Anwalt stellt während Außergerichtlichem Verfahren die Arbeit ein

28. November 2022 Thema abonnieren
 Von 
Gruwe
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)
Anwalt stellt während Außergerichtlichem Verfahren die Arbeit ein

Hallo zusammen,

ich weiß nicht, ob das hier das richtige Unterforum ist, hab aber aus meiner Sicht kein Passenderes gefunden.

Folgender Fall:

M sucht aufgrund einer Rechtsstreitigkeit, in dem es für ihn um ca. 6.400€ geht (die er zu erhalten hat) den Anwalt A für ein Erstgespräch auf. Anwalt A erstellt ihm ein Gutachten und rechnet hierfür die anwaltliche Erstberatungsgebühr von 295€ ab und teilt dem Mandanten M mit, dass er für eine Erläuterung sowie entsprechende weitere Schritte zur Verfügung steht. Nach Rücksprache mit A, Lesen des Gutachtens und eigener Recherche steht für M fest, dass er den Fall weiterverfolgen möchte und beauftragt den A, von der Gegenseite im Rahmen des außergerichtlichen Verfahrens das Geld zu fordern. Aufgrund leichter Unwägbarkeiten und da M ein Verfahren aufgrund des Aufwands vermeiden will, sagt er dem A dass dieser das Angebot machen soll, dass die Gegenseite G nur 5.000€ zahlen muss. A versendet das Schreiben an die Gegenseite G.

Die Gegenseite G reagiert ablehnend auf das Angebot von A bzw. M und fordert nun ihrerseits 700€ Anwaltsgebühr, da die Gegenseite G ja nun in der Notwendigkeit aufgrund der aus ihrer Sicht unberechtigten Forderung stand einen Anwalt zu beauftragen. Diese 700€ seien innerhalb von 2 Wochen zu begleichen.

Anwalt A leitet dieses Schreiben per Mail an M weiter mit der Aufforderung sich zur Rücksprache bzgl. des Schreibens zu melden.

Nun versucht M seit über 2 Monaten den A zu erreichen. Sowohl schriftliche Anfragen per Mail als auch auch telefonische Anfragen sind seither erfolglos. Schriftlich wird nicht beantwortet, telefonisch teilt die Mitarbeiterin mit, dass A derzeit beschäftigt sei (im Gespräch, bei Gericht), sie ihm aber nochmal eine Notiz hingelegt hätte, dass er anrufen solle. Dies ist aber bis heute nicht passiert.

Was sollte M nun tun? M weiß weder, ob nicht mittlerweile eine Zahlungsaufforderung von der Gegenseite, etc. gekommen ist, noch wie es mit seinem Verfahren weiter geht.

Ist solch ein Verhalten über solch einen Zeitraum normal (die Dauer wäre ja nicht das Thema, wenn man dem M sagen würden, dass es bspw. aufgrund von Fristigkeiten zum Jahresende zu Wartezeiten bei weniger dringlichen Angelegenheiten kommt, etc.)? Was soll M tun? Was macht der M am besten bzgl. der Aktion der Gegenseite? Der M hat die Befürchtung, dass ggf. Zahlungsaufforderungen der Gegenseite bei A unbeantwortet rumliegen und dies negative Folgen für M haben kann.

MfG und Danke

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8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(107618 Beiträge, 38050x hilfreich)

Zitat (von Gruwe):
Ist solch ein Verhalten über solch einen Zeitraum normal

Die teils eklatanten Mängel mancher Kanzleien in der Kommunikation mit Mandanten sind doch erstaunlich ...


Das außergerichtliche Verfahren ist beendet, eine Verjährung droht offenbar nicht?



Zitat (von Gruwe):
dass es bspw. aufgrund von Fristigkeiten zum Jahresende zu Wartezeiten bei weniger dringlichen Angelegenheiten kommt, etc.)?

Das gibt mein Anwalt gegen Jahresende als "Generalformel" raus.



Zitat (von Gruwe):
Was macht der M am besten bzgl. der Aktion der Gegenseite?

Möchte A denn diese 700 EUR zahlen? Sieht er diese als berechtigt an?



Zitat (von Gruwe):
Der M hat die Befürchtung, dass ggf. Zahlungsaufforderungen der Gegenseite bei A unbeantwortet rumliegen

Es gab bereits eine, weitere dürften daran auch nichts ändern.
Eventuell hat der Anwalt auch schon passend retourniert?


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Gruwe
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Die teils eklatanten Mängel mancher Kanzleien in der Kommunikation mit Mandanten sind doch erstaunlich ...

Das außergerichtliche Verfahren ist beendet, eine Verjährung droht offenbar nicht?



Wieso ist das außergerichtliche Verfahren beendet? Aus Sicht des M hat der gegnerische Anwalt den Sachverhalt um den es geht garnicht richtig erfasst. M würde den A also eigentlich bitten, dies nochmal (ggf. auch telefonisch) deutlich zu machen.

