Fristlose Kündigung bei Alkoholabhängigkeit

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Alkohol- und Drogenabhängigkeit kann zur fristlosen Kündigung des Arbeitsverhältnisses führen.

Arbeitnehmer, die drogenabhängig oder alkoholabhängig sind, riskieren fristlose Kündigung.

Alkohol am Arbeitsplatz

Brösel ist schon seit 10 Jahren bei der X-GmbH als Einkäufer beschäftigt. Es ist im Betrieb bekannt, dass Brösel dem Alkohol schon sehr zuspricht. Doch sein Verhalten gab bisher keinen Anlass zu Beanstandungen.

Elisabeth Aleiter
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Im Verlauf des Jahres 2017 änderte sich das jedoch. Es gab innerhalb kürzester Zeit 4 Vorkommnisse, die mit dem Alkoholkonsum des Brösel in Zusammenhang stehen.

Am 12.2.17 ist Brösel in der Arbeitszeit erheblich angetrunken. Das ist für alle Kollegen leicht bemerkbar. Er führt ein Kundengespräch mit einer weiblichen Kollegin eines langjährigen Vertragspartners. In seinem Überschwang macht Brösel gegenüber dieser Frau eindeutige Bemerkungen, dass diese ihm sehr gefallen würde und dass er sie privat treffen wollte. Die Frau ließ sich das gefallen, weil das Gespräch eigentlich wichtig gewesen wäre, da sie eine wichtige und eilige Lieferung von Brösels Firma für ihre Firma benötigte. Es kam aber dann aufgrund des Zustandes des Brösel zu keinem Vertragsabschluss. Die Dame beschwerte sich bei den Vorgesetzten des Brösel. Dafür kassierte Brösel zu Recht eine erste Abmahnung. In der Abmahnung wird der Sachverhalt noch einmal genau geschildert. Dieser Sachverhalt wird als Verstoß gegen das Arbeitsverhältnis gewertet und es wird darauf hingewiesen, dass im Wiederholungsfall eine Kündigung erfolgen kann. Es gab auch ein Gespräch mit Brösel und seinem Vorgesetzten. Dieser ist ehrlich um das Wohl des Brösel besorgt. Er versucht Brösel dazu zu bewegen einzusehen, dass er ein Alkoholproblem und u.U. auch noch private Probleme hat. Er fordert Brösel auf, das einzusehen und eine Alkoholentwöhnungskur durchzuführen. Doch Brösel lehnt das ab.

Am 3.4.17 ist Brösel abermals erheblich am Arbeitsplatz angetrunken. Irgendwann sitzt er am Schreibtisch und ist eingeschlafen. So verschläft Brösel einen halben Arbeitstag. Die Mitarbeiter bekommen es mit. Die Arbeit bleibt liegen. Es erfolgte eine weitere Abmahnung mit dem Inhalt wie oben.

Am 10.6.17 erschien Brösel ebenfalls betrunken am Arbeitsplatz und beleidigte in einem Meeting mit mehreren Mitarbeitern einen Kollegen, er bezeichnete ihn als „unfähigen Arsch" und kassierte hierfür abermals eine Abmahnung mit Inhalt wie oben.

Am 16.7.17 schließlich kam Brösel abermals angetrunken zum Dienst, beleidigte einen Kunden am Telefon und schließlich noch seinen Vorgesetzten, als dieser Anmerkungen zu dem Gespräch machte. Hierauf sprach die Geschäftsleitung der X-GmbH gegenüber Brösel die außerordentliche, fristlose Kündigung aus. Brösel wurde sofort von der Arbeit entbunden und mit einem Hausverbot belegt.

Brösel klagt gegen die Kündigung vor dem Arbeitsgericht und verliert.

Rechtliche Beurteilung - grobe Beleidigungen und Übergriffe rechtfertigen eine außerordentliche, fristlose Kündigung

Brösel hat mit gleichmäßigem Verhalten, für das er vorher 3 Abmahnungen erhalten hat, gegen das Arbeitsverhältnis verstoßen.

Er hat das Betriebsklima gefährdet, hat sich im Verhältnis zu Angestellten der Firma aber auch Kunden gegenüber übergriffiges bzw. arbeitswidriges Verhalten gezeigt.

Brösel hat zumindest gegen eine Nebenverpflichtung aus dem Arbeitsvertrag (Verpflichtung zur Einhaltung des Betriebsfriedens, Schutz der außerbetrieblichen Beziehungen, Gefährdung des Umsatzes u.a.) nachhaltig verstoßen. Dies kann im Einzelfall eine Kündigung im Sinne von § 626 I BGB rechtfertigen.

Ein wichtiger Grund i.S. von § 626 I BGB ist nach der allgemeinen gesetzlichen Definition dann gegeben, wenn Tatsachen vorliegen, die es dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile unzumutbar macht, das Arbeitsverhältnis für die Dauer der ordentlichen Kündigungsfrist oder bis zur vereinbarten Beendigung des Arbeitsverhältnisses fortzusetzen. Es ist daher zu prüfen, ob ein bestimmter Sachverhalt (Alkoholkonsum, Beleidigungen gegen eine Mitarbeiterin und Übergriffigkeiten gegenüber Kunden u.a.) ohne die besonderen Umstände des Einzelfalles überhaupt geeignet ist, einen wichtigen Grund zu bilden. Sodann ist zu untersuchen, ob unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die konkrete Kündigung gerechtfertigt ist, d.h. ob es dem Arbeitgeber (X-GmbH) tatsächlich unzumutbar ist, das Arbeitsverhältnis bis zu dem gemäß § 626 I BGB relevanten Zeitpunkt fortzusetzen.

Es ist allgemein anerkannt, dass grobe Beleidigungen und Übergriffe gegenüber Kollegen, Kunden oder Vorgesetzten für den Arbeitnehmer eine erhebliche Verletzung seiner Pflichten aus dem Arbeitsvertrag bedeuten. Dies gilt aber auch gegenüber Mitarbeitern des Arbeitgebers.

Solche Verletzungen können schon im Einzelfall eine außerordentliche, fristlose Kündigung rechtfertigen.

Grundsätzlich hat bei Kündigungen immer eine Abwägung stattzufinden. Die Kündigung ist immer die ultima ratio.

Alle Probleme sind auf die Alkoholabhängigkeit zurückzuführen. Brösel hatte viele Male Gelegenheit, sich damit auseinanderzusetzen und eine Veränderung herbeizuführen. In diesem Fall wäre eine unterbliebene Kündigung für das gesamte Betriebsklima kontraproduktiv.

Die lange Betriebszugehörigkeit des Brösel ändert hieran nichts.

Fazit

Schwere Verletzungen des Arbeitsverhältnisses bzw. der hieraus resultierenden Verpflichtungen durch den Arbeitnehmer führen im Zweifel zum Verlust des Arbeitsplatzes.

Wichtig!

Dieser Beitrag ersetzt keine eingehende Prüfung und rechtliche Beratung im Einzelfall. Eine Haftung hierfür kann daher nicht übernommen werden.

Sollten Sie Fehler finden oder Anmerkungen haben, bin ich für einen Hinweis immer dankbar.

Rechtsanwältin Elisabeth Aleiter
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