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Firmeninsolvenz, wann sollte man sie beantragen?

2.6.2008 Thema abonnieren
 Von 
Eule0879
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 8x hilfreich)
Firmeninsolvenz, wann sollte man sie beantragen?

Hallo,

mein Mann hat sich in 2006 mit einem Kleingewerbe selbständig gemacht. Der Steuerberater sagte uns zu, uns bescheid zu geben wann die Umsätze zu hoch für das Kleingewerbe sind und er auf ein normales Gewerbe umsteigen muss und dann Umsatzsteuer abführen muss etc.. Das ist leider in 2007 viel zu spät passiert und auch das Thema Einkommenssteuer wurde vom Steuerberater viel zu spät angesprochen.
Ich will nicht alles dem Steuerberater in die Schuhe schieben, wir haben da selbst gepennt. Hatten keine Ahnung von Nichts und waren letztes Jahr zu sehr mit Umzug und Hochzeit zu Gange, als das wir uns darüber Gedanken gemacht hätte. Das große Erwachen kam dann ende 2007, als wir unseren Jahresumsatz zusammenrechneten... Selbst schuld ich weis!

Naja, soweit alles kein Problem wie wir dachten, weil wir ein Jahr Zeit haben würden das Geld für die Steuer 2007 zusammen zu sparen. Umsatzsteuer führen wir mtl. eh schon ab, wie es ja auch sein soll. Die Auftragslage sah gut aus. Leider hatte mein Mann anfang des Jahres einen Unfall und kann erst jetzt wieder mit der Arbeit beginnen. Wir haben zwar eine Versicherung für langfristige Erkrankungen, aber das deckt halt grad unseren Lebensunterhalt. Somit sind jetzt noch Forderungen von Gläubigern in Höhe von gut 3000 € offen, mit denen wir jetzt schon hin und hertelefonieren um Ratenzahlung zu vereinbaren. Das sieht auch sehr gut aus. Jedoch konnten wir aufgrund der langen Erkrankung meines Mannes nat. nichts auf die Seite legen und unsere Ersparnisse sind aufgebraucht.

Ob wir die Summe für die Einkommenssteuer bis zum ende des Jahres beisammen haben ist fraglich. Geld könnten wir uns notfalls leihen, aber das wollen wir nur im äussersten Notfall.

Wie dem auch sei, wir denken darüber nach was passiert, wenn wir bzw. mein Mann mit der Firma Insolvenz anmelden muss. Wäre das jetzt schon ratsam, oder wäre es sinnvoller erstmal zu schauen wie dieses Jahr weitergeht?
Was passiert mit mir als Ehefrau? Mein Mann müsste dann sicherlich auch die private Insolvenz anmelden. Muss ich das als seine Ehefrau dann auch??? Könnte man das mit einem Vertrag (Gütertrennung oder so) noch abwenden?

Wieviel darf man während dem Insolvenzverfahren noch verdienen, bzw. ab welchem Betrag wird gepfändet?

Wo können wir uns beraten lassen???

Fragen über Fragen, ich bin für jeden Tip sehr sehr dankbar!

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5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Eidechse
Status:
Senior-Partner
(6904 Beiträge, 3795x hilfreich)

Eine Insolvenz macht dann Sinn, wenn man seine Schulden nicht mehr begleichen kann und zwar auch nicht mehr durch Raten. Von daher würde ich ersteinmal abwarten, was im Hinblick auf die Steuern weiter geschieht.

Dein Mann kann im Übrigen nur ein Insolvenzverfahren für sein Vermögen insgesamt durchführen. Es wird nicht getrennt zwichen dem Gewerbe und den vielleicht privaten Verbindlichkeiten.

So lange du nicht mit für Verbindlichkeiten haftest, z.B. weil du eine Bürgschaft für Kredite oder gleich die Kredite als Gesamtschuldner unterzeichnet hast, hast du mit den Schulden deines Mannes gar nichts zu tun. Wenn ihr bzgl. der Einkommenssteuer jedoch zusammen veranlagt seid, dann haftest du auch für die gesamten Steuerschulden. Hier könnte vielleicht die getrennte Veranlagung weiter helfen. Müsstet ihr aber ggf. mit dem Steuerberater klären und vielleicht ist es auch dafür schon zu spät.

Im Hinblick auf den Verdienst in der Insolvenz muss man erstmal zwischen einer Arbeit in abhängiger Beschäftigung und einer selbstständigen Tätigkeit unterscheiden. Für normales Arbeitseinkommen aus abhängiger Beschäftigung gelten die §§ 850 ff. ZPO und damit auch die Pfändungstabelle zu § 850 c ZPO . Bei einer selbständigen Tätigkeit würden zunächst mal sämtliche Forderungen gegenüber Kunden in die Insolvenzmasse fallen. Ggf. kann sich der Insolvenzverwalter dazu entscheiden, die selbständige Tätigkeit aus dem Insolvenzbeschlag freizugeben (§ 35 II InsO ). Dann wären die Kundenforderungen wieder an deinen Mann zu zahlen. Erfolgt die Freigabe nicht, dann müsste dein Mann Unterhalt aus der Insolvenzmasse beantragen.

