Haftfähigkeit

30. Juni 2024 Thema abonnieren
 Von 
FragenüberFragen71
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Haftfähigkeit

Hallo, ich hatte bis April 24 war ich Haftunfähigkeit wegen schweren Depressionen , im Juni 24 musste ich wegen erneuter Prüfung zum Amtsarzt, dieser stellte Fragen über mein soziales Umfeld und stellte Fragen aus einem kleinen Buch, waren 3 bis 4 Fragen. Nun ja er meinte i.mer Aufschieben würde nichts bringen und ob ich mir eine Behandlung im Vollzugskrankenhaus vorstellen könnte, was ich ablehnte und auch anmerkte, das ich die Behandlung, die ich regelmäßig besuche bei meinen Psychiater gerne abschließen würde. Ich gehe davon aus, das eine weitere Haftunfähigkeit nicht bescheinigt wird und ob ich gegen eine Ablehnung vorgehen bzw Widerspruch einlegen könnte. Für mich war das keine Untersuchung und ob man eine schwere Depression hat, kann man nicht anhand von 4 Fragen festellen. Ich fühlte mich überhaupt nicht ernst genommen.

LG

-- Editiert von Moderator topic am 30. Juni 2024 16:10

-- Thema wurde verschoben am 30. Juni 2024 16:10

Notfall oder generelle Fragen?

Notfall oder generelle Fragen?

Ein erfahrener Anwalt gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



21 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(39016 Beiträge, 14088x hilfreich)

Krankheit hat nicht zwingend was mit Haftfähigkeit zu tun. Man kann einmal eine Fülle von Krankheiten innerhalb der JVAs behandeln; darüber hinaus ist es möglich, Inhaftierte zu Behandlungen auszuführen. Es bleibt abzuwarten, wie hier entschieden wird. Gegen die Entscheidung kann Einspruch eingelegt werden und eine gerichtliche Entscheidung bei der Strafvollstreckungskammer beantragt werden.

wirdwerden

-- Editiert von Moderator am 30. Juni 2024 17:35

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(122623 Beiträge, 40156x hilfreich)

Zitat (von FragenüberFragen71):
ob man eine schwere Depression hat, kann man nicht anhand von 4 Fragen festellen

Man glaubt als Laie gar nicht, was Mediziner dank jahrelangem, spezialisierten Studiums und auch aus jahrzehntelanger Erfahrung heraus mit nur wenigen Fragen feststellen können.

Im übrigen hatte er als Beurteilungsgrundlage ja deutlich mehr zur Verfügung als nur die 4 Fragen und die Antworten darauf.



Zitat (von FragenüberFragen71):
ob ich gegen eine Ablehnung vorgehen bzw Widerspruch einlegen könnte.

Gemäß der Grundregel "Wer es erst erfragen muss, kann es nicht" wird man es wohl nicht können. Weshalb hier das beauftragen eines entsprechend versierten Rechtsanwaltes zu raten wäre.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
drkabo
Status:
Weiser
(16955 Beiträge, 9440x hilfreich)

Vorab:
Haftunfähigkeit bei einer Erkrankung, die nicht stationär behandelt wird, ist eigentlich eine große Ausnahme.
Wenn Sie "nur" regelmäßig zum Psychiater gehen (aber nicht deswegen in einer Klinik sind), ist es ungewöhnlich, dass überhaupt Haftunfähigkeit anerkannt wurde.

Zitat (von FragenüberFragen71):
Für mich war das keine Untersuchung und ob man eine schwere Depression hat, kann man nicht anhand von 4 Fragen festellen. Ich fühlte mich überhaupt nicht ernst genommen.

Die Depression wird doch gar nicht angezweifelt. Es geht nur im die Frage, ob die Therapie in der Haft fortgeführt werden kann. Das ist aber weder eine rechtliche noch eine medizinische Frage, sondern eine praktische Frage (Gibt es einen Psychiater, der in die JVA kommt? Hat das Vollzugskrankenhaus einen Psychiater mit freien Kapazitäten?)

Wenn die Therapie in den nächsten 4 Monaten (erfolgreich) beendet sein wird, könnte man noch Aufschub beantragen, um die Therapie "in Freiheit" abzuschließen.
Da der Aufschub maximal 4 Monate beträgt, können Gründe, die auch in mehr als 4 Monaten noch bestehen, nicht für einen Aufschub genutzt werden. D.h. Sie bräuchten einen Nachweis, dass die Behandlungsbedürftigkeit in spätestens 4 Monaten endet.


Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
FragenüberFragen71
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
mehr
Mir ist das vollkommen bewusst das Mediziner anhand von wenig Fragen sich ein Urteil bilden können, aber um beurteilen zu können ob eine schwere Depression vorliegt sind 4 Fragen zu wenig. Ich habe von meinem Psychiater knapp 6 Bögen mit Fragen ausfüllen müssen, erst dann konnte eine sichere Diagnose gestellt werden. Ich weiß das ich um die Haftstrafe nicht komme und ich drücke mich auch nicht davor, ich habe einfach nur etwas Sorge, das bei unzureichender Behandlung mich alles wieder zurück wirft, da ich ja schon auf einem guten Weg bin, vieles zu ändern und anzunehmen was mir mein Psychiater rät.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(39016 Beiträge, 14088x hilfreich)

Eine allgemeine Sorge dürfte für die Feststellung der Haftfähigkeit unerheblich sein. Und - auch im geschlossenen Vollzug - ist ja unter bestimmten Voraussetzungen eben die Ausführung zum behandelndem Arzt möglich, wenn es keine andere Option gibt.

Warum das Meeting beim Arzt so kurz war - da gibt es m.E. zwei Optionen. Die eine hatte @Harry schon aufgezeigt. Die andere ist sehr einfach, dass die Erkrankung (auch wenn sie wirklich in diesem Umfang besteht) keinen Einfluss auf die Haftfähigkeit hat. Die dritte eher unrealistische Option ist, dass die vorliegenden Unterlagen so überzeugend sind, dass die Verlängerung nur eine Formsache ist.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
tobiask21
Status:
Frischling
(32 Beiträge, 2x hilfreich)

Man sagt zwar das auch psychisch kranken während der Haft nach dem Equivalzprinziep die selben medizinischen Behandlungen zustehen wie in Freiheit, aber in der Praxis ist die medizinische Versorgung dort gegenüber von Krankenkassenpatienten draußen sehr stark begrenzt. Die Bediensteten sind mit psychisch kranken in der Regel total überfordert, weil die nicht entsprechend dafür ausgebildet sind. Medizinisch ausgebildetes Personal ist dort meist extrem unterbesetzt. Oft werden die Hilfebedürftigen dann einfach nur verwahrt und wenn durch die Erkrankung der Vollzugsalltag gestört wird, bekommen diese sogar verschärfte Haftbedingungen wie die Unterbringung besonders gesicherter Haftraum. Für Plätze im Justizvollzugskrankenhaus müssen psychisch kranke oft länger warten wie die eigentliche Haftstrafe andauert und für die eben erwähnten Ausführungen ist meist kein Personal da.

Es war zumindest eine sehr gute Entscheidung den Antrag auf Haftunfähigkeit bei der Staatsanwaltschaft mit Einreichung der notwendigen medizinischen Unterlagen zu stellen. So kann zumindest die Justiz nicht nachher behaupten, sie hätte von der Erkrankung nix gewusst. Weil daran scheitern die meisten Klagen von ex Gefangenen die im Nachhinein die medizinische Behandlungen vor Gericht rügen.

Ansonsten während der Haft gilt: Sich so gut wie es geht zu benehmen, unter bei sein von Zeugen als Mithäftlinge auf medizinische Probleme hinweisen, die Namen und Gesichter der Bediensteten gut einprägen, regelmäßigen Besucherkontakt nach Außen halten, genügend Briefmarken, Papier und Briefumschläge in die Haft mit einbringen.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
drkabo
Status:
Weiser
(16955 Beiträge, 9440x hilfreich)

Zitat (von tobiask21):
Die Bediensteten sind mit psychisch kranken in der Regel total überfordert, weil die nicht entsprechend dafür ausgebildet sind. Medizinisch ausgebildetes Personal ist dort meist extrem unterbesetzt.

Dehalb werden Personen, die rund um die Uhr medizinisch qualifiziertes Personal brauchen und deshalb stationär in einer Klinik behandelt werden, meist als haftunfähig eingestuft.
Personen, die (wie der Fragesteller) nur ambulant behandelt werden, ansonsten zu Hause leben und nur während der Therapie Kontakt mit medizinischem Personal haben, wird zugemutet, dass sie auch in Haft nur während der Therapie Kontakt mit medizinischem Personal haben. (Wer außerhalb der Haft keine 24/7-Betreuung braucht, bekommt in der Haft auch keine 24/7-Betreuung durch medizinisches Personal.)

