Kann sich der Verwalter durch Beschluss der Instandhaltungspflicht faktisch entziehen?

21. Mai 2023 Thema abonnieren
 Von 
Taboule
Status:
Frischling
(38 Beiträge, 23x hilfreich)
Kann sich der Verwalter durch Beschluss der Instandhaltungspflicht faktisch entziehen?

Hallo,

in unserer WEG sollen in der nächsten Versammlung 2 Dinge beschlossen werden:

1. Kostenzuordnung der Instandhaltung und Reparatur von Fenstern, Balkontür, Dachfenster, Wohnungseingangstüre durch den jeweiligen Sondereigentümer
2. Auftragsermächtigung des Sondereigentümers, diese Elemente durch "gleich aussehende" austauschen zu dürfen.

Es soll nun also jeder Eigentümer das Wahlrecht haben, sich entweder selbst darum zu kümmern oder die Beauftragung etc. weiterhin vom Verwalter zu verlangen. Um als Sondereigentümer die Kosten im Griff zu haben, wird sich der Beschluss faktisch so auswirken, dass sich jeder Eigentümer fortan selbst darum kümmern wird.

Damit ist der Verwalter einerseits für die Höhe der Instandhaltungskosten nicht mehr verantwortlich, und er entzieht er sich einer seiner Hauptaufgaben, der Beauftragung, Überwachung und Abrechnung der Handwerker. Also entzieht er sich (dank dem neuen §16 Abs.2 WEG) faktisch der Instandhaltungspflicht, zumindest für die in den Beschlussanträgen aufgeführten Elemente.

Ich befürchte, dass dies über die Jahre zu einem sehr uneinheitlichen Zustand der Anlage führen wird. Der zweite Beschluss erlaubt sogar den Austausch der Holzfenster mit Kunststoff oder Alufenstern. Diese dürfen zwar nicht zu einer "Veränderung der Aussenansicht" führen, das erscheint mir jedoch ein dehnbarer Begriff. Nach meinen Erfahrungen sieht man sofort wenn zwei nebeneinanderliegende Fenster nicht aus dem gleichen Material sind.

Wie seht ihr das?

Anbei noch den Wortlaut der Beschlussanträge.

Gruss
Martin


Wortlaut:

1) Die Kosten der Instandhaltung, Instandsetzung und Erneuerung der Fenster
einschließlich Dachflächenfenster und Rolläden oder Jalousien, Balkontüren,
Wohnungseingangstüren, die einer Wohnung zugeordnet sind, werden vom
jeweiligen Sondereigentümer dieser Wohnung getragen.

2) Der einzelne Sondereigentümer wird ermächtigt, die Instandhaltung,
Instandsetzung und die Erneuerung der seiner Wohnung zugeordneten Fenster
(einschließlich Dachflächenfenster), Balkontüren, Wohnungseingangstüren
selbst zu beauftragen, wobei dadurch die Außenansicht des Hauses bzw. der
Wohnung nicht verändert werden darf und daher die Elemente in Form und
Gestalt den bisherigen Elementen gleichen müssen. Es wird dem einzelnen
Eigentümer freigestellt, neue Elemente in Holz, Kunststoff oder anderem
Material ausführen zu lassen, wobei dadurch keine Veränderung der
Außenansicht entstehen darf.




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15 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Spezi-2
Status:
Senior-Partner
(6364 Beiträge, 2305x hilfreich)

Wieso entzieht sich der Verwalter ?
Beschlossen wird doch durch die Eigentümer und diese entbinden den Verwalter dadurch von Pflichten welche vermutlich im Verwaltervertrag stehen.
Ob es Sinn macht, jeden einzelnen Eigentümer die Verantwortung voll zu übertragen bzw. ob diese bereit sind, diese zu übernehmen können/müssen die Eigentümer ja selbst entscheiden.

Signatur:

Meine Beiträge sind keine juristischen Ratschläge, sondern sollen dem Erfahrungsaustausch dienen.

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#2
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Und? Dann rege eine Diskussion zu den Punkten an und stimme evtl. gegen den Beschluss.

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#3
 Von 
Taboule
Status:
Frischling
(38 Beiträge, 23x hilfreich)

Zitat (von bostonxl):
Dann rege eine Diskussion zu den Punkten an und stimme evtl. gegen den Beschluss.


Das werde ich natürlich machen. Ich suche daher nach Argumenten und/oder Erfahrungen mit solchen Beschlüssen.

