Gas und Stromversorger Widerruf

21. April 2023 Thema abonnieren
 Von 
ich bin s nur
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Gas und Stromversorger Widerruf

Frage 1: Wenn ich einen Widerruf verfasse, bin ich in einigen Punkten vom Vertrag nicht einverstanden, habe aber keine Kündigungsabsichten geäußert, da ich nicht in den noch teureren Grundversorger fallen wollte. Wenn der Vertragspartner aber nicht einverstanden ist, weil er Ihn nicht anerkennt und den Widerruf nicht akzeptiert, müsste mir doch der Anbieter Kündigen, da er mir den Vertrag nicht mit meinen geforderten Nachweisen erbracht hat ?

Frage 2: Wenn keine Anpassung der Gas-Abschlagszahlung 139,-€ erfolgte und die
Anpassung der Strom-Abschlagszahlung auch nur um 9,-€ (161,-€ auf 170,-€) erhöht wurde, ist doch der Anbieter nicht seiner Nachsichtspflicht zur Information nachgekommen ?

Frage 3: Da der Anbieter eprimo Strom Primaklima nicht auf meinen Widerruf geantwortet hat kann ja die Schlichtungsstelle eingeschaltet werden, aber ist das Erfolgsversprechend und was wird da geschlichtet ?

Frage 4: Mein Verbrauch wird sich zwar rapide gesengt haben, wegen Heizung-Absenkung, Urlaub und Einsatz von erneuerbarer Energie Photovoltaik- Anlage, wir werde aber trotzdem eine erhebliche Rechnung bekommen, die ich nicht bezahlen kann. Erfahrungsgemäß wird der Anbieter keine Ratenzahlung annehmen und bei Nichtzahlung wird der Anschluss gesperrt. Was kann man noch dagegen machen, Kredit aufnehmen und die Rechnung bezahlen und nachträglich den Anbieter verklagen nebst Zinsen ?

Frage 5: Gibt es schon Gerichtsurteile über Klagen gegen Netzbetreiber/Verbrauchsanbieter darüber ?

Frage 4: Kann ich jetzt schon einen Anwalt einschalten (Rechtsschutz premium besteht) oder erst die Rechnung im Mai 2023 abwarten.

eprimoGas FixFlex PrimaKlima Vertrag seit 05.2022 Jahresverbrauch 27.500 kWh
Kündigungsfrist: 1 Monat, Arbeitspreis (brutto): 5,17 ct/kWh, Grundpreis (brutto): 13,62 €/Monat




14.09.2022 Ab dem 01.11.2022 gelten daher folgende Konditionen
Bisherige Konditionen Neue Konditionen
Arbeitspreis: 5,17 ct/kWh Arbeitspreis: 15,39 ct/kWh
Grundpreis: 163,43€/Jahr Grundpreis: 461,45€/Jahr

18.10.2022 Widerspruch Vertrags-Kunden Nr. 000000000
Sehr geehrte Damen und Herren,
in Ihrem Schreiben vom 14.09.2022 haben Sie mich schriftlich darüber informiert, dass Sie eine Preiserhöhung beabsichtigen.
Diese Preiserhöhung betrifft den zwischen uns bestehenden Vertrag 00000000000. Sie beabsichtigen, den Prei für eprimoGas FixFlex PrimaKlima zum 01.11.2020 zu erhöhen.
Sie begründen die angekündigte Preisanpassung mit gestiegenen Kosten für [z.B. Rohstoffe, staatliche Umlagen usw.]. Allerdings führen Sie nicht aus, in welchem Umfang die einzelnen Preisfaktoren zu der Gesamterhöhung beitragen. Zudem ist nicht ersichtlich, ob gleichzeitig andere Kostenfaktoren gesenkt werden konnten und ob dies in der Preiskalkulation ebenfalls berücksichtigt wurde. Ich kann daher nicht nachvollziehen, wie die höheren Preise zustande kommen.
Als Begründung für die beabsichtigte Preiserhöhung nennen Sie allgemein gestiegene Kosten. Um ihre Aussagen zu untermauern, verweisen Sie auf statistische Zahlen. Für mich ist jedoch nicht ersichtlich, ob und wenn ja welcher Zusammenhang zwischen allgemein höheren Kosten und ebenso allgemeinen Statistiken und der konkreten Situation in Ihrem Unternehmen besteht. Weiterhin stellt sich die Frage, welche Maßnahmen Sie ergriffen haben, um möglichst stabile Preise sicherzustellen und Preissteigerungen gerade nicht an Ihre Kunden weitergeben zu müssen.
Ich bin in der Ansicht, dass eine Anpassung der Preise in der von Ihnen angekündigten Höhe insgesamt nicht angemessen ist. Überdies halte ich die von Ihnen gewählte Frist für äußerst fragwürdig. So erläutern Sie in Ihrem Schreiben einerseits, dass Sie bereits seit geraumer Zeit unter einem massiven Preisdruck stehen und Ihre wirtschaftliche Lage zunehmend schwieriger wird. Andererseits äußern Sie Ihre Absicht, die Preise zu erhöhen, sehr kurzfristig. Dies widerspricht sich, denn wenn Ihre Lage schon seit längerem angespannt ist, stellt sich die Frage, weshalb Sie nicht schon vorher Gegenmaßnahmen ergriffen haben.
Meiner Ansicht nach ist die von Ihnen geplante Preiserhöhung unbillig nach § 315 BGB. Aus diesem Grund weise ich sie zurück, bis Sie Ihre Kalkulationsgrundlagen offengelegt und mir dadurch nachvollziehbar und überprüfbar nachgewiesen haben, ob und dass Ihre Preiserhöhung angemessen und erforderlich ist.
Ich fordere Sie daher auf, detailliert auszuführen, wodurch sich Ihre Preiserhöhung begründet. Gleichzeitig bitte ich um eine Aufstellung der einzelnen Kostenfaktoren und deren jeweiligen Anteilen am Gesamtpreis. Außerdem zeigen Sie mir bitte auf, inwiefern sich Steigerungen und Senkungen der allgemeinen Kosten konkret in Ihren Kalkulationsgrundlagen bemerkbar machen und welche Schritte Sie eingeleitet haben, um Preiserhebungen entgegenzuwirken. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich mir bei allen künftigen Zahlungen ausdrücklich vorbehalte, zu verlangen, dass Sie mir zu viel bezahlte Beträge aufgrund überhöhter Preise erstatten. Insoweit entfalten meine Zahlungen eine rechtsverbindliche Wirkung, eine Rechtspflicht erkenne ich damit jedoch nicht an.

26.10.2023 Ihre Preisanpassung Kundennummer: 00000000000(Gas)
Guten Tag,
vielen Dank für Ihre Nachricht vom 18.10.2022. Sicher warten Sie schon auf eine Nachricht von uns. Bitte entschuldigen Sie, die lange Bearbeitungszeit.
Wie Sie sicherlich in der Presse verfolgt haben, wurde die Gasumlage, die eine Grundlage unseres Preisanpassungsschreibens war, nicht in Kraft gesetzt. Aus diesem Grund haben wir Ihre Preisanpassung korrigiert.
Ihre Konditionen ab den 01.11.2022:
Arbeitspreis: 11,25 ct/kWh
Grundpreis: 414,92 €/Jahr
Wir bitten um Verständnis, das wir aus firmenpolitischen Gründen keine genauen Zahlen nennen dürfen und können.
Unsere Grundgebühren bestehen aus Netznutzungsentgelten, Leitungsmieten sowie pauschalen für Ablesung und Wartung. Diese werden an den Netzbetreiber abgeführt.

01.11.2022 Ihr Gasvertrag Kundennummer: 000000000000(Gas)
Guten Tag,
vielen Dank für Ihre Nachricht vom 20.09.2022. Derzeit erreichen uns viele Kundenanfragen und wir sind bemüht, jede einzelne Anfrage individuell zu bearbeiten. Bitte entschuldigen Sie die daher verspätete Antwort.
Ein Widerruf der Preisanpassung ist nicht möglich. Die von Ihnen vereinbare Preisgarantie ist ausgelaufen. Bei dem neuen mitgeteilten Preis ab dem 01.11.2022 handelt es sich um eine Preisanpassung unsererseits. Ihnen steht ein außerordentliches Sonderkündigungsrecht zu. Sollten Sie dieses wahrnehmen wollen, benötigen wir Ihre Kündigung bis zum 31.10.2022. Sollten wir keine Kündigung von Ihnen erhalten, so gelten die im Preisanpassung angegebenen Konditionen ab dem 01.11.2022.



