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Mietaufhebung unterschrieben, Mieter untergetaucht, keine Schlüssel

 Von 
HansKnau
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)
Mietaufhebung unterschrieben, Mieter untergetaucht, keine Schlüssel

Hallo,
Ein Mieter mit mehreren Monaten Mietrückstand und einem erheblichen Drogenproblem hat einen Mietaufhebungsvereinbarung zum 31.12.2018 unterschrieben.

Er ist nicht mehr erreichbar. Seine Eltern antworten auf meine Emails und Anrufe auch nicht.
Andere Mieter berichten er war seit mindestens 2 Monaten nicht mehr da. Zu einer Mieterin hat er gesasgt er geht nach Berlin (über 400km von uns weg).

Der Energieversorger hat bereits den Strom abgestellt da die Rechnung auch nicht bezahlt wurde.

Ich möchte gerne eine Räumungsklage vermeiden, da dadruch extreme Kosten für Einlagerung und weitere Mietausfall entsteht.

Ich stelle mich auf den Standpunkt. Da der Strom abgestellt abgestellt wurde er seit 2 Monaten nicht mehr hier war und die Mietaufhebung unterschrieben hat deute ich als seine Zustimmung die Wohnung nicht weiter zu Nutzen.

Ich beabsichte einen Schlüssel mit der Schlüsselkarte nachzumachen.
Die Wohnung eigenmächtig zu öffnen.
Die erste Begehung der Wohnung und alle Sachen per Video zu dokumentieren.
Wenn noch Sachen in der Wohnung sind diese in ein absperrbares Kellerabteil einzulagern. Ausnahmslos alles, ich entsorge nichts.

Wie schätzt Ihr das Risiko ein?
Was kann mir maximal passieren?
Hausfriedensbruche? Strafe von bis?

Ich schätze diesen Miert absolut so ein, dass er keine Anzeige macht und auch keinen Anwalt beauftragt. Bei einem anderen Mieter würde ich mir das nicht trauen.

Gruß,

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Strom Mieter unterschrieben Wohnung


9 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
AltesHaus
Status:
Richter
(8521 Beiträge, 2487x hilfreich)

Zitat (von HansKnau):
Ich möchte gerne eine Räumungsklage vermeiden, da dadruch extreme Kosten für Einlagerung und weitere Mietausfall entsteht.

Keine Chance.

Räumungsklage einleiten und dann nach Berliner Modell räumen, da der Mieter sich nicht melde wird, dürfte die Sache zügig durchgezogen werden (können).

Signatur:Ich erteile keine Ratschläge, ich schreibe nur wie ich die Dinge handhaben würde.
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#2
 Von 
Sir Berry
Status:
Junior-Partner
(5808 Beiträge, 2220x hilfreich)

Juristisch sauber ist Dein Vorgehen nicht, aber das ist Dir auch bekannt.

Aber da Dir der Mieter ja die Wohnung in noch ungeräumtem Zustand zurückgegeben hat und dazu auch schon einen Schlüssel aushändigte, würde ich auch auslagern.

Alles andere müsste erstmal bewiesen werden. Nur die Kosten des neuen Schlüssels nicht in der Steuererklärung angeben.

Berry

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#3
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(32782 Beiträge, 11643x hilfreich)

Zitat:
Ich schätze diesen Miert absolut so ein, dass er keine Anzeige macht und auch keinen Anwalt beauftragt.

Wenn der Mieter sich nicht wehrt, dann kann gar nichts passieren.

Anspruch auf Schadenersatz könnte er zwar einklagen, jedoch kann man den mit den ausstehenden Mieten verrechnen. Hausfriedensbruch ist ein Antragsdelikt, d.h. die Polizei macht da ohne Anzeige des Mieters nichts.

Sollte der Mieter sich wehren, kann es aber durchaus teuer werden.

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#4
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26593 Beiträge, 11337x hilfreich)

Reingehen auf jeden Fall, schon wegen Seuchengefahr, Stichwort Kühlkschrank ohne Strom. Den Zustand sauber dokumentieren, mit Zeugen. Dann eine Liste der Gegenstände erstellen, die einlagerbar sind (wird nicht so viel sein), muss nicht ein offizielles angemietetes Lager bei einem Speditionsunternehmen sein, den Rest entsorgen lassen. EMA-Anfrage stellen, und gleichzeitig Räumungsklage erheben. Dann wird es relativ preiswert. Und in so Fällen kann man ja auch das wirtschaftliche Risiko eingehen, trotz laufendem Verfahren neu zu vermieten.

So würde ich das machen. Immer noch ein teurer Fall. Aber Schadensbegrenzung ist da. Und das ist ja im Augenblick wichtig. Selbst wenn er plötzlich wieder auftauchen würde, könnte man ja gegenseitige Forderungen verrechnen.

wirdwerden

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#5
 Von 
vundaal76
Status:
Student
(2121 Beiträge, 1349x hilfreich)

Bei einer Kalten Räumung trägt der Vermieter die volle Beweislast, falls Wertgegenstände vom Mieter wegkommen.

Die Videoaufzeichnung bringt nichts, da der Vermieter nicht nachweisen kann, dass er nicht schon vorher in der Wohnung war, um den Goldschmuck zu entwenden.

