Bei Adoption entfällt das Pflegegeld

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Die Pflege bzw. Volladoption nicht leiblicher Kinder und damit einhergehende rechtliche Probleme

Die Verfasserin hat jahrelang einen Verein von Pflegeeltern betreut und versucht aus ihrer Erfahrung in diesem Fall die wichtigsten Schwierigkeiten zu skizzieren, die Pflegeeltern in dem Zusammenhang erfahren können.

Besonders ärgerlich ist es, dass in den öffentlichen Verkehrsmitteln vieler mittlerer und größerer Städte vollmundig Pflegeeltern angeworben werden.

Elisabeth Aleiter
seit 2013 bei
123recht.de
Rechtsanwältin
Schubertstraße 6
80336 München
Tel: 089/ 29161431
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Wirtschaftsrecht, Strafrecht, Erbrecht, Familienrecht, Arbeitsrecht

Die großen Schwierigkeiten, die dieses Geschäft mit der Liebe von potentiellen Eltern birgt, bis hin zur möglichen Scheidung in der Pflegefamilie, sei einmal ganz dahingestellt.

Darstellung der Situation: Jugendamt hat weiterhin die elterliche Sorge als Vormund

Familie Brösel ist sehr wohlhabend und folglich sozial sehr engagiert.

Kinder sind ihnen versagt geblieben.

So haben sie die neujährige Anna, die durch das Jugendamt in ein Heim gekommen war, als Pflegekind bei sich zuhause aufgenommen.

Die Pflegeeltern fühlen sich bald als Eltern und versuchen Anna die Liebe zu geben, die sie einem eigenen Kind geben würden.

Ein Pflegekind zu haben bedeutet, dass das Jugendamt weiterhin die elterliche Sorge als Vormund für das Kind innehat. D.h. weitere wichtige Entscheidungen im Leben des Kindes werden durch das Jugendamt getroffen. Auch die leiblichen Eltern haben oft noch Mitspracherechte z.B. in vermögensrechtlichen Angelegenheiten. Hier im Fall durften die leiblichen Eltern ihre Tochter in allen vermögensrechtlichen Belangen vertreten.

Alle Alltagsentscheidungen können die Pflegeeltern für das Kind treffen.

Zunächst hatte das Familiengericht entschieden, dass das Pflegekind Anna 2 Jahre bei der Familie Brösel bleiben sollte.

Es war für die Familie Brösel zunächst schon einmal ein Problem, das Pflegekindergeld zu bekommen. Hier stellen die Behörden sich zunächst oft taub und verweigern schlicht die Auskunft oder Unterstützung. Es dauerte für Familie Brösel mehr als 8 Monate, bis man den Bescheid und dann auch die regelmäßigen Zahlungen erhielt.

Die Familie Brösel hat in dieser Zeit Anna erst einmal kennengelernt und musste viele Entwicklungsdefizite bei Anna feststellen:

Anna wurde als kleines Kind von den Eltern vernachlässigt. Sie hat ein Schreikindersyndrom d.h. ihre Lunge ist schwach, sie leidet immer wieder unter grippalen Infekten, ihre Stimmbänder sind massiv geschädigt. Mutter Brösel sorgt dafür, dass Anna ein Blasinstrument lernt, weil das helfen soll, das Schreikindsyndrom zu lindern.

Um die Gesundheit des Kindes zu stärken, wird ein Sportprogramm mit regelmäßigem wöchentlichen Bodenturnen und Schwimmen für das Kind entwickelt.

Der Aufwand bleibt bei Mutter Brösel, die Kurse auszusuchen, das Kind zu den Kursen zu fahren und die gesamten Kosten bleiben ebenfalls bei den Eltern.

Anna leidet durch massive Erziehungsfehler und Vernachlässigung ferner unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie kann zwar schon eine Beziehung zu den Pflegeeltern Brösel aufnehmen. Aber Wärme und Vertrauen lassen sich nur schwer erreichen. Auch leidet Anna immer wieder unter heftigen Schreikrämpfen und Aggressionsattacken. Die Folge sind heftige Streitigkeiten in der Familie Brösel.

Das führt dazu, dass Frau Brösel sich zu sehr engagiert und die Ehe der Pflegeeltern phasenweise gefährdet ist.

