Körperverletzung mit Tritten auf den Kopf

28. Januar 2023 Thema abonnieren
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)
Körperverletzung mit Tritten auf den Kopf

Hallo,

A (ca. 30-35 J) wirft B (60 J) auf den Boden tritt ihr 2 x kräftig auf den Kopf. Als A die Zeugen bemerkt, lässt er von B ab und geht. Polizei kommt, vernimmt B und die Zeugen, nach A wird gefahndet und A wird auch gestellt. Nach Feststellung der Personalien kann A wieder seiner Wege ziehen.

B kommt ins Krankenhaus, Schädelhirntraum, Blutergüsse und Prellungen am Kopf und im Gesicht, der Kiefer ist auch betroffen, da steht die Diagnose noch aus.

Ist dies eine leichte Körperverletzung nach § 223 Abs. 1 StGB oder eine gefährliche Körperverletzung § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB ?

Ich frage für jemanden den ich kenne, ihr ist das heute passiert :sad: Ich habe ihr schon empfohlen einen Anwalt zu beauftragen, schon weil der Täter offensichtlich unweit von ihr wohnt und weitere Taten nicht ausgeschlossen werden können. Kann sie wegen der Tat schon eine Näherungsverbot erwirken?

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31 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(120222 Beiträge, 39852x hilfreich)

Je nach Anwalt und der unbekannten Details kommt irgendwas zwischen "Versehen", "Notwehr" bis hin zu "versuchter Mord" in Frage.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#2
 Von 
sonmischt
Status:
Schüler
(245 Beiträge, 53x hilfreich)

Käme wohl auf das Schuhwerk an, nach der Schilderung liegt aber mE wohl eine das Leben gefährdende Behandlung (Nr. 5) vor, selbst ein versuchtes Tötungsdelikt halte ich hier für nicht ganz abwegig.

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#3
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Je nach Anwalt und der unbekannten Details kommt irgendwas zwischen "Versehen", "Notwehr" bis hin zu "versuchter Mord" in Frage.


Kein Versehen, keine Notwehr geplantes Vorgehen mit gezielten Tritten gegen den Kopf, der Beginn des Übergriffs wurde gefilmt, für den Rest gibt es Augenzeugen, die einheitlich das aussagen, was das Opfer berichtete.

Zitat (von sonmischt):
Käme wohl auf das Schuhwerk an, nach der Schilderung liegt aber mE wohl eine das Leben gefährdende Behandlung (Nr. 5) vor, selbst ein versuchtes Tötungsdelikt halte ich hier für nicht ganz abwegig.


Das Opfer selber rechnete auch nicht damit den Übergriff zu überleben :sad:

Könnte ein Näherungsverbot erwirkt werden?

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#4
 Von 
SkullCastle
Status:
Frischling
(42 Beiträge, 1x hilfreich)

Aber das Opfer - hier Mut B benannt - konnte beim Eintreffen der Polizei vernommen werden und weiß, dass Ihre Aussage mit denen des Opfers übereinstimmt ?

Was für ein SHT wurde denn diagnostiziert. Wie lange war das Opfer im Krankenhaus. Das sind alles Faktoren die eine Rolle Spielen wie schwer die Körperverletzung vom Gericht gewertet wird.

Aber bei SHT ist es wohl keine einfache Körperverletzung.

-- Editiert von User am 28. Januar 2023 22:27

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#5
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Zitat (von SkullCastle):
Aber das Opfer - hier Mut B benannt - konnte beim Eintreffen der Polizei vernommen werden und weiß, dass Ihre Aussage mit denen des Opfers übereinstimmt ?


Ja und trotzdem glaubte sie am Boden liegend, dass er sie tottritt, kann ich nachvollziehen.

Zitat (von SkullCastle):
Was für ein SHT wurde denn diagnostiziert. Wie lange war das Opfer im Krankenhaus. Das sind alles Faktoren die eine Rolle Spielen wie schwer die Körperverletzung vom Gericht gewertet wird


Ist heute passiert, sie ist im KH.

