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Körperverletzung

Rechtsberatung und Informationen zu Körperverletzung und Strafrecht.

Körperverletzung ist entweder die körperliche Misshandlung mit nicht unwesentlicher Beeinträchtigung des körperlichen Wohlbefindens oder das Hervorrufen eines Krankheitszustandes durch eine Gesundheitsbeschädigung.

Es wird strafrechtlich unterschieden zwischen:

- einfache Körperverletzung
- gefährliche Körperverletzung
- schwere Körperverletzung
- Körperverletzung mit Todesfolge
- Beteiligung an einer Schlägerei
- fahrlässige Körperverletzung

Das sagt das Gesetz

StGB

§ 223 Körperverletzung

(1) Wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

§ 224 Gefährliche Körperverletzung

(1) Wer die Körperverletzung
1. durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen,
2. mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs,
3. mittels eines hinterlistigen Überfalls,
4. mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich oder
5. mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung
begeht, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

§ 226 Schwere Körperverletzung

(1) Hat die Körperverletzung zur Folge, daß die verletzte Person
1. das Sehvermögen auf einem Auge oder beiden Augen, das Gehör, das Sprechvermögen oder die Fortpflanzungsfähigkeit verliert,
2. ein wichtiges Glied des Körpers verliert oder dauernd nicht mehr gebrauchen kann oder
3. in erheblicher Weise dauernd entstellt wird oder in Siechtum, Lähmung oder geistige Krankheit oder Behinderung verfällt,
so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

(2) Verursacht der Täter eine der in Absatz 1 bezeichneten Folgen absichtlich oder wissentlich, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren.

(3) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen des Absatzes 2 auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.

Häufige Fragen & Antworten

Wann liegt eine Körperverletzung vor?

Eine körperliche Misshandlung ist jede Einwirkung auf einen Menschen, die seine körperliche Unversehrtheit oder sein körperliches Wohlbefinden nicht nur ganz unerheblich beeinträchtigt. Nach herrschender Meinung kommt es nicht darauf an, ob jemand Schmerzen leidet!
Eine Gesundheitsschädigung ist jedes Hervorrufen oder Steigern eines Krankheitszustandes. Auch hier müssen keine Schmerzen vorliegen.
Die Rechtswidrigkeit der Körperverletzung kann u.a. entfallen, wenn der andere in diese einwilligt.

Klassische Beispiele für die Misshandlung sind Schäden an der Substanz (Wunde, Beule, Zahnverlust, Organverlust etc.), Verunstaltungen (Teeren und Federn) und Funktionsstörungen (Erblinden, Verlust des Hörvermögens etc.)
Unerheblich ist, dass das Opfer Schmerzen erleidet: Auch Haare schneiden ist eine Körperverletzung!

Klassische Beispiele für eine Gesundheitsverletzung sind Anstecken mit einer Krankheit, Vergiften, Betäuben, Schockverursachung, sogar die Verursachung von Volltrunkenheit.

Was ist eine gefährliche Körperverletzung?

Die Strafandrohung wurde vom Gesetzgeber für bestimmte Fälle der Körperverletzung wegen ihrer Gefährlichkeit verschärft.

Darunter fallen etwa Körperverletzungen mit heißen Flüssigkeiten oder zerbröseltes Glas, des Weiteren die Ansteckung mit dem HIV-Virus. Das Opfer muss so mit dem Stoff in Kontakt geraten sein, dass der Stoff seine gesundheitsschädigende Wirkung entfaltet.
Körperverletzung mit Waffe: Eine Waffe ist hier ein Gegenstand, der nicht nur zur Verletzung/ Tötung von Menschen geeignet, sondern auch gerade dazu bestimmt ist.
Körperverletzung mit einem Werkzeug: Werkzeug ist ein Gegenstand, der seiner Art und Weise (Form, Material) nach dazu benutzt werden kann, Menschen zu verletzen. Z.B. ein Baseballschläger, aber auch ein Bleistift.
Bei der gemeinschaftlichen Begehung wirkt strafschärfend die erhöhte Gefährlichkeit des Angriffes für das Opfer, das durch die Zahl der Angreifer hilfloser sein kann als bei nur einem Angreifer.

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Was ist eine schwere Körperverletzung?

