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Inkasso ohne Erhalt der Rechnung und Mahnung

13.11.2020 Thema abonnieren
 Von 
SandraE
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)
Inkasso ohne Erhalt der Rechnung und Mahnung

Hallo zusammen,
ich hoffe hier kann mir jemand kurz und knackig und vielleicht zeitnah eine Antwort geben.

Am 03.07.20 habe ich online eine Bestellung mit Kauf auf PayPal Rechnung getätigt.
Da ich keine AB erhalten habe, habe ich den Verkäufer kontaktiert. Dabei wurde festgestellt,
dass die E-Mail Adresse eine Tippfehler beinhaltet. Die Dame am Telefon hat mir versichert
das sie die E-Mail Adresse im System korrigiert hat, sie mir keine AB mehr senden kann,
ich aber dann die Rechnung per E-Mail erhalte. Das ist leider nicht passiert. Aus den Augen aus dem Sinn.

Am 08.09.2020 flatterte dann das Inkassoschreiben per Post ein. Das habe ich direkt kontaktiert.
Die wiederum haben mich an PayPal verwiesen. Telefonisch niemand erreichbar mit
Ansage: "Zur Zeit leider nicht erreichbar". Nochmal das Inkassounternehmen kontaktiert usw.
Dann bin ich auf den Trichter gekommen den Verkäufer zu kontaktieren. Der hat mir dann am 18.09.2020
die Rechnung per E-Mail zugesandt. Fälligkeit in der Rechnung war auf den 02.08.2020 datiert.
Des weiteren hat er mir empfohlen den regulären Betrag direkt an PayPal zu zahlen,
was ich taggleich gemacht habe. Jetzt ein erneutes Schreiben vom Inkassobüro am 10.11.2020 erhalten
über die reinen Inkassokosten (Verzugsschaden zzgl. Auslagen und Zinsen).

Meine Fragen:
- War ich auch ohne Erhalt der Rechnung in Verzug (Rechnung war ja auf den 02.08.2020 datiert)?
- Muss ich die Inkasso Gebühren zahlen und sind diese rechtens (Verzugsschaden zzgl. Auslagen)
und in welchem Verhältnis? Die Hauptforderung von 19,46€ ist beglichen das Inkasso fordert
obendrauf noch 70,24€ ein.

Vielen lieben Dank für eure Antworten.

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10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(99865 Beiträge, 36976x hilfreich)

Zitat (von SandraE):
- War ich auch ohne Erhalt der Rechnung in Verzug (Rechnung war ja auf den 02.08.2020 datiert)?

Das sollte sich aus den uns unbekannten vertraglichen Vereinbarungen ergeben. Es bedarf meist keiner Rechnung um in Verzug zu geraten.



Zitat (von SandraE):
das Inkasso fordert obendrauf noch 70,24€ ein.

Für was genau?


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
SandraE
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Erstmal vielen Dank für die Rückmeldung.

Ich hab mich falsch ausgedrückt, nicht die Rechnung war auf den 02.08.2020 datiert sondern das Zahlungsziel. Rechnung habe ich jedoch nie erhalten bzw. erst auf Anforderung am 18.09.2020.

Die Inkassokosten von 70,24€ werden als Verzugsschaden zzgl. Auslagen und Zinsen ausgewiesen.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(99865 Beiträge, 36976x hilfreich)

Zitat (von SandraE):
nicht die Rechnung war auf den 02.08.2020 datiert sondern das Zahlungsziel.

Wenn das Zahlungsziel entsprechend bekannt war, bedurfte es keiner Rechnung mehr um Verzug auszulösen.
Von daher ist Verzug wohl eingetreten.



Zitat (von SandraE):
Die Inkassokosten von 70,24€ werden als Verzugsschaden zzgl. Auslagen und Zinsen ausgewiesen.

Da würde ich allenfalls 15-20 EUR als angemessen ansehen.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
fdl_db
Status:
Beginner
(117 Beiträge, 10x hilfreich)

Hattest du das Geld am 18.09.2020 an PayPal überwiesen?

