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Zeuge von Urheberrechtsverletzung - Wer kann anzeigen, und wie?

20.1.2019 Thema abonnieren
 Von 
Wisp
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Zeuge von Urheberrechtsverletzung - Wer kann anzeigen, und wie?

Hallo!
Ich habe auf Grund meines Berufs mitbekommen, dass ein so genannter "Künstler" große Mengen nicht lizenzierte Bilder als seine eigenen Zeichenvorlagen ausgibt.
Er bietet Malkurse zu ungeheuren Preisen an, und die Vorlagen, die dort verwendet werden, sind allesamt Bilder aus der Google Bildersuche oder von Seiten wie Pinterest, oft noch mitsamt URL und Website aufgenommen, da er scheinbar nur Screenshots machen kann und nicht weiß, wie man die Bilder direkt abspeichert.
Diese lässt er dann bei einer Druckerei digital zuschneiden, mit seinem Logo versehen und ausdrucken.
Dieser "Künstler" fährt das größte Auto der Umgebung, baut gerade sein Haus aus, aber hat es nicht nötig, ein paar Bilder zu lizenzieren. Zugegeben, ich zeichne selbst, vielleicht stört mich das deshalb so, aber ich finde dieses Verhalten schlichtweg unfair und will das so nicht einfach hinnehmen.
Da es sich um sehr viele Bilder handelt, und die Quellen sich nicht bei allen klar nachvollziehen lassen, bin ich mir nicht sicher, wie man am Besten dagegen vorgehen kann.
Könnte ich einfach die Vorlagen als Beweismaterial zur Polizei bringen und (möglichst anonym) Anzeige erstatten, oder wie läuft das ab?
Ich habe leider von der gesamten Materie keine Ahnung, aber das hat Ausmaße angenommen, die ich nicht ignorieren will.

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10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
cirius32832
Status:
Student
(2098 Beiträge, 705x hilfreich)

Zitat:
Dieser "Künstler" fährt das größte Auto der Umgebung, baut gerade sein Haus aus, aber hat es nicht nötig, ein paar Bilder zu lizenzieren. Zugegeben, ich zeichne selbst, vielleicht stört mich das deshalb so, aber ich finde dieses Verhalten schlichtweg unfair und will das so nicht einfach hinnehmen.

Und Sie wissen hundertprozentig, dass es KEIN abkommen mit den Künstlern der eigentlichen Werke gibt?

Signatur:https://www.antispam-ev.de
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#2
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2213 Beiträge, 753x hilfreich)

Zitat (von Wisp):

Er bietet Malkurse zu ungeheuren Preisen an, und die Vorlagen, die dort verwendet werden, sind allesamt Bilder aus der Google Bildersuche oder von Seiten wie Pinterest, oft noch mitsamt URL und Website aufgenommen, da er scheinbar nur Screenshots machen kann und nicht weiß, wie man die Bilder direkt abspeichert.

Das ist nicht automatisch unzulässig. Käme auf die genauen Details des konkreten Einzelfalles an.
Zitat:

Dieser "Künstler" fährt das größte Auto der Umgebung, baut gerade sein Haus aus, aber hat es nicht nötig, ein paar Bilder zu lizenzieren. Zugegeben, ich zeichne selbst, vielleicht stört mich das deshalb so, aber ich finde dieses Verhalten schlichtweg unfair und will das so nicht einfach hinnehmen.
Da es sich um sehr viele Bilder handelt, und die Quellen sich nicht bei allen klar nachvollziehen lassen, bin ich mir nicht sicher, wie man am Besten dagegen vorgehen kann.

Der einzige Weg: die Urheber der Vorlagen informieren, die können dann entscheiden, ob sie versuchen wollen, dagegen vorzugehen.

