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Vergleichsangebot für Bildurheberrechtsverletzung/Bildzitat

22.10.2019 Thema abonnieren Zum Thema: Bild Website
 Von 
Ravana123
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Vergleichsangebot für Bildurheberrechtsverletzung/Bildzitat

Hallo zusammen,

auf meiner Website habe ich einen Screenshot vom Kopfbereich einer Nachrichtenseite veröffentlicht. Darauf ist die Überschrift, der einführende Teaser, ein Stockfoto als Symbolbild und dessen Bildunterschrift zu sehen.
Bzgl. dieses Bildes erhielt ich ein Schreiben von einer Anwaltskanzlei, die mir in Vertretung für das Stockfotoportal eine Urheberrechtsverletzung vorwarf und mich zu einer Zahlung von 302 € aufforderte.

Ich bin kein Jurist, habe aber darauf geantwortet, dass es sich um ein Bildzitat nach § 51 Abschnitt 1 UrhG handelt. Nun weiß ich durch Google, dass Bildzitate nur sehr schwer "durchzusetzen" sind, daher habe ich das auch begründet:
Auf meiner Website habe ich in einer dreiteiligen Reihe über hysterische, "klickgeile" Nachrichtenerstattung zum Thema Mondfinsternis geschrieben und dazu auch Beispiele gezeigt. In diesem dritten Beitrag dient der Screenshot als solches Beispiel. Er bildet die übertriebene Überschrift, den sensationslüsternen Teaser und ein Symbolbild ab, das nicht einmal exakt zur Nachricht passt und damit Teil der bemängelten Berichterstattung ist. Unter dem Bild habe ich in diesem Beitrag dann das Thema der Nachricht objektiv erklärt, um den Lesern zu zeigen, was wirklich dahinter steckt.

Das Ganze habe ich der Kanzlei geschrieben:

Zitat:
[Bei dem Bild] handelt es sich um einen Screenshot von einer Website, der nicht nur das Bild beinhaltet, sondern auch den Kontext. Diese Website bildet mit Text und Bild ein eigenes Werk, mit dem ich mich in meinem Beitrag befasse.
Mein Screenshot vervielfältigt daher nicht das angemahnte Lichtbild, sondern einen Auszug aus dem Gesamtwerk "Website", von dem das angemahnten Bild lediglich einen Teil darstellt. Die Veröffentlichung eines Screenshots aus dem Gesamtwerk ist dabei im Rahmen der Zitierfreiheit (§ 51 Abschnitt 1 UrhG ) zulässig, da er einen besonderen Zweck verfolgt.
1) [Hier nun Erklärung warum und wieso der Beitrag (= Aufdeckung + Wissensvermittlung).] Spätestens damit dürfte der Zweck der (populärwissenschaftlichen) Wissensmehrung erfüllt und der Nachweis einer Auseinandersetzung mit der übergreifenden Thematik erbracht sein. Dies ist Voraussetzung für die zulässige Nutzung eines Bildzitats gemäß § 51 Abschnitt 1 UrhG .
2) Für meine Ausführungen habe ich verschiedene Beispiel-Websites mit mangelhafter Berichterstattung aufgeführt. Im vorliegenden Beitrag ist das die Website des Tagesspiegel, von deren Headerbereich ich einen Screenshot gemacht habe.
3) Der Screenshot steht dabei nicht als Dekoration für sich, sondern ich setze mich damit auseinander, indem ich vor dem Hintergrund meiner Beitragsreihe darauf hinweise, worauf es mir bei diesem speziellen bemängelten Beitrag ankommt (unter anderem das angemahnte Bild, das nicht zur Überschrift des Beitrags passt). Mit dem Screenshot verfolge ich also einen besonderen Zweck, nämlich die Darstellung dessen, worauf ich mich im Text beziehe.
4) Der Screenshot ist weiterhin eindeutig als Zitat erkennbar und die Quelle ist verlinkt.

