Das Wechselmodell bei getrennt lebenden Paaren

Mehr zum Thema: Familienrecht, Wechselmodell, Residenzmodell, Kindesunterhalt
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Auswirkung des Wechselmodells auf den Kindesunterhalt

Als Wechselmodell wird im Familien- und Unterhaltsrecht das Betreuungsmodell zwischen getrennt lebenden Elternteilen hinsichtlich des gemeinsamen Kindes (oder mehrerer Kinder) bezeichnet, in dem beide Elternteile fast gleich viel an Betreuungsleistung erbringen
(50:50 = echtes Wechselmodell). Bei einer Betreuungsleistung von 2/3 zu 1/3 verneint der BGH aber die Zuerkennung als Wechselmodell [BGH v. 21.12.2005 (Az. XII ZR 126/03)].

Abgelehnt wird sogar ein Verhältnis von 60:40, oder wenn ein erkranktes Kind nur von einem Elternteil versorgt wird [OLG Frankfurt, FamRZ 2014, 46), die Beschaffung von Kleidung und Schulsachen und die Begleitung zu Schul-, Sport oder Musikstunden nur durch ein Elternteil durchgeführt wird [BGH v. 12.03.2014 (Az. XII ZB 234/13)].

Helge Müller-Roden
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Unter den Begriff der „Betreuungsleistung“ fällt dabei vor allem das Wohnen beim Elternteil,
so dass ein Kind nicht wie früher nur bei einem Elternteil wohnt (Mutter) und den anderen
(Vater) nur „besucht“, wie es in § 1606 Abs. III S.2 BGB geregelt ist, wobei der Vater häufig zum „Zahlvater“ wird.

Beim Wechselmodell sind beide Elternteile barunterhaltspflichtig

Das Wechselmodell lässt die Unterhaltspflichten der Eltern unberührt. Da jetzt beide selbst Betreuungsleistungen erbringen, werden auch beide Elternteile barunterhaltspflichtig.

Die Unterhaltshöhe richtet sich nach den Einkommensverhältnissen der beiden Elternteile
[BGH, Beschl. v. 09.07.2014 (Az. XII ZB 661/12)] nach einer konkreten Berechnung des
Unterhaltsbedarfs, der sich aus dem kumulierten Einkommen beider Elternteile berechnet,
zzgl. Mehrbedarf (z.B. Reisekosten).

Der sich ergebende Unterhaltsbedarf inkl. Mehrbedarf ist im Verhältnis zwischen den Eltern aufzuteilen, in dem ihre Netto-Einkommen stehen.

Diesen Betrag müssen die Eltern im Verhältnis zu ihren Einkommen dann aufbringen,
wobei der jeweilige Selbstbehalt eine Rolle spielt. Das Kindergeld wird zu ½ angerechnet.

Daher zahlen Mütter ggf. einen anderen Anteil vom Kindesunterhalt als die Väter, und darum bestehen auch (wechselseitig) Auskunftsansprüche gegenüber dem jeweils anderen.

Rechtsanwalt
Helge Müller-Roden
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Landsberg am Lech
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