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Umsatzsteuer wiederholen bei ausgewiesener ausländischer Umsatzsteuer auf der Rechnung

17.11.2020 Thema abonnieren
 Von 
AlexSkr82
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)
Umsatzsteuer wiederholen bei ausgewiesener ausländischer Umsatzsteuer auf der Rechnung

Hallo!

Ich würde gerne bei einem Händler im EU Ausland etwas für mein Gewerbe bestellen. Eigentlich wäre dies klar mit Reverse Charge und ohne Umsatzsteuer.

Jetzt "weigert" sich der Lieferant und sagt er hat dafür keinen Prozess in seine Buchhaltung und kann nur eine normale Innlands Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer des Verkäuferlandes anbieten.

Verkaufsland: UK
Lieferland: DE
Vorsteuerabzugsberechtigt: ja

Wäre das möglich sich das über "Umsatzsteuervergütungsverfahren" die im Ausland gezahlte Umsatzsteuer wiederzuholen.

https://www.bzst.de/DE/Unternehmen/Umsatzsteuer/Vorsteuerverguetung/InlaendischeUnternehmer/inlaendischeunternehmer_node.html

"Inländische Unternehmer, die vorsteuerabzugsberechtigt sind, erhalten die in einem anderen EU-Mitgliedstaat gezahlte Umsatzsteuer auf Antrag erstattet. Dies ist unter anderem an die folgenden formellen Voraussetzungen gebunden: [...]"

Ich bin mir nun unsicher, da ich ja eigentlich nicht in UK gekauft habe, da die Ware ja nach DE geliefert wurde. Allerdings steht an dieser Stelle auch keine Einschränkung diesbezüglich.

Für jede Hilfe dankbar.

Viele Grüße,
Alex

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Cybert.
Status:
Student
(2520 Beiträge, 587x hilfreich)

M.E. bleibt es ein innergemeinschaftlicher Erwerb, für den die deutsche Steuer anfiele, welche zeitgleich als Vorsteuer abgezogen werden kann.

Signatur:"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb." Bert Rürup
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#2
 Von 
AlexSkr82
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):
innergemeinschaftlicher

wie verrechnet sich das, da sich der Umsatzsteuersatz unterscheidet 20% vs 16% bzw. der UK Lieferant mir nicht die deutsche Mehrwertsteuer ausweist. Dann müsste sich der deutsche Staat - dem die Erwerbssteuer zusteht - diese ja in UK wiederholen... macht er das? Ich kann mir nur vorstellen, dass ich dafür verantwortlich bin.

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#3
 Von 
Cybert.
Status:
Student
(2520 Beiträge, 587x hilfreich)

Zitat (von AlexSkr82):
Ich kann mir nur vorstellen, dass ich dafür verantwortlich bin.

Richtig!
Warum sollte sich der Staat an einen anderen wenden, weil dessen Bürger Gesetze nicht beachten?

M.E. würden Sie hier auf die 120 % 16 % zahlen, die Sie als Vorsteuer abziehen können.
Ob unrichtig ausgewiesene Steuern über das Vergütungsverfahren erstattet werswerden werden werden, denke ich eher nicht.

Signatur:"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb." Bert Rürup
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#4
 Von 
AlexSkr82
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Also so wie ich ich eingangs dachte? Wenn ich eine UK Rechnung erhalte kann ich es eben nicht als "innergemeinschaftlichen Erwerb" laufen lassen, dazu müsste ich reverse-chargen.

Wie sieht es mit der Frage aus, das über Umsatzsteuervergütungsverfahren laufen zu lassen?

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#5
 Von 
taxpert
Status:
Lehrling
(1330 Beiträge, 340x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):
M.E. bleibt es ein innergemeinschaftlicher Erwerb
Aus den genannten Informationen bleibt die Frage bestehen, ob die Voraussetzungen des §1a Abs.3 Nr. 2 UStG (Erwerbsschwelle) oder §1a Abs.4 UStG (Verwendung der UStIDNr) erfüllt sind. Erst dann ist es zwingend ein steuerpflichtiger innergemeinschaftlicher Erwerb.

Soweit die Voraussetzungen für §1a UStG nicht vorliegen, wäre das USt-Vergütungsverfahren über die Seite des BZSt anwendbar.

taxpert

Signatur:"Yeah, I'm the taxman and you're working for no one but me!" The Beatles, Taxman
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#6
 Von 
AlexSkr82
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von taxpert):
Aus den genannten Informationen bleibt die Frage bestehen, ob die Voraussetzungen des §1a Abs.3 Nr. 2 UStG (Erwerbsschwelle) oder §1a Abs.4 UStG (Verwendung der UStIDNr) erfüllt sind. Erst dann ist es zwingend ein steuerpflichtiger innergemeinschaftlicher Erwerb.
Soweit die Voraussetzungen für §1a UStG nicht vorliegen, wäre das USt-Vergütungsverfahren über die Seite des BZSt anwendbar.

