Kindesunterhalt beim Wechselmodell

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Wechselmodell - Welche Anteile am Kindesunterhalt muss Vater und Mutter tragen?

Kaum etwas ist in der praktischen Berechnung unter Juristen so umstritten, wie die Berechnung des Kindesunterhaltes beim Wechselmodell.

Der BGH hat zwar in 2 grundlegenden Entscheidungen Hinweise gegeben, wie nach seiner Ansicht der Unterhalt zu berechnen ist.

Thomas Klein
seit 2021 bei
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In der Praxis zeigt sich aber, dass hier häufig sehr unterschiedlich gerechnet wird.

Obwohl schon seit 4 Jahren an einer Gesetzesänderung gearbeitet wird, ist es bis heute nicht gelungen, das Wechselmodell und die dafür "richtige" Berechnung des Unterhaltes in das Gesetz einzubauen. Soweit man hier aus den zuständigen Gremien hört, ist damit in den nächsten Jahren auch nicht zu rechnen.

Deutschland ist aber nicht das einzige Land, was mit der Berechnung Schwierigkeiten hat. In unseren Nachbarländern werden auch verschiedene Ansätze hierzu vertreten.

Wenn man sich die hierzu bislang ergangenen Entscheidungen des BGH genau durchliest, gewinnt man den Eindruck, dass der BGH das Wechselmodell nicht mag.

Dies ist kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das gesamte Unterhaltsrecht und die hierzu ergangenen Unterhaltshaltstabellen auf dem sog. Residenzmodell aufbauen. Heißt: Ein Elternteil betreut, das andere Elternteil zahlt.

Das dies indessen auch nicht mehr so richtig ist, hat der BGH in mehreren Entscheidungen aus der Vergangenheit, zuletzt mit seinem Beschluss vom 16.09.2020, deutlich gemacht.

Beispiel zur Berechnung des Kindesunterhalts beim Wechselmodell

Ein Beispiel mag eine mögliche Berechnung des Kindesunterhaltes beim Wechselmodell zeigen, die sich an die Rechtsprechung des BGH und einiger Oberlandesgerichte orientiert.

Ein Ehepaar hat ein 10-jähriges Kind, das von beiden zeitlich je zur Hälfte betreut wird. Es liegt also tatsächlich ein Wechselmodell vor. Ein Lebensmittelpunkt des Kindes ist nicht erkennbar. Die Mutter bezieht das Kindergeld i. H. v. 219 EUR.

Der Vater (V) verdient 3000 EUR, die Mutter (M) 2000 EUR.

Zusammen sind das 5000 EUR.

Der Bedarf des 10-jährigen Kindes (hier zählt der Tabellenbetrag) beträgt nach der Düsseldorfer Tabelle 2021: 686 Euro

Hiervon abgezogen wird dann nach derzeit überwiegender Meinung das volle Kindergeld, so dass verbleiben: 467 Euro

Dieser Betrag wird von der Rechtsprechung in der Regel dann um einen Mehrbedarf erhöht, da zwei Haushalte Mehrkosten verursachen. Hier wird ein Betrag von 50 Euro stets akzeptiert.

Dann beträgt der Bedarf: 467 Euro + 50 Euro = 517 Euro

Wegen der Anwendung des § 1606 III BGB ist nun zu quotieren:

Wertende Quotierung:

V: 3000 – 1.400 (Selbstbehalt) = 1.600 EUR.

M: 2000 – 1.400 (Selbstbehalt) = 600 EUR.

Summe der bei beiden Elternteilen vorhandenen Verteilungsmasse damit: 2.200 EUR

Ermittlung der Anteile von V und M:

V = 72 %, M = 28 %

M schuldet 28 % von 517 Euro = 144,76 EUR, die sie natürlich an niemanden auszuzahlen braucht, weil der zeitanteilige Bedarf des Kindes bei ihr höher ist.

V schuldet: 78 % von 517 EUR = 372,24 EUR – 258,50 EUR (Bedarfshälfte) = 113,74 EUR.

Dann muss noch die Kindergeldverteilung nach BGH vorgenommen werden:

Kindergeldverteilung M muss an V 50 % der ersten Kindergeldhälfte und 75 % der zweiten Hälfte abgeben. Das sind (219 : 2 = 109,50 EUR, davon 50 % =) 54,75 EUR + (75 % aus 109,50 EUR =) 82,12 EUR, zusammen also 136,87 EUR.

Saldierung: V muss 113,74 Euro an M zahlen und M 136,87 Euro an V, d.h. M muss im Ergebnis an V 23,13 Euro zahlen.

Ein Ergebnis, das überrascht, aber Folge der Rechtsprechung des BGH und des Umstandes ist, dass die Gesetzgebung dies bislang nicht ordentlich geregelt hat.

Erhebliche Differenzen ergeben sich erst dann, wenn die Einkommen der Kindeseltern deutlich auseinandergehen. Da seit der Unterhaltsreform aus dem Jahre 2008 aber der Grundsatz der Eigenverantwortung ins Gesetz geschrieben worden ist, was insbesondere Frauen dazu zwingt, (vollschichtig) arbeiten zu gehen, wird diese Berechnung bis zu einer gesetzgeberischen Änderung der Regelfall bleiben.

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