Nein, eine Verjährung würde wohl erst zum Ende des Jahres 2024 anstehen.


Zitat:

Das gibt mein Anwalt gegen Jahresende als "Generalformel" raus.


D.h. die Vermutung des M dahingehend ist durchaus berechtigt? Das wäre ja immerhin etwas, womit der M etwas anfangen könnte.


Zitat:

Möchte A denn diese 700 EUR zahlen? Sieht er diese als berechtigt an?


Nein, sieht er nicht.
Der Anwalt der Gegenseite verweist ja darauf, dass das Anliegen des A unbegründet sei und daher die Gegenseite die eigenen Anwaltskosten dem A auferlegen kann. Aus Sicht des A ist die eigene Forderung aber absolut berechtigt.


Zitat:

Es gab bereits eine, weitere dürften daran auch nichts ändern.
Eventuell hat der Anwalt auch schon passend retourniert?


Naja, aber wenn die Gegenseite irgendwann beginnt die Forderung einzuklagen und u.a. damit argumentiert, dass die Seite von M bzw. A ewig lang kein Wort auf die Forderung hat hören lassen?

Ob der Anwalt bereits retourniert hat, kann der M nicht sagen, da er ja keine Rückmeldungen vom A erhält.

-- Editiert von User am 28. November 2022 22:41

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(107618 Beiträge, 38050x hilfreich)

Zitat (von Gruwe):
Wieso ist das außergerichtliche Verfahren beendet?

Weil die Gegenseite das ganze angelehnt hat.



Zitat (von Gruwe):
Aus Sicht des M hat der gegnerische Anwalt den Sachverhalt um den es geht garnicht richtig erfasst

Irrelevant.



Zitat (von Gruwe):
M würde den A also eigentlich bitten, dies nochmal (ggf. auch telefonisch) deutlich zu machen.

Diese unnütze Arbeit könnte der Anwalt durchaus ablehnen.



Zitat (von Gruwe):
D.h. die Vermutung des M dahingehend ist durchaus berechtigt?

Absolut.
Im November / Dezember muss alles vom Tisch was im Januar verjährt sein kann.



Zitat (von Gruwe):
Das wäre ja immerhin etwas, womit der M etwas anfangen könnte.

Es sollt eine Kanzlei organisatorisch nicht überfordern, diesen Zweizeiler mitzuteilen ...



Zitat (von Gruwe):
Naja, aber wenn die Gegenseite irgendwann beginnt die Forderung einzuklagen und u.a. damit argumentiert, dass die Seite von M bzw. A ewig lang kein Wort auf die Forderung hat hören lassen?

Ob man nun schweigt oder mitteilt "es gibt kein Geld" kommt aufs gleiche heraus.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Gruwe
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):



Zitat (von Gruwe):
M würde den A also eigentlich bitten, dies nochmal (ggf. auch telefonisch) deutlich zu machen.

Diese unnütze Arbeit könnte der Anwalt durchaus ablehnen.



Ok,

wenn der M dem A vor kurzem schriftlich mitgeteilt hat, dass er das aus seiner Sicht wohl so machen würde und wenn daraus nix fruchtet, der Klageweg beschritten werden soll, ist es das "beste", wenn der M jetzt eben den Beginn des nächsten Jahres noch abwartet und der entsprechende Schritt dann die Klage ist?


Zitat:

Zitat (von Gruwe):
D.h. die Vermutung des M dahingehend ist durchaus berechtigt?

Absolut.
Im November / Dezember muss alles vom Tisch was im Januar verjährt sein kann.


Naja gut,
das ganze zieht sich ja auch schon über den Oktober hin. Aber der M will ja nicht pingelig sein, nur hätte er eine kurze, entsprechende Auskunft durchaus erwartet.


Hätte der Anwalt, wenn er das Außergerichtliche beendet sieht, nicht bereits eine Rechnung geschickt?

-- Editiert von User am 28. November 2022 23:14

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#5
 Von 
Spezi-2
Status:
Junior-Partner
(5827 Beiträge, 2237x hilfreich)

Ich sehe dies so.
M hat mit eigenen Anwalt eine Forderung bei G geltend gemacht.
G hat die Forderung ebvenfalls mit Anwalt abgelehnt.
Darauf hat M zunächst nichts weiter unternommen.
G meint nun M hätte ihm durchdie Forderung Anlaß zur nötigen Einschaltung seines Anwaltes gegeben und fordert die Erstattung der ihm entstandenen Anwaltskosten.
Kann der Anwalt des M nicht davon ausgehen, daß M diese Forderung ablehnen wird ? Muß der Anwalt diese Ablehnung dem Anwalt von G ausdrücklich schriftlich mitteilen ? Nein, er kann auch denken, dann sol G diese Kosten mal einklagen, gibt also keine Erklärung ab. Paßt alles.

Sinnvoll wäre natürlich daß der Anwalt von M diesen über diese Handhabung (nämlich abwarten was G unternimmt) unterrichtet.