§1a Abs.3 Nr. 2 UStG (Erwerbsschwelle) : Ich bin unter der Erwerbsschwelle von 12.500 Euro, ich dachte diese ist irrelevant für mich, da ich nicht unter die unter §1a Abs.3 Nr. 1 UStG definierten Arten von Erwerber Fall. Ich kaufe umsatzsteuerpflichtige Waren für meine GbR und bin demnach meines Erachtens regelbesteuerter, zum Vorsteuerabzug berechtigter Unternehmer.

§1a Abs.4 UStG (Verwendung der UStIDNr) : Demnach kann ich hier auf nicht verzichten, weil ich gar keinen Anspruch auf §1a Abs.3 Nr. 2 UStG habe, oder?

Mein Problem ist, das grundsätzlich §1a UStG im allgemeinen zutrifft: Es ist Definition innergemeinschaftlicher Erwerb. Für eine ordentlich Abwicklung müsste ich dafür nur das Reverse Charge Verfahren anwenden (ich bekomme eine Rechnung ohne Umsatzsteuer vom Lieferanten). Der will das aber "aus Gründen" nicht machen und mir nur eine normale Rechnung geben.

Meine Frage ist daher: wie kann ich mir von einer Rechnung mit UK Umsatzsteuer einer Ware die nach Deutschland geliefert wurde die Umsatzsteuer wiederholen. Ich kann das "normale" Verfahren nicht nutzen, da ich hierfür eine Rechnung a) mit Deutscher UstId und deutscher Umsatzsteuer benötige oder b) eine Rechnung ohne Umsatzsteuer.

Frage 2: Gehe ich recht in der Annahme, dass unser deutsches Finanzamt mit einer UK Umsatzsteuer nichts anfangen kann und ich demnach auch nichts erstattet bekomme (wurde ja nicht in Deutschland entrichtet).

Vielen Dank und Grüße!
Alex

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#7
 Von 
Cybert.
Status:
Student
(2520 Beiträge, 587x hilfreich)

Ist die Erwerbsschwelle nicht nur bei den Exoten relevant?
Und wird nicht durch Verwendung der USt-IdNr. die Lieferung an einen Unternehmer für dessen Unternehmen belegt, sodass die fehlende Verwendung auf die nichtunternehmerische Sphäre hindeutet?

Signatur:"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb." Bert Rürup
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#8
 Von 
AlexSkr82
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):
Ist die Erwerbsschwelle nicht nur bei den Exoten relevant?

so habe ich das auch verstanden, ja.

Zitat (von Cybert.):
Und wird nicht durch Verwendung der USt-IdNr. die Lieferung an einen Unternehmer für dessen Unternehmen belegt, sodass die fehlende Verwendung auf die nichtunternehmerische Sphäre hindeutet?

Hier kann ich grade nicht folgen. Wenn ich die USt-IdNr. angebe, dann deutet das doch eher auf eine unternehmerische Spähre hin, oder? Sollte aber für die ursprüngliche Frage eigentlich keine Rolle spielen, auch wenn der Lieferant und Erwerber sich die UstIds auf die Rechnung schreiben (er die UK Nr, ich die DE Nr.) löst es das Problem nicht, dass ich das hier nicht mit der englischen Umsatzsteuer einreichen kann.

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#9
 Von 
taxpert
Status:
Lehrling
(1330 Beiträge, 340x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):
Ist die Erwerbsschwelle nicht nur bei den Exoten relevant?
Da hast Du natürlich recht! Ich liebe die USt, weil ich da (nachdem sie sich seit meinem Studium bestimmt 5 mal geändert hat!) immer mal wieder ein Wort überlese. Hier das "und" am Ende von §1a Abs. 3 Nr.1 lit. d) UStG!

Zitat (von Cybert.):
Und wird nicht durch Verwendung der USt-IdNr. die Lieferung an einen Unternehmer für dessen Unternehmen belegt, sodass die fehlende Verwendung auf die nichtunternehmerische Sphäre hindeutet?
Zitat (von AlexSkr82):
Hier kann ich grade nicht folgen. Wenn ich die USt-IdNr. angebe, dann deutet das doch eher auf eine unternehmerische Spähre hin, oder?

Die Krux ist, dass für §1a UStG keine Verwendung der UStIDNr notwendig ist, während auf der anderen Seite für die Anwendung der nationalen Entsprechung des §6a UStG wahrscheinlich auch dort die Vorlage einer gültigen UStIDNr entsprechend §6a Abs.1 Nr.4 UStG notwendig sein dürfte.

Es steht aber letztendlich m.E.n. nirgendwo geschrieben, dass ein deutscher Unternehmer, der im EU-Ausland Waren für sein Unternehmen einkauft, hierbei eine vergebene UStIDNr verwenden muss oder überhaupt eine UStIDNr beantragt haben muss (z.B. einmaliger Kauf im EU-Ausland).

