Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
553.346
Registrierte
Nutzer

Wie oft Vertrag befristen bzw. wie lange?

 Von 
schulden1992
Status:
Frischling
(16 Beiträge, 0x hilfreich)
Wie oft Vertrag befristen bzw. wie lange?

Hi,..
Ich hab mal eine Frage aus reinem Interesse,,,betrifft mich zwar nicht direkt, aber bin in einer ähnlichen Situation.
Man sagt ja eigentlich das es höchstens 3 befristete Verträge auf Max. 2 Jahre geben darf.
Nehmen wir mal als Beispiel den Arbeitgeber wo die Leute immer mit diesen gelben Autos rumfahren.
Da läuft es so:
Im Einstellungsgespräch wird gesagt es gibt einen Vertrag für 1 Monat, Dann für 3 Monate, dann 6 Monate und dann unbefristet.
Die Realität sieht aber ganz anders aus,,,,die Leute bekommen ca 10 befristete Verträge über einen Zeitraum von 4-6 Jahre,..und dann gibt es auch nicht freiwillig nen unbefristeten Vertrag sondern der BR und die Gewerkschaft müssen sich intensiv dafür einsetzen,,.teilweise haben schon Leute vor Gericht eine entfristung erklagt,..dementsprechend wird intern natürlich gefeiert wenn es mal wieder jemand geschafft hat.
Seit einiger Zeit ist es auch noch so das jeder Vertrag als Neueinstellung gewertet wird,..das heißt man hat erstmal viele Jahre keine Chance auf Weihnachtsgeld (13. Gehalt), und auch keine Chance in der Entgeltgruppe aufzusteigen (normal nach 2 Jahren)..
,..jetzt frage ich mich mit welcher Begründung das ganze rechtlich möglich ist? , zumal es ja nicht um einzelne Mitarbeiter geht, sondern um tausende Mitarbeiter.

Verstoß melden

Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Vertrag Frage rechtlich Begründung


6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Gelehrter
(11419 Beiträge, 4781x hilfreich)

Es gibt zweierlei Befristungen
a) die nach dem Kalender, also zeitliche Befristung - das ist die Sache mit den max. 2 Jahren bei 3 Verlängerungen.
b) mit Sachgrund; diese Befristungen können in Kette erfolgen, wobei die Rechtsprechung mittlerweile doch zu der Einsicht kommt, dass nach einer Reihe von Befristungen und Verlängerungen wohl schwerlich noch von vorübergehendem Bedarf an der Leistung zu sprechen ist.

Wenn es einen BR gibt, der was auf sich hält, sollte es da kaum noch möglich sein, mit Befristungen Schindluder zu treiben - Man müsste sich einen Fall ganz genau anschauen. Auch die Geschichte, dass jede Verlängerung als Neuanstellung gesehen wird, müsste man sich genau anschauen auf die rechtlichen Grundlagen hin.

Zitat:
Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (Teilzeit- und Befristungsgesetz - TzBfG)
§ 14 Zulässigkeit der Befristung
(1) Die Befristung eines Arbeitsvertrages ist zulässig, wenn sie durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt ist. Ein sachlicher Grund liegt insbesondere vor, wenn
1. der betriebliche Bedarf an der Arbeitsleistung nur vorübergehend besteht,
2. die Befristung im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium erfolgt, um den Übergang des Arbeitnehmers in eine Anschlussbeschäftigung zu erleichtern,
3. der Arbeitnehmer zur Vertretung eines anderen Arbeitnehmers beschäftigt wird,
4. die Eigenart der Arbeitsleistung die Befristung rechtfertigt,
5. die Befristung zur Erprobung erfolgt,
6. in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe die Befristung rechtfertigen,
7. der Arbeitnehmer aus Haushaltsmitteln vergütet wird, die haushaltsrechtlich für eine befristete Beschäftigung bestimmt sind, und er entsprechend beschäftigt wird oder
8. die Befristung auf einem gerichtlichen Vergleich beruht.
(2) Die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrages ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes ist bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig; bis zu dieser Gesamtdauer von zwei Jahren ist auch die höchstens dreimalige Verlängerung eines kalendermäßig befristeten Arbeitsvertrages zulässig. Eine Befristung nach Satz 1 ist nicht zulässig, wenn mit demselben Arbeitgeber bereits zuvor ein befristetes oder unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden hat. Durch Tarifvertrag kann die Anzahl der Verlängerungen oder die Höchstdauer der Befristung abweichend von Satz 1 festgelegt werden. Im Geltungsbereich eines solchen Tarifvertrages können nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Anwendung der tariflichen Regelungen vereinbaren.