Signatur:

Meine Beiträge sind keine juristischen Ratschläge, sondern sollen dem Erfahrungsaustausch dienen.

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#6
 Von 
Gruwe
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo zusammen!

Zitat (von Harry van Sell):
Die teils eklatanten Mängel mancher Kanzleien in der Kommunikation mit Mandanten sind doch erstaunlich ...


Nun, leider hat das neue Jahr hier keine Verbesserung gebracht. Bereits zweimaliges Nachfragen, jedesmal erzählt die Angestellte, dass Sie ihm mitteilt dass ich angerufen hätte und dass er bitte zurückrufen, o.ä. soll. Keine Reaktion!


Ist folgendes denkbar:

Der Anwalt hat eigentlich keine Interesse an dem Mandat, etwa weil die zu erwartende Vergütung zu gering ist und sein Honoraranspruch entfällt, wenn er das Mandat kündigt?

Das ist eigentlich die einzige für mich noch nachvollziehbare Begründung:

- Sähe er keine Erfolgsaussichten, würde er dies einfach mitteilen und die Rechnung stellen

- Dass es ihm innerhalb von 4 Monaten nicht einmal möglich ist, kurz mitzuteilen wie der Stand ist bzw. wann es weitergehen würde, kann ich kaum glauben. Es würde ja bereits reichen, wenn er dies über seine Angestellte mitteilen lassen würde

Wenn es nach mir ginge, dann würde ich meine Unterlagen dort abholen und zu einem anderen Anwalt gehen (sofern es überhaupt einen Anwalt gibt, der diesen Anwalt dann noch übernehmen würde, wenn das zu erwartende Honorar - Streitwert 6.500€ - scheinbar nicht wirtschaftlich ist).

Gibt es sonst noch eine rationale Begründung für das Verhalten?

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
drkabo
Status:
Wissender
(14307 Beiträge, 8615x hilfreich)

Zitat:
Gibt es sonst noch eine rationale Begründung für das Verhalten?

Ja.

Man möchte den Ball möglichst lange im Feld des Gegners lassen.
Denn es ist kostengünstiger und meist auch einfacher, sich gegen eine Klage zu verteidigen, als selbst eine Klage zu führen.

Außergerichtlich ist aus Sicht von M doch alles getan:
A hat im Auftrag von M eine Forderung gestellt - G hat eindeutig abgelehnt. Außergerichtlich ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
Wenn M die Forderung weiter vorantreiben will, ist es jetzt Zeit für das gerichtliche Verfahren - dafür muss M den A aber mandatieren.
Nun hat G einen "Nebenkriegsschauplatz" aufgemacht, nämlich die Forderung nach Übernahme der eigenen Anwaltskosten von G. Das Eröffnen von solchen Nebenkriegsschauplätzen ist eine gute Taktik, um die andere Seite zu verwirren und/oder von der Hauptforderung abzulenken. Die Taktik scheint ja aufzugehen. M lässt seine Gedanken um die Anwaltskosten von G kreisen, anstatt seine eigene Forderung (die 6500€) konsequent durchzusetzen. G hat jetzt erreicht, dass M zögerlich wird und verunsichert ist - da freut sich G.
M sollte froh sein, dass der eigene Anwalt A sich nicht auf das Ablenkungsmanöver von G eingeht.
Wenn G meint, die Anwaltskosten tatsächlich haben zu wollen, muss G eine Klage einreichen, wofür Kosten bei G anfallen. A kann sich dann aus einer bequemen Position heraus verteidigen.

M sollte sich überlegen, ob er die Hauptforderung (die 6500€) jetzt gerichtlich eintreibt.
M sollte bezüglich der Anwaltskosten von G entspannt sein. Wenn G deswegen klagen will, können M und A das sowieso nicht verhindern. Der Ball bezüglich der Anwaltskosten von G liegt bei G - und da sollte er auch bleiben. Jede weitere Kommunikation mit G nutzt tendenziell nur dem G.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Gruwe
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Man möchte den Ball möglichst lange im Feld des Gegners lassen.
Denn es ist kostengünstiger und meist auch einfacher, sich gegen eine Klage zu verteidigen, als selbst eine Klage zu führen.


Darum geht es ja garnicht mehr!

Der M würde ja gerne das Verfahren weiter voran treiben bzw. die Forderung einklagen. Nur ist es M seit fast 4 Monaten nicht möglich, in Kontakt zu seinem Anwalt zu treten. Jegliche Anfragen laufen ins Leere, die Angestellte sagt seit etlichen Telefonaten, dass Sie dem Anwalt sagt, dass er sich bei M melden soll.

Kurz: Der Anwalt reagiert seit 4 Monaten auf keinerlei Anfragen seines Mandaten, kommuniziert weder mit der Gegenseite (zumindest wäre der Mandat darüber nicht informiert) noch schickt er seinem Mandant eine Rechnung oder dergleichen. Komplett alle Anfragen des Mandanten M an seinen Anwalt (telefonisch, per Mail, etc.) laufen einfach ins Leere.

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