21.04.2023 Online im Vertrags-Kundencenter:
Tarifinformationen
Kundennummer 000000000000
Arbeitspreis * 11,25 ct/kWh
Grundpreis 34,58 €/Monat
Abschlag139 € Abschlag fällig am15.05.2023
Alle Preise inklusive aller Steuern und gesetzlichen Abgaben. Die Bruttopreise sind kaufmännisch gerundet. Die aktuell gültige EEG-Umlage ist in den Preisen enthalten.
* Die temporäre Mehrwertsteuerreduzierung für Gasverbräuche von 19 Prozent auf 7 Prozent, gültig vom 01.10.2022 bis voraussichtlich 31.03.2024, ist in den Bruttopreisen bereits berücksichtigt.


eprimo Strom Primaklima Vertrag seit 05.2022 Jahresverbrauch 8.500 kWh
Kündigungsfrist: 1 Monat, Arbeitspreis (brutto): 5,17 ct/kWh, Grundpreis (brutto): 13,62 €/Monat



11.01.2023 Ab dem 01.03.2023 gelten daher folgende Konditionen
Bisherige Konditionen Neue Konditionen
Arbeitspreis: 19,11 ct/kWh Arbeitspreis: 51,96 ct/kWh
Grundpreis: 110,06€/Jahr Grundpreis: 110,10€/Jahr

07.02.2023 Widerspruch Strompreiserhöhung - Kundennummer: 1111111111
Sehr geehrte Damen und Herren,
in Ihrem Schreiben vom 11.01.2023 kündigen Sie an, dass Sie neue Preise geltend machen. Die
neuen Preise beziehen sich auf eprimo Strom Primaklima und soll zum 01.03.2023 wirksam werden.
hiermit möchte ich Ihre Preiserhöhung anfechten und widersprechen:
1. Die Preiserhöhung war versteckt und ist daher nicht wirksam.
2. Die Preiserhöhung ist überzogen und daher ebenfalls nicht wirksam.
3. Ich zweifle die Wirksamkeit Ihrer Preisänderungsklausel in Ihren AGBs an.

Zu 1.:
Ihre Infobroschüre ,,Anpassung Ihrer Produktdetails,, beinhaltete mit keinem Wort eine Preiserhöhung und war deshalb für mich nicht relevant.
Zudem wird die Preiserhöhung lediglich in einer Tabelle kommuniziert. Dies sind nur die offensichtlichsten Mängel Ihres Schreibens. Weitere Mängel, die die Preiserhöhung verschleiern, sind z.B.:
• Der Betreff der E-Mail weißt nicht eindeutig auf eine Preiserhöhung hin. Das LG Hamburg (Az: 312 O 453/18) urteilte, dass der E-Mail-Betreff eindeutig auf die Preiserhöhung hinweisen muss, um dem §41 (3) EnWG zu genügen.
• fehlende Hervorhebung der Preiserhöhung. Eine Hervorhebung ist jedoch zwingend geboten, wenn nicht ausschließlich Preisinformationen kommuniziert werden (OLG Köln, Az: 6 U 303/19).
• Das Wort „Preiserhöhung" wird im Text nicht verwendet sondern geschickt umschrieben, ,,Anpassung Ihrer Produktdetails,,

Sie haben den wahren Grund der Preiserhöhung nicht angegeben. Denn wie ich unter 2. noch darlegen werde, können die von Ihnen aufgeführten Gründe gar nicht die Preiserhöhung erklären. Sie haben somit auch diesbezüglich nicht transparent kommuniziert!
In Summe zeichnet sich das Anschreiben durch zahlreiche Eigenschaften aus, die die Preiserhöhung verschleiern. Diese Unzulänglichkeit wurde bereits in anderen Gerichtsverfahren bemängelt und Gerichte haben dem Verbraucher Recht gegeben (z.B. AG Wennigsen (AZ: 10 C 2/17); AG Delmenhorst (AZ: 44 C 4120/14 (I)); LG Hamburg Az.: 312 O 514/16); LG Düsseldorf (AZ: 12 O 177/14); OLG Düsseldorf (AZ: I-20 U 37/16); LG Köln (Az: 31 O 329/18)). Regelmäßig mahnt auch die Verbraucherzentrale derartige Preiserhöhungen ab (siehe z.B. hier: https://www.verbraucherzentrale.nrw/aktuelle-meldungen/energie/preiserhoehungen-in-emails-versteckt-vier-stromversorger-abgemahnt- 26002)


Zu 2.:
Der Energieversorger darf (a) seinen anfänglichen Gewinnanteil (mit Ausnahme des Neukundenbonus) nicht erhöhen – die Preise dürfen nur im Rahmen der tatsächlichen Gesamtkostenentwicklung angepasst werden. Der Energieversorger darf somit den Umfang der Preiserhöhung nicht wahllos festlegen, sondern er muss diese (b) auf eine Berechnungsgrundlage stützen. Damit soll verhindert werden, dass der Energieversorger seine Gestaltungsmacht zu Lasten der Kunden ausnutzt. Mir als Verbraucher muss bei Vertragsabschluss möglich sein zu erkennen, in welchem Umfang spätere Preiserhöhungen auf mich zukommen können. Diesen Grundsatz haben Sie auch in Ihren AGBs verankert. Zudem sichern Sie zu, dass Sie Kostensenkungen von Kostensteigerungen abziehen. Diesen Grundsatz können Sie nur erfüllen, wenn Sie eine nachvollziehbare Berechnungsgrundlage aufstellen, die Sie ja ohnehin Ihrem Kunden mitteilen müssen (siehe „Zu 1" à BGH (VIII ZR 247/17)) und wenn Sie nicht willkürlich Ihre Preise erhöhen. Beides zweifle ich an, wie nachfolgend begründe:
• Aus meiner Sicht könnte eine nachvollziehbare Berechnungsgrundlage so aussehen, dass Sie z.B. alle variablen und fixen Kostensteigerungen (z.B. Steuern und Energiebeschaffungspreise; in Summe 2 Cent / kWh) und alle fixen Kostensteigerungen (z.B. Anstieg Kundenverwaltungskosten pro Kunde um 1 €) auflisten und im gleichen Verhältnis den Arbeitspreis (also auch um 2 Cent / kWh) und den Grundpreis (also um 1 €) erhöhen.

Seriöse Strom- und Gasanbieter stellen eine nachvollziehbare Berechnungsgrundlage auch in Sonderverträgen bereit.
Da dies bei Ihnen nicht gegeben ist, vermute, dass Sie Ihre Preise willkürlich erhöht haben. Meine Befürchtung wird durch b) bestätigt.
• Ferner dürfen Sie nur Kostensteigerungen weitergeben – Sie dürfen aber nicht Ihren Gewinn nachträglich steigern. Ich verweise dabei auf Ihre eigenen AGBs (Sie verpflichten sich Preiserhöhungen nach billigen Ermessens vorzunehmen und nach Maßgabe der Entwicklung der für die Preisbildung maßgeblichen Faktoren; Sie verpflichten sich sowohl kostensteigende als auch kostensenkende Preiskomponenten zu berücksichtigen etc.) und auf die ständige Rechtsprechung des BGH – siehe bspw. https://forum.energienetz.de/index.php/topic,20355.msg118047.html#msg11 8047 – Auszug: „…berechtigen ihre Anpassungsrechte die Versorger zu Preiserhöhungen nur, soweit sie damit unvermeidbare Kostensteigerungen OHNE ERZIELUNG EINES ZUSÄTZLICHEN GEWINNS an die Kunden weitergeben und dabei Kostensenkungen auch zeitlich ebenso und nach den gleichen Maßstäben berücksichtigen wie Kostensteigerungen. Halten sich einseitige Preiserhöhungen nicht innerhalb dieser Grenzen, sind sie vom Anpassungsrecht des Versorgers nicht gedeckt und damit unwirksam." Die Höhe der Preiserhöhung lässt vermuten, dass Sie die Preise entgegen Ihrer AGBs nicht anhand der Kostensteigerungen vornehmen. Dies möchte ich nachfolgend begründen.
Sie haben den Arbeitspreis erhöht. Hierbei handelt es sich um den verbrauchsabhängigen Preisbestandteil, der nur aufgrund von steigenden variablen Kosten Ihres Betriebs (z.B. Energiebeschaffung) erhöht werden darf – Preissteigerungen in Fixkosten, wie z.B. Investitionen in Service oder Digitalisierung dürfen hingegen nicht einfließen. Ob Sie sich an die Vorgaben (a) und (b) halten, kann ferner anhand der Preiserhöhungen von Grundversorgern abgeschätzt werden.
Es ist unwahrscheinlich, dass ihre arbeitspreisbezogenen Kosten (z.B. Steuern und Energiebeschaffungskosten) deutlich höher ausgefallen sind als bei allen anderen Unternehmen. Aufgrund der hohen Preiserhöhung ist anzunehmen, dass
1. Sie die Preiserhöhung nicht anhand einer nachvollziehbaren Kalkulationsgrundlage vorgenommen haben und
2. dass Sie die Preise deutlich stärker erhöhen als Ihre Kosten angestiegen sind. Dadurch ist davon auszugehen, dass Sie nicht nur die Kosten weitergeben, sondern dass Sie Ihren Gewinnanteil nachträglich steigern wollen. Dies ist aber nicht zulässig.

