Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
13.493 Ratgeber, 2.347.261 Forenbeiträge, 254.709 Rechtsberatungen
609.436
Registrierte
Nutzer

Ablesungspflicht für Verdunstungsröhrchen durch den Vermieter bei Leerstand oder nicht?

14.1.2022 Thema abonnieren
 Von 
seb112233
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 0x hilfreich)
Ablesungspflicht für Verdunstungsröhrchen durch den Vermieter bei Leerstand oder nicht?

Hallo, ich bin mir bei einem Sachverhalt unsicher.

Angenommen eine Wohnung in einem Wohnhaus mit 3 Einheiten stünde ein ganzes Jahr leer. Im gesamten Gebäude wird die Verteilung der Heizkosten über klassische Verdunstungsröhrchen durchgeführt, welche von einer Firma abgelesen werden. Die leerstehende Einheit wird nun für die Berechnung nicht abgelesen und der Verbrauch dementsprechend nicht erfasst. Der Vermieter argumentiert hier, dass bei einem Leerstand keine Heizkosten entstehen und dementsprechend eine Ablesung nicht nötig sei. Die Abrechnungsfirma legt, mangels einer Ablesung, den Verbrauch mit 0 an und die Heizkosten werden entsprechend nur auf die verbleibenden Wohnung verteilt. Die Grundkosten werden auf alle Wohnungen verteilt.

Ist dies so richtig? Darf der Vermieter hier in Eigenregie bestimmen, dass der Verbrauch wohl 0 sein wird? Ein Beitrag bei Mietrecht.org würde suggerieren, dass dies nicht korrekt ist:

Zitat:
Der Vermieter muss die Messgeräte ablesen lassen, auch wenn eine Wohnung leer steht. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Verbrauch über Heizkostenverteiler bestimmt wird, die nach dem Verdunstungsprinzip arbeiten. Wegen der Kaltverdunstung über das Jahr messen diese Geräte auch dann einen Verbrauch, wenn die Heizung abgestellt ist.


Dies ist allerdings keine rechtliche Grundlage. Mich würde interessieren ob es dazu auch ein Urteil oder ein Gesetz gibt, was dies vielleicht klar stellt. Grundsätzlich würde ich intuitiv auch sagen, dass derartige Verdunstungsröhrchen, etwa an sehr heißen Tagen und im "Frostschutz" der Heizung, zumindest ein bisschen verbrauchen, weshalb eine Annahme von 0 zweifelhaft ist. Selbst geringe Werte würden die Kostenlast der verbleibenden Mieter erheblich senken.

Ich würde mich über Kommentare zu dem Thema freuen.

Fragen zur Miete?

Fragen zur Miete?

Ein erfahrener Anwalt im Mietrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt im Mietrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(42564 Beiträge, 15212x hilfreich)

Zitat (von seb112233):
Mich würde interessieren ob es dazu auch ein Urteil oder ein Gesetz gibt, was dies vielleicht klar stellt.


Ja, die Schätzung muss in so einem Fall nach § 9a Abs. 1 HeizkostenV erfolgen. Für eine Schätzung auf 0 bietet diese Vorschrift keinen Raum.

Hat Dir die Antwort#13 in diesem Thread
https://www.123recht.de/Forum-__f593724.html
nicht gefallen?

Zitat (von seb112233):
Selbst geringe Werte würden die Kostenlast der verbleibenden Mieter erheblich senken.


Das glaube ich nun nicht.

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
seb112233
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von hh):
Hat Dir die Antwort#13 in diesem Thread
https://www.123recht.de/Forum-__f593724.html
nicht gefallen?


Doch, aber ich weiß nicht ob es sich um eine Schätzung des Vermieters handelt. Dieser gibt an er hätte lediglich der Ablesefirma mitgeteilt, dass es einen Leerstand an (seine Aussage). Da sehe ich dann keine Schätzung durch den Vermieter und wüsste nicht wie das zu bewerten wäre.

Der entsprechende Paragraph greif auch nur "wegen Geräteausfalls oder aus anderen zwingenden Gründen", was hier ja eigentlich nicht gegeben ist. Der Vermieter hielt es schlichtweg nicht für nötig.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(42564 Beiträge, 15212x hilfreich)

Zitat (von seb112233):
Doch, aber ich weiß nicht ob es sich um eine Schätzung des Vermieters handelt.


Das spielt keine Rolle, da es nach § 9a HeizkostenV nicht darauf ankommt, wer geschätzt hat.

Zitat (von seb112233):
Dieser gibt an er hätte lediglich der Ablesefirma mitgeteilt, dass es einen Leerstand an (seine Aussage).


Der Vermieter muss sich den Fehler einer von ihm beauftragten Abrechnungsfirma zurechnen lassen. Daher macht es aus Sicht des Mieters keinen Unterschied, ob der Vermieter selbst oder die Abrechnungsfirma den Fehler gemacht hat.

Wenn die Ablesefirma den Wert von sich aus auf 0 geschätzt hat, dann kann der Vermieter Schadenersatz gegen sie geltend machen. Der Schadenersatz des Vermieters besteht aber nur in den Kosten für die Neuerstellung der Abrechnung.

Den Mieter muss das aber nicht interessieren.

Zitat (von seb112233):
Der entsprechende Paragraph greif auch nur "wegen Geräteausfalls oder aus anderen zwingenden Gründen", was hier ja eigentlich nicht gegeben ist.


Doch, klar ist das gegeben. Eine nicht erfolgte Ablesung eines Verdunsterröhrchens ist ein anderer zwingender Grund.

Zitat (von seb112233):
Der Vermieter hielt es schlichtweg nicht für nötig.


Sein Pech, dann muss er jetzt eben die Heizkosten wie für eine bewohnte Wohnung zahlen. Außerdem führt das bei Verdunsterröhrchen auch noch dazu, dass das Folgejahr ebenfalls noch geschätzt werden muss, weil keine neuen Röhrchen eingesetzt wurden.

Wenn er hätte ablesen lassen, wäre mit etwas Glück ein Verbrauch von tatsächlich (nahezu) 0 herausgekommen.

-- Editiert von hh am 14.01.2022 17:32

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Leo4
Status:
Lehrling
(1540 Beiträge, 265x hilfreich)

Ohne alle Beiträge gelesen zu haben kann ich bestätigen, dass bei Leerstand in meinem
Miethaus auch immer abgelesen wurde. Dann ist eben der abgelesene Verbrauch Null, oder sehr geringfügig, aber es ist Ablesepflicht. Es könnte ja auch mehr verbraucht worden sein, trotz Leerstand. Die Mieter sind nicht verpflichtet alles bedingngslos zu glauben.

Signatur:

Meine persönliche Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 229.493 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
94.597 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. Zzgl. 2€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen