Auszahlung einer Tantieme und Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte

29. April 2019 Thema abonnieren
 Von 
GrauerWurm
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Auszahlung einer Tantieme und Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte

Sehr geehrte Damen und Herren,

zurzeit befinde ich mich im dritten Ausbildungsjahr zum Kaufmann für Groß- und Außenhandel. Die Ausbildung werde ich voraussichtlich im Juni 2019 erfolgreich beenden und dann das Unternehmen verlassen, um in einer anderen Region eine Arbeitsstelle anzutreten.

Ich habe zwei Fragen und hoffe auf juristischen Rat aus Community.

1. Da das Jahr 2018 ein sehr gutes für meinen Arbeitgeber war, wurde vor kurzem eine Tantieme an die Mitarbeiter ausgezahlt. Von einem anderen Azubi in meinem Betrieb habe ich erfahren, dass dieser eine Tantieme von rund 405,- € ausgezahlt bekommen hat. Eine andere ausgelernte Kollegin hat mir auch davon berichtet, die Tantieme in der letzten Woche erhalten zu haben.
Mir wurde diese Tantieme nicht ausgezahlt. Ich habe mich daher mit meinem Anliegen an die Personalabteilung gewendet, die mich allerdings an meine Niederlassungsleitung verwies.
Auf Nachfrage bei meiner Niederlassungsleiterin, sagte diese, dass es zu einer Auszahlung der Tantieme nicht kommt, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen im Jahr der Ausschüttung bis zum 30.06. aus dem Unternehmen scheidet (ist bei mir aufgrund meines Ausbildungsendes im Juni der Fall). Dies würde laut Niederlassungsleitung so auch in den Statuten stehen. Was genau damit gemeint ist, weiß ich nicht und auch die Niederlassungsleiterin und die Personalabteilung konnten mir ad hoc nicht beantworten wo ich es nachlesen könnte. Man wolle nun den Fall an den Personalleiter weitergeben.

Davon mal ab, dass ich von so einer Regelung noch nie etwas gehört habe und ich auch in meinen Vertragsunterlagen nichts dazu finde, ist das eine Sauerei. Ich fühle mich ernsthaft benachteiligt, weil mir diese Tantieme vorenthalten wird. Denn auch ich habe selbst als Azubi im Jahr 2018 12 Monate lang mit zum Unternehmenserfolg beigetragen und daher möchte ich mindestens wie der andere Azubi belohnt werden. Ich verstehe auch nicht was mein Verlassen des Unternehmens in diesem Jahr mit meiner Arbeitsleistung im letzten Jahr zu tun hat.

Wie ist hier die Rechtslage?

2. In meinem Ausbildungsvertrag steht unter Punkt „Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte": 3 Monate in der zentralen Verwaltung

Ich habe bisher lediglich insgesamt zwei Wochen in der Verwaltung verbracht. Dort war ich dann entweder sage und schreibe einen halben, einen ganzen oder zwei Tage in den anderen Abteilungen. Im Grunde war ich seit Beginn der Ausbildung im September 2016 fast ausschließlich im Verkauf.

Wie ist hier die Rechtslage? Habe ich den Anspruch, dass man mich bis zum Ausbildungsende in die Zentrale schickt?

Vielen lieben Dank für das Entbehren Ihrer Zeit, um diesen Text zu lesen.
Im Voraus vielen Dank für Ihre Ratschläge.

Freundliche Grüße
Marvin M.


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2 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17207 Beiträge, 6426x hilfreich)

Zu der Prämie / 'Tantieme':
Hier scheint es sich eher um eine Treueprämie zu handeln, wenn man der Begründung folgt. Die kann i.d.T. an den Verbleib im Betrieb gekoppelt sein. Wenn es dazu aber 'Statuten' dazu gibt, sollten die auch irgendwo einzusehen sein. Wenn es einen BR gibt, solltest du dort nachfragen.
Tantieme meint dem Begriff nach eher Gewinnbeteiligung - wenn das der Fall sein sollte, sollte dir dein Teil mindestens anteilig auch zustehen. Auch das wirst du nur in Kenntnis der Statuten klären können.

Wegen des 2 Punktes solltest du mit dem für die Azubis Zuständigen sprechen, ggf. auch mit der IHK. Wenn im Vertrag diese 3 Monate so verankert sind, sollte der AG sich auch dran halten. Ob das als Anspruch durchzusetzen ist, ist dann wieder eine Frage für sich.

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
HeHe
Status:
Richter
(8401 Beiträge, 3761x hilfreich)


Zu 1: Tantieme

Zitat:
Dies würde laut Niederlassungsleitung so auch in den Statuten stehen. ..... Man wolle nun den Fall an den Personalleiter weitergeben.


Dann warte die Antwort mal ab; wenn die Regelung so ist, dann das hinzunehmen.

Zu 2: Maßnahmen außerhalb Ausbildungsstätte

Zunächst mal die Erklärung dieser "Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte" nach BBiG:

Zitat:
Berufsbildungsgesetz (BBiG)
§ 27 Eignung der Ausbildungsstätte

(1) Auszubildende dürfen nur eingestellt und ausgebildet werden, wenn
1.
die Ausbildungsstätte nach Art und Einrichtung für die Berufsausbildung geeignet ist und
2.
...
(2) Eine Ausbildungsstätte, in der die erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten nicht im vollen Umfang vermittelt werden können, gilt als geeignet, wenn diese durch Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte vermittelt werden.


Falls also die angegebenen 3 Monate in der Verwaltung Voraussetzung dafür sind, dass der Betrieb den Beruf Kaufmann im Groß- und Außenhandel ausbilden darf, muss er die - i. d. R. mit der Kammer vereinbarten und notwendige Zeit - einhalten. Es kann aber auch sein, dass es ein freiwilliger Zusatz des Unternehmens ist und nur genauso bezeichnet wird - müsstest du mit der zuständigen Kammer klären.

ABER:
Zitat:

Ich habe bisher lediglich insgesamt zwei Wochen in der Verwaltung verbracht. Dort war ich dann entweder sage und schreibe einen halben, einen ganzen oder zwei Tage in den anderen Abteilungen. Im Grunde war ich seit Beginn der Ausbildung im September 2016 fast ausschließlich im Verkauf.


...............im Grunde ist es so, dass es für jede Reklamation nun zu spät ist, da du in wenigen Wochen deine Abschlussprüfung hast.

Ob jetzt ein Rechtsanspruch darauf besteht, dass man dich für diese restliche Zeit in die Verwaltung setzt, ist unklar: Dein Vertragspartner "Unternehmen" hat sich vertraglich verpflichtet, dir alle Lernziele des Berufsbildes zu vermitteln. Ob mit oder ohne Einsatz in der Verwaltung kannst du z. B. mit der Kammer klären.

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