Sie begründen die Preiserhöhung damit, dass Ihre Kosten für die Beschaffung gestiegen seien. Sie behaupten, dass die Kostensteigerungen am Beschaffungsmarkt zu einer Störung der Geschäftsgrundlage geführt haben und daher eine Preiserhöhung möglich sei.
Durch die zwischen uns vertraglich vereinbarte (eingeschränkte) Preisgarantie ist jedoch die Weitergabe gestiegener Beschaffungskosten ausgeschlossen.
Darüber hinaus stellen die Beschaffungskosten auch keine Störung der Geschäftsgrundlage dar, da die Steigerung der Beschaffungskosten grundsätzlich in Ihrem unternehmerischen Risikobereich liegt. Zusätzlich haben Sie dieses Risiko durch die Preisgarantie vertraglich ausdrücklich übernommen. Sie können sich daher nicht auf den Wegfall der Geschäftsgrundlage berufen. Ich halte Ihre angekündigte Preiserhöhung daher für unwirksam und weise diese zurück. Ich fordere Sie auf, mich zu den vertraglich vereinbarten Preiskonditionen weiter zu beliefern.
Es ist unrealistisch, dass für den Anbieter die Kosten derart gestiegen sind. Da die Beschaffungs- und Betriebskosten des Anbieters nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten ausmachen, müssten deren Kosten geradezu explodiert sein, um die die Erhöhung des Preises zu rechtfertigen! Dies ist unrealistisch. Weder die an der Börse gehandelten Beschaffungspreise noch die Jahresabschlüsse Ihres Unternehmens deuten auf derartige Preisanstiege in der Vergangenheit hin. Daher ist davon auszugehen, dass der Anbieter doch seinen Gewinn nachträglich gesteigert hat. Damit verstößt dieser nicht nur gegen geltendes Recht (BGH (VIII ZR 247/17)) sondern auch gegen seine eigenen AGBs, weil er sich selbst verpflichtet, lediglich Kostensteigerungen weiterzugeben!
Im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung müssten Sie die Billigkeit der Preiserhöhung inklusive einer nachvollziehbaren Berechnungsgrundlage nachweisen.
Ich fordere Sie hiermit auf, die Erforderlichkeit und Angemessenheit Ihrer Preiserhöhung anhand einer nachvollziehbaren und prüffähigen Kalkulationsgrundlage nachzuweisen. Ich bitte Sie zudem auf, Ihrer Pflicht nachzukommen und Kopien der für die Preisberechnung relevanten Dokumente mir zukommen zu lassen. Ich würde gerne selber überprüfen, ob die Kostensteigerungen durch Ihre eigenen AGBs gedeckt sind und Sie tatsächlich nur die Kostensteigerungen weitergeben.
Zu 3.:
Die Klauseln müssen den Anlass und den Modus der Änderung der Entgelte transparent darstellen, so dass der Verbraucher mögliche Änderungen der Entgelte anhand klarer und verständlicher Kriterien absehen kann. (EuGH Az. C-359/11 und C-400/11; C-92/11). Der Verbraucher muss also einschätzen können, mit welchen Preisänderungen er rechnen darf/muss. Der BGH fordert ferner den Kunden aufzuklären, dass der Versorger die Pflicht hat, Kostensenkungen genauso wie Kostenerhöhungen nach den gleichen Maßstäben an den Kunden weiterzugeben (VIII ZR 225/07 Rn 23).