Ohne daß die Urheber sich dazu äußern kann niemand beurteilen, ob Nutzungsrechte eingeräumt wurden. Wenn denn Nutzungsrechte für die spezielle Nutzung erforderlich sind und es nicht z.B. "freie Benutzung" (§24 UrhG ) ist oder andere Schrankenrechte des UrhG greifen.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#3
 Von 
Wisp
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Guter Einwand.
Ich kann mit lediglich beim besten Willen nicht vorstellen, dass herausgerissene Zeitschriften-Seiten, Handy-Screenshots von Bildsuche-Websites, Fotos vom Straßenrand von Bildern in Schaufenstern usw. die Sorte Bildmaterial sind, die man bei einem Abkommen mit den Künstlern erhalten würde.
Eine 100%ige Sicherheit hätte ich wohl nur, wenn ich dort, wo sich der Urheber ermitteln lässt, anfrage ob die Verwendung genehmigt wurde, aber das wären maximal 10 von über hundert verschiedenen Bildern.

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#4
 Von 
Wisp
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

@eh1960
Den Beitrag hab ich vorm Verfassen meiner Antwort leider übersehen.

Nachdem die Bilder mit seinem eigenen Logo versehen und gewerblich genutzt werden, um eine nicht unerhebliche Menge Geld zu verdienen, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Verwendung legal ist.

Es lassen sich nur sehr wenige der Urheber ermitteln, bei den Ausschnitten aus Zeitschriften und Büchern.
Bei den Screenshots und den Fotos wüsste ich nicht, wo ich ansetzen könnte.

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#5
 Von 
lesen-denken-handeln
Status:
Schlichter
(7133 Beiträge, 3743x hilfreich)

Hallo,

mal eine ehrliche Frage vorab, lann es sein, dass bei der Ganzen Angelegenheit nicht eher der neid aus dir spricht?

Zitat:
Dieser "Künstler" fährt das größte Auto der Umgebung, baut gerade sein Haus aus
Würde es nicht um Neid gehen, würde man dies erst gar nicht erwähnen.

Zitat:
ich zeichne selbst
Die wohl wichtigste Frage an sich, beruflich oder als Zeitvertreib/Hobby?

Zitat:
Könnte ich einfach die Vorlagen als Beweismaterial zur Polizei bringen und
Und was sollen die dann damit? Das ist Zivilrecht, kein Strafrecht. Wenn überhaupt! Wen der rechteinhabe der meinung sein sollte, diese Nutzung interessiert ihn nicht weiter, wäre die Angelegenheit damit so oder so abgeschlossen.

Zitat:
möglichst anonym
Du findest das verhalten des Anderen unfair, willst aber selber nicht so fair sein, dich als Anzeigender auszugeben??? Doppelmoral???

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#6
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2213 Beiträge, 753x hilfreich)

Zitat (von Wisp):
@eh1960
Den Beitrag hab ich vorm Verfassen meiner Antwort leider übersehen.

Nachdem die Bilder mit seinem eigenen Logo versehen und gewerblich genutzt werden, um eine nicht unerhebliche Menge Geld zu verdienen, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Verwendung legal ist.

Ob man sich das vorstellen kann oder nicht ist allerdings rechtlich unerheblich.

Wenn eine "freie Nutzung" im Sinne von §24 UrhG vorliegt, kann der Betreffende selbstverständlich sein eigenes Logo drauf setzen und es selbstverständlich gewerblich nutzen.
Und wenn die Nutzung lizensiert wurde, kann alles mögliche lizensiert sein. Ohne die Lizenzbedingungen zu kennen ist es Spekulation.
Zitat:

Es lassen sich nur sehr wenige der Urheber ermitteln, bei den Ausschnitten aus Zeitschriften und Büchern.
Bei den Screenshots und den Fotos wüsste ich nicht, wo ich ansetzen könnte.

Dann wird man bleiben lassen müssen.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#7
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2213 Beiträge, 753x hilfreich)

Zitat (von lesen-denken-handeln):

mal eine ehrliche Frage vorab, lann es sein, dass bei der Ganzen Angelegenheit nicht eher der neid aus dir spricht?

Ein wenig wirkt es so, ja. Wobei das anderen egal sein kann.

Zitat:
Zitat:
Könnte ich einfach die Vorlagen als Beweismaterial zur Polizei bringen und
Und was sollen die dann damit? Das ist Zivilrecht, kein Strafrecht.