Könnte ein Näherungsverbot erwirkt werden, bestenfalls noch bevor sie entlassen wird?

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#6
 Von 
SkullCastle
Status:
Frischling
(42 Beiträge, 1x hilfreich)

Einstweilige Anordnung wird immer im Eilverfahren behandelt. Dauert wenige Stunden bis maximal ein paar Tage. Man kann auch selber den Antrag stellen würde es aber entweder über Anwalt regeln lassen oder mich an eine Organisation / Verein für Gewaltenschutz wenden und zwar jetzt so lange das Opfer noch im KH ist.

Was Händen die Polizei kommuniziert ? gab es evtl. eine Gefährderansprache ?

In welchem Verhältniss stehen Opfer und Täter evtl. ?

-- Editiert von User am 28. Januar 2023 23:02

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(120222 Beiträge, 39852x hilfreich)

Zitat (von Solan196):
Könnte ein Näherungsverbot erwirkt werden?

Durchaus, ja.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
3,141592653
Status:
Lehrling
(1802 Beiträge, 1000x hilfreich)

Bei Tritten gegen den Kopf würde ich schon von einem Eventualvorsatz der Tötung ausgehen und damit die Tat auch im Bereich der §§ 211ff StGB ansiedeln.

Zumindest würde ich bei der Verletzung eine gefährliche Körperverletzung annehmen (§ 224 StGB, Absatz1, Nummer 5), wenn nicht sogar (je nach Folgen) eine schwere Körperverletzung.

Zitat (von Solan196):
Könnte ein Näherungsverbot erwirkt werden, bestenfalls noch bevor sie entlassen wird?


Was war denn der Grund für den Angriff? Kamen schon mal irgendwelche Zusammenstöße vor?

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Mybe2
Status:
Schüler
(274 Beiträge, 46x hilfreich)

Zitat (von 3,141592653):
Eventualvorsatz der Tötung ausgehen
Nicht so voreilig.. Ich habe Zweifeln an der gefährlichen KV. Ohne das Schuhwerk zu kennen, wie und wo getreten wurde. Von einem bedingten Tötungsvorsatz kann ich nichts aus der Schilderung des TE entnehmen. Von versuchtem Mord (211) ganz zu schweigen..

Zitat (von 3,141592653):
oder eine gefährliche Körperverletzung § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB ?

224 I Nr. 5 ist mit Leichtigkeit zu begründen.
Bei 224 I Nr. 2 - mittels (..) eines anderen gefährlichen Werkzeugs
In der Regel muss ein Mensch, damit auf ihm getreten werden kann, erst auf dem Boden liegen. Hat der Verletzte die Verletzungen aus einem Aufschlagen mit sein Kopf auf dem Boden erlitten.. kann man mit guter Begründung 224 I Nr. 2 ablehnen.

-- Editiert von User am 29. Januar 2023 05:08

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#10
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Zitat (von SkullCastle):
Was Händen die Polizei kommuniziert ? gab es evtl. eine Gefährderansprache ?


Das ist nicht bekannt.
Zitat (von SkullCastle):
In welchem Verhältniss stehen Opfer und Täter evtl. ?


Dem Opfer war der Täter bisher nicht bekannt. Sie hat ihn noch nie gesehen.

Zitat (von Mybe2):
Nicht so voreilig.. Ich habe Zweifeln an der gefährlichen KV. Ohne das Schuhwerk zu kennen, wie und wo getreten wurde. Von einem bedingten Tötungsvorsatz kann ich nichts aus der Schilderung des TE entnehmen. Von versuchtem Mord (211) ganz zu schweigen..


Das sehe ich (in Kenntnis des Zustandes des Opfers) anders. Und da ich mich gestern ein wenig eingelesen habe kann ich sagen, dass der BGH das nicht so täterfreundlich sieht wie zB du. Auch der BGH geht von einem Tötungsvorsatz aus, wenn gezielt auf den Kopf einer am Boden liegenden Person getreten wird, unabhängig vom Schuhwerk, natürlich ist der Täter bei diesem Wetter nicht barfuß im Park unterwegs gewesen.