Meine Erfahrung zeigt dass viele Eigentümer keine Vorstellung von den Konsequenzen haben und dem Verwalter Vollmacht geben. Die Beschlussanträge wurden aber von der Verwaltung eingebracht - daher meine Argumentation einer *faktischen* Entziehung von der Verantwortung.

Wenn "die Eigentümer" das beschliessen, müssen dann auch die, die dagegen stimmen, die Verantwortung übernehmen? Auch wenn sie es möglicherweise gar nicht können?

Es gibt viele Menschen die vom Haus in die Wohnung ziehen weil sie sich z.B. aus Altersgründen nicht mehr mit diesen Instandhaltungsthemen beschäftigen wollen oder können. Konsequenterweise müssten solche Eigentümer einen Instandhalter beauftragen und auch selbst Rücklagen anlegen!

Gruss
Martin



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#4
 Von 
R.M.
Status:
Bachelor
(3871 Beiträge, 2379x hilfreich)

Zitat (von Taboule):
Wortlaut:

1) Die Kosten der Instandhaltung, Instandsetzung und Erneuerung der Fenster
einschließlich Dachflächenfenster und Rolläden oder Jalousien, Balkontüren,
Wohnungseingangstüren, die einer Wohnung zugeordnet sind, werden vom
jeweiligen Sondereigentümer dieser Wohnung getragen.


Dies ist nach aktueller Gesetzeslage WEG (neu) zulässig:
Zitat (von § 16 Abs. 2 Satz 2):
Die Wohnungseigentümer können für einzelne Kosten oder bestimmte Arten von Kosten eine von Satz 1 oder von einer Vereinbarung abweichende Verteilung beschließen.
Diese Neuformulierung im Vergleich zum alten Gesetz ist absichtlich allgemeiner und weiter gefasst. Nach altem Recht durften solche Kostenverteilungen nur im Einzelfall beschlossen werden. Dies wurde im neuen Gesetz ausdrücklich anders geregelt, der Fall mit den Wohnungsfenstern wird in der Begründung des Referentenentwurfes sogar ausdrücklich so beschrieben.

Auch ohne diesen Vorsorgebeschluss war es bereit nach altem Recht möglich, im Einzelfall zu beschließen, dass der einzelne Eigentümer, dessen Fenster instandgesetzt oder erneuert werden müssen, die Kosten zu tragen hat. Insofern greift Deine Argumentation nicht.

Zitat (von Taboule):
2) Der einzelne Sondereigentümer wird ermächtigt, die Instandhaltung,
Instandsetzung und die Erneuerung der seiner Wohnung zugeordneten Fenster
(einschließlich Dachflächenfenster), Balkontüren, Wohnungseingangstüren
selbst zu beauftragen, wobei dadurch die Außenansicht des Hauses bzw. der
Wohnung nicht verändert werden darf und daher die Elemente in Form und
Gestalt den bisherigen Elementen gleichen müssen. Es wird dem einzelnen
Eigentümer freigestellt, neue Elemente in Holz, Kunststoff oder anderem
Material ausführen zu lassen, wobei dadurch keine Veränderung der
Außenansicht entstehen darf.


Dieser Beschluss ergibt sich dann folgerichtig aus dem ersten. Er stellt dabei klar, dass es sich dabei nicht um bauliche Veränderungen handeln darf (dafür gelten spezielle andere Kostentragungsregelungen in § 21 WEG).

Sieh doch mal das Positive an diesen beiden Beschlüssen:
- es ist bzgl. Fenster etc. künftig kein Beschlussantrag erforderlich
- Diskussionen in der Versammlung über die tatsächliche Erforderlichkeit einer Fensterreparatur oder eines Austausches entfallen
- die Wartezeit bis zur nächsten ordentlichen Versammlung entfällt
- eventuelle Zusatzkosten für eventuelle außerordentliche Versammlungen (wegen Dringlichkeit) entfallen
- eventuelle Zusatzkosten für Sonderleistungen der Verwaltung (Betreuung von Instandhaltungsmaßnahmen) entfallen
- es gibt hinsichtlich der Materialauswahl keine Einschränkung - es muss lediglich optisch gleich aussehen
- der jeweilige Eigentümer ist frei in der Auswahl des Handwerkers seines Vertrauens

Signatur:

lg.
R.M.

