Bei Abfindungen Steuern sparen

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Die Abfindung und die Steuern

Abfindungen wegen Verlustes des Arbeitsplatzes unterliegen der Besteuerung. Während man der Lohnsteuer nicht entgehen kann, wird aber oft übersehen, dass man hinsichtlich der Kirchensteuer gutes Geld sparen kann.

Wer seinen Arbeitsplatz verliert, sei es durch Kündigung oder durch einen einvernehmlichen Aufhebungsvertrag, hat zwar selten einen echten Rechtsanspruch auf eine Abfindungsleistung, häufig einigen sich aber Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf eine Abfindung zur Vermeidung langwieriger und kostenspieliger Kündigungsschutzverfahren.

Mathias Henke
Partner
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Arbeitsrecht, Kündigungsschutzrecht, Familienrecht, Zivilrecht, Verkehrsrecht

Abfindungen sind nun zwar in der Höhe meist verlockend und auch nicht sozialversicherungspflichtig, unterliegen aber leider der Steuerpflicht und sind daher immer Brutto-Abfindungen. Während für die Lohnsteuer zumindest die sogenannte Fünftelregelung zur Verfügung steht, um die Steuerbelastung zu mildern, sind Kirchensteuerpflichtige im Nachteil gegenüber Arbeitnehmern, die konfessionslos sind: Die Kirche verdient immer mit.

Bei Abfindung Kirchensteuern sparen:

Was viele aber nicht wissen: Arbeitnehmer können bei den für sie zuständigen Kirchensteuerämtern einen Erlassantrag stellen, dass die Kirchensteuer hinsichtlich der Abfindung reduziert wird.

Diese Vorgehensweise wird bereits seit Jahren praktiziert: Die meisten – wenn auch nicht alle - katholische Diözesen und evangelische Landeskirchen haben sich auf die Vorgehensweise geeinigt, dass in der Regel 50 % der Kirchensteuer auf Antrag erlassen werden .

Wenn auch kein echter rechtlicher Leistungsanspruch hierauf besteht, haben bereits einige Finanzgerichte diese internen Absprachen der Kirchen zum Anlass genommen, hieraus zu folgern, dass – wenn auch kein Gewohnheitsrecht festzustellen – die Kirchen verpflichtet sind, ihre Rechtspraxis ermessenfehlerfrei auszuüben, wozu eben auch gehört, nicht ohne Grund willkürlich einem Arbeitnehmer den Erlass zu verweigern.

Der Antrag sollte schriftlich, aber ansonsten formlos, beim Kirchensteueramt der zuständigen katholischen Diözese oder der jeweiligen evangelischen Landeskirche eingereicht werden (nicht beim Finanzamt!). Vorzulegen sind hierbei der Einkommenssteuerbescheid und die Lohnabrechnung, aus der sich die Abfindung ergibt. Sinnvoll ist ferner, den Antrag zu begründen unter Hinweis auf die durch Verlust des Arbeitsplatzes entstandenen schweren finanziellen und persönlichen Nachteile.

Weiterhin bietet es sich an, die Modalitäten, insbesondere aber den genauen Prozentsatz des Erlasses bereits mit dem Kirchensteueramt zu erörtern, wenn die Abfindungsleistung im Raume steht.

Fazit: Bei Abfindungen wegen Verlustes des Arbeitplatzes Erlass von Kirchensteuer beantragen:

Kirchensteuerpflichtige Arbeitnehmer, die wegen Verlustes des Arbeitsplatzes eine Abfindung erhalten, sollten immer daran denken, einen Antrag auf Erlass der Kirchensteuer stellen. Die meisten Kirchensteuerämter haben die interne Anweisung, dem Antrag mit einem Mindestsatz von 50 % zu entsprechen. Der Antrag ist beim Kirchensteueramt unter Vorlage des Steuerbescheides und der Abfindungsabrechnung schriftlich zu stellen, eine vorherige Kommunikation bereits zum Zeitpunkt der Abfindungseinigung ist dabei immer förderlich.

Leserkommentare
von Wilfried1952 am 09.07.2014 17:12:56# 1
Für den Verlust meines Arbeitsplatzes habe ich als Alleinverdiener meiner Familie im Alter
von 62 Jahren eine Abfindung erhalten. Als freiwilliges Mitglied der katholischen Kirche hat
das Kath. Kirchensteueramt in München auch im Jahr 2013 an meinem monatlichen Ein-
kommen partizipiert und aus der Abfindung zusätzlich den vollen Steuersatz kassiert! Der
angeblich übliche Teilerlass von 50% wurde beantragt, aber umgehend mit der Begründung
abgelehnt, dass ich nicht erlassbedürftig im Sinne des § 227 der Abgabenordnung sei. Wer
bitte prüft die Bedürftigkeit der Kirche?
Dann folgte ein Formblatt, wo ich meine Einkünfte und finanziellen Reserven bekannt geben
durfte. Auch hierzu kam eine Ablehnung mit der Begründung, dass keine Bedürftigkeit vorliegt.
Wie ich meine, ein tiefer Eingriff in die Privatsphäre bei einem freiwilligen Kirchenmitglied!
Die kath. Kirche gibt sich mit 50% aus der Abfindung nicht zufreiden, sie will alles, nämlich
100%!!! Bei einer Abfindung handelt es sich um eine Entschädigung für den Verlust des Ar-
beitsplatzes. Und das die Kirche an diesem Verlust verdienen will, das ist schon die Höhe.
Das Geld der Kirchensteuerzahler wird dringend von der Kirche benötigt, um den Luxus, wie
z.B. in Limburg zu finanzieren. Auch München publiziert steigende Einnahmen aus Kirchen-
steuern und strebt die Sanierung und den Umbau des Freisinger Domberges für 30 Millionen
Euro an. Wieder einmal wird großer Luxus praktiziert. Wo bleibt hier die von der kath. Kirche
in den Vordergrund gestellte soziale und caritative Einstellung, bzw. Nächstenliebe?
Es ist sinnvoll, solche Zustände öffentlich zu machen, damit jeder nachdenken kann, ob er
sich in einer solchen Gemeinschaft wohl fühlt.