Erbengemeinschaft versucht Erben "auszubooten"

21. Februar 2023 Thema abonnieren
 Von 
go627687-62
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Erbengemeinschaft versucht Erben "auszubooten"

Guten Tag, liebe Forengemeinde.
Folgender, natürlich rein fiktiver Fall:

Erblasser (im Folgenden VATER genannt, verstorben 11/2022), seit 20 Jahren verwitwet, hinterlässt 3 Kinder, A aus erster Ehe, B+C aus zweiter Ehe. Kein Testament.
VATER "schenkt" mittels Vertrag aus 2021 C ein Sparbuch (scheinbar Konstrukt zugunsten Dritter). A kennt den Vertrag nur als Foto von letzter Seite und der weitere Inhalt ist ihm nicht bekannt. B+C sind sich einig. A hat keinerlei Ansprüche auf Erbe, da "VATER" das mal "gesagt" hat.
B+C vertrösten A, dass sich Notar melden wird wegen Eröffnung Nachlassverfahren gemeinschaftlicher Erbschein.
A erhält gestern eMail vom Notar, "da Sie bei der Beurkundung des Erbscheinantrages nicht als Antragsteller mitwirken und daher nicht formell Beteiligter sind, kann ich Ihnen keine Abschrift der Urkunde bzw. weiterer Dokumente zur Verfügung stellen. Dies ist nur mit Zustimmung des formell Beteiligten möglich, die Sie mir gern schriftlich nachreichen können. Das Amtsgericht wird Sie jedoch im Rahmen des Erbscheinerteilungsverfahrens hören"
Stellt sich A dar, als ob KEIN Erbschein für ihn erteilt werden soll. Was soll A tun? Teilerbschein beantragen? Auch Nachlassverzeichnis wird, trotz Aufforderung, nicht zur Verfügung gestellt. §2314BGB ziehen? Notarielles Nachlassverzeichnis erzwingen? Eidesstattliche Versicherung verlangen? Wie gesagt, B+C sind sich einig, wenn nur B Erbschein beantragt und erhält, kann C ausgezahlt werden und A nur noch auf Pflichtteil hoffen?
Gruss "A"eltester Sohn

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8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
reckoner
Status:
Philosoph
(13603 Beiträge, 4341x hilfreich)

Hallo,

Zitat:
B+C sind sich einig. A hat keinerlei Ansprüche auf Erbe, da "VATER" das mal "gesagt" hat.
Die können sich noch so sehr einig sein, es ändert nichts an der Erbfolge.

Zitat:
Wie gesagt, B+C sind sich einig, wenn nur B Erbschein beantragt und erhält, kann C ausgezahlt werden und A nur noch auf Pflichtteil hoffen?
Unsinn (das mit dem Pflichtteil), A ist ganz normaler Erbe, vermutlich zu einem Drittel. Der Pflichtteil kommt erst in Betracht, wenn der Erblasser von der gesetzlichen Erbfolge abgewichen ist.

Es ist zu vermuten, dass beim Antrag auf den Erbschein falsche Angaben gemacht wurden.
Ich würde mich direkt an das zuständige Nachlassgericht wenden.

Stefan

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
go627687-62
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo Stefan,

Zitat (von reckoner):
Es ist zu vermuten, dass beim Antrag auf den Erbschein falsche Angaben gemacht wurden.
Ich würde mich direkt an das zuständige Nachlassgericht wenden.

Vielen Dank, hat mich in meiner Sicht des Falles bestärkt.
Nun noch eine Frage: Da ja B+C "gemeinsame Sache" machen und keinen gemeinschaftlichen Erbschein beantragt haben - wie soll sich A verhalten? In Gesprächen (und auch Schriftwechsel) mit dem Notar wurde A der Eindruck vermittelt, dass eben jener gemeinschaftliche Erbschein beantragt wird.
Sollte A den Notar "bitten" (der hat eh schon alle notwendigen Urkunden von A gefordert und erhalten), für ihn ebenfalls Erbschein zu beantragen? Ein Notar ist doch quasi von Beruf unparteiisch und sollte allen Beteiligten Rat und Mitwirkung andienen?

Viele Grüsse

"A"

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
reckoner
Status:
Philosoph
(13603 Beiträge, 4341x hilfreich)

Hallo,

wie gesagt würde ich mich an das Nachlassgericht wenden.

Das mit den falschen Angaben möchte ich übrigens etwas relativieren.
Denn da der Notar geschrieben hat, dass A im Rahmen des Verfahrens gehört wird gehe ich nun davon aus, dass doch alles richtig angegeben wurde. Im ersten Augenblick hatte ich das anders vermutet, und zwar dass B und C den Halbbruder A komplett verschwiegen hätten.

Stefan

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
go627687-62
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von reckoner):
war dass B und C den Halbbruder A komplett verschwiegen hätten.


Hallo Stefan,
nee, der Notar kennt A und hatte auch Kontakt, sowohl schriftlich als auch mündlich. Rechtsstellung von A ist dem Notar bekannt - Notar hat Geburtsurkunde von A gefordert und erhalten.
A hat jetzt den Notar gebeten, auch für ihn Erbschein zu beantragen, schliesslich soll der Notar ja unparteiischer Rechtsberater und Betreuer sämtlicher Beteiligten sein. Könnte der Notar diesen Auftrag zurückweisen?

Mit freundlichem Gruss

"A"

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#5
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7960 Beiträge, 4487x hilfreich)

Zitat (von go627687-62):
Erblasser (im Folgenden VATER genannt, verstorben 11/2022), seit 20 Jahren verwitwet, hinterlässt 3 Kinder, A aus erster Ehe, B+C aus zweiter Ehe. Kein Testament.

Dann gilt die gesetzliche Erbfolge und die A, B und C erben je 1/3.
Zitat:
B+C sind sich einig. A hat keinerlei Ansprüche auf Erbe, da "VATER" das mal "gesagt" hat.

Was A und B "denken", spielt keine Rolle.
Zitat:
Stellt sich A dar, als ob KEIN Erbschein für ihn erteilt werden soll.

Das sehe ich nicht so.
Zitat:
Was soll A tun?

Beim Nachlassgericht nachfragen.
Zitat:
Auch Nachlassverzeichnis wird, trotz Aufforderung, nicht zur Verfügung gestellt. §2314BGB ziehen? Notarielles Nachlassverzeichnis erzwingen? Eidesstattliche Versicherung verlangen?

Da A Erbe ist, kann er kein Nachlassverzeichnis verlangen, da er die entsprechenden Informationen mit einer Ausfertigung des Erbscheins selbst einholen kann.
Zitat:
Wie gesagt, B+C sind sich einig, wenn nur B Erbschein beantragt und erhält, kann C ausgezahlt werden und A nur noch auf Pflichtteil hoffen?

Das ist Blödsinn! A ist Miterbe, daran gibt es nichts zu rütteln. :wink:
Zitat (von go627687-62):
A hat jetzt den Notar gebeten, auch für ihn Erbschein zu beantragen, schliesslich soll der Notar ja unparteiischer Rechtsberater und Betreuer sämtlicher Beteiligten sein. Könnte der Notar diesen Auftrag zurückweisen?

Woher weiß A, dass kein gemeinschaftlicher Erbschein beantragt wurde?

-- Editiert von User am 21. Februar 2023 16:54

1x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
go627687-62
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von cruncc1):
Da A Erbe ist, kann er kein Nachlassverzeichnis verlangen, da er die entsprechenden Informationen mit einer Ausfertigung des Erbscheins selbst einholen kann.


Servus Forengemeinde,
erstmal vielen Dank für die erhellenden Worte - jetzt ist mir vieles Klarer.
Sicher, als Erbe kann "A" bei Banken, Versicherungen etc selbst Auskünfte einholen. Aber, ich sag mal, "A" hätte mehr Vertrauen in ein notarielles Nachlassverzeichnis, zumindest, was den persönlichen Nachlass wie Kfz und Mobilia aus der Wohnung des Erblassers betrifft. Keine Gedanken mehr brauch sich A machen um eine erhebliche Summe Bargeld, die der Vater in der Wohnung versteckt hatte ... das hat laut B+C nie existiert - aber das muss A versuchen, anders zu klären.
Noch einmal - vielen Dank. Ihr habt A sehr geholfen!

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47191 Beiträge, 16724x hilfreich)

Zitat (von go627687-62):
Stellt sich A dar, als ob KEIN Erbschein für ihn erteilt werden soll.


Dann müssten sich B und C schon wegen einer falschen eidesstattlichen Versicherung strafbar gemacht haben. Da dem Notar jedoch offenbar bekannt war, wer A ist, würde ich das ausschließen.

Zitat (von go627687-62):
Was soll A tun?


Auf den Brief des Nachlassgerichtes warten, mit dem er zu einer Stellungnahme zum Erbscheinantrag aufgefordert wird.

Zitat (von go627687-62):
VATER "schenkt" mittels Vertrag aus 2021 C ein Sparbuch (scheinbar Konstrukt zugunsten Dritter).


Wegen dieser Sache sollte A schon mal zur betreffenden Bank gehen und die Annahme der Schenkung erklären.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
reckoner
Status:
Philosoph
(13603 Beiträge, 4341x hilfreich)

Hallo,

Zitat:
Da A Erbe ist, kann er kein Nachlassverzeichnis verlangen, da er die entsprechenden Informationen mit einer Ausfertigung des Erbscheins selbst einholen kann.
Mindestens über die dinglichen Vermögenswerte müssen die Teilerben welche die Gegenstände - ich sag' mal - verwalten auch Auskunft geben.
Und aus §242 BGB kann man imho durchaus ableiten, dass das auch für Bankguthaben u.ä. gilt, soweit diese Daten bereits bekannt sind.

Zitat:
Wegen dieser Sache sollte A schon mal zur betreffenden Bank gehen und die Annahme der Schenkung erklären.
A hat doch gar keine Schenkung erhalten?

Stefan

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