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Taboule
Status:
Frischling
(38 Beiträge, 23x hilfreich)

Danke für die Positivliste an R.M. Anbei meine Kommentierung dazu:


Zitat (von R.M.):
- es ist bzgl. Fenster etc. künftig kein Beschlussantrag erforderlich
- Diskussionen in der Versammlung über die tatsächliche Erforderlichkeit einer Fensterreparatur oder eines Austausches entfallen
- die Wartezeit bis zur nächsten ordentlichen Versammlung entfällt
- eventuelle Zusatzkosten für eventuelle außerordentliche Versammlungen (wegen Dringlichkeit) entfallen
Grundsätzlich braucht es bei Instandhaltungen und ggf. Austausch von z.B. Fenstern keinen Beschluss und auch keine ausserordentliche Versammlung. Einen Beschluss bräuchte man um z.B. alle Fenster auszutauschen obwohl nur ein paar defekt sind.

Zitat (von R.M.):
- eventuelle Zusatzkosten für Sonderleistungen der Verwaltung (Betreuung von Instandhaltungsmaßnahmen) entfallen
- es gibt hinsichtlich der Materialauswahl keine Einschränkung - es muss lediglich optisch gleich aussehen
Wer bestimmt ob etwas "optisch gleich" aussieht? Wenn in einer Fassade zwei Fenster aus unterschiedlichen Materialen nebeneinander stehen dann sieht man das sofort (unterschiedliche Textur, Rahmendicke, Rahmenform etc.). In einem grösseren MFH führt das über kurz oder lang zu einer sehr uneinheitlichen Fassade.

Zitat (von R.M.):
- der jeweilige Eigentümer ist frei in der Auswahl des Handwerkers seines Vertrauens
Wenn man einen hat, dann ist das sicherlich von Vorteil. Allerdings geht es vielen eher nicht so, im Gegenteil. Handwerker mögen in der Regel auch keine einmaligen Kleinaufträge. Hier ist eine Hausverwaltung besser aufgestellt.

Ich habe mit der Kostentragung kein Problem, bin jedoch skeptisch was die Materialauswahl angeht und befürchte dass neben den Reparaturen auch die Instandhaltung sehr uneinheitlich werden kann. Wie soll z.B. das Streichen der Fenster sichergestellt werden? Bislang wurde das in regelmässigen Abständen von z.B. 5 Jahren am ganzen Haus gemacht. Zukünftig müsste die Verwaltung diejenigen Eigentümer aus der Beauftragung des Malers herausnehmen, die das gerne selber machen wollen. Aber was ist wenn die das nicht fachmännisch machen, den falschen Anstrich verwenden etc.?

Formal ist die Hausverwaltung immer noch für die korrekte Instandhaltung verantwortlich, aber die Beschlussanträge müssten das meines Erachtens präzisieren.

Gruss
Martin

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#6
 Von 
Spezi-2
Status:
Senior-Partner
(6364 Beiträge, 2305x hilfreich)

Ein Argument fehlt.
Ich denke wenn man ein Angebot für (sagen wir mal Haus mit 4 Etagen und 32 Fenstern) einholt, wird dies günstiger ausfallen, als wenn jeder Eigentümer ein Angebot für seine 4 Fenster einholt.

Signatur:

Meine Beiträge sind keine juristischen Ratschläge, sondern sollen dem Erfahrungsaustausch dienen.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Taboule
Status:
Frischling
(38 Beiträge, 23x hilfreich)

Zitat (von Spezi-2):
Ein Argument fehlt.
Ich denke wenn man ein Angebot für (sagen wir mal Haus mit 4 Etagen und 32 Fenstern) einholt, wird dies günstiger ausfallen, als wenn jeder Eigentümer ein Angebot für seine 4 Fenster einholt.

Ja natürlich. Aber wie geht die Verwaltung nun damit um wenn ein Eigentümer *seine* Fenster selber streichen will? Die zweite Beschlussantrag erlaubt dies grundsätzlich...

Gruss
Martin

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Was hat das mit "Recht" zu tun?

