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Krankenkasse geht von Selbstständigkeit aus

6.12.2019 Thema abonnieren
 Von 
j.p.zi
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Krankenkasse geht von Selbstständigkeit aus

Hallo zusammen!

Ich bin als Student freiwillig krankenversichert, da ich Anfang des Jahres dreißig geworden bin.
Vor dem Beginn des vergangenem Semesters wurde ich von meiner Krankenkasse um einen Einkommensnachweis gebeten. Da ich zu dieser Zeit kein Einkommen hatte und von Erspartem gelebt habe, hat die Krankenkasse mir für dieses Semester den geringsten Beitrag berechnet (der durch eine Übergangs-Kulanzregelung für Studenten, die gerade dreißig geworden sind, für ein Semester sogar nochmal etwas reduziert wurde).

Anfang des Semesters habe ich einen Nebenjob als Komparse an einem Theaterhaus angenommen, in dem ich unterschiedlich viel gearbeitet habe, je nachdem, wie viel Arbeit durch mein Studium anfiel. Verdient habe ich zwischen 160€ und 1400€ netto monatlich, in einem Monat habe ich gar nicht gearbeitet.
Abgerechnet wurde ich dort als "kurzfristig beschäftigt" mit dem Beitragsgruppenschlüssel eines Werkstudenten. Tatsächlich habe ich aber inzwischen mehr als 70 Tage dort gearbeitet ( was die Voraussetzung für eine "kurzfristige Beschäftigung" darstellt) und ich schätze, dass ich auch zumindest in einem Monat die 20 Wochenstunden überschritten habe.

Die Krankenkasse habe ich zunächst nicht über dieses Arbeitsverhältnis informiert. Erst vor drei Wochen habe ich ihr die Kopien aller Verdienstabrechnung seit März zugeschickt. Da ich mit meinem Einkommen mehrmals die Mindestgrenze überschritten habe, die meinem Beitrag zugrunde lag, bin ich von Nachforderungen ausgegangen.

Gestern habe ich eine Antwort erhalten. Die Krankenkasse möchte nun mit einer weiteren „Einkommensabfrage" feststellen, ob ich „haupt- oder nebenberuflich" selbstständig bin.
Da ich weder einen Einkommenssteuernachweis besitze, noch jemals eine Selbstständigkeit angemeldet habe, weiß ich nicht, wie ich nun verfahren soll.

Wie kommt die Krankenkasse zu dem Schluss, das ich selbstständig bin? Gibt es einen gewissen Punkt, an dem man automatisch als selbstständig eingestuft wird?
Welche Konsequenzen hat das für meinen Versicherungsstatus und meine Beiträge und mit welchen Nachzahlungen für das vergangene Semester muss ich nun rechnen?

Herzlichen Dank im Voraus und viele Grüße

J.P

-- Editiert von j.p.zi am 06.12.2019 14:03

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5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Sir Berry
Status:
Richter
(8220 Beiträge, 2741x hilfreich)

Zitat (von j.p.zi):
Wie kommt die Krankenkasse zu dem Schluss, das ich selbstständig bin?

Nun ja, ist doch eigentlich recht gut nachvollziehbar.

Du hast keinen Dauer-Arbeitsvertrag mit dem Theater, wirst von Fall zu Fall angefordert und entsprechend der Vereinbarungen bekommst Du Geld.

Falls die vermutung nicht zutrifft, einfach der KK den Arbeitsvertrag zuschicken, wobei dann allerdings die Frage aufkommen würde, weshalb dein AG weder Steuern noch Sozialabgaben abführte.

Zitat (von j.p.zi):
noch jemals eine Selbstständigkeit angemeldet habe,

Selbstständigkeit meldet man nicht an, Du meinst Gewerbe?
Das wäre in so einem Fall aber m.W.n nicht nötig.

Berry

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#2
 Von 
j.p.zi
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo Berry!

Herzlichen Dank für Deine hilfreiche Antwort.
Ein Arbeitsvertrag besteht leider gar nicht. Ich arbeite als "Aushilfe" auf Honorarbasis..

