schwere Körperverletzung/Beleidigung/Diebstahl

29. April 2012 Thema abonnieren
 Von 
philsem
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 2x hilfreich)
schwere Körperverletzung/Beleidigung/Diebstahl

Guten Tag,

als Pädagoge in der ambulanten Hilfe hat mein Klient folgende Deliquenzgeschichte hinter sich.
1. Vor einem Jahr wure er wegen gefährlicher KörpV. zu einer Jugendstrafe von 6 Monaten zur Bewährung verurteilt.
2. Letzte Woche wurde in einem weiteren Verfahren wegen schwerer Beleidugng (zunächst Verdacht der Volksverhetzung, wurde aber nicht als solche beurteilt) die Jugendstrafe auf 8 Monate z.Bew. aufgestockt.

Es folgt noch eine Verhandlung wegen des Verdachts des Widerstands gegen die Staatsgewalt in Verb. mit versuchter KörperV. sowie eine Anklage wegen eines schweren Diebstahls von PKWs.

Bewährungsauflage ist nun explizit das Absolvieren einer Alkoholtherapie, da alle Straftaten unter z-T. massiven Alkoholeinfluss stattfanden.

Die Bewährungshelferin wollte sich mit den Prognosen zurückhalten.

Nun meine Frage: Wie wahrscheinlich ist der Haftantritt schon nach der nächsten Verhandlung? und was könnte ein Therapieantritt für weitere Strafmaßnahmen bedeuten.

Ganz vielen Dank und schöne Grüße aus Norddeutschland

philsem

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5 Antworten
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#1
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9515x hilfreich)

quote:
Guten Tag,

als Pädagoge in der ambulanten Hilfe hat mein Klient folgende Deliquenzgeschichte hinter sich.


Nur mal zum Verständnis:

Ihr Klient ist Pädagoge in der amb. Hilfe?
Das sagt der Satz jedenfalls aus, so wie er da steht.

Ich denke aber mal eher, dass Sie der Pädagoge sind, oder?

quote:

Nun meine Frage: Wie wahrscheinlich ist der Haftantritt schon nach der nächsten Verhandlung? und was könnte ein Therapieantritt für weitere Strafmaßnahmen bedeuten.


Solange die am Ende zu bildende Einheitsjugendstrafe 2 Jahre nicht übersteigt, ist Bewährung auf jeden Fall möglich. Das Gericht letzte Woche hat bei dem Klienten ja offenbar eine positive Sozialprognose gesehen (obwohl die neuen Taten schon bekannt waren ???) Wenn das so ist und sich diese positive Einschätzung nicht aus anderen Gründen ändert, ist weitere Bewährung recht wahrscheinlich.

Was Therapie angeht: Was für eine therapie soll das sein?

Aber grundsätzlich: Therapiebereitschaft und -durchführung sind durchaus geeeignet einen guten Eindruck bei Gericht zu hinterlassen und die Bereitschaft zur Bewährung zu fördern.

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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

-- Editiert !!Streetworker!! am 29.04.2012 18:57

1x Hilfreiche Antwort


#3
 Von 
philsem
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 2x hilfreich)

Vielen Dank für die Antwort.

Ja....ich bin der Pädagoge. ;-) Kleiner grammatischer Irrweg.
Sorry.
Er soll eine Alkoholtherapie machen. Die kommenden Straftaten liegen dem Gericht noch nicht vor, da noch keine Anklage erhoben wurde.



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1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9515x hilfreich)

Gut, wenn die neuen Taten bei Gericht noch nicht bekannt waren (ob sie dort schon "vorliegen" ist in dem Zusammenhang nicht so wichtig, denn es geht dabei ja um die Sozialprognose) sieht es natürlich etwas anders aus.

Wie schon gesagt ist es grundsätzlich meist so, dass wenn aufgrund einer positven Sozialprognose Bewährung gegeben wurde (auch in dem Wissen, dass da noch weitere, bereits begangene, aber noch nicht angeklagte Taten im Hintergrund "schlummern") dann in der Regel -soweit es rechtlich möglich ist- auch weitere Bewährung gegeben wird, wenn es dann soweit ist, dass diese weiteren Taten angeklagt und verhandelt werden. Denn die positive Sozialprognose wurde dann ja trotz des Wissens um diese Taten gesehen und ändert sich dann natürlich auch nicht, nur weil(!) die Taten dann irgendwann zur Anklage kommen. Denn begangen wurden sie ja bereits vor der Prognosestellung.

Sind die anderen Taten aber noch in keinster Weise bekannt gewesen beim jetzigen Verfahren, kann das Gericht natürl. bei der Bewertung im Gesamtkontext der Sache zu einer anderen, mglw. negativen, Prognoseentscheidung gelangen.

In jedem Fall ist eine Einheitsjugendstrafe (§ 31 JGG ) zu bilden, d.h. alle Strafen/Urteile sind zusammenzuziehen und es wird ein gemeinsames Urteil für alle Fälle verhängt. Ob dieses zur Bewährung ausgesetzt wird, hängt wie schon gesagt zum einen davon ab, ob die magische 2 Jahres-Grenze beim Strafmaß überschritten wird. Wird sie es, ist schon rein rechtlich keine Bewährung mehr möglich. Wird sie es nicht, hängt es von der Sozialprognose ab, die das Gericht dann am Ende stellen wird.

Wenn die Taten alkoholbedingt sind/waren und aufgrund der Sucht weitere Taten zu befürchten sind, käme -selbst wenn es keine Bewährung gibt, wegen negativer Sozialprognose, oder weil die Strafe über 2 Jahren liegt- dennoch eine Therapie in Frage. Allerdings nicht in ambulanter Form, wie es bei einer Bewährung (als "Weisung") möglich wäre, sondern im Rahmen der "Unterbringung in einer Entziehungsanstalt" nach § 64 StGB . Sollte eine entsprechende Entscheidung ergehen, wird man davon ausgehen können, dass die Unterbringung in der Entziehungsanstalt "neben der Strafe" angeordnet wird und die Maßregel vor der Strafe vollzogen wird. Der Vollzug der Maßregel wird auf die Strafe angerechnet, bis 2/3 der Strafe erledigt sind. Daher wäre ein gangbarer und denkbarer Weg, dass man den Verurteilten auch für genau diese Zeit (also 2/3 der Strafe) in der Maßregel beläßt und dann -unter Anrechnung dieser Zeit- das letzte Strafdrittel zur Bewährung aussetzt.

Sollte doch noch bereits von Anfang an Bewährung in Frage kommen, kann die Therapie als "Weisung" dazu angeordnet werden, entweder in ambulanter Form (§ 56c, Abs. 3, Nr. 1 StGB ) oder auch in stationärer Form (§ 56c, Abs. 3, Nr. 2 StGB ).

Davon, dass der Klient anwaltlich vertreten wird, gehe ich mal aus ?! Falls das noch nicht der Fall ist, sollte es unbedingt sofort nachgeholt werden, zumal ohnehin ein Fall der Pflichtverteidigung (mindestens nach § 140, Abs. 2 StPO iVm. § 68, Nr. 1 JGG , in Form von Straferwartung >1 Jahr Freiheitsstrafe, ständ. Rechtsprechung, hM) vorliegen dürfte.

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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

-- Editiert !!Streetworker!! am 02.05.2012 23:16

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
philsem
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 2x hilfreich)

Ganz ganz vielen Dank für die fundamentale Antwort!!!!!!!!!

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