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Replik ja-nein-vielleicht?

8. August 2022 Thema abonnieren
 Von 
Brit2
Status:
Schüler
(229 Beiträge, 9x hilfreich)
Replik ja-nein-vielleicht?

Klage wurde 2021 eingereicht.
Beklagter widersprach fristgerecht (3 Seiten "alles bestritten wegen Nichtwissen").
Zustellung dieses Widerspruchsschreibens an meinen Anwalt "zur Kenntnisnahme".
Keine Aufforderung vom Gericht zur Stellungnahme (d.h. keine "Replik" gefordert/erwartet ?).

Wir hatten in Juli leichten Disput - mein Anwalt wollte jetzt von sich aus doch noch eine Gegendarstellung zum Erwiderungsschreiben des Beklagtenvertreters verfassen. "Vorläufige Version" mir zur Kenntnisnahme geschickt. Haken - mein Anwalt widersprach plötzlich seinen eigenen Aussagen in unserer Klageschrift und erklärte die Verweise/Zitate der Gegenseite als "völliger Blödsinn". Habe darauf aufmerksam gemacht d.h. Verweise auf Seiten/Absatz/Zeilen --- seitdem Schweigen.

Meine Frage dazu:
Wenn seitens Gericht gar keine Aufforderung zur Stellungnahme (Replik) erging, muss man da überhaupt antworten oder wäre es nicht besser, einfach einen Termin zur mündlichen Verhandlung abzuwarten und dort vorzutragen? In der ZPO fand ich nur ein "kann" - kein "muss".
Zusätzliche Beweise für unsere Klage habe ich noch beschafft, die können also in der Verhandlung genutzt werden.
Gibt es überhaupt die PFLICHT zum Verfassen einer Replik oder sieht das die ZPO nicht wirklich vor?
"Kenntnisnahme" bedeutet ja nicht zwangsläufig auch "Stellungnahme". Danke!

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Zuckerberg
Status:
Lehrling
(1390 Beiträge, 996x hilfreich)

Nein, man MUSS keine Stellungnahme abgeben. Das müsste man selbst dann nicht tun, wenn das Gericht ausdrücklich danach fragt! Nur sollten Sie sich fragen, ob das nicht in Ihrem Interesse wäre. In den meisten fällen kann ein erfahrener und kompetenter Anwalt das besser beurteilen.

Als Kläger tragen Sie die Darlegungs- und Beweislast. Insbesondere nachdem der Beklagte klar gemacht hat, dass er alles bestreiten wird, haben Sie ein kleinen Problem. Zum einen könnte Sie jetzt die Obliegenheit treffen, die Darlegung noch weiter zu konkretisieren und mit ein paar Details anzureichern. Zum anderen müssen Sie für alle Ihre (bestrittenen) Behauptungen nun Beweise nennen.

Was das angeht, sollten Sie aufpassen, dass Ihr Vortrag und das zugehörige Beweisangebot nicht verspätet erfolgen. Insbesondere sollten Sie auch bedenken, dass das Einreichen einer Stellungnahme den Prozess insgesamt beschleunigen kann (aber natürlich auch nicht immer).

Wenn Sie nicht weiter Stellung nehmen und jetzt gerne den Termin hätten, dann sollten Sie doch zumindest das dem Gericht mitteilen, statt das Gericht einfach in Unkenntnis zu lassen. Denn dann wird das Gericht entweder irgendwann nach Ihren weiteren Absichten fragen. Oder das Gericht macht lange Zeit erstmal gar nichts, bis sich einer von Ihnen beschwert.

Zahlen Sie Ihren Anwalt nach den gesetzlichen Gebühren oder haben Sie eine Honorarereinbarung getroffen?

Amtsgericht oder Landgericht? Das Gericht hat das schriftliche Verfahren angeordnet? Eine Frist wurde in diesem Zusammenhang nicht bestimmt?

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Brit2
Status:
Schüler
(229 Beiträge, 9x hilfreich)

Zitat (von Zuckerberg):
Zahlen Sie Ihren Anwalt nach den gesetzlichen Gebühren oder haben Sie eine Honorarereinbarung getroffen?

Amtsgericht oder Landgericht? Das Gericht hat das schriftliche Verfahren angeordnet? Eine Frist wurde in diesem Zusammenhang nicht bestimmt?