Bei der schweren Körperverletzung bezieht sich die Strafandrohung auf die Schwere der verletzenden Handlung bzw. auf ihren Erfolg: Es handelt sich bei § 226 StGB um ein erfolgsqualifiziertes Delikt .- Verursacht die Tathandlung der Körperverletzung eine der in § 226 beschriebenen Folgen, und war diese Folge für den Täter vorhersehbar und wahrscheinlich, so greifen die härteren Strafen des § 226.

Zu den einzelnen schweren Folgen ist Folgendes zu sagen:


a) Verlust des Sehvermögens

Unter dem Verlust des Sehvermögens versteht man die Aufhebung der Fähigkeit, Gegenstände wahrzunehmen.

b) Verlust des Hörvermögens

Nach der Rechtsprechung liegt ein Verlust des Hörvermögens auch dann vor, wenn der Verletzte noch Geräusche hören kann.

c) Verlust des Sprechvermögens

Unter dem Verlust des Sprechvermögens versteht man die Aufhebung der Fähigkeit zum artikulierten Reden.

d) Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit

Die geschlechtsneutrale Formulierung im Gesetz umfasst sowohl die Fähigkeit des Mannes, ein Kind zu zeugen als auch die Empfängnisfähigkeit der Frau.

2) Verlust oder dauernde Gebrauchsunfähigkeit eines wichtigen Körpergliedes

Nach der herrschenden Meinung versteht man unter „Körperglied" nur solche Körperteile, die mit dem Rumpf oder einem anderen Körperteil durch ein Gelenk verbunden sind.

3) Dauernde Entstellung in erheblicher Weise, Verfallen in Siechtum, Lähmung oder geistige Krankheit und Behinderung

Beispiele für eine dauernde Entstellung in erheblicher Weise sind auffällige Narben im Gesicht oder der Verlust eines Teils der Nase. Die Möglichkeit einer zumutbaren Schönheitsoperation lässt die Dauerhaftigkeit regelmäßig entfallen. Das Ausschlagen einiger Zähne wird daher in der Regel keine Strafbarkeit nach § 226 StGB nach sich ziehen.

Das Gesetz sieht bei einer schweren Körperverletzung einen Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe vor. (von Rechtsanwältin Alexandra Braun)

Was ist die Beteiligung an einer Schlägerei?

§ 231 StGB [Beteiligung an einer Schlägerei]
(1) Wer sich an einer Schlägerei oder an einem von mehreren verübten Angriff beteiligt, wird schon wegen dieser Beteiligung mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn durch die Schlägerei oder den Angriff der Tod eines Menschen oder eine schwere Körperverletzung (§ 226) verursacht worden ist.
(2) Nach Absatz 1 ist nicht strafbar, wer an der Schlägerei oder dem Angriff beteiligt war, ohne dass ihm dies vorzuwerfen ist.

Für eine Schlägerei im Sinne dieser Vorschrift müssen mindestens drei Personen aktiv mitwirken.
Ein Angriff mehrerer ist hier ein gewalttätiger Angriff von mindestens zwei Personen auf einen anderen.
Beteiligt ist man auch schon durch psychische Mitwirkung, z.B. Anfeuerungen.
Das sich nur verteidigende Opfer, also das Ziel des Angriffs, ist nicht beteiligt im Sinne der Vorschrift.

Fahrlässige Körperverletzung nach Verkehrsunfall

Wer unverhofft bei einem Verkehrsunfall einen Fahrfehler begeht und dabei eine andere Person verletzt, sieht sich schnell einem Strafverfahren ausgesetzt. Er erhält Post als Beschuldigter in einem Strafverfahren wegen Verdachtes der fahrlässigen Körperverletzung, § 229 StGB.

Wann ist die fahrlässige Körperverletzung begangen?

Vereinfacht gesagt dann, wenn der Beschuldigte eine Körperverletzung verursacht hat, was für ihn vorhersehbar und vermeidbar war. Beispiel: Ein Autofahrer übersieht versehentlich eine rote Ampel und fährt ein Kind an, das dadurch verletzt wird. Dies war für ihn vorhersehbar und vermeidbar. Denn wenn er mit voller Aufmerksamkeit gefahren wäre, hätte der das Rotlicht gesehen und gehalten. Die Verletzung war für ihn also vorhersehbar und vermeidbar.