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10936 Beiträge, 4250x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Dehalb werden Personen, die rund um die Uhr medizinisch qualifiziertes Personal brauchen und deshalb stationär in einer Klinik behandelt werden, meist als haftunfähig eingestuft.
Personen, die (wie der Fragesteller) nur ambulant behandelt werden, ansonsten zu Hause leben und nur während der Therapie Kontakt mit medizinischem Personal haben, wird zugemutet, dass sie auch in Haft nur während der Therapie Kontakt mit medizinischem Personal haben. (Wer außerhalb der Haft keine 24/7-Betreuung braucht, bekommt in der Haft auch keine 24/7-Betreuung durch medizinisches Personal.)


Es sei denn es geht um 280 Millionen hinterzogene Steuern und Bluthochdruck....

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Albarion
Status:
Lehrling
(1722 Beiträge, 692x hilfreich)

Du warst ja schon beim Amtsarzt und der hat sich schon beim ersten Besuch darüber Gedanken gemacht, ob du haftfähig bist oder nicht. Diese Entscheidung und Diagnose wird nun ergänzt oder korrigiert.
Der Arzt hat vermutlich zu Recht erkannt, dass du dich um den Haftantritt drücken möchtest, deswegen auch die Fragen, um einen ergänzenden Eindruck zu bekommen.
Wenn es dir wirklich, nur darum geht, wieder gesund zu werden und die Depressionen behandeln zu lassen, kann ich dir sagen, dass das auch im JVA Krankenhaus durchaus gängig und möglich ist. Der Arzt wird festgestellt haben, dass eine Verschlechterung der Symptome durch einen Haftantritt wohl nicht vorliegt. Du kannst beruhigt sein. Du wirst dort ebenfalls gute Behandlung erhalten und andererseits ein weiteres Kapitel in deinem Leben abschließen können.

1x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10936 Beiträge, 4250x hilfreich)

Zitat (von Albarion):
Der Arzt wird festgestellt haben, dass eine Verschlechterung der Symptome durch einen Haftantritt wohl nicht vorliegt.

Das wird der Arzt so garantiert nicht festgestellt haben, da es für eine solche Feststellung erstmal eines Haftantrittes bedarf.
Er wird maximal die Einschätzung abgeben, dass eine Verschlechterung nach einem Haftantritt nicht zu erwarten sein.

Zitat (von Albarion):
Wenn es dir wirklich, nur darum geht, wieder gesund zu werden und die Depressionen behandeln zu lassen, kann ich dir sagen, dass das auch im JVA Krankenhaus durchaus gängig und möglich ist..... Du wirst dort ebenfalls gute Behandlung erhalten und andererseits ein weiteres Kapitel in deinem Leben abschließen können.

Solange man nicht vom Einhorn stürzt, vielleicht in der perfekten Welt.
Erstens sind JVA Krankenhäuser AKUT Kliniken, für eine Behandlung, ohne direkte Einweisung bei Haftantritt, bedarf es dann schon einiger "Vorfälle".
Und wer glaubt, dass die medizinische, insbesondere die psychologische Versorgung, Betreuung und die Behandlung, auch nur annähernd mit der bereits "katastrophalen Versorgung "in Freiheit vergleichbar ist, lebt entweder nicht in Deutschland oder in seiner eigenen Realität.

Ich zitiere in einem solchen Zusammenhang gerne Marcus Meißner, Psychiater und leitender Arzt im Haftkrankenhaus der JVA Leipzig. "Menschen, die eher in einer Psychiatrie untergebracht werden müssten, kommen ins Gefängnis."

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(39016 Beiträge, 14088x hilfreich)

spatenklopper, wir haben hier aber keinen Fall, der eine stationäre Versorgung erforderlich macht.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
CarstenF
Status:
Lehrling
(1022 Beiträge, 175x hilfreich)

Gibt auch unangenehmere Krankheiten als Depressionen, welche man in einer JVA haben kann, z.B. Klaustrophobie.
Man muss auch nicht perfekt therapiert sein, bevor man die Haft antritt, zudem wär es am einfachsten gewesen, keine Straftaten zu begehen.

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10936 Beiträge, 4250x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
spatenklopper, wir haben hier aber keinen Fall, der eine stationäre Versorgung erforderlich macht.


Ich würde Dir gerne zustimmen, aber das ist unklar, denn der Amtsarzt brachte die Behandlung im Vollzugskrankenhaus ins Spiel.
Entweder ist die psychologische Behandlung dann akut notwendig, oder er kannte sich nicht aus.

