Tattoo: Was für Motive sind erlaubt?

Mehr zum Thema: Experteninterviews, Tattoo, Tätowierung, Motiv, Urheberrecht, Schutzrecht, Tätowierer, Urheberrechtsverletzung, Werk, Kopie, Vorlage
5 von 5 Sterne
Bewerten mit: 5 Sterne 4 Sterne 3 Sterne 2 Sterne 1 Stern
3

Urheberrechtverletzungen bei Tätowierung? Dürfen Motive aus dem Internet unter die Haut gebracht werden?

Tattoos liegen im Trend und sollen die Individualität des Einzelnen hervorheben. Doch so individuell sind so manche Motive oft nicht. Wir haben das Thema Tätowierungen mal unter urheberrechtlichen Gesichtspunkten unter die Lupe genommen und mit Rechtsanwalt Daniel Baumgärtner darüber gesprochen.

123recht.de: Herr Baumgärtner, wer sich tätowieren lässt, hat meist schon recht klare Vorstellungen vom gewünschten Motiv. Oft wird es einfach aus dem Internet heruntergeladen und der Tätowierer des Vertrauens bringt es dann unter die Haut. Doch ist das rechtlich eigentlich in Ordnung? Irgendjemand hat das Bild ja mal "gemalt"?

Daniel Baumgärtner
seit 2009 bei
123recht.de
Rechtsanwalt
Jacobstraße 8 - 10
04105 Leipzig
Tel: 0341/4925 00-01
Web: http://www.rechtsanwalt-baumgaertner.de
E-Mail:
Strafrecht, Internet und Computerrecht, Mietrecht, Urheberrecht, Arbeitsrecht
Preis: 100 €
Antwortet: ∅ 96 Std. Stunden

Rechtsanwalt Baumgärtner: Tätowieren darf man sich auch Motive aus dem Internet, dies gilt jedoch nur für allgemeine und bekannte Motive, die sehr oft vorkommen – z.B. Engel, Chinesische Schriftzeichen, Ranken, Blüten, Herzen, etc. Je individueller ein bestimmtes Motiv ist, je eher wird dieses auch urheberrechtlichen Schutz genießen. Daher darf ein bestimmtes individuelles Tattoo nicht einfach "kopiert" werden. Dies stellt dann eine Urheberrechtsverletzung dar, die durch den betroffenen Tätowierer verfolgt werden könnte. Vorlagen als Ideen für ein eigenes Tattoo zu verwenden sind dagegen möglich.

Heikel wird es übrigens auch bei Fotografien des Tattoos zur Veröffentlichung von fremden Werken. Denn eine solche Veröffentlichung stellt auch eine Urheberrechtsverletzung dar. Eine solche Erlaubnis dürfte aber bei einem vom Tättowierer gestochenen eigenen Motiv immer vorliegen, sobald das Tattoo auf die Haut gestochen wurde.

Tattoomotive: Inspirieren ja, kopieren nein!

123recht.de: Und wenn der Tätowierer die Vorlage verändert, wie verhält es sich dann?

Rechtsanwalt Baumgärtner: Eine Vorlage zu verändern bedarf grundsätzlich eines Einverständnisses des Urhebers, § 23 UrhG. Auch solche Bearbeitungen dürften dann nicht öffentlich wiedergegeben werden. Etwas anders gilt, wenn von einer Vorlage nur die Idee "kopiert" wird, jedoch ansonsten ein selbständiges Werk entsteht.

123recht.de: Viele Tattoo-Artists machen sich zum Glück aber doch die Mühe, individuelle Motive für ihre Kunden zu entwerfen. Kann ich als Kunde darauf bestehen, dass das Motiv nicht auch weiteren Kunden gestochen wird? Habe ich die Exklusivität also mitgekauft?

Rechtsanwalt Baumgärtner: Nein, dies müsste zuvor individuell mit dem Tätowierer vereinbart worden sein. Ansonsten erhält der Kunde in der Regel nur ein einfaches Nutzungsrecht, was zur Folge hat, dass auch bei weiteren Kunden dasselbe Motiv gestochen werden kann (Katalogmotive).

123recht.de: Kommen wir zum Thema Porträts: Haben die abgebildeten Personen ein Mitspracherecht, ob sie als Tattoo-Motiv dienen wollen oder nicht? Ich denke an so etwas wie das Recht am eigenen Bild?

