Jerusalema Challenge wird zum Bumerang. Warner Music mahnt ab und verlangt Schadensersatz.

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Abmahnung und Unterlassungserklärung durch Rechteinhaber

In der Pandemie sollte sie Spaß und ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln, die "Jerusalema Challenge". Vereine, Behörden, Firmen und Privatpersonen tanzten zum Song des Künstlers Master KG und stellten Videos der Performance über YouTube, TikTok oder Facebook ins Internet. Wenn es nach dem Musik-Label Warner Music Group geht, wird dies jetzt teuer.

In den letzten Tagen häufen sich Berichte, wonach Warner Music Abmahnungen ggü. Teilnehmern der Challenge ausspricht und sowohl Unterlassung und Schadensersatz in vierstelliger Höhe von diesen fordert.

Christian Rebbert
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Warner Music verlangt Schadensersatz

Warner Music rügt hierbei, dass die Teilnehmer ein Video veröffentlichen, in dem der genannte Song als Hintergrundmusik läuft. Warner Music hält die Rechte an diesem Song und sieht darin einen Verstoß gegen das Urheberrecht. Und leider hat Warner Music damit im Grunde recht.

Wer ein Video veröffentlicht und dabei die Musik eines anderen verwendet, benötigt, außer in wenigen Ausnahmefällen, die Erlaubnis/Lizenz des Rechteinhabers. Im konkreten Fall hätten die Challenge Teilnehmer das sog. Synchronisationsrecht, also das Recht, den Titel als Filmmusik in einem Film zu verwenden, erwerben müssen.

Wer Musik verwendet, benötigt eine Lizenz

Liegt eine solche Lizenz nicht vor, besteht ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Auf das urheberrechtliche Zitatrecht wird sich der Videoersteller nicht berufen können, da es hierfür nötig ist, dass sich das Video kritisch oder parodistisch auseinandersetzt. Das ist jedoch nicht der Fall, wenn die Musik lediglich zur Untermalung des Tanzes benutzt wird.

Ein solcher Verstoß löst dann die mit der Abmahnung geltend gemachten Ansprüche des Rechteinhabers aus. Es besteht dann u.a. ein Anspruch auf Abgabe einer Unterlassungserklärung, als auch auf Zahlung eines angemessenen Schadensersatzes.

Fraglich ist jedoch, wie hoch ein solcher Schadensersatz ausfallen kann. Die Höhe des entstandenen Schadens muss jedenfalls der Rechteinhaber nachweisen.

Auch Privatpersonen können betroffen sein

Auch wenn anscheinend bislang nur Firmen und Behörden abgemahnt wurden, verletzen im Übrigen auch Privatpersonen die genannten Rechte, wenn sie ein solches Video auf YouTube etc. hochladen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Vorgehen von Warner Music zumindest dem Grunde nach rechtlich nicht zu beanstanden ist. Ob immer alles was rechtlich möglich ist auch durchgesetzt werden muss, steht dabei auf einem anderen Blatt.

Haben auch Sie eine Abmahnung von Warner Music wegen der Jerusalema Challenge erhalten? Ich helfe Ihnen gerne zu beurteilen, ob überhaupt ein Verstoß vorliegt und wenn ja, ob die geltend gemachten Beträge der Höhe nach berechtigt sind und die Unterlassungserklärung keine Fallstricke enthält.

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