Zitat:
Der BGH sieht es anders:

"1. Die rechtliche Wertung des Landgerichts, dass der Angeklagte auch bei seinem Tritt gegen den Kopf des Nebenklägers lediglich eine vorsätzliche Körperverletzung gemäß § 223 Abs. 1 StGB begangen habe, begegnet durchgreifenden rechtlichen Bedenken.

a) Der Einsatz eines beschuhten Fußes kann die Verwendung eines gefährlichen Werkzeugs im Sinne des § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB darstellen. Dabei kann sich die Gefährlichkeit schon aus der Beschaffenheit des Schuhs oder aus der konkreten Art seiner Verwendung ergeben (vgl. BGH, Beschluss vom 26. Oktober 2016 – 2 StR 253/16, NStZ 2017, 164). Ein Straßenschuh von üblicher Beschaffenheit ist regelmäßig als gefährliches Werkzeug anzusehen, wenn damit einem Menschen gegen den Kopf getreten wird (vgl. BGH, Urteile vom 11. Februar 1982 – 4 StR 689/81, BGHSt 30, 375, 376; vom 23. Juni 1999 – 3 StR 94/99, NStZ 1999, 616, 617, und vom 15. September 2010 – 2 StR 395/10, NStZ-RR 2011, 337; Beschluss vom 13. Mai 2015 – 2 StR 488/14). Allerdings muss sich die gesteigerte Gefährlichkeit der Verletzungshandlung gerade aus dem Einsatz des Schuhs ergeben (vgl. BGH, Beschluss vom 16. Juni 2015 – 2 StR 467/14, NStZ-RR 2015, 309, 310).

b) Hier drängt sich nach den Feststellungen eine Verwirklichung des Qualifikationstatbestands des § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB auf. Bei den Schuhen handelte es sich um auf der Straße getragene Freizeitschuhe. Besonderheiten des auch aus Leder gefertigten Schuhwerks, die einer gesteigerten Gefährlichkeit von Tritten gegen den Kopf entgegenstehen könnten, sind nicht festgestellt. Angesichts der vom Tatopfer erlittenen Verletzungen und der vorhandenen Bewehrung des Fußes, die stärkeren Tritten Vorschub leistete, kommt es nicht darauf an, mit welchem Teil des Fußes der Angeklagte den Geschädigten traf und wie der Schuh dort beschaffen war (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 1999 – 3 StR 94/99, aaO)."


https://blog.burhoff.de/2019/11/54716/

Man kann für das Opfer tatsächlich nur hoffen, dass die vorhandenen Gesetze auch mal angewandt werden und dieser Weichspüljurismus pro Täter aufhört

3x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Zitat (von 3,141592653):
Kamen schon mal irgendwelche Zusammenstöße vor?


Nein, sie kannte ihn nicht.

Zitat (von 3,141592653):
Was war denn der Grund für den Angriff?


Sie hat ihn gebeten seinen großen Hund an die Leine zu nehmen. Der Vorgang wurde von Passanten mit Handys aufgenommen und ist aktenkundig.

Vielen Dank vorab, es ist beruhigend, dass morgen ein Näherungsverbot erwirkt werden kann.

-- Editiert von User am 29. Januar 2023 09:23

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#12
 Von 
SkullCastle
Status:
Frischling
(42 Beiträge, 1x hilfreich)

Sorry aber bei den nun geschilderten Zusammenhängen sehe ich wenig Aussicht auf ein Näherungsverbot.

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
Mybe2
Status:
Schüler
(274 Beiträge, 46x hilfreich)

Zitat:
BGH geht von einem Tötungsvorsatz aus,


Das sehe ich nicht so. In den Urteilen, die ich auf auf die Schnelle im Netz gefunden habe (zb. 2 StR 377/18) liegt der SV erheblich abweichend als der vorliegende. 2 gezielte Kopftritte, keine Vor-, keine Nachgeschichte. Tretende lässt sofort von dem Verletzten ab, als er Zeugen wahrnahm. Es ist nahliegend, dass der Tretende die Gefahr der Tötung nicht erkannte oder darauf vertraute, eine Tötung werde nicht eintreten. Damit wären wir bei einem Tötungsvorsatz raus.