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#2
 Von 
Eule0879
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 8x hilfreich)

Hallo Eidechse,

vielen lieben Dank für die Infos, dass beruhigt mich doch schon sehr! Es ist so, dass wir erst letztes Jahr geheiratet haben und somit noch keine gemeinsame Steuererklärung abgegeben haben, also auch nicht gemeinsam veranlagt sind. Sehe ich doch richtig, oder? Da frag ich aber nat. noch den Steuerberater. Das würde dann bedueten, dass wir keinen Vertrag zur Gütertrennung benötigen und ich hafte dennoch nicht für die Schulden der Firma bzw. die Schulden meines Mannes, richtig?

Wir haben nämlich mal hin- und hergerechnet. Sollte er Insolvenz anmelden müssen, hat er so wie es aussieht zu 99% schon wieder einen neuen Job als Angestellter. Mit dem Gehalt (unter der Berücksichtigung der Prändungstabelle) und meinem Gehalt würden wir gut hinkommen. Nur wenn ich auch Insolvenz anmelden müsste, hätten wir ein echtes Problem. Aber das scheint ja dann nicht der Fall zu sein.

Momentan können wir alles noch abbezahlen. Im Grunde warten wir dringend auf Geld von unseren Kunden. Mein Mann arbeitet zwar erst seit kurzem wieder voll, aber dafür dann auch von morgens früh bis abends spät und die Rechnungen die jetzt raus sind, decken unsere bisherigen Rechnungsschulden. Was dann mit den Steuerschulden ist (die wir noch nicht haben, aber die kommen ja auf uns zu) werden wir sehen...

Wie gesagt, ganz lieben Dank für die Auskunft!!!

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#3
 Von 
Eidechse
Status:
Senior-Partner
(6904 Beiträge, 3795x hilfreich)

Soweit ich weiß, kann man sich auch für das Jahr der Heirat zusammen veranlagen lassen. Wenn ihr noch keine gemeinsame Steuerklärung abgegeben habt, dann solltet ihr euch vielleicht wirklich mal vom Steuerberater beraten lassen, ob das im Hinblick auf deine Haftung so sinnig wäre. Das wird wahrscheinlich ein Rechenexempel.

Für den Fall, dass es doch zur Insolvenz kommen sollte, weise ich rein vorsorglich darauf hin, dass es dem Insolvenzverwalter möglich ist, dass er bei eigenem Einkommen einer unterhaltsberechtigten Person einen Antrag ans Insolvenzgericht stellt, dass diese Person nicht als Unterhaltspflicht zu berücksichtigen ist. Für den Fall, dass ihr den Pfändungsbetrag unter Zugrundelegung von dir als Ehefrau und Unterhaltsberechtigte ermittelt habt, solltet ihr vielleicht noch mal in die Pfändungstabelle gucken, wie es denn Aussieht, wenn du nicht als Unterhaltspflicht berücksichtigt wirst.

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#4
 Von 
Eule0879
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 8x hilfreich)

Nochmal ganz lieben Dank für die Infos. Termin mit dem Steuerberater haben wir für nächste Woche angesetzt, dann werden wir das alles mal in Ruhe durchkauen. Da ich eh nichts abzusetzen habe denke ich als Laie ist es fast egal ob man uns getrennt veranlagt. Denke eine gemeinsame Veranlagung wäre dann nur bei erheblichgem Vorteil gegenüber der getrennten Veranlagung sinnvoll. Werden wir durchrechnen lassen.

Die Pfändungstabelle habe ich mir so angesehen, als gäbe es keine Unterhaltsberechtigten. Gibt es auch nicht, denn dafür ist mein Einkommen def. zu hoch. Danke für den Hinweis ;o)

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#5
 Von 
klausdieterklaus
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 51x hilfreich)

Mein Bruder und ich haben zusammen 4 Firmen im dienstleistungsbereich. Beide Firmen sind auf Grund der Auftragslage in die Sanierungsabteilung bei der Bank geraten (seit2 Jahren bereits). Der Steuerberater meinte wenn das Konzept und die liquiditats vorrauschau jetzt nicht der grosse Wurf wird dann war es das. Die Schulden aus umschuldung sind bei Ca. 600.000 Euro. Ich selber bin als angestellter und Teilhaber in den Unternehmen mit drin. Zwei Firmen sind eine GbR und zwei GmbH und Co Kg wo zwei Verwaltungs GmbH's zu gehören . Bei den GmbH s wurden damals nur die Hälfte des stammkapitals eingezahlt. Privat ist nix mehr verfügbar was man noch einbringen könnte. Sicherheiten wie bausparvertrage oder direktversicherungen wurden bereits damals an die bank übereignet. Meine Frau und ich haben einen ehevertag beim Notar damals abgeschlossen. Werden aber zusammen veranlagt bei der Steuererklärung. Was passiert mit meiner Frau wenn ich insolvent würde? Haftet sie für meine Schulden mit ? Wenn wir mit den Firmen insolvent werden, was ist dann mit den Gehälter n der angestellten (wie auch meinem Gehalt und dem meiner Frau ) ? An wen muss man sich wenden ? Gibt es eine Beratung die mit einem die Schritte bespricht.? Würde mich über Antwort freuen.


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