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Sachbeschädigung Kfz 2 Kinder

5.9.2019 Thema abonnieren Zum Thema: Schaden zahlen
 Von 
Bobbyrecht123
Status:
Frischling
(15 Beiträge, 15x hilfreich)
Sachbeschädigung Kfz 2 Kinder

Folgendes Szenario:
"Mein Stiefsohn (15 Jahre) fährt auf dem Radweg=Bürgersteig neben einem anderen Jungen her. Dieser ist 9 Jahre alt. Der 9-jährige "spielt" rum und verliert die Kontrolle über sein Fahrrad. Fährt in meinen Jungen bzw. in dessen Fahrrad und in Folge kommt der 9-jährige von dem Bürgersteig ab und kollidiert mit einem parkenden PKW."
Der Polizeibericht sagt den Hergang exakt so aus, nach Aussage beider Kinder.

Der PKW-Besitzer verlangt nun von uns und dem anderen Jungen (seinen Eltern), seinen entstandenen Schaden zu regulieren.
Faselte, sehr kurz angebunden, was von Kausalität und BGB am Telefon und möchte mir jetzt den Kostenvoranschlag schicken.

Mein Sohn hat aber ja weder am Verlust der Kontrolle noch am entstandenen Schaden irgendeine Schuld, oder sagt das Gesetz etwas anderes und wer muss den Schaden nun zahlen?

Danke für eine Antwort schon mal.

MfG
Bobby

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Schaden zahlen


14 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(71237 Beiträge, 32402x hilfreich)

Zitat (von Bobbyrecht123):
Der Polizeibericht sagt den Hergang exakt so aus,

Ja, was soll er denn auch sonst aussagen?



Zitat (von Bobbyrecht123):
möchte mir jetzt den Kostenvoranschlag schicken.

Vorerst mal nicht kommunizieren und abwarten was kommt.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#2
 Von 
Lazyboy
Status:
Praktikant
(941 Beiträge, 434x hilfreich)

Der Geschädigte stellt sich hier (aus meiner Sicht richtigerweise) auf den Standpunkt der Gesamtschulderhaftung, darf sich also aussuchen von welchen der Schädiger er Ersatz verlangen kann.

Wie das die Schädiger dann untereinander im Innenverhältnis klären, darf und sollte dem Geschädigten egal sein.

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#3
 Von 
BigiBigiBigi
Status:
Bachelor
(3960 Beiträge, 1454x hilfreich)

Zitat (von Lazyboy):
Der Geschädigte stellt sich hier (aus meiner Sicht richtigerweise) auf den Standpunkt der Gesamtschulderhaftung

Gesamtschuldner? Ernsthaft? Ich stelle mir das gerade mal vor: Ich falle gegen dich, du fällst gegen eine Ming-Vase, die zerbricht und dann kann sich deren Eigentümer die Million bei dir holen, weil ich mittellos bin. Habe ich dich soweit richtig verstanden?

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#4
 Von 
Lazyboy
Status:
Praktikant
(941 Beiträge, 434x hilfreich)

Als Geschädigter würde ich mir immer alle Suchen, von denen ich meinen Schaden ersetzt bekomme, ja!

Ob das nun berechtigt oder erfolgreich ist, steht auf einem anderen Zettel.

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#5
 Von 
NaibaF123
Status:
Praktikant
(580 Beiträge, 95x hilfreich)

Zitat (von Lazyboy):
Als Geschädigter würde ich mir immer alle Suchen, von denen ich meinen Schaden ersetzt bekomme, ja!

Ob das nun berechtigt oder erfolgreich ist, steht auf einem anderen Zettel.

Klar, nur ist dann der 15-Jährige mit einem "Sehr geehrter Herr Geschädigter, der Verursache ist der kleine Timmy (9). Hiermit weise ich ihre Forderung als unbegründet zurück. Gruß & Tschüss" schon ziemlich fein raus. Genauso erfolgreich könnte man ja auch den Schaden vom Polizisten fordern, dürfte ähnlich erfolgreich sein, aber du willst ja alle suchen...
Soll der Geschädigte doch eine Kausalität nachweisen & einklagen - der Schilderung anch wird das nciht von Erfolg gekrönt sein...
Da es hier aber (vemutlich) um 4-5-stellige Forderungen geht, würde ich überlegen, vorsichtshalber der eigenen Privathaftpflichtvers. Kenntnis zu verschaffen.