-- Editiert von User am 29. Januar 2023 12:41

0x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Zitat (von Mybe2):
Tretende lässt sofort von dem Verletzten ab, als er Zeugen wahrnahm.


Von "sofort" kann keine Rede sein

Zitat (von Mybe2):
Es ist nahliegend, dass der Tretende die Gefahr der Tötung nicht erkannte oder darauf vertraute, eine Tötung werde nicht eintreten. Damit wären wir bei einem Tötungsvorsatz raus.


Nur weil der Täter vom Opfer ablässt ist der Vorsatz/die absicht doch nicht vom Tisch. Überfahre jemanden mit Tötungsabsicht mit deinem Auto, das Opfer stirbt leider nicht sofort, und es kommen Zeugen hinzu, der Täter entscheidet sich nicht nochmal drüberzufahren und entweicht, damit ist die Tötungsabsicht doch nicht vom Tisch. Glück für das Opfer, dass durch einen glücklichen Zufall Zeugen dazu gekommen sind.

Na ja wie auch immer, sie werden einen Anwalt beauftragen und dann sehen wir was dabei rauskommt.

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Zitat (von SkullCastle):
orry aber bei den nun geschilderten Zusammenhängen sehe ich wenig Aussicht auf ein Näherungsverbot.


Dann wollen wir mal hoffen, dass das erkennende Gericht das anders sieht.

0x Hilfreiche Antwort

#16
 Von 
Mybe2
Status:
Schüler
(274 Beiträge, 46x hilfreich)

Zitat:
Vorsatz/die absicht doch nicht vom Tisch.
Richtig. Voraussetzung ist aber, dass der Vorsatz/Absicht erstmal auf dem Tisch gelangt ist. Und dafür sehe ich keine Anhaltspunkte, dass man diesen bedingt aus der SV-Schilderung unterstellen dürfte. Das genannte Beispiel des Überfahren mit dem Auto ist nicht vergleichbar, weil Tötungsvorsatz gem. SV tatsächlich vorlag und es sich um ein Auto und nicht 2 Fußtritte handelte. Bei einem Auto ist es, wenn in einer Abwandlung der Tötungsvorsatz nicht tatsächlich vorlag, die Gefahrerkennung einer Tötung oder das darauf-Vertrauen eine Tötung werde eintreten doch näherliegend, und so möglicherweise einen bedingten Tötungsvorsatz zu bejahen. Bei 2 Fußtritten m.M.n nicht.

-- Editiert von User am 29. Januar 2023 16:42

0x Hilfreiche Antwort

#17
 Von 
go615067-11
Status:
Frischling
(31 Beiträge, 3x hilfreich)

Zitat (von Mybe2):
Bei 2 Fußtritten m.M.n nicht.


Leg dich mal auf den Boden sodass auch dein Kopf aufliegt.
Dann lass dir mal drauf treten, mal sehen wie dein Kopf danach aussieht.
Da ist das Schuhwerk schon fast zweitrangig. Je nach Untergrund gehst du da mehr äußerst schweren Kopfverletzungen raus, die auch zum Tod führen können.

Keine Ahnung wie man eine solche Tat hier versucht so klein zu reden ..

-- Editiert von User am 30. Januar 2023 15:45

0x Hilfreiche Antwort

#18
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Zu diesem Fall mal ein kleines, recht unerklägliches Update.

Der Täter behauptet, dass Opfer sei gestolpert und unglücklich direkt auf seine Füße gefallen, 2 x.
Akteneinsicht war im April, das Gericht hat sich dann nochmals die Videoaufnahmen von der Tat zukommen lassen.