Gegen Ende der 2 Jahre machen die leiblichen Eltern Anstalten, ihr Kind im Rahmen eines gerichtlichen Umgangs- und Sorgerechtsverfahren wieder sehen zu wollen bzw. auch wieder zu sich zurückholen zu wollen.

Es entsteht kurzzeitig auch noch ein Verfahren vor dem Familiengericht, indem sich die Pflegeeltern nun auch noch Forderungen der leiblichen Eltern ausgesetzt sehen.

Im Termin spricht das Jugendamt davon, dass die leiblichen Eltern zumindest die Möglichkeit haben müssen, ihr Kind regelmäßig sehen zu können.

Hier erfahren die Pflegeeltern auch, dass es sein kann, dass ihr Pflegekind auch wieder in seine leibliche Familie zurückkommen kann. Sie verstehen die Welt nicht mehr.

Doch die leiblichen Eltern erweisen sich als sehr unzuverlässig. Drei Umgangstermine werden nicht wahrgenommen. Die Pflegeeltern haben Umgangstermine vorbereitet, das Kind eingestimmt und mussten dann die Enttäuschung des Kindes verarbeiten helfen.

Am Ende der zwei Jahre sind die Pflegeeltern reichlich angeschlagen. Eine Scheidung konnte abgewendet werden, doch die kleine Familie ist belastet, weil die Störungen von Anna meist bleibender Natur sind und lediglich abgemildert werden können.

Anna wertschätzt Ordnung und Regelmäßigkeit im Haus der Familie Brösel, bleibt aber auf ihre Art für sich. Ein Familienleben wie von Familie Brösel geplant ist nicht möglich.

Das Verfahren mit den leiblichen Eltern wird von diesen vor dem Amtsgericht verloren, aber eine Verunsicherung der Pflegeeltern bleibt.

Als die zwei Jahre herum sind, bietet das Jugendamt großzügig an, dass die Pflegeeltern doch, weil sie so gut waren, das Pflegekind adoptieren sollten. Man würde sich nicht querstellen.

Bei Adoption entfällt das Pflegegeld

Familie Brösel ist kurzzeitig zufrieden, nur als diese von ihrem Familienanwalt Kummer erfahren, dass eine Adoption die völlige Gleichstellung mit allen Rechten und Pflichten als vollwertiges Kind in der Familie bedeutet und dass damit auch das Pflegegeld wegfällt, sind die Pflegeeltern empört.

Die Pflegeeltern handeln keineswegs aus finanziellem Interesse. Doch das Pflegegeld ist ohnehin nur ein sehr geringer Betrag. Die Pflegeeltern haben monatlich viel Geld für dieses Pflegekind investiert, wofür sie keine Entschädigung erhalten. Das Pflegegeld ist oft eine wichtige Quelle für die Familie, um das Überleben zu gewährleisten. Nebenbei sparen Pflegeeltern erhebliche Heimkosten für so ein Kind. Ein Heimplatz kostet ab 6.000 EUR pro Monat.

Die Pflegeeltern sind völlig entnervt und haben keinerlei Vertrauen in die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt mehr.

Vor allem, weil man ihnen nicht sagte, wie anstrengend und zermürbend die Aufgabe mit diesem Pflegekind tatsächlich ist.

Es wurde ihnen z.B. nicht gesagt, dass sich ein wirkliches Eltern-Kind-Verhältnis und die angestrebte Familienharmonie nicht herstellen oder gar erarbeiten lässt.

Fazit

Die Darstellung hier zeigt das geballte Problempotential der Pflegekinderproblematik.

Diese Kinder haben vor allem einen massiven Vertrauensverlust erlitten und erleben Zuwendung nicht nur als positives Ereignis. Viel mehr verteidigen sie unbewusst oft ihre versagenden Eltern und leiden selbst bei positiven Situation Schmerzen. Daher kommt es vielfach zu Abwehrhandlungen, die für die Pflegeltern, die doch etwas Gutes tun wollen, nicht nachvollziehbar sind.

Wichtig!

Dieser Beitrag ersetzt keine eingehende Prüfung und rechtliche Beratung im Einzelfall. Eine Haftung hierfür kann daher nicht übernommen werden.

Es werden bewusst Einzelfälle gewählt.

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Rechtsanwältin Elisabeth Aleiter
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