Verlustvortrag von Studium mit Nebentätigkeit - Welche Fristen gelten?

25. Dezember 2023 Thema abonnieren
 Von 
druide
Status:
Frischling
(27 Beiträge, 7x hilfreich)
Verlustvortrag von Studium mit Nebentätigkeit - Welche Fristen gelten?

Guten Tag,
der Verlustvortrag im Bereich der Steuererklärung bereitet gerade einige Kopfschmerzen.

Hintergrund ist:
Person A begann 2016 das Masterstudium, welches direkt an ihr Bachelorstudium anschloss (Master ist also Zweitausbildung). Im Jahr 2016 ist A einem kleinen Job als HiWi (studentische Hilfskraft) an der Uni nachgegangen und hat in diesem Jahr 1500 Euro verdient (keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung). Ab 2017 hat sie weiterhin in Vollzeit studiert, aber ab 07/2017 eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin (anstatt der HiWi-Stelle) an der Uni angenommen. A ist seit dem sozialversicherungspflichtig mit einer 0,5 VZÄ Stelle ("halbe Stelle") bzw. später dann mit 1VZÄ Stelle angestellt, parallel dazu war A weiterhin Studentin bis 2021. A hat noch nie eine Steuererklärung abgegeben.

Bisher wurde also wie folgt studiert und gearbeitet:

2016: Studium mit Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft (kein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis)

2017: Studium, ab 07/2017 mit Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin (sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis)

2018: Studium mit Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin

2019: Studium mit Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin

2020: Studium mit Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin

2021: Studium mit Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin

2022: Wissenschaftliche Mitarbeiterin

2023: Wissenschaftliche Mitarbeiterin

A wurde gesagt, dass sie rückwirkend für 4 Jahre eine Steuererklärung abgeben kann und für 7 Jahre eine Erklärung zur Feststellung eines Verlustvortrags.
Daher stellen sich nun Fragen zum bestmöglichen Vorgehen:

1: Kann A für das Jahr 2016 noch eine Erklärung zur Feststellung eines Verlustvortrag geltend machen?

2: Wie soll A die folgenden Jahre steuerlich geltend machen? A kann nach eigenem Verständnis im Jahr 2023 nur eine Steuererklärung von frühestens 2019 abgeben (Frist 4 Jahre). Ist das korrekt?

3: Was ist mit den Jahren, die vor 2019 liegen? Wenn A im Jahr 2023 die Steuererklärung von 2019 einreicht, um die Frist von 4 Jahren einzuhalten, können mögliche Erklärungen zur Feststellung eines Verlustvortrags trotzdem noch für die Jahre 2016 bis 2018 gestellt werden?

4: Könnte A für die Jahre 2016, 2017 und 2018 die Erklärungen zur Feststellung eines Verlustvortrags zusammen abgeben und lediglich jeweils das Kreuz in Zelle 80 setzen, damit das Finanzamt einen möglichen festgestellten Verlust automatisch aufaddiert, oder muss A auf den Feststellungsbescheid von 2016 warten?

5: Wenn der Feststellungsbescheid abgewartet werden muss, wo muss die Summe aus dem Feststellungsbescheid von 2016 in dem Antrag von 2017 eingetragen werden?

6: Wenn eine Steuererklärung nur 4 Jahre rückwirkend eingereicht werden kann, wäre es im Jahr 2023 für eine Steuererklärung für die Jahre 2017 und 2018 zu spät. Wie soll A mit den Einkünften ab 2017 umgehen? Können diese Einkünfte noch mittels Erklärung zur Feststellung eines Verlustvortrags eingereicht werden?

Vielen Dank für die Aufklärung in diesem besonderen Fall.

Beste Grüße

druide

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4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
amz529033-63
Status:
Schüler
(322 Beiträge, 63x hilfreich)

Zuerst solltest Du Dir die Frage stellen, ob die Studiumskosten denn überhaupt höher waren als die Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit - denn nur dann würden sich überhaupt Verlustvorträge ergeben. Der Schilderung nach ist das nur für 2016 wahrscheinlich, es sei denn, Deine Studiumskosten wären außerordentlich hoch gewesen.
Der Antrag auf Feststellung eines Verlustvortrags für 2016 ist noch bis Ende 2023 möglich.
Wenn ein Verlustvortrag festgestellt ist, ist man für das Folgejahr zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet.
Wenn die Einkünfte 2017 höher waren als die Kosten des Studiums, wird der auf den 31.12.2016 festgestellte VV auf diese Einkünfte angerechnet und das war's - es sei denn, der VV wäre so hoch, dass dann noch was übrig bleibt, dann ist wiederum für 2018 zwingend eine Erklärung abzugeben usw.

-- Editiert von User am 26. Dezember 2023 09:41

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
druide
Status:
Frischling
(27 Beiträge, 7x hilfreich)

Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung. Dann wird der festgestellt Verlustvortrag spätestens 2018 "verpuffen", da A ja 2018 das ganze Jahr steuerpflichtig beschäftigt war.

Dann wird es das beste sein, den Antrag zum Verlustvortrag für 2016 zu stellen und die Steuererklärung für 2019, damit die 4jahres Frist eingehalten wird und beides 2023 einzureichen. Da der festgestellte Verlust vermutlich schon vor 2019 aufgebraucht werden sein wird, würde es an dem Steuerbescheid für 2019 vermutlich eh nichts mehr ändern. Korrekt?

Besten Dank für die Hilfe

VG
druide

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
amz529033-63
Status:
Schüler
(322 Beiträge, 63x hilfreich)

Korrekt?

Nein, denn:

Zitat (von amz529033-63):
Wenn ein Verlustvortrag festgestellt ist, ist man für das Folgejahr zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet.

S. § 56 Satz 2 EStDV.

-- Editiert von User am 26. Dezember 2023 17:31

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33009 Beiträge, 17309x hilfreich)

Die Frage war ja, ob der Steuerbescheid für 2019 später noch mal geändert werden muss. Und das muss er offenbar nicht, da der VV das Jahr 2019 wohl nicht erreichen wird.

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

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