Vor diesem Hintergrund ist bei Fahrfehlern, die Körperverletzungen zur Folge haben, häufig der Vorwurf gegeben. (von Rechtsanwalt Rolf Tarneden)

Körperverletzung und Nebenklage

Die Nebenklage bietet Opfern einer Körperverletzung die Möglichkeit, sich aktiv am Prozess zu beteiligen.

Die Schwere der Tatfolgen spielt beim Nebenklagerecht eine besondere Rolle. So haben Opfer einer fahrlässigen Körperverletzung ebenfalls das Recht auf eine Nebenklage, sollten die Folgen für das Opfer entsprechend gravierend erscheinen (§ 395 Abs. 3). Die Vertretung der Nebenklage nimmt die rechtlichen Interessen der Opfer wahr und führt sie dabei durch den Prozess.

Sobald die öffentliche Klage durch die Staatsanwaltschaft erhoben wurde, kann das Opfer sich der Klage anschließen, was auch dann geschehen kann, wenn das Verfahren bereits begonnen hat (§ 395 StPO). (von Rechtsanwalt Seyed Shahram Iranbomy)

Körperverletzung durch den Arzt

Grundsätzlich stellt jeder Eingriff in die körperliche Integrität des Patienten eine strafbewehrte Körperverletzung da, wenn der Eingriff nicht durch die wirksame Einwilligung des Patienten gerechtfertigt wird. Da eine Einwilligung nur wirksam ist, wenn der Patient weiß, wozu er einwilligt, treffen den behandelnden Arzt vielfältige Aufklärungspflichten, um eine selbstbestimmte Entscheidung des Patienten zu ermöglichen.

Das Hauptfeld gehört dabei der Risikoaufklärung, bei der die Erläuterung der Risiken der Behandlung im Vordergrund steht. Hinzu treten die Diagnoseaufklärung, wo der Patient über den medizinischen Befund informiert wird, sowie die Verlaufsaufklärung, die sich auf Art, Umfang und Durchführung der Therapie bezieht. (von Rechtsanwalt Christian Borsbach)

Was sollten Opfer einer Körperverletzung tun?

Als erstes stellt sich die Frage, was unmittelbar nach einer Straftat zu tun ist. Gehe ich zur Polizei oder gleich zum Anwalt? Oder mach ich das mit mir selbst oder direkt mit dem Täter aus?

Aus anwaltlicher Sicht kann die Stellung einer Strafanzeige und einem damit verbundenem Einschreiten von Polizei und Staatsanwaltschaft nur zugeraten werden. Denn ungeachtet der Tatsache, dass man immer damit rechnen muss, dass von einem Täter, der nicht strafrechtlich verfolgt wird, eine gewisse Wiederholungsgefahr ausgeht, sind die rechtlichen Möglichkeiten im Rahmen des Strafverfahrens für das Opfer unter Umständen besser und es wird weniger aufwendig, zu seinem Recht im Sinne einer Schadenswiedergutmachung zu kommen.

Denn das Strafverfahren, das in der Regel durch eine entsprechende Strafanzeige des Opfers eingeleitet wird, hat den Vorteil, dass andere, nämlich Polizei und Staatsanwaltschaft, die Ermittlungsarbeit leisten, d.h. das Opfer braucht sich um die Beweissicherung und die Möglichkeiten, den Täter der Tat zu überführen, grundsätzlich keine Gedanken und vor allem keine Arbeit machen.

Würde das Opfer nur seinen Schaden vom Täter ersetzt verlangen wollen, z.B. Schmerzensgeld, müsste das Opfer alle Beweise zusammentragen selbst Geld bezahlen, um womöglich einen Zivilprozess anzustreben. (von Rechtsanwalt Alexander Stevens)

Körperverletzung in Notwehr?

Notwehr ist nach der Definition des § 32 Abs. 2 StGB die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwehren.

Um einen Angriff durch Notwehr abwehren zu dürfen, muss der Angriff unmittelbar bevorstehen oder noch andauern. Holt der Angreifer zum Schlag aus, steht der Angriff unmittelbar bevor, schlägt der Angreifer bereits zu, dauert der Angriff an. Nach Beendigung des Angriffs, wenn der Angreifer sich z. B. von seinem Opfer abwendet oder entfernt, ist eine Gegenwehr nicht mehr durch Notwehr gerechtfertigt. Spätere „Abwehrhandlungen" stellen in der Regel einen Racheakt oder Selbstjustiz dar, die nicht durch Notwehr gedeckt werden.