Jein. Urheberrechtsverletzungen sind auch Straftaten. (Freiheitsstrafe bis 3 Jahre, bei gewerbsmäßigem Handeln bis 5 Jahre.)

Der Knackpunkt ist nur: unabhängig vom öffentlichen Interesse wird keine Staatsanwaltschaft ermitteln, wenn nicht vorher ein geschädigter Urheber oder Rechteinhaber sagt: "Das ist eine Urheberrechtsverletzung! Ich bin der Urheber und habe keine Nutzungsrechte eingeräumt!"

Diebstahl z.B. (um ein anderes Beispiel zu machen) kann auch ohne Strafanzeige des Bestohlenen verfolgt werden (und wird auch) - nur: keine Staatsanwaltschaft ermittelt auf blauen Dunst, nur weil Dinge gestohlen worden sein könnten, wenn nicht konkrete, zureichende Anhaltspunkte auf eine Straftat vorliegen. Das wäre Ressourcen-Verschwendung.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#8
 Von 
Wisp
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

@lesen-denken-handeln

Mit Neid hat das nichts zu tun, nur mit der Gewissheit, dass er das Geld definitiv hätte, und ihm die Ausgabe auch nicht wirklich wehtun würde.
Würde er am Hungertuch nagen und sich gerade so über Wasser halten wäre das noch einmal etwas völlig Anderes, dann würde mich die Sache auch nicht so ärgern, aber wenn man schon genug Geld hat um damit anzugeben, sollte man die, von deren Werken man profitiert, auch daran teilhaben lassen, zumindest ist das meine Überzeugung.

Ich zeichne freiberuflich nebenbei, aber in ganz anderer Richtung, und mehr will ich gar nicht, als Hauptberuf würde durch den Leistungsdruck vermutlich der Spaß daran verloren gehen. Ich kann lediglich nachempfinden dass ich nicht wollen würde, dass jemand meine Werke einfach für seine Zwecke nutzt, gerade in Zeichnungen steckt viel Zeit (teils mehrere Tage) und Mühe, und diese ohne Erwähnungen des Künstlers für sich selbst zu nutzen, und dann auch noch das eigene Logo draufzusetzen, ist schlichtweg respektlos. Auch wenn ich nicht weiß, was meine persönliche Sicht der Dinge hiermit zu tun haben soll.

Ich habe eine Festanstellung in besagter Druckerei, in der die Bilder bearbeitet werden, genau deshalb würde ich die Sache gerne anonym halten, weil ich mir sonst höchstwahrscheinlich einen neuen Job suchen kann.

Muss man denn Leuten, die man überhaupt nicht kennt, immer sofort Dinge wie Neid und Doppelmoral unterstellen, anstatt einfach höflich nachzufragen?



@eh1960

Ich habe die drei Fälle, die sich am einfachsten zurückverfolgen ließen, mal angeschrieben, und bin gespannt, was da für eine Antwort kommt.

Wie viele Bestätigungen, dass die Bilder unberechtigt genutzt wurden, würde ich in etwa benötigen, damit etwas ins Rollen kommt?
Mit zwei oder drei wird vermutlich noch nicht viel passieren, oder?

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#9
 Von 
lesen-denken-handeln
Status:
Schlichter
(7133 Beiträge, 3743x hilfreich)

Zitat:
Ich habe eine Festanstellung in besagter Druckerei, in der die Bilder bearbeitet werden, genau deshalb würde ich die Sache gerne anonym halten, weil ich mir sonst höchstwahrscheinlich einen neuen Job suchen kann.
Dan ganz ehrlich gesagt, lass es! Anonym wirst du das nicht hinbekommen.

Zitat:
Ich habe die drei Fälle, die sich am einfachsten zurückverfolgen ließen, mal angeschrieben, und bin gespannt, was da für eine Antwort kommt.
Damit bist du aus der Anonymität schon raus und kannst jetzt schon als Zeuge benannt werden. Davon mal abgesehen, wirst du nicht wirklich zufriedenstellende Nachrichten erhalten, da sie dir dank Datenschutzverordnungen nicht mal schnell irgendwas sagen werden...

