Bank verschlampt P-Konto, Pfändung - was nun?

14. Mai 2012 Thema abonnieren
 Von 
musi-kuss
Status:
Beginner
(102 Beiträge, 12x hilfreich)
Bank verschlampt P-Konto, Pfändung - was nun?

Hallo Leute,

ich bin in einer sehr schwierigen Lage. Mir wurde heute mein Girokonto gepfändet. Da ich momentan durch einen Umzug vorübergehend wohnungslos bin, habe ich keine Ankündigungen oder irgendwas erhalten und konnte darauf nicht reagieren. Also fiel ich heute sozusagen aus allen Wolken.

Das beste kommt aber noch: Ich hatte bereits Mitte letzten Jahres das betreffende Konto per Antrag bei meiner Bank auf ein P-Konto umwandeln lassen. Nun sagte man mir aber, das gepfändete Konto sei gar kein P-Konto! Anscheinend hat meine Bank also mal eben meinen Antrag verschlampt und nun steh ich da.

Was heißt das jetzt für mich? Ich habe gelesen, dass es ab 1.1.2012 gar nicht mehr die Möglichkeit gibt, ohne P-Konto die Pfändung in irgend einer Form aufzulösen? Und dass das gesamte Geld inkl. Einkommen nach vier Wochen an den Gläubiger geht?

Dazu möchte ich sagen - ich bin Geringverdiener (bin freischaffend tätig) und komme noch nicht mal ansatzweise über die pfändungsfreie Grenze bei einem P-Konto. Gibt es ohne P-Konto eigentlich keine Grenze? Wovon soll ich dann eigentlich leben?

Mir sagte man, dass ich mit meiner Kopie des Antrags an mein Geld kommen würde, nur liegt der 400 km von hier - ich werde aber alles daran setzen, ihn hier her zu bekommen.

Was kann ich sonst noch tun?

Und wäre es eigentlich möglich, meine Bank auf Schadensersatz zu verklagen? Durch ihren verschlampten Antrag bin ich ja nun erst in diese Lage gekommen...

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
CBW
Status:
Lehrling
(1635 Beiträge, 1000x hilfreich)

Hallo,

schwierige Sache! Denn es geht um Beweise!

Hast du dein Konto in ein P-Konto umwandeln lassen, verfügst du auch über entsprechende Unterlagen! Dann wäre die Bank in der Haft!

Auch ein P-Konto kann gepfändet werden! Nur halt nicht über den Pfändbaren Betrag hinaus - ist das vielleicht hier der Fall?

Einen Pfändungsschutz kannst du jederzeit beim zuständigen Amtsgericht beantragen!

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#2
 Von 
musi-kuss
Status:
Beginner
(102 Beiträge, 12x hilfreich)

Ich habe die Kopie meines Antrags mit Eingangsbestätigung (Stempel + Datum) - wird mir morgen zugeschickt. Antrag habe ich bereits am 15. August 2011 gestellt und bin bislang davon ausgegangen, dass mein Konto bereits umgewandelt wurde. Eine Zu- oder Absage habe ich nie erhalten.

Geht das wirklich noch mit dem Pfändungsschutz beim zuständigen Amtsgericht? Ich dachte, ab diesem Jahr gibt es nur noch den Pfändungsschutz über das P-Konto?

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#3
 Von 
Dieter25
Status:
Lehrling
(1970 Beiträge, 995x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Nun sagte man mir aber, das gepfändete Konto sei gar kein P-Konto! Anscheinend hat meine Bank also mal eben meinen Antrag verschlampt und nun steh ich da. <hr size=1 noshade>


§ 850k VII ZPO
(7) In einem der Führung eines Girokontos zugrunde liegenden Vertrag können der Kunde, der eine natürliche Person ist, oder dessen gesetzlicher Vertreter und das Kreditinstitut vereinbaren, dass das Girokonto als Pfändungsschutzkonto geführt wird. Der Kunde kann jederzeit verlangen, dass das Kreditinstitut sein Girokonto als Pfändungsschutzkonto führt. Ist das Guthaben des Girokontos bereits gepfändet worden, so kann der Schuldner die Führung als Pfändungsschutzkonto zum Beginn des vierten auf seine Erklärung folgenden Geschäftstages verlangen












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#4
 Von 
Dieter25
Status:
Lehrling
(1970 Beiträge, 995x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Nun sagte man mir aber, das gepfändete Konto sei gar kein P-Konto! Anscheinend hat meine Bank also mal eben meinen Antrag verschlampt und nun steh ich da. <hr size=1 noshade>