Der Mieter könnte aktuell im Koma im Krankenhaus liegen (er ist ja drogenabhängig). Dann kommt der Mieter zurück (neue Mieter wohnen schon drin) und verschafft sich selbst oder über den Schlüsseldienst per Erlaubter Nothilfe Zugang zu der Wohnung.

Alles unschön und hochriskant!

In der Mietnomadenszene gibt es Mieter, die es auf eine Kalte Räumung in Abwesenheit ankommen lassen, um den Vermieter am Ende den letzten Cent rauszupressen.

-- Editiert von vundaal76 am 11.01.2019 15:43

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#6
 Von 
cauchy
Status:
Senior-Partner
(6071 Beiträge, 3223x hilfreich)

Erkennbar aufgegebene Wohnungen darf der Vermieter auch ohne Räumungstitel wieder in Besitz nehmen. Das ist legal. Nur ist halt das Risiko sehr hoch, dass ein Richter die Wohnung nicht als "erkennbar aufgegeben" bezeichnet und dann die negativen Folgen drohen.

Der Rest ist deine Entscheidung. In einem Rechtsforum wird man typischerweise zu einem rechtlich einwandfreiem Handeln raten. Über Hausfriedensbruch solltest du dir meiner Meinung nach eher weniger Gedanken machen. Soweit ich das verstanden habe, müsste dazu erstmal jemand eine Strafanzeige stellen. Zudem wird offenbar sehr häufig eine solche Anzeige auf den Privatklageweg verwiesen. Der Anzeigenerstatter müsste also auch noch selber klagen ohne daraus direkt einen Nutzen zu haben. Das machen wohl nur die wenigsten.

Die zivilrechtlichen Probleme sind häufig die größeren. Schadensersatz ist möglich, der ehemalige Mieter könnte sich wieder in die Wohnung einklagen usw. . Wie realistisch das ist, kann niemand im Forum bewerten.

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#7
 Von 
AltesHaus
Status:
Richter
(8521 Beiträge, 2487x hilfreich)

Ihnen allen ist schon klar, dass Ihre Vorschläge jenseits von jeglichen Rechtvorschriften sind. Ich halte derartige Dinge nicht für richtig, natürlich kann ich den VM verstehen, ihm aber zur rechtlosen Handeln zu raten halte ich für falsch.

Bleiben Sie bitte auf dem legalen Weg, erwirken sie einen Räumungstitel und räumen sie ordnugsgemäß. Da davon auszugehen ist, dass Sie ein Versäumnisurteil erwirken (können) dürfte das auch ziemlich zügig geschehen.

Signatur:Ich erteile keine Ratschläge, ich schreibe nur wie ich die Dinge handhaben würde.
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#8
 Von 
cauchy
Status:
Senior-Partner
(6071 Beiträge, 3223x hilfreich)

Zitat (von AltesHaus):
Ihnen allen ist schon klar, dass Ihre Vorschläge jenseits von jeglichen Rechtvorschriften sind.
Wer ist gemeint? Ich habe keine Vorschläge gemacht. Und die Vorschläge des Teilnehmers sind dann ungesetzlich, wenn die Wohnung nicht erkennbar aufgegeben ist. Ob das der Fall ist, kann ich nicht beurteilen. Ich halte es aber nicht für ausgeschlossen.

Zitat (von AltesHaus):
erwirken sie einen Räumungstitel und räumen sie ordnugsgemäß. Da davon auszugehen ist, dass Sie ein Versäumnisurteil erwirken (können) dürfte das auch ziemlich zügig geschehen.
Und an welche Adresse soll die Klage gerichtet werden? Eine Zustellung der Klage in den Briefkasten dieser Wohnung wird nicht mehr rechtssicher sein, denn dort wohnt der Mieter nicht mehr. Nach ZPO wäre eine solche Zustellung also anfechtbar, selbst wenn der Zusteller sie durchführen würde. Ein solches Verfahren ist - wenn man wirklich einen rechtssicheren Weg möchte - also nicht so ohne weiteres möglich.

Entweder müsste man irgendwie den ehemaligen Mieter ausfindig machen oder eine öffentliche Zustellung vornehmen. Nicht lustig und sicherlich auch nicht so schnell und einfach.

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#9
 Von 
vundaal76
Status:
Student
(2121 Beiträge, 1349x hilfreich)

Zitat:
Schadensersatz ist möglich, der ehemalige Mieter könnte sich wieder in die Wohnung einklagen usw. .

In meinen Augen könnte sich der Mieter über eine Erlaubte Nothilfe selbst in die Wohnung wieder einbrechen (falls das Schloss getauscht wurde) - insb. wenn keine Besitzaufgabe vorher geschah.

Gerade weil da schon neue Mieter wohnen könnten, ist das ziemlich riskant, insb. weil der Vermieter in die volle Haftung gegenüber den Mietern geht. Die "Nichtbewohnbarkeit" der Wohnung wäre aufgrund der Kalten Räumung nicht vom Vermieter selbstverschuldet.


-- Editiert von vundaal76 am 11.01.2019 17:32

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