Ich schätze aber, dass wir uns darüber einig sind, dass es die derzeitige psychologische Behandlung, in "normaler" Haft nicht geben wird.

0x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
tobiask21
Status:
Frischling
(32 Beiträge, 2x hilfreich)

Im Gesetz steht:
Die Versorgung der Gefangenen erfolgt nach dem Äquivalenzprinzip, das in den Justizvollzugsgesetzen niedergelegt ist. Das bedeutet, die Gefangenen haben einen gleichwertigen Anspruch auf medizinische Versorgung wie gesetzlich Krankenversicherte außerhalb des Justizvollzuges.

In der Praxis:
Das interessiert niemanden innerhalb der JVA



Zitat (von drkabo):
Personen, die (wie der Fragesteller) nur ambulant behandelt werden, ansonsten zu Hause leben und nur während der Therapie Kontakt mit medizinischem Personal haben, wird zugemutet, dass sie auch in Haft nur während der Therapie Kontakt mit medizinischem Personal haben.


Dieses medizinische Personal gibt es in der Praxis oft nicht.

Zitat (von Albarion):
Wenn es dir wirklich, nur darum geht, wieder gesund zu werden und die Depressionen behandeln zu lassen, kann ich dir sagen, dass das auch im JVA Krankenhaus durchaus gängig und möglich ist.


man kommt aber wegen Depressionen nicht ins JVA Krankanhaus, auch wenn außerhalb der Haft für die gleiche Depression eine Unterbringung in einer Psychaiatrie vom Arzt angeordnet worden währe.


Zitat (von spatenklopper):
Ich schätze aber, dass wir uns darüber einig sind, dass es die derzeitige psychologische Behandlung, in "normaler" Haft nicht geben wird.


Wenn wirklich Die Versorgung der Gefangenen nach dem Äquivalenzprinzip nicht möglich ist, müsste dann nicht der Staat auf seinen Vollstreckungsanspruch sogar verzichten, wenn er gar nicht in der Laage ist seiner Fürsorgepflicht entsprechend nach zu kommen ? Hier hält doch der Staat seine eigenen Gesetze nicht ein.

Zitat (von CarstenF):
Man muss auch nicht perfekt therapiert sein, bevor man die Haft antritt, zudem wär es am einfachsten gewesen, keine Straftaten zu begehen.


Trotzdem hat ein Gefangener auch Rechte. Es heißt "Freiheitsstrafe" und nicht "Körperstrafe". Alles was über die Freiheitsstrafe hinaus in die Gesundheit eingreift ist m.E. keine Freiheitsstrafe mehr und nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Und dazu gehört auch die Missachtung des Äquivalenzprinzips.


Zitat (von spatenklopper):
Und wer glaubt, dass die medizinische, insbesondere die psychologische Versorgung, Betreuung und die Behandlung, auch nur annähernd mit der bereits "katastrophalen Versorgung "in Freiheit vergleichbar ist, lebt entweder nicht in Deutschland oder in seiner eigenen Realität.


Staat verstößt gegen das Grundgesetz wegen Missachtung des Äquivalenzprinzips





-- Editiert von User am 3. Juli 2024 12:43

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(39016 Beiträge, 14088x hilfreich)

spatenklopper, ich kenne es durchaus, dass behandlungsbedürftige Inhaftierte, die in der JVA nicht behandelt werden können, zum behandelnden Arzt ausgeführt werden.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#16
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10936 Beiträge, 4250x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
spatenklopper, ich kenne es durchaus, dass behandlungsbedürftige Inhaftierte, die in der JVA nicht behandelt werden können, zum behandelnden Arzt ausgeführt werden.

Dem widerspreche ich grundsätzlich auch gar nicht.
Ich traue es den Vollzugsbeamten durchaus zu einen dicken blauen Fuß, oder den in unnatürlicherweise abstehenden Finger zu erkennen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und eine Behandlung zu veranlassen.
Ich hab aber Beispielsweise auch noch nie einen Häftling gesehen, der nach einer OP in die Reha an der Ostsee geschickt wird. ;)

Aber ohne Scherz, bei körperlichen Verletzungen bin ich vollkommen bei Dir, nur in den Kopf der ihnen anvertrauten Insassen zu gucken und aus der endlosen Bandbreite der möglichen psychischen Probleme bzw. der bewussten Vortäuschungen eines solchen die richtigen Entscheidungen treffen zu können, überschreitet schlicht die Fähigkeiten und Kompetenzen der Vollzugsbeamten, da selbst Fachleute damit enorme Probleme haben und mitunter Jahre dafür brauchen.
Aber genau solche Insassen bleiben, trotz Eingangsuntersuchung meistens unentdeckt und werden, falls sie auffällig werden oftmals nicht ernst genommen.

Es ging mir aber auch nicht darum, dass jeder, der "einen Furz im Kopp" quersitzen hat, oder eben nur so tut, Aufgrund seiner Psyche nicht in Haft kommen sollte/könnte/müsste, mir war die Behauptung, dass es im JVA Krankenhaus dann die adäquate Weiterbehandlung nach Blümchenmuster gibt einfach zuwider, die gibt es selbst in Freiheit nicht.

-- Editiert von User am 3. Juli 2024 14:48

0x Hilfreiche Antwort

#17
 Von 
tobiask21
Status:
Frischling
(32 Beiträge, 2x hilfreich)

Zitat (von spatenklopper):
Aber genau solche Insassen bleiben, trotz Eingangsuntersuchung meistens unentdeckt und werden, falls sie auffällig werden oftmals nicht ernst genommen.


Trotzdem liegt es in der Verantwortung der JVA bzw. des Staates solche Insassen nach allen gängigen Regeln der medizinischen Kunst zu diagnostizieren und auch entsprechend zu behandeln. Besonders dann wenn Insassen schon mit einer bestehenden Diagnose von außen in eine JVA hinein kommen und die JVA von dieser Diagnose bei Haftantritt in Kenntnis gesetzt wurde. Und genau dies passiert eben in der Praxis oft nicht. Und das ist eben ein sehr großes Problem.

0x Hilfreiche Antwort

#18
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(39016 Beiträge, 14088x hilfreich)

Hier ist die Diagnose bekannt und aktenkundig. Ich kenne auch vergleichbare Fälle mit psychischen Erkrankungen, bei denen es zur Ausführung kam. Da muss auch kein Wärter irgendeine Diagnose stellen. Die liegt vor und damit ist alles klar.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#19
 Von 
tobiask21
Status:
Frischling
(32 Beiträge, 2x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
Hier ist die Diagnose bekannt und aktenkundig. Ich kenne auch vergleichbare Fälle mit psychischen Erkrankungen, bei denen es zur Ausführung kam. Da muss auch kein Wärter irgendeine Diagnose stellen. Die liegt vor und damit ist alles klar.


Da ist die entscheidende Frage: was ist die Ausnahme und was die Regel?

Wenn ausnahmsweise eine Erkrankung bei einer prozentualen Minderheit während der Haft richtig behandelt wurde, bleibt immer noch eine überwiegende Mehrheit übrig, wo dies nicht passiert.

0x Hilfreiche Antwort

#20
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(39016 Beiträge, 14088x hilfreich)

Die Regel ist die richtige Behandlung, sei es in einem der internen Krankenhäuser oder aber extern. Insoweit gelten die Regeln der Behandlung von GKV-Patienten. Die Masse von Beschwerden, die auf meinen Schreibtisch kamen, das waren die, in welchen der Gefangene draußen irgendeine Behandlung hatte, die eben auch dort nicht von den Krankenkassen übernommen wurden; oder aber mit den Regeln der ärztlichen Kunst und Ethik nicht vereinbar waren. Mein persönlicher Renner: Übernahme der Kosten für Wunderheilerin, incl. der Kosten für Medis die aus gutem Grund in Deutschland nicht zugelassen waren.

Und - es gibt nicht nur die Option der Behandlung draußen, ich kenne auch Fälle, in welchen die Haft unterbrochen wurde, damit eine Reha-Therapie draußen durchgeführt werden konnte, in einem Kurbad im schönen Taunus. Oder aber unzählige OPs im Stadtkrankenhaus, in der Uni-Klinik. Da Insassen häufig als Privatpatienten geführt werden, erhalten sie auch diese Vergünstigungen. Also OP durch Chefarzt, Einzelzimmer, alles möglich.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#21
 Von 
FragenüberFragen71
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten.
Ich habe nun von der Staatsanwaltschaft einen Brief bekommen, wo mir mitgeteilt wurde, das Mitte 2025 eine erneute Amtsärztliche Untersuchung stattfindet und ich bis dahin weiterhin Haftunfähig bin.

0x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 273.190 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
110.318 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. zzgl. 5€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen