Was kennzeichnet häusliche Gewalt?

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Häusliche Gewalt geschieht fast niemals in einer einzigen Form. Gegen die betroffenen Personen wird auf verschiedenen Ebenen Macht ausgeübt. Ferner ist sie in den meisten Fällen kein einmaliges Ereignis.

Während Daten der offiziellen Statistiken das Bild der mehrheitlich von Männern ausgeübten häuslichen Gewalt bestätigen, weisen einige Resultate von Direktuntersuchungen entweder annähernd eine gleiche prozentuale Verteilung oder sogar im Falle der Studie von A. Habermehl (1989) eine überproportionale Betroffenheit von männlichen Personen aus. Die Studie gelangte zu folgenden Ergebnissen: „Von allen Männern und Frauen zwischen 15 und 59 Jahren, die schon einmal einen Partner hatten bzw. die einen Partner haben, waren 63,2 % schon einmal Gewalt ausgesetzt: 68,1 % der Männer und 58 % der Frauen haben schon einmal Gewalt in der Partnerschaft erlebt. 43,3 % der Männer und 34,7 % der Frauen sind schon einmal von einem Partner misshandelt worden, d. h. sie waren einer Form von Gewalt ausgesetzt, die ein Verletzungsrisiko einschließt. [...] Bei der partnerschaftlichen Gewalt besteht nicht nur, wie die Literaturanalysen ergeben haben, ein ausgewogenes Täter-Opfer-Verhältnis zwischen Männern und Frauen, sondern sogar ein leichter Frauenüberschuss auf der Täterseite: Mehr Frauen als Männer setzen Gewalt gegen ihren Partner ein – mehr Männer als Frauen haben schon Gewalt durch ihre Partnerin erlebt. [...] Nicht nur partnerschaftlicher, sondern auch der elterlichen Gewalt sind mehr Jungen als Mädchen ausgesetzt. Auch hier stimmen die Ergebnisse der vorliegenden empirischen Untersuchung mit denen der Literatur-Analysen überein.“ (vgl. Habermehl, Anke (1989): Gewalt in der Familie. – Ausmaß und Ursachen körperlicher Gewalt. Dissertation, Universität Bielefeld)

Die These, dass Männer eher psychisch-verbaler statt körperlicher Gewalt durch die Partnerin ausgesetzt sind, konnten auch spätere Untersuchungen durch das Bfmfjs nicht bestätigt werden. Oftmals treten beide Gewaltformen gleichzeitig auf und verstärken sich in ihren Wirkungen bzw. Intensitäten. Frauen sind im erheblicheren Maße öfter von schwerer körperlicher Gewalt betroffen als Männer. Daraus ergibt sich, dass sie häufiger und häufig schwerere Verletzungen als Männer erleiden. Ferner berichten Männer deutlich seltener der Polizei oder anderen Personen von diesen Gewaltwiderfahrnissen.

Außerdem ergab eine aktuelle Studie der deutschen Kinderhilfe (2017), dass Gewalt, körperlicher oder psychischer Art, nach wie vor in der Kindererziehung eine Rolle spielt.

Eltern sind jedoch auch nicht selten Gewalt seitens ihrer eigenen Kinder ausgesetzt. Allerdings ist die Motivation des Schweigens über solch einen Vorfall höher als die Offenheit. Dies lässt sich sowohl einerseits aufgrund von Scham und auch Angst erklären. Andererseits erscheint Schweigen die bessere Alternative, um das aggressive Kind zu schützen.

Ältere Menschen werden oft aufgrund von Überforderung oder Stress seitens des pflegenden Familienmitgliedes Opfer häuslicher Gewalt. Das Risiko der häuslichen Gewalt gegen ältere Menschen ist vor allem dann sehr hoch, wenn diese vollständig von ihrer Familie abhängig sind und die pflegende Person die eigenen Bedürfnisse massiv vernachlässigen muss.

Hilfe bei juristischen Fragen zu diesem Thema

Wenn es sich um juristische Fragen wie z. B. Unterhalt, Wohnungsüberlassung, Antrag nach dem Gewaltschutzgesetz, Scheidung, Aufenthalt der Kinder etc. handelt, ist es erforderlich, dass Sie sich juristische Beratung bei einem Rechtsanwalt oder einer Rechtsanwältin Ihres Vertrauens einholen. In solch einer emotionalen Ausnahmesituation, die mit so vielen Ängsten, Traumata und Unsicherheiten verbunden ist, ist es vor allem wichtig, sich jemandem anzuvertrauen, der einem helfen kann und möchte. Sollten Sie oder jemand in Ihrem Umfeld in solch einer schwierigen Lage sein, können Sie selbstverständlich mich sehr gerne via Mail oder telefonisch kontaktieren.

Rechtsanwältin Christin Böse

Quelle

Habermehl, Anke (1989): Gewalt in der Familie. – Ausmaß und Ursachen körperlicher Gewalt. Dissertation, Universität Bielefeld

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