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Versicherung begeht Formfehler, was ist rechtskräftig?!

15. November 2021 Thema abonnieren
 Von 
Malustras
Status:
Schüler
(160 Beiträge, 18x hilfreich)
Versicherung begeht Formfehler, was ist rechtskräftig?!

Hallo,

in dem Fall geht es um eine Reparatur eines Motorrades aufgrund eines Sturmschadens.
Die Versicherung vereinbart mit dem Kunden telefonisch die Kostenübernahme der Reparatur nach Gutachter Besichtigung
und bestätigt der Werkstatt schriftlich die volle Kostenübernahme bis Summe X mit einer Selbstbeteiligung von 0€ !!!
Die Reparatur bis Summe X sei plausibel. Die Versicherung wird laut Kostenübernahme den vollen Betrag an die Werkstatt auszahlen.

Nun schickt die Versicherung dem Kunden eine Kostenaufstellung (nachdem der Roller bereits repariert und abgeholt ist) mit einer Selbstbeteiligung von 150€, die scheinbar auch die Werkstatt erhält, woraufhin sich die Werkstatt bei der Versicherung meldet und fragt, was da los ist und natürlich die 150€ für die erbrachte Leistung fordert. Die Versicherung meldet sich nun beim Kunden, bemerkt einen eigenen Fehler und sagt, dass der Kunde ja die eigene Versicherung kenne und es sich um ein "Büroversehen" handele und daher natürlich trotzdem die 150€ Selbstbeteiligung zahlen müsse.

Ist das wirklich klar, oder muss der Kunde die Selbstbeteiligung NICHT zahlen?
Die Kostenübernahme sagt nämlich schriftlich eine vollständige Übernahme mit 0€ Selbstbeteiligung und Überweisung an die Werkstatt aus und beide Seiten haben unterschrieben.

Das finde ich sehr interessant und dachte, dass ich hier mal frage.


VG

-- Editiert von Malustras am 15.11.2021 12:37

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7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
lesen-denken-handeln
Status:
Richter
(8324 Beiträge, 4013x hilfreich)

Hallo,

meiner meinung nach spielt es keine Rolle ob es dem Kunden klar war oder nicht, es war ein Irrtum der Versicherung, welcher nach bekanntwerden natürlich korrigiert werden kann.

Allerdings hätte es dem Kunden auch so klar sein müssen, würde ich sagen...

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Malustras
Status:
Schüler
(160 Beiträge, 18x hilfreich)

Zitat (von lesen-denken-handeln):
meiner meinung nach spielt es keine Rolle ob es dem Kunden klar war oder nicht, es war ein Irrtum der Versicherung, welcher nach bekanntwerden natürlich korrigiert werden kann.

Allerdings hätte es dem Kunden auch so klar sein müssen, würde ich sagen...


Klingt nicht so sicher.
Dem Kunden war es nicht klar, weil die Kostenübernahme sogesehen ein separater Werkstattvertrag ist.
Die Versicherung hat schriftlich zugesichert, dass die Kosten bis Summe X vollständig und mit 0€ Selbstbeteiligung übernommen werden. Alle Seiten haben das unterzeichnet und die Reparatur wurde vollständig durchgeführt, die Abnahme und Mitnahme des Motorrades erfolgte. Selbst wenn in der Kasko Versicherung nun grundsätzlich eine SB vereinbart ist, war es in dem Fall jetzt aber nicht so. Der Kunde versteht in dem Fall, dass es sich um eine Summe oder Situation gehandelt habe, wo es nicht notwendig war,
da am Telefon vorab gesagt wurde, dass die Summe X kein Problem darstellen und das Schriftstück dann so aufgesetzt wurde.

Wenn man im Nachhinein die offizielle Kostenzusage einfach revidieren kann, obwohl alle Seiten unterschrieben haben
und diese Kostenzusage im übrigen auch bereits mehrere Wochen zurück liegt, dann hätte die Unterschrift ja gar keinen Wert und Verbindlichkeit? Als Kunde kann ich meine unterzeichneten Verträge ja auch nicht irgendwann einfach einseitig widerrufen, weil ich was falsches in den Vertrag geschrieben habe und davon ausgehe, dass die Gegenseite es ja sicherlich wusste.


-- Editiert von Malustras am 15.11.2021 15:42

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
charlyt4
Status:
Bachelor
(3949 Beiträge, 871x hilfreich)

Zitat (von Malustras):
Selbst wenn in der Kasko Versicherung nun grundsätzlich eine SB vereinbart ist,


Wenn die vertraglich vereinbart ist, dann ist sie auch fällig.

Zitat (von Malustras):
war es in dem Fall jetzt aber nicht so.


Doch! Ein Irrtum eines Mitarbeiters ändert nichts an den vertraglichen Vereinbarungen.
Man wusste ja, dass man eine Kasko mit SB abgeschlossen hat.


Zitat (von Malustras):
die offizielle Kostenzusage


Besser die offizielle Kostenübernahmeerklärung. Und die Grundlage dafür ist der Versicherungsvertrag.

Zitat (von Malustras):
Als Kunde kann ich meine unterzeichneten Verträge ja auch nicht irgendwann einfach einseitig widerrufen, weil ich was falsches in den Vertrag geschrieben habe und davon ausgehe, dass die Gegenseite es ja sicherlich wusste.


Jetzt müsste man nur verstehen dass eine RKÜ kein Vertrag ist, sondern eine Erklärung der VS gegenüber der Werkstatt.

Zitat (von Malustras):
Klingt nicht so sicher.
Dem Kunden war es nicht klar, weil die Kostenübernahme sogesehen ein separater Werkstattvertrag ist.


Nein, das ist kein seperater Werkstattvertrag. Vielleicht einfach mal die RKÜ die man da unterschrieben hat durchlesen.

Signatur:

Gruß Charly

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Malustras
Status:
Schüler
(160 Beiträge, 18x hilfreich)

Danke für die ausführliche Antwort.
Klingt soweit plausibel, aber wer hindert die Versicherung daran zu meinen Gunsten die SB wegzulassen?
Das geht ja auch unabhängig von der ursprünglichen Police die man abgeschlossen hat, wenn der Fall es so hergibt.
Auch wenn es eine Kostenübernahmeerklärung ist, wird doch hier schriftlich mit Unterschriften festgehalten,
wie die Kostenabwicklung erfolgt. Und wenn der Versicherer zusagt, dass er die Kosten ohne SB übernimmt,
dann kann man doch nicht Monate später sagen, dass man nun doch die SB will. Welchen Wert hat sonst die Erklärung?
Das ist mir nicht ganz schlüssig. Hätte man den Fehler direkt korrigiert hätte ich es verstanden, aber Monate später? Komisch.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
charlyt4
Status:
Bachelor
(3949 Beiträge, 871x hilfreich)

Zitat (von Malustras):
Auch wenn es eine Kostenübernahmeerklärung ist, wird doch hier schriftlich mit Unterschriften festgehalten,
wie die Kostenabwicklung erfolgt.


Nein, eine RKÜ vereinfacht das ganze nur.

Du bist Auftraggeber und Kostenschuldner gegenüber der Werkstatt. Im Prinzip müsstest du die Reaparatur in der Werstatt erst bezahlen und anschließend die Rechnung bei deiner Versicherung einreichen.

Da du laut Versicherungsvertragsgesetz Forderungen die du gegenüber deiner VS hast nicht ohne Genehmigung abtreten kannst, ist eine RKÜ nötig.

Wer fordert eigentlich die SB?

Die Werkstatt oder die VS?

Zitat (von Malustras):
Klingt soweit plausibel, aber wer hindert die Versicherung daran zu meinen Gunsten die SB wegzulassen?


Wer sie daran hindert? Niemand; wäre dann aber halt Kulanz. Versuchen kannst du es ja.

Signatur:

Gruß Charly

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Malustras
Status:
Schüler
(160 Beiträge, 18x hilfreich)

Die Versicherung hat der Werkstatt nicht die vereinbarte volle Erstattung für die Reparatur gezahlt.
Deswegen haben die sich beschwert und die Versicherung sich beim Kunden gemeldet wegen der SB.
Sie wollten erst, dass der Kunde die 150€ an die Werkstatt als Rest überweist, was er aber nicht wollte,
da schriftlich nirgends aufgefordert wurde, eine SB zu zahlen geschweige denn an wen genau.
Das kann man ja nicht am Telefon besprechen, da war die schon tierisch genervt, aber sonst hat man ja keinen Nachweis.
Und jetzt soll der Kunde es eben direkt an die Versicherung überweisen.