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#2
 Von 
schulden1992
Status:
Frischling
(16 Beiträge, 0x hilfreich)

Naja,...so ist das alles oberflächlich geregelt,....aber in den von mir beschriebenen Fall ist es ja schon ne größere Firma wo sogar der Staat noch mit drinne steckt,...gegen diese kettenbefristungen haben sich auch schon Politiker ausgesprochen,..trotzdem schafft diese Firma es immer noch so hinzubiegen das es irgendwie möglich ist für sich diese Gesetze auszuhebeln,....sonst wäre es ja nicht mehr so.
Unter anderem gibt es für eine entfristung sehr strenge Regeln,...zb darf man in 2 Jahren nicht mehr als 20 Tage krank sein (also wenn man sich kurz vor Ablauf nen Bein bricht hat sich eine entfristung schon wieder erledigt),..man darf nicht mehr als 2 Unfälle mit 5000 Euro schaden haben,..man darf in 3 Monate nicht mehr als 30 Stunden über die vorgeschriebene Zeit für seine Tour brauchen (obwohl die eh keine Überstunden bezahlen),...usw usw

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(79709 Beiträge, 33738x hilfreich)

Zitat (von schulden1992):
,..jetzt frage ich mich mit welcher Begründung das ganze rechtlich möglich ist? ,

Zitat (von schulden1992):
trotzdem schafft diese Firma es immer noch so hinzubiegen das es irgendwie möglich ist für sich diese Gesetze auszuhebeln

Wie sie das machen / begründen, sollte man in den Urteilen der Arbeitsgerichte nachlesen können ...


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#4
 Von 
drkabo
Status:
Gelehrter
(11425 Beiträge, 7762x hilfreich)

Zitat:
trotzdem schafft diese Firma es immer noch so hinzubiegen das es irgendwie möglich ist für sich diese Gesetze auszuhebeln,....sonst wäre es ja nicht mehr so.

Und warum schaffen die das? Weil alle immer nur jammern, aber niemand bzw. zu wenige sich wehren.

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#5
 Von 
blaubär+
Status:
Gelehrter
(11419 Beiträge, 4781x hilfreich)

//// Naja, ... so ist das alles oberflächlich geregelt,...

"Die Trauben sind zu sauer, sagte der Fuchs ..."
Das ist das Arbeitsrecht, damit wird gearbeitet und kann man arbeiten. Aber so ganz ohne eigenes Bemühen geht es nicht.

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#6
 Von 
MitEtwasErfahrung
Status:
Lehrling
(1834 Beiträge, 477x hilfreich)

Zitat (von schulden1992):
trotzdem schafft diese Firma es immer noch so hinzubiegen das es irgendwie möglich ist für sich diese Gesetze auszuhebeln

"Wo kein Kläger, da kein RIchter"

Vielleicht besteht der wirkliche Grund darin, dass es mit den Kettenarbeitsverhältnissen "klappt", weil man erst eine Klage erheben muss, wenn der letzte befristete Vertrag nicht mehr verlängert wird. Diese Vorgehensweise ist in manchen Fällen durchaus anzuraten, denn wenn man eine Klage gegen den eigenen Arbeitgeber erhebt, kann das Arbeitsklima (mobbing o.ä.) darunter leiden.

Ich könnte mir vorstellen, dass Anwälte den AN häufig aus diesem Grund von einer zu frühen Feststellungsklage abraten.

Signatur:Nur meine Meinung, keine Rechtsberatung!
0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 195.563 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 25
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
82.164 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. Zzgl. 2€ Einstellgebühr pro Frage.