Auch wenn z.B. die Nicht-Verwendung ein Ausnahmefall sein dürfte (z.B. Spontankauf im Urlaub), sollten diese Fälle unter das USt-Vergütungsverfahren fallen.

Hier liegt grundsätzlich natürlich ein weiterer "Spezialfall" vor, der zu hohe Steuerausweis. Auch der dürfte m.E.n. durch das USt-Vergütungsverfahren abgedeckt sein.

taxpert

Signatur:"Yeah, I'm the taxman and you're working for no one but me!" The Beatles, Taxman
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#10
 Von 
AlexSkr82
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von taxpert):
Es steht aber letztendlich m.E.n. nirgendwo geschrieben, dass ein deutscher Unternehmer, der im EU-Ausland Waren für sein Unternehmen einkauft, hierbei eine vergebene UStIDNr verwenden muss oder überhaupt eine UStIDNr beantragt haben muss (z.B. einmaliger Kauf im EU-Ausland).

Auch wenn z.B. die Nicht-Verwendung ein Ausnahmefall sein dürfte (z.B. Spontankauf im Urlaub), sollten diese Fälle unter das USt-Vergütungsverfahren fallen.

Hier liegt grundsätzlich natürlich ein weiterer "Spezialfall" vor, der zu hohe Steuerausweis. Auch der dürfte m.E.n. durch das USt-Vergütungsverfahren abgedeckt sein.

Ok, verstanden vielen Dank schon einmal. So habe ich das auch verstanden bis auf eine Einschränkung/Frage:

Ich kaufe das ja nicht im EU Ausland (z.B. spontaner Kauf im Urlaub), sondern lasse es mir ja nach Deutschland liefern. Greift dann das USt-Vergütungsverfahren überhaupt noch? Es ist ja eigentlich dafür vorgesehen, wenn ich auf Messebesuch bin im Ausland erworbene, unternehmerische Zwecke Waren vor Ort einkaufe (z.B. Möbel für einen Messeauftirtt). Ich lasse es mir aber ja liefern und es gilt meines Wissens nach das Ende der Transportkette.
Kann ich es dann trotzdem geltend machen, wenn auf der Rechnung Transportkosten nach Deutschland ausgewiesen sind?

Für den konkreten Fall (damit es etwas fassbarer wird).

Ich will für mein Büro Büromöbel aus UK bestellen (die sind da trotz horrender Lieferkosten noch immer billiger als in DE). Warenwert ist in etwa 3000 Euro. Der Händler in UK will aber nur eine reguläre Rechnung ausstellen, als wenn jemand in seinen Laden in London kommt und dort direkt kauft. Er bietet mir an "alles auf die Rechnung zu schreiben, was ich brauche" (was auch immer das heißt) nur nicht, dass ich nur den Nettobetrag bezahle. Ich muss den vollen Betrag inkl. UK Vat bezahlen.

Viele Grüße,
Alex

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#11
 Von 
taxpert
Status:
Lehrling
(1330 Beiträge, 340x hilfreich)

Das BZSt prüft vor Weitergabe nur,
-ob der Antragsteller im beantragten Vergütungszeitraum zum Vorsteuerabzug berechtigt ist
-ob die im Antrag angegebene Steuernummer/Umsatzsteuer-Identifikationsnummer dem Antragsteller zugeordnet werden kann.

Der Antrag wird nur dann nicht an den EU-Mitgliedsstaat weitergeleitet wenn der Antragsteller
-für Zwecke der Mehrwertsteuer nicht als Steuerpflichtiger anzusehen ist,
-die Steuerbefreiung für Kleinunternehmen in Anspruch genommen hat (§ 19 UStG),
-ausschließlich der landwirtschaftlichen Pauschalbesteuerung gemäß § 24 UStG unterlegen hat oder
-ausschließlich umsatzsteuerfreie Lieferungen/Dienstleistungen erbracht hat.

Alles andere wird vom erstattenden EU-Mitgliedsstaat geprüft.

taxpert

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#12
 Von 
AlexSkr82
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke, das ist schon einmal sehr hilfreich.

Rein vom Gefühl her, eine Idee wie das erstattende EU-Land damit umgeht, wenn die Lieferung ins Ausland erfolgt? Oder irgendwelche anderen Gründe warum sie es ggf. nicht erstatten?
Die wollen sicher ihr Geld behalten und es nicht nach zurück zum Kontinent geben :)

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#13
 Von 
taxpert
Status:
Lehrling
(1330 Beiträge, 340x hilfreich)

Zitat (von AlexSkr82):
Rein vom Gefühl her, eine Idee wie das erstattende EU-Land damit umgeht, wenn die Lieferung ins Ausland erfolgt?
Keine Ahnung, da dass in D zentral vom BZSt verwaltet wird!

Ich sehe keinen Grund,warum nicht erstattet werden sollte, denn es ist egal ob Sie IN GB erworben haben oder AUS GB erworben haben, HMRC kassiert immer.

taxpert

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