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
R.M.
Status:
Bachelor
(3871 Beiträge, 2379x hilfreich)

Zitat (von Taboule):
Grundsätzlich braucht es bei Instandhaltungen und ggf. Austausch von z.B. Fenstern keinen Beschluss und auch keine ausserordentliche Versammlung.
Das ist ganz grundsätzlich falsch (ausgenommen Ihr hättet eine entsprechende Vereinbarung in der Teilungserklärung oder bereits einen Vorsorgebeschluss wie eingangs geschildert [letzteres kann aber nicht sein, sonst wäre ja die Fragestellung nicht aufgekommen])
Andersherum formuliert: Grundsätzlich brauch es immer und für jede Maßnahme im Gemeinschaftseigentum eine positive Beschlussfassung. In einem gewissen Rahmen (und seit dem 01.12.2020 ist der gesetzliche Rahmen erheblich großzügiger) können den einzelnen Eigentümern und/oder der Verwaltung ein größerer Spielraum eingeräumt werden. Hierfür bedarf es entweder Vereinbarungen (die bereits in der Teilungserklärung stehen) oder entsprechende Beschlüsse.

Zitat (von Taboule):
Wer bestimmt ob etwas "optisch gleich" aussieht? Wenn in einer Fassade zwei Fenster aus unterschiedlichen Materialen nebeneinander stehen dann sieht man das sofort (unterschiedliche Textur, Rahmendicke, Rahmenform etc.). In einem grösseren MFH führt das über kurz oder lang zu einer sehr uneinheitlichen Fassade.

Das ist nach eigener Erfahrung ein lösbares Problem. Mit entsprechender Beschichtung lassen sich nahezu alle Oberflächen imitieren. Im Übrigen solltet Ihr vielleicht darauf achten, die Anforderungen im Beschluss konkreter zu formulieren, ggfls. z.B. Freigabe der Optik nach Vorlage Angebot und Materialprobe durch die Verwaltung oder ein zu bestimmendes Eigentümergremium/Beirat.

Zitat (von Taboule):
Wenn man einen hat, dann ist das sicherlich von Vorteil. Allerdings geht es vielen eher nicht so, im Gegenteil. Handwerker mögen in der Regel auch keine einmaligen Kleinaufträge. Hier ist eine Hausverwaltung besser aufgestellt.
Sorry, wovon träumst Du nachts? Auch für die Hausverwaltungen ist es ein massives Problem, kurzfristig zuverlässige Handwerker zu finden, auch Firmen, mit denen man über Jahre und Jahrzehnte eine vertrauensvolle und zuverlässige Zusammenarbeit pflegte, werden immer weniger und sind plötzlich unzuverlässig. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich als HV zunehmend dem Vorwurf ausgesetzt sieht, Handwerker X oder Dienstleister Y zu bevorzugen ...

Zitat (von Taboule):
Wie soll z.B. das Streichen der Fenster sichergestellt werden? Bislang wurde das in regelmässigen Abständen von z.B. 5 Jahren am ganzen Haus gemacht. Zukünftig müsste die Verwaltung diejenigen Eigentümer aus der Beauftragung des Malers herausnehmen, die das gerne selber machen wollen. Aber was ist wenn die das nicht fachmännisch machen, den falschen Anstrich verwenden etc.?
Dann klammert doch den regelmäßigen Erhaltungsanstrich per Beschluss von der neuen Regelung aus.

Zitat (von Taboule):
Formal ist die Hausverwaltung immer noch für die korrekte Instandhaltung verantwortlich
Für die korrekte Instandhaltung ist in aller erster Linie die Eigentümergemeinschaft und jeder einzelne Eigentümer verantwortlich! Die HV ist "nur" dazu da, dass die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer zu einer rechtlich ordnungsgemäßen Beschlussfassung kommt, die Gelder der Gemeinschaft ordnungsgemäß verwaltet (und dafür Sorge trägt, dass der Gemeinschaft das Geld nicht ausgeht) und diejenigen Beschlüsse umsetzt in denen die HV bevollmächtigt oder verpflichtet wurde, Maßnahme X oder Y zu tun.

Zitat (von Taboule):
aber die Beschlussanträge müssten das meines Erachtens präzisieren.

Das (!) ist der springende Punkt.

Signatur:

lg.
R.M.

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Taboule
Status:
Frischling
(38 Beiträge, 23x hilfreich)

Zitat (von R.M.):
Grundsätzlich braucht es bei Instandhaltungen und ggf. Austausch von z.B. Fenstern keinen Beschluss und auch keine ausserordentliche Versammlung.

