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Hundeangriff - unerlaubte Handlung

13.4.2019 Thema abonnieren
 Von 
Hammer12123
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Hundeangriff - unerlaubte Handlung

Hallo,
Zuerst einmal der Sachverhalt:
Auch der in Gießen lebende BWL-Student Boris (B), der in der vorlesungsfreien Zeit Urlaub in Marburg machte, war dort im Park unterwegs und führte seinen Kaukasischen Owtscharka Chanelle (C) aus. C war nicht angeleint – es hatte insoweit in den letzten drei Jahren, seit B die Erlaubnis, C zu halten, vom Ordnungsamt der Stadt Gießen erhalten hatte, schließlich noch nie Prob- leme mit C gegeben. An besagtem Tag aber war C ungewohnt aktiv und rannte auf P zu. P rief zu- nächst laut, aber vergeblich, man möge doch den Hund zurückzurufen und an die Leine nehmen. B pfiff darauf – vergeblich – nach C und rief P ein „Der will doch nur spielen!" zu. P holte daraufhin mit seinem Wanderstock aus, um C, der kläffend an P hochsprang, zum einen abzuwehren und die befürchteten Kratzer und Risse in seiner Kleidung zu verhindern und C zugleich „eine Lektion zu erteilen". P traf C am rechten Vorderlauf.

Hier wäre 823 I BGB die Anspruchsgrundlage. Zu prüfen wäre auch 228 S.1 BGB.
Allerdings muss laut Aufgabenstellung ( Frage 3. Was kann B im Prozess gegen P tun, um seine eigenen Ansprüche entgegen zuhalten?) der Rechtfertigungsgrund scheitern.
Theoretisch nur möglich bei der Interessenabwägung, aber hier steht ja trotz der Lektion die P erteilen möchte seine Gesundheit als Rechtsgut gegenüber dem Eigentum des B oder nicht ? Oder spielt die „Erteilung einer Lektion" eine Rolle beim subjektiven Rechtfertigungselement ?

Vielen Dank für Eure Hilfe.

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6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
AltesHaus
Status:
Gelehrter
(10463 Beiträge, 2810x hilfreich)

Kaukasischen Owtscharka Chanelle sind in Hessen Listenhunde, das müsste der Halter eigentlich wissen. Und in Hessen gilt für (nicht davon befreite) Listenhunde ... und zwar unabhängig ob es schon zu Vorfällen gekommen ist ... Leinenpflicht. DIe hessische Verordnung sagt hierzu:

Hunde ohne positiven Wesenstest müssen außerhalb des Grundstücks/der Wohnung immer an der Leine (max. 2 Meter lang) geführt werden.

https://www.deine-tierwelt.de/magazin/hundeverordnung-in-hessen/

Ich bin kein Jurist, aber neben den Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen, die P an B wird stellen (können), dürfte auch ein schickes Strafverfahren auf B warten.

Signatur:Ich erteile keine Ratschläge, ich schreibe nur wie ich die Dinge handhaben würde.
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#2
 Von 
Hammer12123
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Dankeschön für deine Antwort! .
die Frage ist nun ob B auch gehen P einen Anspruch auf Ersatz der Behandlungskosten hat.
Hier könnte P durch 228 S.1 BGB gerechtfertigt sein. Aber fraglich ist wie sich die Absichten des P ( möchte seine Kleidung schützen und dem Hund eine Lektion erteilen) auswirken ?
Sind sie bei der Interessenabwägung von Bedeutung, sodass B ein Anspruch aus 823 I aber mitverschuldet zusteht ?

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#3
 Von 
AltesHaus
Status:
Gelehrter
(10463 Beiträge, 2810x hilfreich)

Zitat (von Hammer12123):
die Frage ist nun ob B auch gehen P einen Anspruch auf Ersatz der Behandlungskosten hat.

Nein, P trifft kein Mitverschulden. Aus welchem Grunde auch?

Signatur:Ich erteile keine Ratschläge, ich schreibe nur wie ich die Dinge handhaben würde.
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#4
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(28219 Beiträge, 11713x hilfreich)

Es geht hier offensichtlich um eine Hausarbeit, die der Fragesteller sich schon selbst erarbeiten sollte.

wirdwerden

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#5
 Von 
eh1960
Status:
Lehrling
(1997 Beiträge, 710x hilfreich)

§ 34 StGB Rechtfertigender Notstand
Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.

Das Interesse des P an seiner gesundheitlichen Unversehrtheit ist ohne Zweifel höherrangig als das Interesse des B am unbeschädigten Hund, auf den Sachenrecht anzuwenden ist.

Das gilt unabhängig davon, ob das Viech nun angeleint hätte sein müssen oder nicht. Auch einen offensichtlich beißwütigen Chihuahua darf man mit dem Knüppel abwehren.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#6
 Von 
spatenklopper
Status:
Senior-Partner
(6399 Beiträge, 3173x hilfreich)

Zitat (von eh1960):
Auch einen offensichtlich beißwütigen Chihuahua darf man mit dem Knüppel abwehren.

Was realistisch gesehen erfolgsversprechender sein dürfte, als ein solches bei einem 90 kg Hirtenhund zu versuchen. ;)

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