Anwalt versucht seit vier Monaten eine Sachstandsmitteilung vom Gericht zu erlangen (über BeA). Keine Antwort.
Die ebenfalls involvierte Stadtverwaltung versucht ebenfalls seit diesem Zeitraum vom Gericht eine Sachstandsmitteilung zu erhalten. Keine Antwort
Anwalt, Stadtverwaltung und Oper versuchen seit Monaten telefonisch zumindest die Geschäftsstelle zu erreichen, um nach den Sachstand zu fragen, ohne Erfolg, diese Geschäftsstelle ist unerreichbar.

Das Opfer möchte zumindest wissen, wie weit die Dinge gediehen sind. Was kann man machen?



-- Editiert von User am 5. November 2023 14:58

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#19
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(32886 Beiträge, 17271x hilfreich)

Das Opfer möchte zumindest wissen, wie weit die Dinge gediehen sind. Was kann man machen? Das weiss das Opfer doch - es wurde bisher keine Anklage erhoben, denn das wäre dem Opfer mitzuteilen (§ 406d(1) Nr. 2 StPO). Eingestellt wurde das Verfahren auch nicht, denn das würde ebenfalls mitgeteilt (§ 406d(1) Nr. 1 StPO). Im Übrigen ist das Opfer anwaltlich vertreten - wenn der RA schon nicht weiss, "was man machen soll", was soll da ein Internetforum bewirken?

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

0x Hilfreiche Antwort

#20
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(120222 Beiträge, 39852x hilfreich)

Zitat (von Solan196):
Das Opfer möchte zumindest wissen, wie weit die Dinge gediehen sind.

Durchaus verständlich.
Da die Justiz von der Politik allerdings systematisch kaputt gespart wurde, wird eine Priorisierung vorgenommen. Informationsbedürfnisse stehen da - wie andere unrelevante Ereignisse - ganz weit unten.



Zitat (von Solan196):
Was kann man machen?

Die Leute nicht mit massenhaft sinnlosen Anfragen bombardieren und von der eigentlichen Arbeit abzuhalten - das könnte mal ein Anfang sein.

Und dann einfach mal abwarten.



Zitat (von Solan196):
diese Geschäftsstelle ist unerreichbar.

Verständlich ...



Zitat (von Solan196):
Der Täter behauptet, dass Opfer sei gestolpert und unglücklich direkt auf seine Füße gefallen, 2 x.

Ah ja, wie vermutet die Variante "versehen" ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#21
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Zitat (von muemmel):
Im Übrigen ist das Opfer anwaltlich vertreten - wenn der RA schon nicht weiss, "was man machen soll", was soll da ein Internetforum bewirken?


Könnte ja sein, dass dem eine oder anderen was einfällt.

0x Hilfreiche Antwort

#22
 Von 
DeusExMachina
Status:
Lehrling
(1494 Beiträge, 310x hilfreich)

Die bisherigen Kommentare habe ich leider nicht gesichtet (Entschuldigung an die Vorredner :engel: ) und habe auch nur wenig Zeit. Trotzdem gerne einmal kurz meine Einschätzung nach den bisherigen Schilderungen:

Zitat (von Solan196):
Ist dies eine leichte Körperverletzung nach § 223 Abs. 1 StGB oder eine gefährliche Körperverletzung § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB ?
Eine "leichte" Körperverletzung gibt es nicht, wir sprechen lieber von einer "einfachen". Der 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB ist hier fehl am Platze, ein Schuh stellt m.W. kein gefährliches Werkzeug dar, noch könnte ich mir einen vorstellen, der die Definition erfüllt. Ich würde hier den 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB prüfen wollen: Die - aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters ggf. körperlich unterlegene - Person wird auf einen (festen?) Untergrund geworfen und daraufhin - in ihrer offensichtlichen Hilfs- und Verteidigungslosigkeit - zwei gezielte, "kräftige" Tritte gg. den Kopf ausgeführt. Die, zumindest billigend in Kauf genommenen Folgen für den Verletzten waren:
Zitat (von Solan196):
Schädelhirntraum, Blutergüsse und Prellungen am Kopf und im Gesicht, der Kiefer ist auch betroffen
Diese, mittels einer bewusst und vorsätzlichen, das Leben gefährdenden Behandlung (denn es war mehr als ein Tritt gg. den ungeschützten Kopf des am Boden liegenden Verletzten) beigebrachten Verletzungen, wurden zumindest billigend in Kauf genommen. Ob auch der Tod der 60-jährigen Person (bedingt vorsätzlich) angestrebt wurde, ist aus den bisherigen Schilderungen nicht zu interpretieren. Die Tathandlung wäre zumindest geeignet gewesen.

Ich würde hier irgendwo einsteigen wollen zwischen 224 Abs. 1 Nr. 5 und versuchtem 212 Abs. 1 StGB.

Zitat (von Solan196):
schon weil der Täter offensichtlich unweit von ihr wohnt und weitere Taten nicht ausgeschlossen werden können. Kann sie wegen der Tat schon eine Näherungsverbot erwirken?
Wenn dies bereits so formuliert wird, könnte man baldigst auch einen Haftgrund i.S.d. 112a Abs. 1 Nr. 2 StPO prüfen.

-- Editiert von User am 6. November 2023 02:07

Signatur:

Wahrheit ist Verhandlungssache.

1x Hilfreiche Antwort

#23
 Von 
DeusExMachina
Status:
Lehrling
(1494 Beiträge, 310x hilfreich)

Meinen letzten Kommentar muss ich kurz korrigieren: Der..

Zitat (von Solan196):
§ 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB
..war durchaus angebracht, da ein Schuh bei gezielten Tritten gg. den Kopf mittlerweile tatsächlich überwiegend als gefährliches Werkzeug verstanden werden kann.

Signatur:

Wahrheit ist Verhandlungssache.

0x Hilfreiche Antwort

#24
 Von 
Interessierter_Laie_1
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 0x hilfreich)

Gefährliche Körperverletzung weil es eine Lebensgefährliche Behandlung ist. Eventuell auch versuchter Totschlag.

0x Hilfreiche Antwort

#25
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Zitat (von Interessierter_Laie_1):
Gefährliche Körperverletzung weil es eine Lebensgefährliche Behandlung ist


Und so sieht es die StA wohl nun auch.

UPDATE:

Es wurde 5 Wochen jeden Morgen bei Gericht angerufen und siehe da in der 5. Woche hatte man Erfolg. Ein atmendes Wesen der Geschäftsstelle nahm den Hörer ab.

Was jetzt geschrieben wird ist meine laienhafte Schilderung dessen was geschehen ist, keine "Wort zu Wort" Wiedergabe, es ist durchaus möglich, dass ich falsche Begriffe nutze, hier bitte ich vorab um Verständnis:

Es wurde mitgeteilt, dass die Sache das Aktenzeichen "gewechselt" hat, weiterhin gab es bisher für die Abteilung, wo die Sache nun lagerte, keinen zuständigen Richter, es wurde immer mal eine Vertretung dort eingesetzt, diese nahm sich dann die 5-7 ersten Sachen, alles andere blieb liegen (zu wenig Personal, zu viel Arbeit), da diese Sache Anfang des Jahres geschah war ihr Schicksal unbeachtet monatelang ganz unten im Stapel zu liegen.
Der Geschädigten (so heißt das Opfer nun) wurde zugesichert, dass die Sache nun Priorität habe und es sah auch anfangs so aus.

Anklage wurde erhoben, Nebenklage zugelassen, Termin anberaumt auf den 15.01.24, das war tatsächlich eine Überraschung, überraschender war allerdings, dass der Anwalt der Geschädigten von all dem nichts erfuhr, sondern erst durch die Geschädigte von dem Termin Kenntnis erlangte. Kann passieren. Über den Handel der Terminsfindung von Anwalt und Geschädigter trudelte eine Umladung ein, der Angeklagte hat nun einen Anwalt, der konnte nicht am 15.01., so dass umterminiert wurde auf den 26.02. Geschädigte ruft Anwalt an um den Besprechungstermin zu verlegen, Gott sei Dank, der Anwalt hat von der Terminsverlegung keine Nachricht, aber mittlerweile die Ladung zum 1. Termin und die Zulassung der Nebenklage. Und wieder meldet sich der Vertreter des Angeklagten, der Termin wird erneut verlegt, wieder erhält der Anwalt der Nebeklage keine Nachricht, und nachdem das Gericht aufgefordert wurde diesen Mangel zu beheben, schickte das Gericht eine kurze Mitteilung, der Termin vom 26.02. wäre augehoben und verlegt worden auf den 25.03. und das war es dann auch, keine Uhrzeit, keine Zimmernummer, nix.

