Erfolgsabhängige Bonuszahlung

2. Juni 2019 Thema abonnieren
 Von 
go496510-33
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)
Erfolgsabhängige Bonuszahlung

Hi,

ich habe folgenden Passus in meinem Arbeitsvertrag stehen und bräuchte Eure Hilfe, den einmal gradlinig zu verstehen:

„Der Mitarbeiter hat neben seinem Anspruch auf Gehaltszahlung einen Anspruch auf eine erfolgsabhängige Bonuszahlung in Höhe von 4x EUR 1.000,- brutto jährlich auf der Grundlage einer Zielvereinbarung, die Unternehmen und Mitarbeiter jeweils für ein Kalenderjahr treffen. Die Zielvereinbarung umfasst vier persönliche Ziele und ist zu Beginn eines jeden Kalenderjahres schriftlich abzuschließen."

Nun zum Problem: Wir haben bereits Juni und es wurde bisher kein einziges „persönliches Ziel schriftlich vereinbart."

Wie sollte ich hier vorgehen, d.h. darauf bestehen, dass die Ziele jetzt endlich mal vereinbart werden sollen? Oder kann ich sogar schon rückwirkend Ansprüche stellen, weil der „Anfang des Kalendarjahres" ja ohne Zweifel schon vorbei ist (und damit auch fünf Monate, die ich jetzt weniger Zeit habe, etwaige Ziele zu erreichen)?

In diese Frage läuft auch das nächste Problem rein: 4 x 1000€ suggeriert 1x pro Quartal. Lese ich das korrekt oder ist das nur 4000€ am Ende des Jahres, aber umständlich formuliert?

Dritte und letzte Frage: Sofern die Fälligkeit geklärt werden kann, die Auszahlung ist hier nicht festgehalten. Kann ich diese ggf. gesetzlich einfordern?

Besten Dank für Euer Input!

-- Editiert von go496510-33 am 02.06.2019 14:40

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12 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17230 Beiträge, 6429x hilfreich)

//// 4x EUR 1.000,- brutto jährlich auf der Grundlage einer Zielvereinbarung

Eins scheint mir klar: Die Firma kann sich nicht der Verpflichtung entziehen, indem sie eben keine Zielvereinbarung abschließt. In dem Fall könnte es durchaus sein, dass die 4000 Euro auch ohne ZV fällig werden.

Ansonsten wirkt die Klausel auf mich alles andere als klar - meine Deutung wäre allerdings nicht bezogen aufs Quartal, sondern auf die vier persönlichen Ziele, also tausend pro erreichtem Ziel, wobei wieder die Frage ist, wie Erreichen oder Verfehlen gemessen werden, oder wenn Ziele zu x oder y Prozent erreicht werden ...

Was sagen denn die Damen und Herren Kollegen, die schon länger im Betrieb sind?

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#2
 Von 
go496510-33
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)

...bisher nur, dass ich wohl clever genug war, überhaupt eine Bonusvereinbarung auszuhandeln :-/

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#3
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17230 Beiträge, 6429x hilfreich)

Deine Antwort #2 verschiebt wahrscheinlich die Perspektive erheblich - sie klingt danach, dass diese Klausel eine echte Individualvereinbarung sein wird/könnte, jedenfalls nicht üblicher Bestandteil eines sog. Formularvertrages, wie ihn der AG standardmäßig abschließt.
Daraus folgert, dass Unklarheiten einer Klausel nicht so selbstverständlich dem AG zuzuschieben sjnd - hier haben sich beide Seiten offenbar nicht genügend Gedanken gemacht, was man genau vereinbaren will und wie es dann sachgerecht laufen kann/soll.
Meine Konsequenz wäre, diese Klausel nachzuverhandeln und die offenbar möglichen Auslegungs- bzw. Verstehensprobleme tunlichst einvernehmlich zu klären; ebenso Termine, Feststellungskriterien, Verfahren bei Teilerfolg ... .

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#4
 Von 
guest-12330.04.2020 12:15:00
Status:
Student
(2415 Beiträge, 601x hilfreich)

Zitat (von go496510-33):

Nun zum Problem: Wir haben bereits Juni und es wurde bisher kein einziges „persönliches Ziel schriftlich vereinbart."


Seit wann arbeiten Sie denn im Unternehmen?

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#5
 Von 
go496510-33
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)

.

-- Editiert von go496510-33 am 03.06.2019 10:34

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#6
 Von 
go496510-33
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von guyfromhamburg):


Seit wann arbeiten Sie denn im Unternehmen?


Oktober 2018

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#7
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17230 Beiträge, 6429x hilfreich)

.... also dann: gehe zu #3

:)

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#8
 Von 
guest-12330.04.2020 12:15:00
Status:
Student
(2415 Beiträge, 601x hilfreich)

1. Ist im Arbeitsvertrag nichts zur Probezeit angegeben? Ich kenne viele dieser Bonusvereinbarungen mit einem Zusatz a la "nach der Probezeit".

2. Warum haben Sie solange gewartet? Oder haben Sie den Arbeitgeber im Januar bereits auf die Zielvereinbarungen angesprochen?

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#9
 Von 
go496510-33
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von guyfromhamburg):
1. Ist im Arbeitsvertrag nichts zur Probezeit angegeben? Ich kenne viele dieser Bonusvereinbarungen mit einem Zusatz a la "nach der Probezeit".