Gezahlt wurde die gesetzliche Gebühr und ebenso die Verfahrensgebühr (vor vielen Monaten). Ja, Landgericht.
Es wurde keine Frist für eine Replik (Stellungnahme zum Schreiben der Gegenseite) genannt.
Neue Beweismittel sind lediglich aktuellere Fotos in Ergänzung zu bereits übergebenen Bildern.
Den Anwalt hatte ich bereits im Juni gebeten, bei Gericht nach einem möglichen ersten Termin anzufragen. Getan wurde es allerdings noch nicht. Stattdessen kam eben dieser "Entwurf Replik" Ende Juli ...

-- Editiert von User am 10.08.2022 07:09

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Brit2
Status:
Schüler
(229 Beiträge, 9x hilfreich)

PS: Klageerwiderung war 3 A4-Seiten fortlaufender Text Absatz für Absatz die Klageschrift zitierend : "wird bestritten" oder "wird mit Nichtwissen bestritten". Kein einziger Gegenbeweis.
Bei Einreichung der Klageschrift wurden zuvor zahlreiche Belege (Fotos, Abrechnungen, Atteste, Gutachten...) mit übergeben, auch ergänzend Zeugen benannt.
Darum meine Frage, ob man zwingend eine schriftliche Replik nachreichen muss oder es unschädlich bleibt, die bestrittenen Argumente in der Verhandlung auszudiskutieren. Zumindest sollte eine Replik nicht eigenen Aussagen der Klgeschrift widersprechen. Schlimmer kann man sich durch solche schludrige Arbeit nicht schaden ...

Bin halt in der ZPO über das Wort "kann" gestolpert. Bin ja kein Jurist ... Danke nochmals!

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(35352 Beiträge, 13325x hilfreich)

3. Anfrage mit selbem Thema, wie oft denn noch?

Um das Wort "kann" zu verstehen, muss man keine jur. Kenntnisse haben. Man muss nur der deutschen Sprache mittelprächtig mächtig sein. Vielleicht wird die Bedeutung von "kann" an folgendem Beispiel klar: wenn man Lotto spielt, dann kann man gewinnen. Vielleicht ja, vielleicht nein. Man kann es also halten wie man will. Man kann noch was schreiben, ja, das darf man, man muss nicht. Ob es sinnvoll ist, kann man selbst entscheiden.

Und, die Gesetzeslage und damit die Rechtslage hat sich seit den letzten zwei Anfragen nicht geändert.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Brit2
Status:
Schüler
(229 Beiträge, 9x hilfreich)

Gehts eventuell etwas freundlicher statt Gepampe?
EIN Satz hätte genügt "nein, es muss keine Replik verfasst werden" Begründung: "weil nicht dazu vom Gericht explizit aufgefordert."


-- Editiert von User am 12.08.2022 11:17

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#6
 Von 
Zuckerberg
Status:
Lehrling
(1390 Beiträge, 996x hilfreich)

Der von Ihnen gewünschte Satz ist gleich der erste, den Sie hier in diesem Thread sls Antwort erhalten hatten (von mir selbst).

Dass Ihre "Begründung" aber falsch ist, hätten Sie nur wissen können, wenn Sie dann auch noch den zweiten Satz hier im Thread gelesen hätten (ebenfalls von mir selbst, noch in derselben Antwort).

Tatsächlich wirken Ihre Beiträge hier auch auf mich etwas seltsam. Jetzt gerade grübeln Sie über die Bedeutung des Wortes "kann". Vor kurzem noch wollten Sie es besser wissen/können als Ihr Anwalt.

0x Hilfreiche Antwort



#9
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(104128 Beiträge, 37600x hilfreich)

Zitat (von Brit2):
Darum meine Frage, ob man zwingend eine schriftliche Replik nachreichen muss oder es unschädlich bleibt, die bestrittenen Argumente in der Verhandlung auszudiskutieren.

Da gibt es nichts zu diskutieren, da hat man doch etwas falsche Vorstellungen von einer Verhandlung vor Gericht ...


Das eine hat mit dem anderen auch rein gar nichts zu tun.