-- Editiert von NaibaF123 am 06.09.2019 12:00

-- Editiert von NaibaF123 am 06.09.2019 12:01

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#6
 Von 
spatenklopper
Status:
Senior-Partner
(6741 Beiträge, 3266x hilfreich)

Zitat (von BigiBigiBigi):
Ich stelle mir das gerade mal vor: Ich falle gegen dich, du fällst gegen eine Ming-Vase, die zerbricht

Nicht ganz korrekt in diesem Fall.
Du fällst gegen Lazyboy, "prallst" an ihm ab und fällst dann gegen die Ming-Vase, die zerbricht.
Lazyboy muss dann die Vase zahlen, wegen gesamtschuldnerischer Haftung.

Ich sehe es allerdings nicht so....

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#7
 Von 
Sir Berry
Status:
Schlichter
(7280 Beiträge, 2562x hilfreich)

Zitat (von spatenklopper):
Ich sehe es allerdings nicht so....

Dem schließe ich mich an.

Es gibt hier zwei Geschädigte (den älteren Jungen und den KFZ Besitzer) und nur einen Schädiger mMn.

Berry

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#8
 Von 
-Laie-
Status:
Gelehrter
(11491 Beiträge, 4922x hilfreich)

Zitat (von spatenklopper):
Ich sehe es allerdings nicht so....
Ich auch nicht. Ich würde daher jegliche Forderung zurückweisen.

Signatur: Folgende Nutzer werden von mir blockiert und ich kann deren Beiträge nicht lesen: Xipolis; Jule28
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#9
 Von 
Bobbyrecht123
Status:
Frischling
(15 Beiträge, 15x hilfreich)

Danke für die Antworten.

ich denke, ich lasse es drauf ankommen.

Btw. hat sich raus gestellt, dass die "schuldige Partei" keine Haftpflichtversicherung hat und er deswegen versucht an uns ran zu treten. Frei nach: "ach, da war doch jemand anderes erwähnt..."

Ehrlicherweise möchte ich sagen: wir leben hier auf einem Dorf und wenn der Beschädigte (ist mir nicht persönlich bekannt) anständig mit uns und der Schuldpartei gesprochen hätte, hätten wir sicher eine Regelung finden können. Doch direkt mit Kausalität und BGB um sich zu werfen... naja.

Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von Bobbyrecht123):
Der Polizeibericht sagt den Hergang exakt so aus,
Ja, was soll er denn auch sonst aussagen?

Ich sagte das so explizit mit dem Polizeibericht, um zu verdeutlichen, dass das keine eigene Meinung oder lediglich mein Empfinden ist, sondern bestätigter Fakt.


Die Privathaftpflicht wurde übrigens in Kenntnis gesetzt und die wollen jetzt mal abwarten, ob irgendjemand Schadenersatz geltend machen will. Dann klären die alles Weitere. Zahlen aber wohl nicht.
So zumindest die Aussagen des Sachbearbeiters.

-- Editiert von Bobbyrecht123 am 06.09.2019 19:20

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#10
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(71237 Beiträge, 32402x hilfreich)

Zitat (von Bobbyrecht123):
sondern bestätigter Fakt.

Nö, das ist eben kein bestätigter Fakt. Da stehen die Schilderungen der Kinder drin. Eventuell noch eine Meinung / Ergänzung der Polizei. Mehr nicht.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#11
 Von 
Besserweiß
Status:
Schüler
(424 Beiträge, 182x hilfreich)

Vielleicht sollte man der Partei des kleinen Schädigers mal mitteilen, dass bis zum Alter von 10 Jahren beim Unfall mit einem KFZ niemand haftet.

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
§ 828 Minderjährige
(1) Wer nicht das siebente Lebensjahr vollendet hat, ist für einen Schaden, den er einem anderen zufügt, nicht verantwortlich.
(2) Wer das siebente, aber nicht das zehnte Lebensjahr vollendet hat, ist für den Schaden, den er bei einem Unfall mit einem Kraftfahrzeug, einer Schienenbahn oder einer Schwebebahn einem anderen zufügt, nicht verantwortlich. Dies gilt nicht, wenn er die Verletzung vorsätzlich herbeigeführt hat.
(3) Wer das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ist, sofern seine Verantwortlichkeit nicht nach Absatz 1 oder 2 ausgeschlossen ist, für den Schaden, den er einem anderen zufügt, nicht verantwortlich, wenn er bei der Begehung der schädigenden Handlung nicht die zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit erforderliche Einsicht hat.

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#12
 Von 
Sir Berry
Status:
Schlichter
(7280 Beiträge, 2562x hilfreich)

Zitat (von Besserweiß):
Vielleicht sollte man der Partei des kleinen Schädigers mal mitteilen, dass bis zum Alter von 10 Jahren beim Unfall mit einem KFZ niemand haftet.