§ 850k VII ZPO
(7) In einem der Führung eines Girokontos zugrunde liegenden Vertrag können der Kunde, der eine natürliche Person ist, oder dessen gesetzlicher Vertreter und das Kreditinstitut vereinbaren, dass das Girokonto als Pfändungsschutzkonto geführt wird. Der Kunde kann jederzeit verlangen, dass das Kreditinstitut sein Girokonto als Pfändungsschutzkonto führt. Ist das Guthaben des Girokontos bereits gepfändet worden, so kann der Schuldner die Führung als Pfändungsschutzkonto zum Beginn des vierten auf seine Erklärung folgenden Geschäftstages verlangen












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#5
 Von 
musi-kuss
Status:
Beginner
(102 Beiträge, 12x hilfreich)

Danke für die Info! @Dieter25

Das habe ich gestern abend auch noch gefunden.

War heute bei meiner Bank und wir haben einen neuen Antrag fertig gemacht. Wenn ich Glück habe, könnte morgen Nachmittag mein Konto schon wieder (bis zur Pfändungsgrenze) frei sein.

An der Pfändung selbst kann ich aus bestimmten Umständen erstmal nichts machen...

Eine Entschädigung wollte meine Bank mir aber nicht für ihren verschlampten Antrag geben. Könnte man denn den Gesetzestext auch als Grundlage für eine Klage auf Schadensersatz heranziehen?

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#6
 Von 
Steffen Meier
Status:
Lehrling
(1529 Beiträge, 1142x hilfreich)

quote:
Könnte man denn den Gesetzestext auch als Grundlage für eine Klage auf Schadensersatz heranziehen?


Welcher bezifferbare Schaden ist denn entstanden?
quote:

habe ich keine Ankündigungen oder irgendwas erhalten und konnte darauf nicht reagieren. Also fiel ich heute sozusagen aus allen Wolken.


Der Betroffene wusste also nichts von möglichen Titeln gegen die Person? Gab es Mahnbescheide? Wurde Diesen nicht widersprochen?

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#7
 Von 
musi-kuss
Status:
Beginner
(102 Beiträge, 12x hilfreich)

quote:
Welcher bezifferbare Schaden ist denn entstanden?


- Zwei Tage Verdienstausfall, um sich um den Sachverhalt zu kümmern - ca. 120 Euro
- zzgl. Fahrtkosten ca. 10 Euro
- Voraussichtlich drei Tage kein Zugriff auf das Konto, damit Rückbuchungen zzgl. Gebühren von laufender Rechnungen - geschätzt ca. 120 Euro
- außerdem mind. drei Tage lang keine Möglichkeit auf einen angemessenen Lebensstandard (Verpflegung usw.) - ca. 100 Euro
- Reputationsverlust - 10.000 Euro (geschätzt)

Da die entsprechende Bank außerdem keine Bestätigung zur Umwandlung in ein P-Konto vergibt, und man damit im Glauben gelassen wird, es wäre alles in Ordnung, empfinde ich dies als Betrug. Zudem fehlt seit August 2011 demnach der entsprechende Eintrag bei der Schufa, dass es sich um ein P-Konto handelt.

Ich bin kein Anwalt - ich kenne die Chancen nicht und kann ideelle bzw. immaterielle Schäden nicht schätzen.

quote:
Der Betroffene wusste also nichts von möglichen Titeln gegen die Person? Gab es Mahnbescheide? Wurde Diesen nicht widersprochen?


Durch besondere Umstände, die außerordentlich und nachweisbar sind, nein - zu den ersten beiden Fragen. Der Rechnung wurde widersprochen. Aber mir geht's hier nicht so sehr um den Gläubiger, sondern um das Verhalten der Bank. Verhandlungen mit dem Gläubiger laufen bereits.


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#8
 Von 
Albarion
Status:
Lehrling
(1715 Beiträge, 689x hilfreich)

Da wir hier in Deutschland sind und nicht in den USA...gibt es keine Entschädigung für einen Reputationsverlust. Schäden die im Rahmen eines derartigen Verlustes entstanden sind, sind ihm Rahmen der Schadensersatzpflicht der Bank zu begleichen.

Einfaches Beispiel:
Aufgrund des Vorfalls hätte man Dir einen Kredit gekündigt und Du hättest einen neuen aufnehmen müssen, der teurer wäre als der vorherige.
Die Differenz müsste die Bank tragen, die die Umwandlung in ein P-Konto und den Schaden in Sachen Reputation Dir zugefügt hat.


