Können Arbeitgeber Verkäufer für Ladendiebstähle haftbar machen?

Mehr zum Thema: Arbeitsrecht, Arbeitnehmer, Haftung, Ladendiebstähle, Fahrlässigkeit, Kündigung, Schadenersatzanspruch
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Das Arbeitsgericht Oberhausen gab der Klage eines Arbeitnehmers statt und wies die Widerklage des Arbeitgebers ab.

Nach einem Urteil des Arbeitsgerichtes Oberhausen vom 24.11.2011 (Akz. : 2 Ca 1013/11) können Arbeitgeber Arbeitnehmer, die in einem Geschäft als Verkäufer angestellt sind, regelmäßig nicht auf Schadenersatz in Anspruch nehmen, wenn Kunden Ware aus dem Laden entwenden. Das gilt jedenfalls dann, wenn dem Mitarbeiter nur leichteste Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist. Bei diesem Verschuldensgrad besteht nach den von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen der eingeschränkten Haftung von Arbeitnehmern keine Ersatzpflicht.

Der Kläger war in einem Handy-Shop des Beklagten als Verkäufer in der Zeit vom 01.03.-28.05.2011 beschäftigt. Es war ein Bruttogehalt in Höhe von 1.200 Euro nebst Provisionen bei einer 40-Stunden-Woche vereinbart. Die Provisionen summierten sich für die Monate April und Mai 2011 auf 236,30 Euro. Im Ladenlokal wurden, während sich der Kläger in einem Verkaufsgespräch befand, am 05.05.2011 gegen Abend 12 hochwertige Handys aus dem Lager entwendet. Die Handys hatten einen Wert von 6.040 Euro. Nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum 28.05.2011 verlangte der Mitarbeiter mit einer Klage vor dem Arbeitsgericht von dem Arbeitgeber Zahlung von Lohn und Provision für den Monat Mai 2011. Der Arbeitgeber beantragte Klageabweisung und erhob Widerklage. Er begehrte die Zahlung von Schadenersatz für die entwendeten Handy in Höhe von 6.040 Euro.

Frank Preidel
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Das Arbeitsgericht Oberhausen gab der Klage des Arbeitnehmers statt und wies die Widerklage des Arbeitgebers ab.

Das Arbeitsgericht entschied, dass dem Kläger der Anspruch auf Zahlung des Lohns und der Provision zusteht. Der Beklagte und Widerkläger konnte hingegen gegen diese Lohnansprüche nicht mit einem Schadenersatzanspruch aufrechnen. Der Kläger haftet nicht für die Entwendung der Mobiltelefone, so das Gericht. Ihm ist im Hinblick auf den Diebstahl allenfalls leichteste Fahrlässigkeit vorzuwerfen. Nach den Grundsätzen der eingeschränkten Haftung von Arbeitnehmern besteht für diesen Grad der Fahrlässigkeit keine Ersatzpflicht.

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Leserkommentare
von Marloon am 06.12.2017 16:30:21# 1
Auch SEO-Marketing spielt für Anwälte derzeit eine immer bedeutendere Aufgabe: https://www.kanzleimarketing.de/marketing-online/seo/ Da leider kaum noch jemand einen Anwalt im Gelbe-Seiten-Buch sucht...
    
von axt-im-walde am 01.03.2019 07:14:22# 2
Das Thema Pfändungsschutzkonto ist in Deutschland weitgehend bekannt - kürzlich wurde ich im Telefonat mit einer deutschen Bank sogar aktiv darauf hingewiesen, obwohl ich keinen akuten Bedarf hatte. Viele Banken haben in ihren Onlineportalen sogar einen gut sichtbaren Button, um direkt zur Pfändungsschutzabteilung zu gelangen.

Wie sieht es aber in unseren europäischen Nachbarländern aus ? Soweit ich weiß, muss ein Schuldner bei Pfändungen den Pfändungsschutz und die Bewahrung eines zum Leben ausreichenden Geldeinganges für sich selbst (plus ggfs. Familie) im Einzelfall mit dem Gläubiger aushandeln.

So gibt es manche im Ausland lebende Personen, welche in Deutschland ein Girokonto unterhalten.

Mich würde interessieren, wonach sich im Pfändungsfall die Höhe des geschützten Betrages richtet: Nach der Rechtslage im Ausland bezogen auf den dort lebenden Bürger ? Oder nach den in Deutschland geltenden Regeln, als würde die Person in Deutschland leben ?
    
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