Da ich mich auf einen ganz bestimmten Teil einer ganz bestimmten Website beziehe, ist auch die Notwendigkeit gegeben, warum ich genau dieses Bild (d.h. den Screenshot) verwende. Das von Ihnen angemahnte, geschützte Bild ist Teil des zitierten Gesamtwerks und wird in meinen Ausführungen ebenfalls erwähnt, so dass es von der Zitierfreiheit abgedeckt ist, auch das Bild im Screenshot zu zeigen.

Der Rechteinhaber des Bildes hat mir zwar nicht die Nutzungsrechte eingeräumt, aber er muss meine Nutzung im Rahmen der Zitierfreiheit dulden, da ich mich auf das Gesamtwerk beziehe, in dem sein Werk verwendet wird.

Das hat auch RA Dr. Schwenke in seinem nachfolgend verlinkten Beitrag https://drschwenke.de/wann-ist-ein-bildzitat-erlaubt-anleitung-mit-beispielen-und-checkliste/ am Beispiel "YPS-Heft" herausgestellt.


Zwei Wochen später erhielt ich einen neuen Brief von der Kanzlei:
Zitat:
Die von Ihnen behauptete Rechtfertigung der Nutzung des zugrundeliegenden Lichtbildes
greift nicht durch. Es ist gerade nicht ersichtlich, wieso grade das Lichtbild, an welchem
unserer Mandantin die ausschließlichen Nutzungs- und Verwertungsrechte zustehen,
Ihrerseits verwendet wurde.

Stattdessen hätte ich den Screenshot "zumindest fahrlässig übernommen" und sie gehen dann eine halbe Seite darauf ein, dass ich vor der Übernahme eine Prüfpflicht hätte, ob das Bild urheberrechtlich einwandfrei ist.

Aus meiner Sicht gehen sie nicht auf meine Argumente ein und erzählen mir stattdessen was von einer Prüfpflicht, die ich vor Nutzung des Bildes hätte. Was an dieser Stelle mMn völlig irrelevant ist, denn meine laienhafte Prüfung hat ja ergeben, dass es passt - und jetzt ist das Bild eben da.

Sie haben mir nun mit neuer Fristsetzung "für eine zügige außergerichtliche Einigung" ein Vergleichsangebot von 182 € gemacht.

Und ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll. Einerseits habe ich schon 120 € "gutgemacht" im Vergleich zum ersten Betrag, und wenn ich zahle, habe ich Ruhe. Andererseits bin ich nicht sicher, ob ich mit meiner Argumentation zum Bildzitat nicht doch Recht habe bzw. so geurteilt werden würde - 182 € sind trotzdem viel Geld und es würde mich richtig ärgern, sie zu zahlen, wenn ich nicht weiß, ob es gerechtfertigt ist oder nicht.
Und das neue Vergleichsangebot und die fehlende Auseinandersetzung mit meinen Argumenten wirkt auf mich ein bisschen so, als wüssten sie selbst nicht, wie sicher ihnen der Erfolg wäre und sie versuchen, mich dann immerhin zu einer kleinen Zahlung zu bewegen, bevor sie gar nichts bekommen.

Ich bin nun absolut ratlos, wie ich reagieren sollte. Ich tendiere dazu, nicht zu zahlen und es drauf ankommen zu lassen, ob sie bluffen. Keine Ahnung, ob sie wegen eines so geringen Streitwerts wirklich vor Gericht ziehen. Oder ist das zu riskant und nachher muss ich mehrere tausend Euro zahlen?

Was meint ihr - hat meine Argumentation eine Chance oder sollte ich mich freuen, mit blauem Auge davon zu kommen?

Vielen Dank und sorry für den langen Text :-(

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2 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(72219 Beiträge, 32542x hilfreich)

Die Erfahrung besagt, das ein Rechtsanwalt der von seiner juristischen Argumentation überzeugt ist, in der Regel nicht schon im zweiten Brief einen "Rabatt" einrümt ...


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#2
 Von 
Ravana123
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke, das vermute ich auch! :-)

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