Wenn ich mir Ihre AGBs anschaue, so habe ich ernste Zweifel, ob all diese Anforderungen erfüllt sind. Selbst wenn Ihre AGBs diesen Anforderungen genügen, so habe ich unter 2. dargelegt, dass Sie diesen hier aufgeführten Anforderungen nicht nachgekommen sind.
FAZIT:
Ihre Preiserhöhung verstößt gegen das Gesetz und gegen Ihre eigenen AGBs, weil die Preiserhöhung versteckt mitgeteilt wurde, es an einer detaillierten Berechnungsgrundlage offensichtlich fehlt (diese hätte mir auch aufgezeigt werden müssen!) und Sie ihren Gewinnanteil nachträglich steigern wollen. Auch Ihre Preisänderungsklausel ist wahrscheinlich nicht wirksam.
Vor diesem Hintergrund ist die Preiserhöhung unzulässig. Ich fordere Sie hiermit auf, die Preiserhöhung zurückzunehmen.
Sollten Sie aufgrund dieses Sachverhalts die Abschlagszahlungen erhöht haben, fordere ich Sie auf, dies zurückzunehmen.
Für meine Forderungen setzen ich Ihnen eine 14-tätige Frist (21.02.2023)
Wenn Sie meiner Forderung nicht vollkommen nachkommen möchten, fordere ich Sie auf, die Rechtmäßigkeit der Preiserhöhung zu begründen und auf meine Argumente einzugehen. Tun Sie dies nicht, sehe ich mich in Recht und werde mich auf Kompromissangebote etc. nicht einlassen. Mein begründeter Widerspruch gegen die Preiserhöhung hat die Nicht-Fälligkeit des Anspruchs zur Folge. Ich möchte Sie daher bitten, von Mahnungen, Sperrandrohungen etc. abzusehen. Ich kenne meine Rechte.
Rein vorsorglich weise ich darauf hin, dass selbst wenn § 313 Abs. 1 BGB einschlägig wäre und die entsprechende Anpassung zum Wegfall der vertraglich vereinbarten Preisgarantie führen würde, die Preiserhöhung nicht wirksam sein könnte, da von Ihnen die Ankündigungsfrist für eine Preisanpassung, die laut Ihrer AGB gilt, nicht eingehalten worden ist. Des Weiteren widerspreche ich auch vorsorglich den von Ihnen angekündigten Änderungen der allgemeinen Geschäftsbedingungen. Zusätzlich stelle ich ausdrücklich fest, dass der Widerspruch gegen die von Ihnen angekündigte Preiserhöhung und AGB Änderung keine Kündigung des Vertragsverhältnisses ist und Ihnen auch kein Recht zur außerordentlichen Kündigung gibt. Sollten Sie meine Erklärung als Kündigung werten und die Belieferung einstellen, dann würden Sie Ihre Leistungspflichten aus unserem Vertragsverhältnis verletzen und sich schadensersatzpflichtig machen. Ebenfalls möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass Ihnen kein außerordentliches Kündigungsrecht aus § 313 Abs. 3 BGB zusteht. Ich behalte mir vor, gegebenenfalls ein Schlichtungsverfahren bei der Schlichtungsstelle Energie einzuleiten.
Weiterhin stelle ich hiermit klar, dass ich mir bei künftig geleisteten Zahlungen
vorbehalte, zu viel bezahlte Beträge infolge überhöhter Preise zurückzuverlangen.
Insofern erfolgen die Zahlungen zwar mit rechtsverbindlicher Wirkung, aber ohne die
Anerkennung einer Rechtspflicht.
Mit freundlichen Grüßen,