Das ist ganz grundsätzlich falsch (ausgenommen Ihr hättet eine entsprechende Vereinbarung in der Teilungserklärung oder bereits einen Vorsorgebeschluss wie eingangs geschildert [letzteres kann aber nicht sein, sonst wäre ja die Fragestellung nicht aufgekommen])


Anbei ein Auszug aus unser TE;

Zitat:
1. Der Verwalter ist berechtigt und verpflichtet, den Zustand des gemeinschaftlichen Eigentums laufend zu überwachen. Er hat alle Massnahmen zu treffen, die nach den Grundsätzen ordnungsmässer Bewirtschaftung zur Instandhaltung, Instandsetzung und zur Werterhaltung erforderlich oder zweckmässig sind.

2.Der Verwalter hat die Vornahme solcher Arbeiten einschliesslich baulicher Veränderungen den Wohnungseigentümern rechtzeitig anzukündigen, deren Sondereigentum davon betroffen wird. Einer Ankündigung bedarf es nicht, soweit Massnahmen notwendig sind, um drohende Gefahren oder Schäden für das gemeinschaftliche Eigentum oder für Bewohner des Gebäudes abzuwenden.


Ich interpretiere das so wie oben gesagt, d.h. es bedarf keines Beschlusses wenn eine solche Massnahme notwendig ist. Beispielsweise kann ein leckendes Dachfenster zu Folgeschäden führen, weswegen eine Reparatur oder Austausch notwendig wären und nicht auf einen Beschluss warten müssten.

Allerdings sagt unsere TE auch:
Zitat:
Jeder Wohnungseigentümer hat die Gebäudeteile, Anlagen und Teile von diesen, die entweder in seinem Sondereigentum stehen oder sich als Gemeinschaftseigentum im Bereich seines Sondereigentums befinden, ordnungsgemäss in Ordnung zu halten oder instandzusetzen.


Widerspricht sich das nicht?

Gruss
Martin


0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
Taboule
Status:
Frischling
(38 Beiträge, 23x hilfreich)

Zitat (von R.M.):
Auch für die Hausverwaltungen ist es ein massives Problem, kurzfristig zuverlässige Handwerker zu finden, auch Firmen, mit denen man über Jahre und Jahrzehnte eine vertrauensvolle und zuverlässige Zusammenarbeit pflegte, werden immer weniger und sind plötzlich unzuverlässig. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich als HV zunehmend dem Vorwurf ausgesetzt sieht, Handwerker X oder Dienstleister Y zu bevorzugen ...
Da hast Du sicher Recht. Aber aus meiner Sicht ist Auswahl, Beauftragung, Überwachung und Abrechnung von Handwerkern eine der Kernkompetenzen einer Hausverwaltung. Für viele Eigentümer ist das noch viel schwieriger!

Ich frage mich ob mit den eingangs genannten Beschlussanträgen der Eigentümer noch eine Wahl hat, und die Abwicklung der Hausverwaltung überlassen kann. Bezahlen muss es dann der Eigentümer. Um dem Vorwurf der Bevorzugung entgegenzutreten müsste die Verwaltung eine Auswahl ermöglichen, z.B. 3 Angebote einholen.

Gruss
Martin

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Taboule
Status:
Frischling
(38 Beiträge, 23x hilfreich)

Zitat (von R.M.):
Mit entsprechender Beschichtung lassen sich nahezu alle Oberflächen imitieren. Im Übrigen solltet Ihr vielleicht darauf achten, die Anforderungen im Beschluss konkreter zu formulieren, ggfls. z.B. Freigabe der Optik nach Vorlage Angebot und Materialprobe durch die Verwaltung oder ein zu bestimmendes Eigentümergremium/Beirat.
Guter Vorschlag, danke!

Es ist allerdings nicht so dass man ein Imitat nicht vom echten Material unterscheiden kann. Solange ich eine komplette Fassade mit dem Imitat ausstatte wird man genau hinschauen müssen. An der gleichen Fassade jedoch sieht man das bei enstprechenden Lichtverhältnissen sofort, auch mit ungeübtem Auge.

Eigentlich wäre dieser Teil des zweiten Beschlussantrags gar nicht notwendig wenn die Fensterpflege sichergestellt wäre. Holzfenster halten dann sehr, sehr lange!