Da die Forderung an PayPal beglichen wurde und das Geld angenommen wurden, gilt die gesamte Forderung gem. §367 II BGB als beglichen.

Du hast also PayPal die Hauptforderung überwiesen.
Gem. §367 I BGB, wird bei einer anteiligen Überweisung der Schuldsumme, das überwiesene Geld erst auf die Kosten, dann auf die Zinsen und dann auf die Hauptforderung angerechnet.
Jetzt greift aber auch noch der Absatz II vom §367 BGB, worin es heißt, dass der Schuldner eine andere Verrechnung bestimmen kann und der Gläubiger dies ablehnen kann.

Da dies vom Gläubiger nicht abgelehnt wurde, gilt nun, dass die 19,46 Euro, die du überwiesen hattest, angenommen wurden und du einer anderen Verrechnung zugestimmt wurde.

Hierbei kannst du dich also auf §367 BGB berufen.

Des weiteren sind 70,24 Euro für ein Inkassobüro viel zu hoch.
Dies würde ich also ebenfalls ablehnen und der Forderung widersprechen.
Wurde dir eine Vollmachtserklärung vorgelegt?
Falls nein, kannst du die ja erstmal bei Laune halten und eine anfordern, weil vorher würde ich denen eh kein Geld überweisen.
Wenn du dann irgendwann die Vollmacht bekommen hast, diese aber kein Original ist oder eine Generalvollmacht ist, dann würde ich dies ebenfalls ablehnen.

Außerdem würde ich noch eine detaillierte Kostenaufstellung verlangen, indem belegt ist, wie viele Kosten für was genau entstanden sind.

Und vor Gericht würde jeder Richter die überhöhte Forderung vom Inkasso ablehnen, da das Inkassobüro vor Gericht ebenfalls die detaillierte Kostenaufstellung vorlegen müsste und die könnten die 70,24 Euro nicht rechtfertigen.

Im Zweifel könntest du denen ein Vergleichsangebot vorschlagen in Höhe von maximal 10 Euro.

Signatur:

Bei mir gilt im übrigen §675 Abs. 2 BGB.

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
SandraE
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von fdl_db):
Hattest du das Geld am 18.09.2020 an PayPal überwiesen?

Da die Forderung an PayPal beglichen wurde und das Geld angenommen wurden, gilt die gesamte Forderung gem. §367 II BGB als beglichen.

Du hast also PayPal die Hauptforderung überwiesen.
Gem. §367 I BGB, wird bei einer anteiligen Überweisung der Schuldsumme, das überwiesene Geld erst auf die Kosten, dann auf die Zinsen und dann auf die Hauptforderung angerechnet.
Jetzt greift aber auch noch der Absatz II vom §367 BGB, worin es heißt, dass der Schuldner eine andere Verrechnung bestimmen kann und der Gläubiger dies ablehnen kann.

Da dies vom Gläubiger nicht abgelehnt wurde, gilt nun, dass die 19,46 Euro, die du überwiesen hattest, angenommen wurden und du einer anderen Verrechnung zugestimmt wurde.

Hierbei kannst du dich also auf §367 BGB berufen.

Des weiteren sind 70,24 Euro für ein Inkassobüro viel zu hoch.
Dies würde ich also ebenfalls ablehnen und der Forderung widersprechen.
Wurde dir eine Vollmachtserklärung vorgelegt?
Falls nein, kannst du die ja erstmal bei Laune halten und eine anfordern, weil vorher würde ich denen eh kein Geld überweisen.
Wenn du dann irgendwann die Vollmacht bekommen hast, diese aber kein Original ist oder eine Generalvollmacht ist, dann würde ich dies ebenfalls ablehnen.

Außerdem würde ich noch eine detaillierte Kostenaufstellung verlangen, indem belegt ist, wie viele Kosten für was genau entstanden sind.

Und vor Gericht würde jeder Richter die überhöhte Forderung vom Inkasso ablehnen, da das Inkassobüro vor Gericht ebenfalls die detaillierte Kostenaufstellung vorlegen müsste und die könnten die 70,24 Euro nicht rechtfertigen.