Hier geht es doch darum, das der Geschädigte I. von den Eltern des Geschädigten II (dem 15jährigen Stiefsohn) Schadenersatz aus gesamtschuldnerischer Haftung möchte.

Wenn es diese gäbe würde nur der dritte Absatz Deines Textes einen Ansatzpunkt darstellen.
Aber über die Sinnhaftigkeit würde dann wieder lange diskutiert.

Berry

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#13
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(35201 Beiträge, 12623x hilfreich)

Zitat:
Vielleicht sollte man der Partei des kleinen Schädigers mal mitteilen, dass bis zum Alter von 10 Jahren beim Unfall mit einem KFZ niemand haftet.

Das stimmt nicht. Bei einem Unfall mit einem ordnungsgemäß geparkten PKW gilt die Altersgrenze von 7 Jahren.

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#14
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2203 Beiträge, 751x hilfreich)

Zitat:
Der PKW-Besitzer verlangt nun von uns und dem anderen Jungen (seinen Eltern), seinen entstandenen Schaden zu regulieren.

Eltern haften grundsätzlich nicht für Schäden, die ihre Kinder anrichten.

Eltern haften nur für Schäden, die daraus entstehen, daß sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

Ob der 9jährige überhaupt haftet, ist zweifelhaft, § 828 BGB Abs.2 wurde schon zitiert.

Zitat:
Bei einem Unfall mit einem ordnungsgemäß geparkten PKW gilt die Altersgrenze von 7 Jahren.

Das ist so pauschal nicht richtig.
"Kinder haften nicht für Beschädigungen an geparkten Fahrzeugen, wenn der Schaden bei altersgemäß falscher Einschätzung der im Verkehr bestehenden Gefahren zugefügt wurde."
(AG München , Urteil vom 11.12.2017 - 345 C 13556/17 )

Der BGH hat in mehreren Urteilen entschieden, dass für das Eingreifen des Haftungsprivilegs nicht grundsätzlich zwischen dem fließenden und dem ruhenden Verkehr zu unterscheiden ist, wenn es auch im fließenden Verkehr häufiger als im sogenannten ruhenden Verkehr eingreifen mag. In besonders gelagerten Fällen kann sich auch im ruhenden Verkehr eine spezifische Gefahr des motorisierten Verkehrs verwirklichen (vgl. Senat, BGHZ 161, 180 , 185 und Urteil vom 21. Dezember 2004 - VI ZR 276/03 - aaO jeweils m.w.N.). Für die Frage, ob der Haftungsausschluss nach § 828 Abs. 2 Satz 1 BGB überhaupt in Betracht kommt, ist maßgebend darauf abzustellen, ob eine typische Fallkonstellation der Überforderung des Kindes durch die Schnelligkeit, die Komplexität und die Unübersichtlichkeit der Abläufe im motorisierten Straßenverkehr gegeben war. Allerdings kommt es nicht darauf an, ob sich die Überforderungssituation konkret ausgewirkt hat oder ob das Kind aus anderen Gründen nicht in der Lage war, sich verkehrsgerecht zu verhalten. Um eine klare Grenzlinie für die Haftung von Kindern zu ziehen, hat der Gesetzgeber die Fallgestaltungen vielmehr einheitlich in der Weise geregelt, dass er die Altersgrenze der Deliktsfähigkeit von Kindern für den Bereich des motorisierten Verkehrs generell auf die Vollendung des 10. Lebensjahres heraufgesetzt hat (vgl. Senat BGHZ 172, 83 , 86; Urteile vom 14. Juni 2005 - VI ZR 181/04 - VersR 2005, 1154 , 1155 und vom 16. Oktober 2007 - VI ZR 42/07 - aaO).

So oder so ist Unfallverursacher der 9jährige, der 15jährige ist Unfallopfer und haftet überhaupt nicht.

Außerdem gilt §828 Abs. 3 BGB:
"Wer das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ist, sofern seine Verantwortlichkeit nicht nach Absatz 1 oder 2 ausgeschlossen ist, für den Schaden, den er einem anderen zufügt, nicht verantwortlich, wenn er bei der Begehung der schädigenden Handlung nicht die zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit erforderliche Einsicht hat."

Das kann hier wohl unterstellt werden.

Der geschädigte Autofahrer wird seinen Schaden mit seiner Vollkasko-Versicherung regulieren müssen, hat er keine, wird er auf dem Schaden sitzenbleiben.

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