Kein Wechselmodell gegen den Willen der Kinder !

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Wechselmodell muss dem Kindeswohl entsprechen

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (OLG) wies in einer aktuellen Entscheidung vom 06.07.2021 (Az. 3 UF 144/20) die Beschwerde des Kindesvaters zurück, der sich die Anordnung des Wechselmodells vorstellte.

Im vorliegend entschiedenen Fall mangelte es bei den Kindeseltern um eine ausreichend gute Kommunikation und Kooperation.  Der Kindesvater selbst hat vorgetragen, dass die gemeinsame Elternberatung gescheitert ist und es auch nicht möglich gewesen sei, anlässlich von Ferienregelungen einzelne Tage zu tauschen. Die bisherige Umgangsregelung funktionierte gut.  Die angehörten Kinder sprachen sich für die Beibehaltung der gegenwärtigen Praxis aus.

Marcus Alexander Glatzel
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Der Kindesvater war jedoch der Auffassung, dass ein Wechselmodell die optimale Betreuungsform darstelle. Er habe vor der Trennung viel Betreuungszeit übernommen und das jetzige Betreuungsmodell beruhe auf den einseitigen Entscheidungen der Kindesmutter. Bei dem von ihm vorgeschlagenen Modell stehe auch ausreichend Zeit zur Unterstützung der Kinder bei den Hausaufgaben und den schulischen Belangen zur Verfügung. Er war der Ansicht, dass sich die Kommunikation auch durch das Wechselmodell verbessern würde.

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main wie die Beschwerde des Kindesvaters mit folgender Begründung zurück:

Ungeachtet der streitigen Frage, ob ein Wechselmodell gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden kann (so jedenfalls BGH, zuletzt ZKJ 2020,140), liegen die Voraussetzungen zur Anordnung vorliegend nicht vor.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist die Frage, ob die Anordnung des Wechselmodells geboten sein kann, unter Berücksichtigung anerkannter Kriterien des Kindeswohls zu entscheiden. Als gewichtige Gesichtspunkte des Kindeswohls wurden in Sorgerechtsfragen bislang die Erziehungseignung der Eltern, die Bindungen des Kindes, die Prinzipien der Förderung und der Kontinuität sowie die Beachtung des Kindeswillens angeführt. Gleiches gilt auch für Regelungen zum Umgangsrecht und mithin hier für die Anordnung des paritätischen Wechselmodells. Ähnlich wie bei der gemeinsamen Sorge als paritätischer Wahrnehmung des Elternrechts setzt die Kindeswohldienlichkeit des paritätischen Wechselmodells als hälftig geteilter Ausübung der gemeinsamen Sorge auch die Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit der Eltern voraus (BGH a.a.O. und BGH, FamRZ 2017, 532).

Das Wechselmodell ist danach anzuordnen, wenn die geteilte Betreuung durch beide Eltern im Vergleich mit anderen Betreuungsmodellen dem Kindeswohl im konkreten Fall am besten entspricht.

Dies ist vorliegend nicht der Fall, da es einerseits an ausreichend guter Kommunikation und Kooperation mangelt und andererseits an einem entsprechenden Kindeswillen. Alle Beteiligte weisen auf das hohe Konfliktpotential und die mangelnde Kommunikation der Eltern hin. Der Kindesvater selbst hat vorgetragen, dass die gemeinsame Elternberatung gescheitert ist und es auch nicht möglich gewesen sei, anlässlich von Ferienregelungen einzelne Tage zu tauschen.

Entgegen der Vorstellung des Kindesvaters ist auch nicht erst das Wechselmodell anzuordnen und dann die Kommunikation zu verbessern, sondern die Kommunikationsfähigkeit und Bereitschaft sind Grundvoraussetzungen für die Anordnung des Modells.

Fazit:

Sofern Eltern sich über die Umgangsregelung nicht einigen könnten, ist das Gericht gehalten, eine Regelung zu treffen, die dem Wohl der Kinder am besten entspreche. Ein funktionierendes Umgangsmodell, dass dem konstant geäußerten Willen der Kinder entspricht, ist nicht zugunsten eines Wechselmodells bei mangelnder Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft abzuändern.

Daher unser Rat an getrennte Kindeseltern. Eine Trennung ist für alle Beteiligten ein einschneidendes Ereignis. Gemeinsam Eltern für ihre Kinder bleiben sie jedoch ein Leben lang. Versuchen Sie im Interesse Ihres Kindes, Streitpunkte möglichst schnell zu klären und weiteren Streit zu vermeiden – das wird ihr Kind ihnen danken. Eine gute Kommunikation ist eine gute Basis für ein mögliches Wechselmodell.

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