Misslungene Brust-OP

Mehr zum Thema: Medizinrecht, Arztrecht, Brust-OP, Behandlungsfehler, Aufklärungsfehler, Schmerzensgeld, Brustvergrößerung, Brustoperation
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Brustoperationen - Wann lohnt es sich zu klagen?

Brustoperationen sind chirurgische Eingriffe mit dem Ziel, Form und/oder Größe der weiblichen Brust zu verändern. Dabei wird zwischen der Brustvergrößerung, Bruststraffung und Brustverkleinerung unterschieden. Die häufigste Brust-OP und Schönheitsoperation ist die Brustvergrößerung mit Silikonimplantaten, die bis zu 50.000 mal jährlich in Deutschland durchgeführt wird. Daneben gibt es Eingriffe bei einer „Rüsselbrust“, einer „leeren Brust“, einer „Hängebrust“oder zur Rekonstruktion der Brust nach Entfernung eines Tumors.

Mittlerweile führen viele Fachdisziplinen vom Gynäkologen über den Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen bis hin zum HNO-Arzt, Dermatologen oder Allgemeinmediziner den Eingriff durch. Allerdings ist diese Operation ausschließlich Inhalt der Weiterbildungsordnung zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Da wundert es nicht, dass in etlichen Fällen das Wunschergebnis aus- und die Patientinnen unzufrieden zurückbleiben. Im Folgenden werde ich erörtern, ab wann ein Schadensersatzanspruch besteht.

Matthias Richter
seit 2019 bei
123recht.de
Rechtsanwalt
Gräfelfinger Str., 97a
81375 München
Tel: 089 1222189
Web: http://www.kanzlei-richter-muenchen.de
E-Mail:
Schadensersatzrecht, Strafrecht, Kaufrecht, Vertragsrecht, Medizinrecht, Steuerrecht, Wettbewerbsrecht, Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Medienrecht, Versicherungsrecht

Behandlungsfehler

Entscheidend für einen Anspruch auf Schadenersatz bei ärztlichem Kunstfehler und Schmerzensgeld ist, ob ein Behandlungsfehler vorliegt. D.h. der Arzt muss gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen und dadurch einen Schaden verursachen. Dies kann in einem aktiven Tun, aber auch in einem Unterlassen bestehen. Unter einem Behandlungsfehler werden nicht nur fehlerhaft durchgeführte Operationen bzw. Therapiefehler, sondern auch Befunderhebungsfehler oder Diagnosefehler subsumiert.

Aufklärungsfehler

Da kosmetische Eingriffe nicht medizinisch notwendig sind, gelten hier besonders strenge Anforderungen an die Aufklärung der Patienten. Dem Patienten muss die Art und Schwere des Eingriffs für seine persönliche Situation vorgeführt werden. Er ist daher über Anlass, Dringlichkeit, Umfang, Schwere, Risiken, Art und Folgen, mögliche Nebenwirkungen des geplanten Eingriffs, die Erfolgsaussichten, Folgen der Nichtbehandlung, etwaige Behandlungs- und Kostenalternativen, den Namen des Operateurs, den Ausbildungsstand des Operateurs und die Ausstattung der Klinik aufzuklären. Des Weiteren muss über über alternative Behandlungsmethoden aufgeklärt werden.

Sie hat so frühzeitig zu erfolgen, dass der Patient den Entschluss zur operativen oder sonstigen ärztlichen Behandlung in Ruhe überdenken kann und nicht mit dem Problem überfallen wird. Die Aufklärung muss zu einem Zeitpunkt erfolgen, in dem der Patient noch im Vollbesitz seiner Erkenntnis- und Entscheidungsfreiheit ist und noch Gelegenheit hat, zwischen der Aufklärung und dem Eingriff Pro und Contra des weiteren ärztlichen Vorgehens zu erfassen und darüber eine eigenverantwortliche Entscheidung zu treffen. Ist ein operativer Eingriff geplant, so hat die entsprechende Aufklärung spätestens einen Tag vorher zu erfolgen. Etwas anderes gilt nur, wenn es sich um einen akuten Notfall handelt. Je dringlicher eine operative Versorgung des Patienten ist, desto geringere Anforderungen werden an die Aufklärung gestellt. Die Aufklärung hat immer in einem persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient zu erfolgen und kann nicht – wie häufig – durch die Aushändigung von Merkblättern oder Aufklärungsbögen ersetzt werden. Dabei muss eine operative Aufklärung nicht notwendigerweise von dem Operateur, jedoch von einem Arzt derselben Fachrichtung durchgeführt werden.

Beweislast

Im Normalfall muss der medizingeschädigte Patient nicht nur einen Behandlungsfehler des Arztes darlegen und beweisen können, sondern auch die sogenannte Kausalität. Das heisst, der klagende Patient muss nachweisen, dass die bei ihm eingetretenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Fehlbehandlung zurückzuführen sind. Dieser Nachweis kann in der Praxis oft schwierig sein. Liegt jedoch ein grober Behandlungsfehler vor, dreht sich die Beweislast zugunsten des Patienten um. In diesem Fall muss der Arzt bzw. das Krankenhaus darlegen und beweisen, dass die bei dem Patienten eingetretenen gesundheitlichen Verschlechterungen gerade nicht auf dem Behandlungsfehler beruhen. Ein grober Behandlungsfehler liegt vor, wenn es sich um einen eindeutigen, fundamentalen Verstoß gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln und gesicherte medizinische Erkenntnisse handelt, der nach den objektiven Umständen des Einzelfalles aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint und einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf.

Schmerzensgeld und Schadensersatz

Liegt ein Behandlungsfehler und ein kausaler Schaden des Patienten vor, ist der Arzt sowohl zur Zahlung eines Schmerzensgeldes sowie zur Zahlung von Verdienstausfallschäden verpflichtet. Daneben erlaubt die Rechtsprechung auch die Geltendmachung so genannter Haushaltsführungsschäden. Für die Höhe der geltend zu machenden Kosten ist allein entscheidend, inwieweit der geschädigte Patient durch den Vorfall bei der Vornahme der üblichen Haushaltstätigkeiten eingeschränkt ist.

Ich hoffe, Ihnen einen überblick über die Anforderungen eines Arztes bei der Durchführung von Schönheits-OP’s gegeben zu haben. Bei weitergehenden Fragen kontaktieren Sie mich gerne in meiner Kanzlei, welche seit Jahren im Arztrecht spezialisiert ist.

Hochachtungsvoll

Rechtsanwalt
Matthias Richter
Spezialisiert auf Schmerzensgeld und Persönlichkeitsrechte
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