21.04.2023 Anbieter eprimo Strom Primaklima hat bis dato nicht geantwortet

21.04.2023 Online im Vertrags-Kundencenter:
Tarifinformationen
Kundennummer 1111111111
Arbeitspreis * 51,96 ct/kWh
Grundpreis 9,18 €/Monat
Abschlag170 €
Abschlag fällig am28.04.2023
PrimaKlima-Bonus1

Alle Preise inklusive aller Steuern und gesetzlichen Abgaben. Die Bruttopreise sind kaufmännisch gerundet. Die aktuell gültige EEG-Umlage ist in den Preisen enthalten.

* Der angezeigte Arbeitspreis berücksichtigt die seit dem 01.07.2022 geltende EEG-Reduzierung auf 0,00 ct/kWh in Höhe von 3,723 ct/kWh netto (4,43 ct/kWh brutto). Aufgrund eines technischen Problems kann derzeit der vorher geltende Arbeitspreis nicht angezeigt werden. Dies wird kurzfristig angepasst. Sie finden den bisherigen Arbeitspreis in Ihren Dokumenten im Posteingang des Kundenportals. Haben Sie einen Tarif mit Arbeitspreisrabatt im ersten Jahr abgeschlossen, werden Ihnen ggf. mehrere Arbeitspreise angezeigt. Der erste Preis meint dabei den seit dem 01.07.2022 geltenden Arbeitspreis, der zweite meint den Preis, der nach dem Wegfall des Arbeitspreisrabattes zum Beginn des 13. Belieferungsmonats fällig wird.
Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Anpassung der Darstellung.


-- Editiert von Moderator topic am 21. April 2023 23:08

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2 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(121274 Beiträge, 40002x hilfreich)

Zitat (von ich bin s nur):
Wenn ich einen Widerruf verfasse

Sollte man sinnigerweise auch ein Widerrufsrecht haben ...



Zitat (von ich bin s nur):
müsste mir doch der Anbieter Kündigen, da er mir den Vertrag nicht mit meinen geforderten Nachweisen erbracht hat ?

Nicht mal im Ansatz.

Wenn dem Kunden was nicht passt, kann der Kunde selber kündigen.
Bei Preiserhöhungen sogar recht kurzfristig.



Zitat (von ich bin s nur):
ist doch der Anbieter nicht seiner Nachsichtspflicht zur Information nachgekommen ?

Was soll eine "Nachsichtspflicht zur Information" sein?



Zitat (von ich bin s nur):
aber ist das Erfolgsversprechend

In Ermangelung hellseherischer Fähigkeiten nicht seriös zu beantworten.



Zitat (von ich bin s nur):
was wird da geschlichtet ?

Da was vermutlich nicht um eine Kuchenglasur geht, bleibt wohl nur die Streitigkeit



Zitat (von ich bin s nur):
und nachträglich den Anbieter verklagen nebst Zinsen ?

Wenn man kein Geld hat um Rechnungen zu zahlen, macht es nicht wirklich sin den Gläubiger zu verklagen.
Ehe ist es regelmäßig umgekehrt der Fall, der Schuldner wird verklagt.



Zitat (von ich bin s nur):
Gibt es schon Gerichtsurteile über Klagen gegen Netzbetreiber/Verbrauchsanbieter darüber ?

Urteile wegen Klagen gegen Netzbetreiber/Verbrauchsanbieter gibt es jede Menge.
Die Frage ist nur, was das "darüber" sein soll ...



Zitat (von ich bin s nur):
Kann ich jetzt schon einen Anwalt einschalten (Rechtsschutz premium besteht) oder erst die Rechnung im Mai 2023 abwarten.

Das könnte sich einem erschließen, wenn man die uns unbekannten vertraglichen Vereinbarungen / betreffenden Klauseln / Absprachen / Satzungen etc. liest.

Kennt man diese, kann man sinnvoll weiterdiskutieren.

Bei Unklarheiten gerne wieder hier melden, den Wortlaut posten, dann können wir zielführend dazu diskutieren.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
drkabo
Status:
Weiser
(16713 Beiträge, 9359x hilfreich)

zu 1)
Bei einer Erhöhung haben Sie kein Widerrufsrecht, sondern ein Sonderkündigungsrecht.
Wenn Sie mit den neuen Bedingungen nicht einverstanden sind, gilt das als Kündigung für den Zeitpunkt der Erhöhung.

zu 4)
Wenn Sie sich einerseits eine "Rechtsschutz premium", einen Urlaub und eine Photovoltaik-Anlage leisten, andererseits aber nicht genug Geld haben, die Stromrechnung zu bezahlen, dann besteht bei der eigenen Ausgabenplanung Optimierungspotenzial, bei dem ich zuerst ansetzen würde, bevor ich an einen Kredit denke.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

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