Die Kosten für Rückbuchungen muss die Bank tragen, ebenso ist der Verdienstausfall von der Bank zu tragen, wobei ich daran zweifle, dass bei Dir insgesamt 15 Arbeitsstunden draufgegangen sind, mit anderen Worten, 2 KOMPLETTE Arbeitstage wirst Du bestimmt nicht bei der Bank gewesen sein. Sollten zum Beispiel Mahngebühren wegen Rückbuchungen und/oder Zahlungsverzug entstehen, müssen auch diese von der Bank getragen werden.
Wegen der Verpflegung ist Dir ja nicht direkt ein Schaden entstanden, du konntest halt nur nix einkaufen, aber da man eigentlich für mind. 2 oder 3 Tage Nahrungsmittel zu Hause haben sollte, wirst Du auch da leer ausgehen. Es sei denn, Du hättest um Nahrungsmittel zu kaufen, ein Darlehen von einem Freund aufnehmen müssen und der Hätte dafür Gebühren verlangt. Diese müssen im normalen Rahmen dann erstattet werden.

Nach grober Schätzung sehe ich ggf. einen Schadensersatzanspruch von maximal 200 vielleicht 250 Euro

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#10
 Von 
IrminaDingler
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Ja es wirkt alles sehr dubios. Sofern kein Nachweis gegenüber der Bank erfolgt ist das (meiner Meinung nach) alles Hinfällig.
Am besten direkt die Bank anrufen und den Vorfall schildern (ohne Vorwürfe). Vielleicht können die dann noch etwas machen.

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#11
 Von 
guest-12325.03.2020 14:55:28
Status:
Gelehrter
(11821 Beiträge, 3197x hilfreich)

Von Konto- oder Lohnpfändungen erfährst du sowieso erst, wenn schon gepfändet wurde.

Bezgl. Schadensersatz ..., mMn ist da kein Anspruch. Gepfändet wurde rechtmäßig, das Geld ist ja noch nicht weggewesen, sondern erst mal auf dem Konto**vereist**, da du über den pfändungsfreien Betrag ja dann wirst verfügen können ist dir kein Schaden entstanden.

Kleiner Tipp: Melde dich beim Gläubiger und handel eine Ratenzahlung aus.

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-- Editiert AltesHaus am 08.06.2012 12:52

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#12
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118412 Beiträge, 39569x hilfreich)

quote:
ich bin Geringverdiener (bin freischaffend tätig) und komme noch nicht mal ansatzweise über die pfändungsfreie Grenze bei einem P-Konto

Aha



Dann schauen wir mal wie das vor Gericht laufen wird:
quote:
- Zwei Tage Verdienstausfall, um sich um den Sachverhalt zu kümmern - ca. 120 Euro

Bei 22 Arbeitstagen wären das 2640 EUR/Monat. Die pfändungsfreie Grenze bei einem P-Konto willst du aber nicht erreichen können.
Da wird man schon gerichtsfeste Beweise bringen müssen.
Insbesondere wie 16 Stunden mit der Regelung verbracht wurden.



quote:
- zzgl. Fahrtkosten ca. 10 Euro

realistisch



quote:
- Voraussichtlich drei Tage kein Zugriff auf das Konto, damit Rückbuchungen zzgl. Gebühren von laufender Rechnungen - geschätzt ca. 120 Euro

Warte bis du die realen Kosten kennst.
Wären die Buchungen auch ohne Pfändung zurückgegangen - Pech gehabt



quote:
- außerdem mind. drei Tage lang keine Möglichkeit auf einen angemessenen Lebensstandard (Verpflegung usw.) - ca. 100 Euro

Wie hast du denn überlebt?



- Reputationsverlust - 10.000 Euro (geschätzt)
:crazy: Du kannst von deinem Beruf nicht leben, wie willst du da eine Reputation von 10.000 EUR ernsthaft verargumentieren?





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"Die Beiträge stellen ausschließlich meine persönliche Meinung/Interpretation dar !

"

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
guest-12325.03.2020 14:55:28
Status:
Gelehrter
(11821 Beiträge, 3197x hilfreich)

@HarryvanSell

Wenn ich dir grundsätzlich auch Recht geben (im vorliegenden Fall), möchte ich jedoch einwenden, dass Reputation nicht unbedingt etwas mit wirtschaftlicher Leistungskraft zu tun hat, sondern eher mit dem Ruf eines Menschen. Wie der allerdings durch eine Pfändung sollte verlustig gegangen sein erschließt sich mir auch nicht.

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