Gruss
Martin

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
R.M.
Status:
Bachelor
(3871 Beiträge, 2379x hilfreich)

Zitat (von Taboule):
Bezahlen muss es dann der Eigentümer. Um dem Vorwurf der Bevorzugung entgegenzutreten müsste die Verwaltung eine Auswahl ermöglichen, z.B. 3 Angebote einholen.
Müsste ... wenn sie denn 3 Angebote bekommt ... Und wenn die HV so viel Zeit bekommen soll, drei Angebote einzuholen, dann ist die Maßnahme auch nicht so dringend, dass sie die Verwaltung ohne Beschluss beauftragen kann.

Zitat (von Taboule):
Er hat alle Massnahmen zu treffen, die nach den Grundsätzen ordnungsmässer Bewirtschaftung zur Instandhaltung, Instandsetzung und zur Werterhaltung erforderlich oder zweckmässig sind.
Deine Interpretation geht zu weit. Ordnungsgemäß, erforderlich und zweckmäßig ist stark einschränkend. Das heißt im Normalfall: Angebote einholen und zur Versammlung einladen, um die ET abstimmen zu lassen. Im Extremfall (besondere Dringlichkeit) darf die Verwaltung Notmaßnahmen ergreifen, d.h. ein undichtes Fenster darf notdürftig abgedichtet werden, selbst ein vom Sturm abgedecktes Dach darf dann nur behelfsmäßig mit einer Folie abgedichtet werden. Die Beauftragung ein Fenster zu erneuern oder das Dach neu einzudecken, ist hiervon nicht erfasst.
Dabei ist "ordnungsgemäße Bewirtschaftung mit dem neuen Gesetz schon ordentlich aufgeweitet worden. Sprich ein Dichtungsband am Fenster oder einen gebrochenen Fenstergriff zu erneuern, darf ein Verwalter durchaus auch ohne Beschluss. Aber sowas kann dann der betreffende ET auch gleich selbst machen oder beauftragen.

Zitat (von Taboule):
Es ist allerdings nicht so dass man ein Imitat nicht vom echten Material unterscheiden kann. Solange ich eine komplette Fassade mit dem Imitat ausstatte wird man genau hinschauen müssen. An der gleichen Fassade jedoch sieht man das bei enstprechenden Lichtverhältnissen sofort, auch mit ungeübtem Auge.
Selbst bei gleichem Material, bei gleicher Oberfläche und vom selben Hersteller wirst Du ein erneuertes Fenster an einer Fassade mit ansonsten 20 Jahre alten Fenster problemlos mit bloßem Auge unterscheiden können, auch ohne entsprechende Lichtverhältnisse. Das macht nun wirklich keinen Unterschied!

Signatur:

lg.
R.M.

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#14
 Von 
Taboule
Status:
Frischling
(38 Beiträge, 23x hilfreich)

Zitat (von R.M.):
Selbst bei gleichem Material, bei gleicher Oberfläche und vom selben Hersteller wirst Du ein erneuertes Fenster an einer Fassade mit ansonsten 20 Jahre alten Fenster problemlos mit bloßem Auge unterscheiden können, auch ohne entsprechende Lichtverhältnisse.
Wobei man nach 20 Jahren die Originalprofile in der Regel nicht mehr vom Hersteller bekommt. Holzprofile älterer Fenster kann ein Handwerker genau nachbilden, Alu- und Kunststoffprofile eher nicht.

Meine Befürchtung geht vor allem in die Richtung dass ein Holzfenster *unnötigerweise* ausgetauscht wird. Die meisten Eigentümer können das gar nicht beurteilen, und ein Handwerker verdient in der Regel mehr am Austausch als an der Reparatur oder Wartung. Hier sollte auf jeden Fall ein wie von Dir angedachtes Gremium darüber schauen müssen.

Gruss
Martin

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
Taboule
Status:
Frischling
(38 Beiträge, 23x hilfreich)

Zitat (von R.M.):
selbst ein vom Sturm abgedecktes Dach darf dann nur behelfsmäßig mit einer Folie abgedichtet werden.
Das erstaunt mich. In unserem Verwaltervertrag für eine WEG mit über 50 Einheiten kann der Verwalter ohne weitere Zustimmung 5000 Euro für derartige Massnahmen ausgeben. Mit Zustimmung des Beirats sind es 10.000 Euro. Wir hatten schon öfter defekte Dächer (Wassereintritt), da wurde nie abgestimmt.

Es gibt m.W. auch zahlreiche Urteile in denen eine WEG zur Reparatur verurteilt wird wenn die Verwaltung untätig ist oder die entsprechenden Beschlüsse nicht gefasst werden.

Gruss
Martin

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