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#10
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2213 Beiträge, 753x hilfreich)

Zitat (von Wisp):

Mit Neid hat das nichts zu tun, nur mit der Gewissheit, dass er das Geld definitiv hätte, und ihm die Ausgabe auch nicht wirklich wehtun würde.

Ja. Und? Es ist trotzdem ggf. allein eine Sache zwischen den Urhebern und dem Künstler.
Zitat:
Würde er am Hungertuch nagen und sich gerade so über Wasser halten wäre das noch einmal etwas völlig Anderes, dann würde mich die Sache auch nicht so ärgern, aber wenn man schon genug Geld hat um damit anzugeben, sollte man die, von deren Werken man profitiert, auch daran teilhaben lassen, zumindest ist das meine Überzeugung.

Es ist aber herzlich sinnlos, sich über Dinge zu ärgern, bei denen man noch nicht mal die nötigen Details kennt, um sie überhaupt beurteilen zu können.

Wenn ich Herrn Meier plötzlich mit dem Auto von Frau Müller herumfahren sehe, bedeutet das mitnichten, daß Herr Meier das Auto geklaut hat.
Vielleicht hat er es geklaut, vielleicht hat er es gekauft, vielleicht hat er es gemietet, vielleicht hat Frau es ihm geliehen, vielleicht hat Frau Müller es ihm geschenkt.

Zitat:

Ich zeichne freiberuflich nebenbei, aber in ganz anderer Richtung, und mehr will ich gar nicht, als Hauptberuf würde durch den Leistungsdruck vermutlich der Spaß daran verloren gehen. Ich kann lediglich nachempfinden dass ich nicht wollen würde, dass jemand meine Werke einfach für seine Zwecke nutzt, gerade in Zeichnungen steckt viel Zeit (teils mehrere Tage) und Mühe, und diese ohne Erwähnungen des Künstlers für sich selbst zu nutzen, und dann auch noch das eigene Logo draufzusetzen, ist schlichtweg respektlos.

Das kann aber nur der jeweilige Urheber für sich entscheiden, falls es sich um eine Urheberrechtsverletzung handeln sollte.
Was ja erstmal nur eine Annahme ist.
Zitat:

Ich habe die drei Fälle, die sich am einfachsten zurückverfolgen ließen, mal angeschrieben, und bin gespannt, was da für eine Antwort kommt.

Wie viele Bestätigungen, dass die Bilder unberechtigt genutzt wurden, würde ich in etwa benötigen, damit etwas ins Rollen kommt?


Gar nichts - weil es Sie überhaupt nichts angeht. SIE können da gar nichts machen, außer die Urheber/Rechteinhaber zu informieren.

Wenn DIE dann etwas machen wollen, werden sie etwas machen. Wenn DIE nichts machen wollen, werden sie nichts machen.

Und das werden SIE dann hinnehmen müssen.

Zitat:
Mit zwei oder drei wird vermutlich noch nicht viel passieren, oder?

Alle Glaskugeln sind zur Zeit in der Inspektion, und das Orakel weilt auf den Kanaren...

Im ernst: das kann hier niemand sagen. Die einzigen, die da etwas in Gang setzen können, sind die Urheber/Rechteinhaber, wenn die der Ansicht sind, ihre Rechte würden verletzt.
Und die werden dann ggf. zivilrechtlich dagegen vorgehen. Wenn sie meinen, daß sich das für sie lohnt.

Sie werden aber damit leben müssen, daß wenn Sie im Supermarkt beobachten, daß jemand ein Überraschungsei abgreift und aufisst, ohne dafür zu bezahlen, und Sie dann den Filialleiter informieren, daß der vielleicht die Polizei ruft - oder eben auch sagt "Wegen eines Überraschungseies rühre ich keinen Finger, das lohnt sich nicht, der Schwund ist eingepreist."

-- Editiert von eh1960 am 22.01.2019 02:01

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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