2. Warum haben Sie solange gewartet? Oder haben Sie den Arbeitgeber im Januar bereits auf die Zielvereinbarungen angesprochen?


1. Meine Probezeit war 6 Monate, ist also durch. Die Bonusvereinbarung sagt dazu nichts. Die ist exakt wie oben zitiert.

2. Habe schon mehrmals das Thema angesprochen. Meine Vorgesetzte ist leider, wie sich jetzt rausstellt, größtenteils unfähig in ihrer Funktion. Der COO hat mir mündlich gesagt, sollte die Firma „nicht klar kommen," würde das nicht gegen mich ausgelegt werden... *shrug*

Für mich steht aber eines fest: Es ist schriftlich festgehalten, dass meine Ziele am Anfang des Kalendarjahres schriftlich festgehalten werden und das ist einfach nicht passiert. Ich erfinde für mich ja selbst keine Ziele. Insofern sehe ich hier schon den Arbeitgeber in der Pflicht, die er jetzt schon verletzt hat. Sehe ich das wirklich falsch?

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#10
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17230 Beiträge, 6429x hilfreich)

Nein, das siehst du richtig. Und am Ende des Jahres sollte die Bonuszahlung dann auch erfolgen. Du hast hoffentlich deine diversen Vorstöße dokumentiert, diese Dinge zu klären. Wenn nicht, solltest du doch noch Memos aus der Erinnerung niederlegen.
Derzeit sehe ich da eher wenig Ansätze, was zu erzwingen.

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#11
 Von 
guest-12330.04.2020 12:15:00
Status:
Student
(2415 Beiträge, 601x hilfreich)

Dann verweise ich auf die Seite: https://www.die-fuehrungskraefte.de/aktuell/perspektiven-fachzeitschrift/inhaltsverzeichnis-03-042017/fehlende-oder-spaete-zielvereinbarung-trotzdem-anspruch-auf-den-bonus/

Auszüge daraus:

Zitat:
„Wenn der Arbeitsvertrag vorsieht, dass eine Bonuszahlung von einer Zielerreichung abhängig ist, besteht nach der Rechtsprechung die vertragliche Nebenpflicht des Arbeitgebers, turnusmäßig Ziele vorzugeben", so Rechtsanwalt Sebastian Müller. Aus dem Rechtsanspruch auf den jährlichen Abschluss einer Zielvereinbarung folge, dass der Arbeitgeber dafür einstehen muss, wenn er dem nicht nachkommt. Dann ist grundsätzlich der Höhe nach der Betrag, der bei 100%-Zielerreichung zu zahlen gewesen wäre, als Schadensersatz zu zahlen.


Zitat:
„Deshalb sollten Sie zumindest einmal die Initiative ergriffen haben, auf den Arbeitgeber zugegangen sein und ihm klar gesagt haben, dass Sie gerne Ziele vereinbaren möchten. Damit zeigen Sie, dass die fehlende Zielvereinbarung nicht an Ihnen lag und Sie haben die besten Chancen auf einen ungekürzten Bonus."


Zitat:

Wer als Arbeitgeber erst in den späten Herbsttagen mit Zielvorschlägen auf seinen Mitarbeiter zugeht und meint, er könne jetzt noch schnell Ziele in der Qualität und Quantität von Jahreszielen vereinbaren, hat mit Zitronen gehandelt. Arbeitnehmer müssen sich nur auf solche Ziele einlassen, die in der zur Verfügung stehenden Zeit unter Berücksichtigung ihrer sonstigen Aufgaben realistischerweise zu erfüllen sind. Ziele rechtzeitig im Jahr zu vereinbaren, lohnt sich daher für den Arbeitgeber.

1x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Start4u
Status:
Schüler
(306 Beiträge, 122x hilfreich)

Punkt 1: Wenn Du im Oktober 2018 angefangen hast wäre meine erste Amtshandlung gewesen meine Ziele festzulegen um auch für 2018 meinen anteiligen Bonus zu bekommen ;o) In Deinem Fall 1/3 der angestrebten 4.000 Euro

Grundsätzlich: Der Arbeitgeber legt eine solche Bonusklausel fest, um sicherzustellen, dass am Ende des Jahres bestimmte Ziele erreicht werden. Vereinbart er keine Ziele, kann er die Einhaltung dieser Ziele auch nicht sicherstellen. Dieser Umstand scheint für den Arbeitgeber aber vertretbar, ansonsten hätte er ja schon längst Ziele mit Dir festgelegt.

Du solltest also weder erwarten, dass Dein Arbeitgeber aktiv wird noch, dass Dein Arbeitgeber Dir Ziele vorgibt.
Der Zeitraum der Zielfestlegung ist recht schwammig formuliert. Besser wäre sowas gewesen wie: Bis zum 15. Januar

Ich würde Vorschlagen, dass Du Dir selbst 4 Ziele setzt. Am besten mal das SMART-Prinzip googeln.
Anschließend übersendest Du diese Deinem Vorgesetzten mit dem Hinweis, dass Du diese Ziele als Basis für Deine Bonunsvereinbarung ansiehst sollte er keine Einwände haben.

Damit setzt Du ihn in Zugzwang und er muss reagieren. Entweder durch andere Ziele oder Veränderung Deiner Ziele.

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