Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
515.192
Registrierte
Nutzer

Versteuerung bei EWR Wareneinkauf ohne Reverse-Charge evtl. Differenzbesteuerung

14.5.2019 Thema abonnieren
 Von 
lila13
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Versteuerung bei EWR Wareneinkauf ohne Reverse-Charge evtl. Differenzbesteuerung

Guten Abend allerseits,

auch nach reichlicher Recherche bin ich bei folgenden Fragestellungen noch nicht ganz schlau geworden.

Wenn ein Unternehmer in Deutschland von einem anderen Unternehmer aus dem EWR Waren bezieht und dabei eine Rechnung mit ausländischer Umsatzsteuer erhält, kann natürlich keine Vorsteuer gezogen werden.
Natürlich werden jetzt einige sagen, das hier das Reverse-Charge-Verfahren angewendet werden kann und man sich einfach eine netto-Rechnung ausstellen lassen soll. Wenn der ausländische Verkäufer dies aber ablehnt weil ihm das zu viel Arbeit ist oder die Waren über Marktplätze wie eBay und Amazon bezogen und per Paypal bezahlt werden, wo generell kein Reverse-Charge angewendet werden kann, wie verbucht man dann diese EG-Rechnung mit ausländischer MwSt. richtig?
Wird dieser Wareneingang dann z.B. bei einer Rechnung von 120 Euro (100 Euro netto zzgl. 20 Euro VAT aus UK) einfach mit 120 Euro auf ein umsatzsteuerneutrales Konto, z.B. SKR03 3200 verbucht?

Wie verhält es sich dann beim Verkauf des o.g. Wareneingangs, wenn eine Differenzbesteuerung angewendet werden soll?
Beispiel: Es wird ein gebrauchter Artikel aus UK für 120 Euro inkl. UK Umsatzsteuer eingekauft. Verkauft werden soll er für 160 Euro. Kann dann eine Bemessungsgrundlage von 33,61 Euro (netto aus VK minus EK) herangezogen und 6,39 Euro USt. abgeführt werden oder muss die volle USt. vom VK 160 Euro = 25,55 Euro abgeführt werden?

Verstoß melden



6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Cybert.
Status:
Lehrling
(1409 Beiträge, 321x hilfreich)

Zitat (von lila13):
Natürlich werden jetzt einige sagen, das hier das Reverse-Charge-Verfahren angewendet werden kann...

Sonstige Leistungen werden im RCV abgerechnet. Sie meinen vermutlich den innergemeinschaftlichen Erwerb (igE) i.S.d. § 1a UStG.

Zitat (von lila13):
Natürlich werden jetzt einige sagen, das hier das Reverse-Charge-Verfahren angewendet werden kann und man sich einfach eine netto-Rechnung ausstellen lassen soll. Wenn der ausländische Verkäufer dies aber ablehnt weil ihm das zu viel Arbeit ist

Das ist kein Grund. Zudem könnte die Lieferung des Verkäufers umsatzsteuerfrei erfolgen.

Signatur:"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb." Bert Rürup
0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#2
 Von 
lila13
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):
Zitat (von lila13):
Natürlich werden jetzt einige sagen, das hier das Reverse-Charge-Verfahren angewendet werden kann...

Sonstige Leistungen werden im RCV abgerechnet. Sie meinen vermutlich den innergemeinschaftlichen Erwerb (igE) i.S.d. § 1a UStG.

Richtig, EG-Erwerb nicht RCV, das war eine Verwechslung.

Zitat (von Cybert.):
Zitat (von lila13):
Natürlich werden jetzt einige sagen, das hier das Reverse-Charge-Verfahren angewendet werden kann und man sich einfach eine netto-Rechnung ausstellen lassen soll. Wenn der ausländische Verkäufer dies aber ablehnt weil ihm das zu viel Arbeit ist

Das ist kein Grund. Zudem könnte die Lieferung des Verkäufers umsatzsteuerfrei erfolgen.

Wie soll man das dem ausländischen Lieferanten klarmachen? Gibt es Paragraphen die man bei Weigerung anbringen und zur Not den Rechtsweg beschreiten kann? Das wäre im Nachgang alles sehr aufwendig und kostspielig.

Bei einem direkten Kontakt zum Lieferanten vor Vertragsschluss kann man sowas ja abklären und dann einfach nicht kaufen. Aber gerade bei Käufen auf Markplätzen ist das oft auch gar nicht möglich.
Die Frage ist ja nicht, wie man es zukünftig richtig macht und nur noch steuerfreie EG-Erwerbe tätigt, sondern wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und bereits eine Rechnung mit ausländischer USt. vorliegt, wie damit umzugehen ist, wenn keine Korrektur auf netto EG-Erwerb seitens des Lieferanten erfolgt.

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#3
 Von 
Cybert.
Status:
Lehrling
(1409 Beiträge, 321x hilfreich)

Zitat (von lila13):
Wie soll man das dem ausländischen Lieferanten klarmachen? Gibt es Paragraphen die man bei Weigerung anbringen und zur Not den Rechtsweg beschreiten kann? Das wäre im Nachgang alles sehr aufwendig und kostspielig.

Maßgeblich ist das Steuergesetz des jeweiligen Landes.

Zitat (von lila13):
Aber gerade bei Käufen auf Markplätzen ist das oft auch gar nicht möglich.

Auch über Paypal kann ein abweichender Betrag gefordert werden und es gibt trotzdem einen Käuferschutz!