Die Geschädigte ist dadurch mittlerweile sehr verunsichert. Ein Fehler kann passieren, aber solch eine Ansammlung finde selbst ich ungewöhnlich. Ich werde weiter berichten.



0x Hilfreiche Antwort

#26
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Verurteilt wegen schwerer Körperverletzung, die Tritte mit dem beschuhten Fuß auf dem Kopf wurden erschwerend berücksichtigt. Der Täter ist nicht vorbestraft, zeigte im Termin Reue, er hat eine gute Sozialprognose.

Die StA beantragte 9 Monate auf Bewährung wegen schwerer Körperverletzung, der Anwalt eine Geldstrafe wegen Körperverletzung in eine minderschweren (ich weiß nicht, ob dies die richtige Formulierung ist?) Fall.

Urteil 8 Monate umgewandelt in 240 TS á 30 €, sämtliche Kosten des Verfahrens sind vom Täter zu tragen, dem Täter wurde Ratenzahlung bewilligt.

0x Hilfreiche Antwort

#27
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10701 Beiträge, 4210x hilfreich)

Danke für die Rückmeldung.

So wie es sich liest, wurde versäumt im Zuge eines Adhäsionsverfahrens, Schadenersatz und Schmerzensgeld im gleichen Verfahrensgang einzufordern, oder ist das mitgemacht worden?

0x Hilfreiche Antwort

#28
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4610 Beiträge, 554x hilfreich)

Zitat (von spatenklopper):
So wie es sich liest, wurde versäumt im Zuge eines Adhäsionsverfahrens


Soweit ich das verstanden habe, wird das nun separat eingefordert (nach Rechtskraft des Urteils). So genau weiß ich nicht, war das nicht in einem Rutsch mitgemacht wurde. Ich frage aber gerne mal nach und schreibe das noch.

0x Hilfreiche Antwort

#29
 Von 
DeusExMachina
Status:
Lehrling
(1494 Beiträge, 310x hilfreich)

Zitat (von Solan196):
der Anwalt eine Geldstrafe wegen Körperverletzung in eine minderschweren (ich weiß nicht, ob dies die richtige Formulierung ist?) Fall.
Gemeint ist damit ein minder schwerer Fall i.S.d. 224 Abs. 1 letzter Halbs. StGB, hier i.V.m. 47 Abs. 2 S. 1 StGB. Der Verteidiger hat also seine Hausaufgaben gemacht. Nach den bisherigen Schilderungen würde mich interessieren, inwieweit das Urteil nach Einlegung von Rechtsmitteln durch StA oder Nebenklägerin noch Bestand hat.

Zitat (von Solan196):
Urteil 8 Monate umgewandelt in 240 TS á 30 €, sämtliche Kosten des Verfahrens sind vom Täter zu tragen, dem Täter wurde Ratenzahlung bewilligt.
Das ergibt soweit alles Sinn.

Danke für die Updates! Man sollte hier m.E. weitere zivilrechtliche Instrumente intensiv ausnutzen.

-- Editiert von User am 25. März 2024 23:48

Signatur:

Wahrheit ist Verhandlungssache.

0x Hilfreiche Antwort

#30
 Von 
Dirrly
Status:
Student
(2022 Beiträge, 532x hilfreich)

Stehe ich jetzt auf dem Schlauch?

Gef. Körperverletzung im minderschweren Fall hat doch immer noch eine Freiheitsstrafe als Mindeststrafe und eine Umwandlung einer "kurzen Freiheitsstrafe" in eine Geldstrafe ist doch nur bis 6 Monate möglich?

Wie kommt es dann zu 240 TS?

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