Im Zweifel könntest du denen ein Vergleichsangebot vorschlagen in Höhe von maximal 10 Euro.



WOW, vielen lieben Dank für die Ausführliche Antwort und Ratschläge! :-)
Ja, ich habe die Rechnung direkt nach Erhalt am 18.09.2020 an PayPay angewiesen
und dann sage und schreibe 2 Monate nichts mehr gehört.

Ich hab das erste Mal ein Inkasso an der Backe, reicht es jetzt für's Erste mich auf mich auf §367 zu berufen
oder soll ich im gleichen Zuge die Vollmachtserklärung und detaillierte Kostenaufstellung anfordern?

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
SandraE
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat:
Wenn das Zahlungsziel entsprechend bekannt war, bedurfte es keiner Rechnung mehr um Verzug auszulösen.
Von daher ist Verzug wohl eingetreten.


Das ZZ war mir ja nicht bekannt, da mir die Rechnung ja nicht vorlag.
Das ZZ hab ich am 18.09.2020 der Rechnung entnommen.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Mr.Cool
Status:
Richter
(8430 Beiträge, 3435x hilfreich)

Dann prüfe anhand der AGB und dem Angebotstext ob nicht etwas dort steht wie "zahlbar binnen 14 Tage nach Erhalt", was eigentlich die übliche Frist ist.
Wenn Du weder AB noch Rechnung, noch irgendwelche Mahnungen erhalten hast, dann wäre das evtl. ein Ansatzpunkt. Die Beauftragung eines Inkassobüros ist hier auch völlig unnötig gewesen. Wenn einem keine Daten für die Zahlung vorliegen ...

Signatur:

Vernunft ist wichtiger als Paragraphen

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
fdl_db
Status:
Beginner
(117 Beiträge, 10x hilfreich)

Zitat (von SandraE):
soll ich im gleichen Zuge die Vollmachtserklärung unddetaillierte Kostenaufstellung anfordern?


Widerspreche der Forderung, verlange die Vollmacht, berufe dich auf §367 BGB und fordere kess die detaillierte Kostenaufstellung, da der Betrag überhöht ist und eine 0,3 Gebühr angemessen wäre.

Signatur:

Bei mir gilt im übrigen §675 Abs. 2 BGB.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
SandraE
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat:
Widerspreche der Forderung, verlange die Vollmacht, berufe dich auf §367 BGB und fordere kess die detaillierte Kostenaufstellung, da der Betrag überhöht ist und eine 0,3 Gebühr angemessen wäre.


Hab ich so gemacht und im Anschluss folgenden Satz unter der Forderungsabrechnung entnommen: "Die Verrechnung von Teilzahlungen erfolgt gemäß § 367 BGB".

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Nun bin ich wohl kein Stück weiter.

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
SandraE
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Mr.Cool):
Dann prüfe anhand der AGB und dem Angebotstext ob nicht etwas dort steht wie "zahlbar binnen 14 Tage nach Erhalt", was eigentlich die übliche Frist ist.
Wenn Du weder AB noch Rechnung, noch irgendwelche Mahnungen erhalten hast, dann wäre das evtl. ein Ansatzpunkt. Die Beauftragung eines Inkassobüros ist hier auch völlig unnötig gewesen. Wenn einem keine Daten für die Zahlung vorliegen ...


Vielen Dank erstmal.

Ich hab's mal mit rein genommen: "Mich haben weder Auftragsbestätigung, Rechnung noch Mahnungen erreicht. Ohne diese Unterlagen war mir weder das Zahlungsziel noch die Kontodaten und der Verwendungszweck bekannt. Ich habe ordnungsgemäß auf meine korrekte Adresse bestellt, meine korrekte E-Mail Adresse sowie Handynummer sind ebenfalls bekannt. Für Mahnungen und Rechnung, die aus purer Willkür an falsche Adressen verschickt werden bin ich nicht verantwortlich."

Pure Willkür deshalb zumal der Versandhändler als auch das Inkassounternehmen mir die Mail Rückläufe bestätigt haben am Telefon.

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