Zitat (von lila13):
Die Frage ist ja nicht, wie man es zukünftig richtig macht und nur noch steuerfreie EG-Erwerbe tätigt, sondern wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und bereits eine Rechnung mit ausländischer USt. vorliegt, wie damit umzugehen ist, wenn keine Korrektur auf netto EG-Erwerb seitens des Lieferanten erfolgt.

Googeln Sie mal Vorsteuervergütungsverfahren oder suchen Sie beim bzst.de nach dem Begriff.

Signatur:"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb." Bert Rürup
0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#4
 Von 
lila13
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):

Maßgeblich ist das Steuergesetz des jeweiligen Landes.

Das ist ja dann völlig unpraktikabel. Ein deutscher Unternehmer kann sich ja nicht noch mit allen Steuergesetzen des jeweiligen Landes auseinander setzen.

Zitat (von Cybert.):

Auch über Paypal kann ein abweichender Betrag gefordert werden und es gibt trotzdem einen Käuferschutz!

Den Zusammenhang verstehe ich jetzt leider nicht. Wenn beispielsweise über eBay.co.uk ein Kauf getätigt wird, kann doch höchstens der Verkäufer etwas am Zahlbetrag drehen. Der Käufer kann lediglich den Kaufpreis der im Angebot anzeigt wird, und der eben brutto inkl. ausländische USt ist, per PayPal bezahlen. Diese Marktplätze sind eben eigentlich ausschließlich auf B2C ausgelegt, weshalb auf normalem Weg kein innergemeinschaftlicher Erwerb möglich ist. Das gleiche auch beim Amazon Marketplace im Ausland. Eine Bestellung bei amazon.fr bei einem Marktplatz-Händler löst eine Zahlung bei Amazon mit dem Brutto-Betrag inkl. französischer USt. aus. Im Gegenzug wird der Händler dann eine Brutto-Rechnung ausstellen.
Dann muss sich wohl ein Unternehmer der einen innergemeinschaftlichen Erwerb tätigen will und eine netto Rechnung erhalten will von diesen Marktplätzen fernhalten. Irgendwie schade.

Zitat (von Cybert.):

Googeln Sie mal Vorsteuervergütungsverfahren oder suchen Sie beim bzst.de nach dem Begriff.

Super danke, dass ist genau das was in dem Fall wohl Anwendung finden wird.

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#5
 Von 
Cybert.
Status:
Lehrling
(1409 Beiträge, 321x hilfreich)

Zitat (von lila13):
Zitat (von Cybert.):

Maßgeblich ist das Steuergesetz des jeweiligen Landes.
Das ist ja dann völlig unpraktikabel. Ein deutscher Unternehmer kann sich ja nicht noch mit allen Steuergesetzen des jeweiligen Landes auseinander setzen.


Die Umsatzsteuergesetzhe innerhalb des Gemeinschaftsgebietes sind jedoch inhaltlich recht gleich.

Zitat (von lila13):
Zitat (von Cybert.):

Auch über Paypal kann ein abweichender Betrag gefordert werden und es gibt trotzdem einen Käuferschutz!
Den Zusammenhang verstehe ich jetzt leider nicht. Wenn beispielsweise über eBay.co.uk ein Kauf getätigt wird, kann doch höchstens der Verkäufer etwas am Zahlbetrag drehen.


Natürlich kann der Verkäufer eine überarbeitete Rechnung senden, aber auch der Käufer einen bestimmten Betrag per Paypal bezahlen, vorausgesetzt, er kennt die Adresse.

Zitat (von lila13):
Dann muss sich wohl ein Unternehmer der einen innergemeinschaftlichen Erwerb tätigen will und eine netto Rechnung erhalten will von diesen Marktplätzen fernhalten. Irgendwie schade.

Ebay und Amazon sind nicht sonderlich praktikabel, was die USt betrifft. Man denkt nur an den eigenen Vorteil.

Signatur:"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb." Bert Rürup
0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#6
 Von 
lila13
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):

Natürlich kann der Verkäufer eine überarbeitete Rechnung senden, aber auch der Käufer einen bestimmten Betrag per Paypal bezahlen, vorausgesetzt, er kennt die Adresse.

Ersteres funktioniert zumindest bei Sofortkäufen bei eBay in der Regel nicht, da erst mit dem kompletten Durchlaufen des Zahlungsprozesses mit erfolgreicher Zahlung der Kauf auch tatsächlich abgeschlossen wird.
Zweiter Fall setzt dann wieder voraus, dass bereits im Vorfeld Kontakt bestand und die Zahl-Adresse bekannt gegeben wurde sowie die Modalitäten bereits geklärt wurden. Dann braucht man aber auch gar nicht eBay als Vermittler ins Boot nehmen sondern kann direkt einen Deal aushandeln und den igErwerb auch direkt abklären.

Zitat (von Cybert.):

Ebay und Amazon sind nicht sonderlich praktikabel, was die USt betrifft. Man denkt nur an den eigenen Vorteil.

Also Amazon selbst ist bei igErwerb durchaus empfehlenswert. Mit einem Businesskonto und hinterlegter USt-ID wird beim Kauf von Amazon.fr, co.uk usw. direkt eine Netto-Rechnung mit der eigenen USt-ID sowie der ausländischen ID von Amazon ausgestellt und der Netto-Betrag eingezogen. Bei einer Rechnung von Amazon mit der DE ID von denen gibt's eine Brutto-Rechnung mit 19%.
Nur wie bei eBay auch, funktioniert das mit den Marktplatzhändlern leider nicht so simpel.
Fassen wir zusammen: Marktplatzkäufe nur auf speziellen B2B-Marktplätzen tätigen.

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

Jannis Geike Nicolas Reiser Felix Hoffmeyer
  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen