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Fahrradunfall auf Gehweg durch nicht angeleinten Hund

3.11.2019 Thema abonnieren
 Von 
Kippenklinge
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Fahrradunfall auf Gehweg durch nicht angeleinten Hund

Liebes Forum,

haftet ein Hundehalte auch für einen Schaden, wenn ein nicht angeleinter Hund (es bestand keine Leinenpflicht) aus der Haustür rennt und in ein vorbeifahrendes Fahrrad springt und der Fahrradfahrer dadurch stürzt? Für den Hundehalter besteht ja eine Gefährdungshaftung.

Im konkreten Fall fuhr der Fahrradfahrer sehr langsam und auf einem Gehweg, es war kein Fahrradweg vorhanden. Durch den Sturz wurde ein Fahrradairbag ausgelöst, der nun kostenpflichtig erneuert werden muss. Personenschaden entstand nicht.

Gibt es zu diesem Fall Einschätzungen?

Viele Grüße
Johnny


-- Editiert von Kippenklinge am 03.11.2019 18:01

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11 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
fb367463-2
Status:
Senior-Partner
(6632 Beiträge, 2738x hilfreich)

Möglicherweise bekommt der Fahrradfahrer eine gewisse Mitschuld, wenn er ohne Berechtigung auf dem Gehweg unterwegs war. Aber die überwiegende Schuld sehe ich beim Hundehalter, der Hund hat jederzeit unter Kontrolle zu sein und natürlich keine Passanten oder Fahrradfahrer umzureißen. Wenn man das Tier ohne Leine nicht unter Kontrolle hat, um solches zu verhindern, dann dürfte die Lösung hierfür nahe liegen.

Signatur:Wenn mein Beitrag hilfreich ist, freue ich mich über einen Klick auf "hilfreich" unten. Danke :)
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#2
 Von 
Lazyboy
Status:
Praktikant
(940 Beiträge, 433x hilfreich)

Hundehalter haftet ohne Einschränkungen

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#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(71200 Beiträge, 32396x hilfreich)

Zitat (von Lazyboy):
Hundehalter haftet ohne Einschränkungen

So ist es.
Der bisherigen Schilderung nach wird der Radfahrer für sein Verschulden nicht zur Verantwortung gezogen.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#4
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2203 Beiträge, 751x hilfreich)

Zitat (von Kippenklinge):

haftet ein Hundehalte auch für einen Schaden, wenn ein nicht angeleinter Hund (es bestand keine Leinenpflicht) aus der Haustür rennt und in ein vorbeifahrendes Fahrrad springt und der Fahrradfahrer dadurch stürzt? Für den Hundehalter besteht ja eine Gefährdungshaftung.

Grundsätzlich: ja.
Zitat:

Im konkreten Fall fuhr der Fahrradfahrer sehr langsam und auf einem Gehweg, es war kein Fahrradweg vorhanden.

Fahrradfahrer dürfen generell nicht auf dem Gehweg fahren. Ausnahme: sie sind unter 8 Jahren, dann müssen sie auf dem Gehweg fahren; sie sind 9-10 Jahre, dann dürfen sie auf dem Gehweg fahren; sie sind Erwachsene, die auf dem Gehweg fahrende Kinder begleiten, dann dürfen sie auch auf dem Gehweg fahren.

In allen drei Ausnahmefällen muss Rücksicht auf Fußgänger genommen und nötigenfalls abgestiegen werden.

Man kann jetzt über eine eventuelle Mitschuld des Radfahrers diskutieren, wenn der gar nicht auf dem Gehweg fahren durfte.

Allerdings: es ist mehr als unwahrscheinlich, daß der Hund exakt an der Gehwegkante gestoppt hätte, so daß der Radfahrer nicht zu Fall gebracht worden wäre, wäre er auf der Fahrbahn gefahren.

Und vor allem: selbst wenn der Radfahrer auf der Fahrbahn gefahren wäre, wäre er vermutlich zu Fall gekommen, wenn plötzlich ein Hund aus einer Haustür auf ihn zugeschossen kommt.

Und last but not least: der Radfahrer hätte ja auch als Begleiter eines radfahrenden Kindes berechtigt auf dem Gehweg fahren können - der Hunderhalter muß einfach sicherstellen, daß sein Hund überhaupt nicht unkontrolliert auf den Gehweg rennt und dort Verkehrsteilnehmer gefährdet.

Es spricht alles vieles für eine Haftung des Hundehalters, und wenig dagegen. Vielleicht keine 100-Prozent-Haftung, aber das kann ja dann die Hunderhalter-Haftpflichtversicherung ausdiskutieren.