Selbst wenn es nicht zwingend ist, eine schriftliche Replik nachzureichen, kann es natürlich schädlich sein, die bestrittenen Argumente in der Verhandlung auszudiskutieren.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Brit2
Status:
Schüler
(229 Beiträge, 9x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
a gibt es nichts zu diskutieren, da hat man doch etwas falsche Vorstellungen von einer Verhandlung vor Gericht ...


Das eine hat mit dem anderen auch rein gar nichts zu tun.

Selbst wenn es nicht zwingend ist, eine schriftliche Replik nachzureichen, kann es natürlich schädlich sein, die bestrittenen Argumente in der Verhandlung auszudiskutieren.


Diese Antwort hilft!
Allerdings nicht falsche Vorstellungen sondern schlichtweg fehlende Kenntnisse.
Es ist also tatsächlich schädlich, wenn ein Anwalt über viele Monate schlichtweg nicht reagiert d.h. keine Replik verfasst. Einzige Aussage Anwalt an mich vor 2 Monaten "ja, liegt hier auf meinem Tisch und schaut mich immer traurig an, aber ich hatte bisher keine Zeit". Also muss ich wirklich nochmal auffordern. Sämtliche bisher nicht eingebrachte Zuarbeiten hat das Vorzimmer seit vergangenen Sommer (2021) nachweislich erhalten ... auh Mann...
Nochmals - danke.

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
BigiBigiBigi
Status:
Junior-Partner
(5177 Beiträge, 1755x hilfreich)

Zitat (von Brit2):
Kein einziger Gegenbeweis.


Der Beklagte muß auch nicht beweisen, daß das Vorbringen des Klägers unzutreffend ist. ;)

Zitat (von Brit2):
Bei Einreichung der Klageschrift wurden zuvor zahlreiche Belege (Fotos, Abrechnungen, Atteste, Gutachten...) mit übergeben, auch ergänzend Zeugen benannt.


Dann dürfte damit erst mal alles gesagt worden sein, wenn die Klageerwiderung tatsächlich nur aus bloßem Bestreiten bestand, und nicht etwa (neue) Sach- oder Rechtsargumente vorgebracht wurden.

Im Gegenteil wird es ziemlich zu Lasten des Beklagten gehen, wenn er tatsächlich nur unsubstantiiert bestreitet.

Einfaches Beispiel:

Klageschrift: "Der Kläger hat dem Beklagten am ... um ... Uhr in ... den Kaufpreis in bar übergeben. Beweis: Zeugnis des ..."
Schlechte Klageerwiderung: "Das wird bestritten."

Warum schlecht: Was wird genau bestritten? Daß der Kaufpreis (vollständig?) übergeben wurde? Daß das Treffen da und dort stattgefunden hat? Daß das Treffen überhaupt stattgefunden hat? Das ist unsubstantiiert, damit kann ein Gericht nichts anfangen, das ist fast genau so schlecht wie gar nichts zu sagen.

Gute Klageerwiderung: "Zu dem betreffenden Zeitpunkt befand sich der Beklagte in ... Beweis: Flugtickets vom ..., Hotelreservierung vom ..."

Auch gute Klageerwiderung: "Bei dem vom Kläger angegebenen Treffen wurde kein Kaufpreis übergeben. Dafür spricht auch das Vorbringen des Klägers in Absatz 3 der Klageschrift, daß er am Tag danach noch einmal per Email die Übergabe des Kaufpreises angeboten haben will."

-- Editiert von User am 25. August 2022 13:48

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
RN21
Status:
Frischling
(45 Beiträge, 1x hilfreich)

Hallo!
es würde mich interessieren, wiie die Sache ausgegangen ist. Ich habe einen ähnlichen Fall: ich habe eine Stellungnahme gegen die Klagerwiderung abgegeben. Das war auch quasi so eine Art "kann"-Replik. Es war seither über 3 Monate lang nichts los. Dann kam ein ablehnender Beschluss, der gar keinen Bezug auf meine Stellungnahme genommen hat. Ich würde auch gern wissen, ob und wie ein weiteres Vorgehen Sinn macht.
Vielleicht kann jemand hier was dazu sagen, wäre dafür dankbar.
Grüße

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(25244 Beiträge, 4791x hilfreich)

Zitat (von RN21 ):
es würde mich interessieren, wiie die Sache ausgegangen ist.
Ist noch nicht.

Signatur:

ist nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

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