Notwehr ist ein Rechtfertigungsgrund, der zur Folge hat, dass die strafbare Handlung der Körperverletzung mangels Rechtswidrigkeit straflos bleibt. (von Rechtsanwalt Maurice Moranc)

Körperverletzung und Gewaltschutz

Mithilfe des Gewaltschutzes können sämtliche denkbare Schutzanordnungen durch ein Gericht getroffen werden, wie etwa Kontakt- und Näherungsverbote oder sogar eine Wohnungszuweisung.

Gewaltschutz gibt es nur auf Antrag und nur bei Gericht. Zwar kann das Opfer von Gewalt die Polizei informieren, die dann eine Strafanzeige und ggf. polizeiliche Maßnahmen wie ein kurzzeitiges Kontaktverbot oder eine kurzzeitige Ingewahrsamsnahme ergreifen kann, von Dauer sind diese Maßnahmen aber nicht.

Nur ein Gericht kann Anordnungen treffen, die das Opfer von Gewalt auf Dauer vor dem Täter schützen.

(von Rechtsanwalt Alexander Stevens)

Körperverletzung und Täter-Opfer-Ausgleich

Mit dem so genannten "Täter-Opfer-Ausgleich" ( § 46a StGB) soll der durch eine Straftat gestörte soziale Friede zwischen Täter und Geschädigtem wiederhergestellt werden.

Die Wiedergutmachung schließt dabei nicht nur finanziell bezifferbare Schäden ein, sondern beinhaltet auch die körperlichen und/oder psychischen Beeinträchtigungen des Opfers. Zwischen den Interessen des Geschädigten und den Leistungsmöglichkeiten des Täters sollte nach Möglichkeit ein Kompromiss gefunden werden, mit dem beide Seiten leben können.

Nach Vorliegen eines Ausgleichsvorschlags entscheidet die Staatsanwaltschaft über die vorläufige Einstellung des Strafverfahrens (§ 153a StPO). Kommt es nicht zur Einstellung des Verfahrens, weil nach Auffassung der Staatsanwaltschaft weitergehende Maßnahmen angezeigt sind oder der Täter-Opfer-Ausgleich gescheitert ist, so nimmt die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren regelmäßig wieder auf. (von Rechtsanwalt Michael Kohberger)

Die Höhe des Schmerzensgelds bei einem Verkehrsunfall

Höhe des Schmerzensgelds nach der Celler Schmerzensgeldtabelle:

a href="https://www.123recht.net/ratgeber/verkehrsrecht/Verkehrsunfall-Hoehe-des-Schmerzensgelds-nach-der-Celler-Schmerzensgeldtabelle-__a155654.html">Celler Schmerzensgeldtabelle, geordnet nach Betrag

Wie erhält man Schmerzensgeld nach einer Körperverletzung?

Wer Opfer einer Vergewaltigung, Körperverletzung oder seines versuchten Totschlages ist, fragt sich, ob und in welcher Höhe er Schmerzensgeld von dem Schädiger verlangen kann.

Will der Geschädigte seine Schmerzensgeldansprüche verfolgen, ist er darauf angewiesen, im Einzelnen zu wissen, wie der Stand der Ermittlungen gegen den Angeklagten ist. In diesem Fall räumt ihm das Gesetz das wichtige Recht der Akteneinsicht ein. Der Geschädigte hat also das Recht, die gesamte Akte, die gegen den Angeklagten vorliegt, einsehen zu können. Dieses Aktenseinsichtsrecht kann der Geschädigte nur über einen Rechtsanwalt wahrnehmen.

Daneben billigt das Gesetz dem Geschädigten zu, sich im Strafverfahren eines Rechtsanwaltes als Beistand zu bedienen. Dem Rechtsanwalt ist dann bei Vernehmungen des Geschädigten durch Staatsanwaltschaft oder Gericht die Anwesenheit bei der Vernehmung gestattet. (von Rechtsanwalt Rolf Tarneden)

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