Finde das Vorgehen etwas albern, habe aber weil mich das Thema interessiert und minimal triggert meine Rechtschutz angerufen :D
Die haben am Telefon allerdings auch gesagt, dass ich um die 150€ wahrscheinlich nicht herumkomme und es sich nicht lohnt, dafür eine Streitigkeit anzufangen, weil man unterstellen könne, dass der Fehler aufgrund der Police ja offensichtlich war.
Grundsätzlich könne man aber nachvollziehen, dass hier schlecht gearbeitet wurde und der Versicherer sich angreifbar gemacht hat. Das geht am Telefon allerdings auch immer wahnsinnig schnell und die geben da auch nur salopp eine persönliche Einschätzung ohne große Recherche.

Sei es drum ^^
Immerhin hat man mal Meinungen.
Gerade bei Versicherern find ich das immer triggernd, denn wenn man selbst was falsch macht, wird das sofort ausgenutzt.
Machen die was falsch, ist alles ok.

-- Editiert von Malustras am 15.11.2021 17:34

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(44069 Beiträge, 15716x hilfreich)

Zitat (von Malustras):
Wenn man im Nachhinein die offizielle Kostenzusage einfach revidieren kann, obwohl alle Seiten unterschrieben haben und diese Kostenzusage im übrigen auch bereits mehrere Wochen zurück liegt, dann hätte die Unterschrift ja gar keinen Wert und Verbindlichkeit?


Es aknn auch bei anderen Verträgen passieren, dass diese von einer Seite wegen Irrtums (§ 199 BGB) angefochten werden. Das geht sogar bei notariell beurkundeten Verträgen.

Zitat (von Malustras):
Als Kunde kann ich meine unterzeichneten Verträge ja auch nicht irgendwann einfach einseitig widerrufen, weil ich was falsches in den Vertrag geschrieben habe und davon ausgehe, dass die Gegenseite es ja sicherlich wusste.


Auf die Frage, ob die Gegenseite es gewusst hat, kommt es gar nicht an. Selbstverständlich kannst Du Verträge auch anfechten, wenn Dir selbst ein Irrtum unterlaufen ist. Jedoch ist nicht jeder Fehler auch ein Irrtum.

Hier kommt es darauf an, ob das Versicherungsbüro irrtümlich gedacht hat, der Versicherungsvertrag würde keinen Selbstbehalt vorsehen oder ob aus Kulanz auf den Selbstbehalt verzichtet werden sollte. War es irgendwie im Rahmen des Vertragsabschlusses ein Thema, dass die Versicherung auf den Selbstbehalt verzichtet?

Zitat (von Malustras):
Klingt soweit plausibel, aber wer hindert die Versicherung daran zu meinen Gunsten die SB wegzulassen?


Niemand, aber gibt es für diesen Willen irgendeinen Anhaltspunkt. Hat die veresicherung z.B. geäußert, dass der Kunde eine besonders günstige Werkstatt ausgewählt hat und deswegen wird auf den Selbstbehalt verzichtet?

Zitat (von Malustras):
Hätte man den Fehler direkt korrigiert hätte ich es verstanden, aber Monate später? Komisch.


Der Fehler muss unverzüglich korrigiert werden, nachdem er aufgefallen ist. Gibt es irgendeinen Anhaltspunkt dafür, dass der Fehler schon früher aufgefallen ist?

Zitat (von Malustras):
Und jetzt soll der Kunde es eben direkt an die Versicherung überweisen.


Warum das?

Zitat (von Malustras):
Gerade bei Versicherern find ich das immer triggernd, denn wenn man selbst was falsch macht, wird das sofort ausgenutzt.
Machen die was falsch, ist alles ok.


Es gilt für alle das gleiche Recht.

0x Hilfreiche Antwort

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