen Vorsichtigkeit und auf der Grundlage des geschilderten Sachverhaltes der möglichen Strafe nähern kann und darf.

2x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
DanielB
Status:
Bachelor
(3291 Beiträge, 410x hilfreich)

Zunächst einmal wäre allerdings auch noch darüber nachzudenken, ob der Freund für die beiden Delikte auch den nötigen Vorsatz hatte. Beim Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte setzt das (sofern das gegen andere Betroffene nicht aus anderen Gründen strafbar ist) schon voraus, dass er einerseits wußte, dass er es mit Polizisten zu tun hatte und andererseits diese eben angreifen (oder sonst Widerstand leisten) wollte. Bei der Körperverletzung wiederum, ob er Verletzungen anderer bewußt in Kauf genommen hat. Verneint man beides, wäre es im Ergebnis "nur" eine fahrlässige Körperverletzung (§229 StGB ).

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