Viele Grüße
J.P

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#3
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2532 Beiträge, 815x hilfreich)

Als Komparse kann man genau wie als Schauspieler sowohl bei einem Theater fest angestellt sein, dann ist man sozialversicherungspflichtiger Angestellter, als auch freiberuflich tätig sein, also selbständig.

Zitat:
Abgerechnet wurde ich dort als "kurzfristig beschäftigt" mit dem Beitragsgruppenschlüssel eines Werkstudenten. Tatsächlich habe ich aber inzwischen mehr als 70 Tage dort gearbeitet ( was die Voraussetzung für eine "kurzfristige Beschäftigung" darstellt) und ich schätze, dass ich auch zumindest in einem Monat die 20 Wochenstunden überschritten habe.

Das klingt nach fest angestellt.

Zunächst mal sollte man das Theater fragen, wie die das einstufen. Wenn es fest angestellt ist, müsste das Theater die Sozialabgaben und auch die Krankenversicherungsbeiträge abführen, aber das kann bei der angestellten Nebenbeschäftigung eines Studenten anders sein.

Zitat:
Wie kommt die Krankenkasse zu dem Schluss, das ich selbstständig bin? Gibt es einen gewissen Punkt, an dem man automatisch als selbstständig eingestuft wird?

Das ist doch naheliegend...

1. müsste der Arbeitgeber Dich bei der KK wie auch bei der Rentenversicherung anmelden, wenn es eine angestellte Tätigkeit ist.

2. das ist nicht geschehen.

3. die beschriebene Tätigkeit wird durchaus auch oft (meistens) freiberuflich, also selbständig ausgeübt.

Zitat:
Die Krankenkasse möchte nun mit einer weiteren „Einkommensabfrage" feststellen, ob ich „haupt- oder nebenberuflich" selbstständig bin.
Da ich weder einen Einkommenssteuernachweis besitze, noch jemals eine Selbstständigkeit angemeldet habe, weiß ich nicht, wie ich nun verfahren soll.

Man packt seine Honorarabrechnungen oder was sonst immer da abgerechnet wurde zusammen, und den Nachweis über den Studentenstatus, und geht zur Krankenversicherung. Dann sollen die sich das alles angucken und einen Vorschlag machen, wie sie wohl meinen, daß das ganze einzustufen ist.

Entspricht das nicht dem, was man gerne hätte, geht man entweder zu einer Schauspielergewerkschaft o.ä. (müsste man aber wohl vorher eintreten), oder zum Studentenwerk (die kennen sich auch sehr gut aus), oder zu einem auf Sozialrecht spezialisierten Anwalt.
Ich würde in dem Fall erstmal das Studentenwerk nehmen. Dann ist man schon vorinformiert, wenn man zur Krankenversicherung geht.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#4
 Von 
Sir Berry
Status:
Richter
(8220 Beiträge, 2741x hilfreich)

Zitat (von eh1960):
Als Komparse kann man genau wie als Schauspieler sowohl bei einem Theater fest angestellt sein, dann ist man sozialversicherungspflichtiger Angestellter, als auch freiberuflich tätig sein, also selbständig.

Zitat (von j.p.zi):
Ich arbeite als "Aushilfe" auf Honorarbasis.

Streiche in dem Satz "als Aushilfe", denn darauf kommt es nicht an, und schon wird - jedenfalls für mich - die zuvor schon vermutete Selbstständigkeit deutlich.

Die Einstufung als Werkstudent wäre in diesem Fall, da bin ich ganz bei eh1960 zu hinterfragen; wäre aber faktisch nur eine falsche Schlüsselung ohne weitere Auswirkungen.

Sprich erst mal mit der Personalabteilung des Theaters und finde heraus, was vereinbart wurde.

Berry

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#5
 Von 
j.p.zi
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen herzlichen Dank, eh1960 und Sir Berry für die schnellen, freundlichen und ausführlichen Antworten!

Entschuldigt bitte die späte Reaktion. Ich werde es so machen; morgen zunächst das Studentenwerk konsultieren, bevor ich mit meinem Abeitgeber und schließlich der Versicherung Kontakt aufnehme.

Eure Ratschläge haben mir sehr weitergeholfen!
Viele Grüße und eine schöne Woche
J.P

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