Rechtsanwalt Baumgärtner: Ein Tätowierer müsste bei solchen Porträts datenschutzrechtliche Vorschriften beachten und in diesem Fall benötigt er eine Einwilligung der betroffenen abgebildeten Person. Ohne eine solche Einwilligung würde dies ein Datenverstoß sein und eine Verletzung des Rechts am eigenen Bild, wenn dieses veröffentlicht wird.

Portraits von Promis sind ohne Einwilligung möglich

123recht.de: Und wie ist das bei Personen des Öffentlichen Lebens, also Prominenten?

Rechtsanwalt Baumgärtner: Bei Personen des öffentlichen Lebens sieht dies anders aus, bei Promis muss keine Einwilligung erfolgen. Das Tattoo darf jedoch die abgebildete Person in Ihrer Ehre oder Würde nicht verletzen, da dies selbstverständlich auch nicht hingenommen werden muss.

123recht.de: Was gilt für Firmenlogos?

Rechtsanwalt Baumgärtner: Firmenlogos unterliegen zumeist nur dem Markenschutz. Da Markenschutz jedoch nur vor gewerblicher Nutzung schützen soll, wäre eine Nutzung als privates Tattoo erlaubt. Eine gewerbliche Nutzung wird kaum vorstellbar sein.

123recht.de: Und lizensierte Motive wie Mickey Mouse und Co?

Rechtsanwalt Baumgärtner: Solche Motive sind regelmäßig geschützt und dies hätte zur Folge, dass man eine Lizenz benötigt. Solche Motive genießen in der Regel Urheberschutz. Da das Urheberrecht gemäß § 64 UrhG erst nach 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers erlischt und das Werk dann gemeinfrei wird, wird dies auch bei vermeintlich sehr alten Motiven noch gelten.

Ein misslungenes Tattoo kann Nacherfüllung oder Schadensersatz begründen

123recht.de: Was ist mit Namen von Dritten? Ein Mann sticht sich den Namen von seiner Freundin. Kann sie im Falle einer Trennung darauf bestehen, dass er diesen entfernen lässt?

Rechtsanwalt Baumgärtner: Eine Rechtsverletzung dürfte im Rahmen der Nutzung eines Namens noch nicht eingetreten sein. Auch dürfte die einmal erteilte Einwilligung im Falle eines Tattoos auch nicht widerrufen werden können – zumindest ab dem Zeitpunkt, in dem das Tattoo gestochen wurde. Denn dies hätte ja im Falle eines Porträts zur Folge, dass dieses dann entfernt werden müsste (lasern, covern).

123recht.de: Was ist eigentlich bei Fehlern? Das chinesische Schriftzeichen heißt in Wirklichkeit "lahme Ente" und nicht "in der Ruhe liegt die Kraft". Hat man Ansprüche gegen den Tätowierer, wenn er das falsch angeboten hat?

Rechtsanwalt Baumgärtner: Da es sich bei einem Stechen eines Tattoos um einen Werkvertrag gemäß § 631 BGB handelt, wird ein Erfolg geschuldet, nämlich ein Tattoo auf der Haut. Bei mangelhafter Ausführung besteht ein Anspruch auf Nacherfüllung bzw. auch Schadensersatz, §§ 635, 636 BGB. Gegebenenfalls hat der Kunde Anspruch auf die Kosten für eine notwendige Laserbehandlung und Schmerzensgeld.

Im Falle von groben und sehr vielen Fehlern wird eine derartige Nacherfüllung gar nicht mehr zumutbar sein, so dass der Kunde direkt Schadensersatz verlangen könnte. Siehe dazu auch OLG Hamm, Beschluss vom 05.03.2014 - 12 U 151/13 – Schmerzensgeld 750,00 EUR zzgl. etwaige Kosten für Laserbehandlung etc.

123recht.de: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Baumgärtner.

Rechtsanwalt Daniel Baumgärtner
Jacobstraße 8 - 10
04105 Leipzig
T +49 (0) 341 4925 00-01 Fax -09
Internet www.rechtsanwalt-baumgaertner.de
E-Mail baumgaertner@bf-law.de

www.anwalt-internetrecht-leipzig.de
www.anwalt-strafrecht-leipzig.de
www.anwalt-urheberrecht-leipzig.de
Wollen Sie mehr wissen? Lassen Sie sich jetzt von diesem Anwalt schriftlich beraten.
Diskutieren Sie diesen Artikel
Das könnte Sie auch interessieren
Haftpflicht, Schadensersatz Tätowierer haften bei dauerhaften ´Bio-Tattoos´ auf Schadenersatz
Experteninterviews Tätowierungen und Piercings von Minderjährigen