Preisbindung

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Preisbindungen sind Vereinbarungen, bei denen ein Partner den anderen verpflichtet, bestimmte Preise oder Konditionen beim Weiterverkauf einer Ware an Dritte einzuhalten. Sie gehören zu den vertikalen Bindungen , bei denen normalerweise Unternehmen aus unterschiedlichen Wirtschaftsstufen beteiligt sind - auf der einen Seite ein produzierender, auf der anderen Seite ein vertreibender Betrieb. In einer wettbewerblichen Wirtschaftsform soll jedoch jedes Unternehmen seine Preise und Bedingungen selbst gestalten. Daher sind Preisbindungen in Deutschland nicht gestattet. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz besteht allerdings bei Verlagsprodukten: Die Buchpreisbindung ist aus kulturpolitischen Gründen erlaubt. Der Händler darf hier nicht autonom den Preis für ein bestimmtes Buch festsetzen, sondern sieht sich an die Vorgaben der Verlages gebunden.

Möglich macht das deutsche Gesetz ansonsten nur "unverbindliche Preisempfehlungen", die die Hersteller von Produkten den Händlern mit auf den Weg geben dürfen. Verboten sind hingegen sog. Mondpreisempfehlungen, bei denen der Hersteller bewusst völlig überhöhte Preisempfehlungen angibt, damit der Händler dann mit seinen "Niedrigpreisen" werben kann.

Die Buchpreisbindung

Das Buch wird als Kulturgut angesehen. Daher macht der deutsche Gesetzgeber hier eine Ausnahme von der freien Marktwirtschaft. Seit dem Jahre 1887 wird die Preisbindung für Verlagserzeugnisse als eine der Existenzgrundlagen des Buchhandels begriffen. Dies gilt ebenso in zahlreichen anderen europäischen Staaten, darunter z. B. Österreich, die Schweiz, Frankreich, Spanien und die Niederlande. Die Buchpreisbindung ermöglicht es zu gewährleisten, dass sich ständig Bücher für jeden Lesegeschmack im Angebot befinden. Es wird nämlich eine Art Risikoausgleich bewirkt: Erlöse aus dem Verkauf von Bestsellern können für die Finanzierung von Titeln, die nur eine kleine Interessengruppe nachfragt, mitverwendet werden. Daher können die Händler auch Bücher, die sich nicht auf den Beststellerlisten befinden, zu zumutbaren Preisen anbieten.

Bei einer Freigabe der Preise würden voraussichtlich nur wenige Bestseller billiger, der Großteil der Bücher müsste wohl teurer verkauft werden. Außerdem bestünde die Gefahr des Sterbens mittelständischer Buchhandlungen. Aus diesem Grund sind bisher alle Angriffe auf die Buchpreisbindung abgewehrt worden. Gerade der deutsche Buchhandel konnte sich so als einer der leistungsfähigsten auf der Welt erweisen, der beinahe alle Bücher innerhalb eines Tages zu liefern in der Lage ist.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Wettbewerbsrecht in Deutschland
Seite  2:  Kartelle
Seite  3:  Unlauterer Wettbewerb
Seite  4:  Marktbeherrschende Unternehmen
Seite  5:  Vergleichende Werbung
Seite  6:  Unternehmensfusionen und Fusionskontrolle
Seite  7:  Preisbindung
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