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Inkassokosten: Ja? Nein? Wie hoch?

 Von 
Jotrocken
Status:
Junior-Partner
(5925 Beiträge, 1344x hilfreich)
Inkassokosten: Ja? Nein? Wie hoch?

Hallo,

es geht um folgenden Sachverhalt:
-Bestellung von Ware über Internet
-Rechnung wird mit Ware geliefert; Rechnungsbetrag = 32 Euro; "Zahlbar innerhalb von 10 Tagen ohne Abzug", sonst nichts zum Thema Fälligkeit
-Zahlung wurde vergessen
-keine weiteren Schreiben/Mahnungen zugegangen (wobei die Mailadresse, die verwendet wurde, nicht mehr zugänglich war - möglicherweise wurde eine Mahnung per eMail geschickt, von der jedoch keine Kenntnis besteht)

-nun postalisch Schreiben vom Inkassobüro mit folgender Kostenrechnung:

bisherige Mahnkosten des Mandanten 15,00 €
Inkassogebühren § 4 Abs. 5 RDGEG (Nr. 2003 VV RVG) 49,50 €
Inkassoauslagen § 4 Abs. 5 RDGEG (Nr. 7002 VV RVG) 9,90 €

Ist die Rechnung fällig geworden, d.h. liegt überhaupt Verzug vor?

Wenn ja: Ist die Höhe der Gebühren angemessen? Googelt man danach, findet man bei den Verbraucherzentralen unterschiedliche Infos. Für ein standardisiertes Inkassoverfahren soll wohl nur eine Gebühr i.H:v. 0,5 oder 0,8 oder 1,0 als angemessen gelten - so unterschiedlich sind die Ansichten offenbar.

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Rechnung Höhe Verzug


9 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
The Mentalist
Status:
Praktikant
(839 Beiträge, 231x hilfreich)

I

Zitat:
Ist die Rechnung fällig geworden, d.h. liegt überhaupt Verzug vor?

Kommt darauf an, ob das in den AGB geregelt ist. Ansonsten würde es an einem Verzug mangeln, wenn auch kein Hinweis auf die 30 Tage Regelung vorhanden war.

II.

Zitat:
Wenn ja: Ist die Höhe der Gebühren angemessen?

Die Mahnkosten sind schonmal komplett zu streichen.
Für die Inkassokosten kann man 0,3-0,5 ansetzen. ICH persönlich würde 0,3 ansetzten (18€ ingesamt Gebühren), bzw. wenn wie in I beschrieben kein Verzug vorlag, sind gar keine Inkassokosten zu zahlen.

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#2
 Von 
Jotrocken
Status:
Junior-Partner
(5925 Beiträge, 1344x hilfreich)

Danke für die blitzschnelle Antwort.

Die AGB dazu:
Der Kaufpreis ist fällig, nachdem die Ware geliefert und in Rechnung gestellt wurde. In diesem Fall ist der Kaufpreis innerhalb von 10 (zehn) Tagen ab Erhalt der Rechnung ohne Abzug zu zahlen, sofern nichts anderes vereinbart ist.

Das klingt wohl eher doch nach einer Fälligkeit, würde ich sagen.
Soll ich dann also ein kurzes Schreiben an die Inkassobude richten, dass die Mahnkosten nicht gezahlt werden und die Inkassokosten nur zu 0,3 (oder 0,5, mal schauen)?

Warum eigentlich keine Mahnkosten? Weil keine Mahnung zugegangen ist oder weil diese nicht neben den Inkassogebühren geltend gemacht werden können?

-- Editiert von Jotrocken am 30.07.2020 10:55

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#3
 Von 
The Mentalist
Status:
Praktikant
(839 Beiträge, 231x hilfreich)

Zitat:
Das klingt wohl eher doch nach einer Fälligkeit, würde ich sagen.

Richtig.

Zitat:
Warum eigentlich keine Mahnkosten? Weil keine Mahnung zugegangen ist oder weil diese nicht neben den Inkassogebühren geltend gemacht werden können?