-- Editiert von eh1960 am 07.11.2019 14:38

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#5
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2203 Beiträge, 751x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von Lazyboy):
Hundehalter haftet ohne Einschränkungen

So ist es.
Der bisherigen Schilderung nach wird der Radfahrer für sein Verschulden nicht zur Verantwortung gezogen.

Welches "Verschulden" sollte den Radfahrer denn treffen?

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#6
 Von 
Sir Berry
Status:
Schlichter
(7273 Beiträge, 2561x hilfreich)

Zitat (von eh1960):
Welches "Verschulden" sollte den Radfahrer denn treffen?

Der Fahrradfahrer befuhr den Gehweg.

Berry

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#7
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(28583 Beiträge, 11838x hilfreich)

Nicht jeder Verstoß gegen Verkehrsregeln führt automatisch zu einem Mitverschulden im zivilirechtlichen Sinne.

wirdwerden

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#8
 Von 
Sir Berry
Status:
Schlichter
(7273 Beiträge, 2561x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
Nicht jeder Verstoß gegen Verkehrsregeln führt automatisch zu einem Mitverschulden im zivilirechtlichen Sinne.

Schon richtig, es muss auch ein kausaler Zusammenhang bestehen.
Den sehe ich in diesem Fall allerdings als nicht wiederlegbar gegeben an und wundere mich daher, dass einige User hier keine Teilhaftung des Radfahrers sehen.
Aber es ist bei mir nur ein Bauchgefühl, ich weiss es derzeit auch nicht besser.

Gruß

Berry

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#9
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2203 Beiträge, 751x hilfreich)

Zitat (von Sir Berry):
Zitat (von eh1960):
Welches "Verschulden" sollte den Radfahrer denn treffen?

Der Fahrradfahrer befuhr den Gehweg.


Das ist ggf. eine Ordnungswidrigkeit, aber begründet kein Verschulden an dem Unfall. Siehe oben.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#10
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2203 Beiträge, 751x hilfreich)

Zitat (von Sir Berry):
Zitat (von wirdwerden):
Nicht jeder Verstoß gegen Verkehrsregeln führt automatisch zu einem Mitverschulden im zivilirechtlichen Sinne.

Schon richtig, es muss auch ein kausaler Zusammenhang bestehen.
Den sehe ich in diesem Fall allerdings als nicht wiederlegbar gegeben an und wundere mich daher, dass einige User hier keine Teilhaftung des Radfahrers sehen.
Aber es ist bei mir nur ein Bauchgefühl, ich weiss es derzeit auch nicht besser.


Daß es keine Teilhaftung des Radfahrers gibt liegt daran, daß der Radfahrer ja unter Umständen durchaus auf dem Radweg fahren darf.
Oder meinen Sie, der Hund wäre nicht auf den Gehweg gerannt, wenn der Radfahrer dort als Begleitung eines Kindes erlaubterweise gefahren wäre?

Tatsache ist, daß der unangeleinte Hund vom Grundstück auf den Gehweg gestürmt ist und dadurch einen Unfall verursacht hat. Der Unfall wäre mit ziemlicher Sicherheit genauso passiert, wenn der Radfahrer auf dem Radweg gefahren wäre, denn es ist a) unwahrscheinlich daß der Hund exakt an der Grenze zwischen Gehweg und Radweg gestoppt hätte und b) reicht es, um den Radfahrer zu Fall zu bringen, wenn ein Hund in der beschriebenen Weise vom Grundstück stürmt.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#11
 Von 
Sir Berry
Status:
Schlichter
(7273 Beiträge, 2561x hilfreich)

Zitat (von eh1960):
Daß es keine Teilhaftung des Radfahrers gibt liegt daran, daß der Radfahrer ja unter Umständen durchaus auf dem Radweg fahren darf.

Bitte, das ist Spekulation und ergibt sich aus dem Beitrag nicht. Wenn er dort fahren durfte, wäre auch mein Baugefühl anders. Aktuell gehe ich aber davon aus, dass er es nicht durfte und somit auch eigenes Fehlverhalten vorliegt.

Zitat (von eh1960):
Der Unfall wäre mit ziemlicher Sicherheit genauso passiert

"mit ziemlicher Sicherheit" ist nicht wirklich rechtlich belastbar.

Deine Meinung zu B) teile ich nicht, obwohl ich nur eine gelegentlicher Radfahrer bis.

Aber seis drum, ich bin mir hier auch nicht wirklich sicher, dessenwegen ja oban auch nur Bauchgefühl.

Gruß

Berry

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