Weil Mahnkosten nur roundabout 2,50€ pro Brief(!) sein können. Eher weniger. Das würde also 6 Mahnungen entsprechen. Und da du ja keine erhalten hast, sind auch keine zu zahlen. Grundsätzlich können die natürlich neben den Inkassokosten geltend gemacht werden.
Du kannst auch einfach gar keine Inkassokosten zahlen und an den Gläubiger direkt zahlen. Die Inkassos klagen nie nur wegen Inkassokosten.

Zitat:
Soll ich dann also ein kurzes Schreiben an die Inkassobude richten, dass die Mahnkosten nicht gezahlt werden und die Inkassokosten nur zu 0,3 (oder 0,5, mal schauen)?

Richtig. Der Generator der Vebraucherzentrale ist da ganz gut. Weiß aber nicht ob der mit 0,5 oder 0,3 arbeitet. Ansonsten einfach anpassen.

-- Editiert von The Mentalist am 30.07.2020 11:26

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#4
 Von 
fm89
Status:
Lehrling
(1894 Beiträge, 701x hilfreich)

Ich würde die Inkassogebühren nicht zahlen, da keine Bemühungen des Gläubigers erkennbar sind, die Forderung selbst geltend zu machen. Eine schriftliche Mahnung wäre in meinen Augen zumutbar gewesen.

Unbedingt zweckgebunden überweisen damit nicht mit den Gebühren verrechnet werden kann

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#5
 Von 
Anami
Status:
Philosoph
(13456 Beiträge, 2050x hilfreich)

Zitat (von Jotrocken):
Soll ich dann also ein kurzes Schreiben an die Inkassobude richten,
Ich würde sogar darauf verzichten. Keine Brieffreundschaft beginnen.
Ich würde nur die 32,-€ überweisen. An den Verkäufer der Ware.
Zitat (von Jotrocken):
Zahlung wurde vergessen
Hoffentlich ist die Rechnungsnummer/Artikelnummer noch auffindbar?

Signatur:auch ich verweise auf § 675 (2) BGB.
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#6
 Von 
mepeisen
Status:
Unsterblich
(23792 Beiträge, 15526x hilfreich)

Zitat:
Kommt darauf an, ob das in den AGB geregelt ist

Die AGB sind hierzu irrelevant. Die können den Verzug nicht automatisch auslösen. Man müsste schon direkt gut sichtbar bei Vertragsabschluss eine direkte Fälligkeit der Zahlung vereinbaren.
Aber im Grunde irrelevant, denn es wurden ja über die Mahngebühren Mahnungen behauptet.

Ich stimme fm89 zu. Ich würde dem Inkasso schreiben, dass man die Mahngebühren als frei erfunden zurückweist und auch die Inkassokosten mangels Verzug zurückweist. Sollen die doch erst mal beweisen, was es an Mahnungen gab und dass sie den TE erreicht haben.

Signatur:Mitglied im AK Inkassowatch. Anfragen per PM. Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Siche
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#7
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(79720 Beiträge, 33739x hilfreich)

Zitat (von Jotrocken):
(wobei die Mailadresse, die verwendet wurde, nicht mehr zugänglich war - möglicherweise wurde eine Mahnung per eMail geschickt, von der jedoch keine Kenntnis besteht)

Wenn die Mail zugegangen ist, reicht das. Ob man sie dann liest oder nicht.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#8
 Von 
mepeisen
Status:
Unsterblich
(23792 Beiträge, 15526x hilfreich)

Aber beweise mal den Zugang als Gläubiger...

Signatur:Mitglied im AK Inkassowatch. Anfragen per PM. Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Siche
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#9
 Von 
thehellion
Status:
Philosoph
(13852 Beiträge, 6273x hilfreich)

Ist die Ware eigentlich als versichertes Paket gekommen bzw mit Unterschrift beim Zusteller quittiert worden ?
Ansonsten würde ICH auch nur 32 € zahlen ( zweckgebunden)

Signatur:EX Inkasso MA - keine juristischen Fachkenntnisse
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