Unterlassen Hilfeleistung

22. Mai 2019 Thema abonnieren
 Von 
Tasso0791
Status:
Frischling
(48 Beiträge, 0x hilfreich)
Unterlassen Hilfeleistung

Hallo,
Ich bin seit 18 Jahren in einem mobilen Pflegedienst als Fachkraft angestellt.
Vor paar Tagen wurde ich von Angehörigen einer Patientin unterlassener Hilfe beschuldigt. Ich habe die Patientin um 7 Uhr mit Insulin versorgen sollen. Nach meinem Ankommen stellte sich heraus dass sie sich schon selber gespritzt hat. Die Patientin war bei klarem Bewusstsein und gutem Allgemeinzustand klagte jedoch NUR über leichte gastrale Probleme. Darauf hin habe ich ihr angeboten einen Arzt oder Angehörigen anzurufen, was sie ausdrücklich ablehnte ( "es sei nicht so schlimm " und sie ruft nachher ihre Tochter selber an, 7 ihr ist viel zu früh" ) . Dies dokumentierte ich in der Patientenakte vor Ort. Patientin wurde später bewusstlos in der Wohnung aufgefunden. Diagnose im Krankenhaus : Urosepsis, Herzriss.
Meine Frage zu dem Thema ist natürlich, ist des unterlassene Hilfeleistung? Habe ich falsch gehandelt?
Zweite Frage : Darf ich nachhinein noch dokumentieren dh genauer den Allgemeinzustand der Patientin beschreiben (aus dem Gedächtnis). Akte befindet sich immer noch bei Angehörigen. Der Vorfall hat sich vor 5 Tagen ereignet. Eventuelle zeitnahe, ergänzende Dokumentation war nicht möglich.
Vielen Dank im Voraus

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8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
guest-12303.07.2019 16:29:14
Status:
Lehrling
(1396 Beiträge, 429x hilfreich)

Zitat (von Tasso0791):
Meine Frage zu dem Thema ist natürlich, ist des unterlassene Hilfeleistung?

Schauen wir dazu doch einfach mal in den entsprechenden Paragraphen 323c StGB
(1) Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
Unglücksfall? Nein.
gemeine Gefahr? Nein.
Not? Vielleicht.
den Umständen entsprechend zumutbare Hilfe geleistet? Ja.
diese war erforderlich? Nein.
eigene Gefahr, Verletzung v. Pflichten etc? Nein.

Alles in allem also weit und breit keine unterlassene Hilfeleistung notwendig. Warum oben bei "Not" nur ein vielleicht? Nun, ich bin kein Arzt und medizinisch nicht thematisch nur unwesentlich weiter gebildet als durch erweiterte 1. Hilfemaßnahmen am Unfallort...
Daher die Frage, inwiefern hätte eine normale Person ihres Berufs-/Ausbildungsstandes das "Insulin hat sich Patientin schon selbst gespritzt", iVm. "NUR über leichte gastrale Probleme" denn zu der Annahme verleiten sollen, dass "Urosepsis, Herzriss" vorliegt? Ich vermute mal gar nicht.

Entsprechend würde ich den Anschuldigungen der Familie deutlich locker entgegen stehen und es als eine, den Umständen der vermutlich besonders starken emotionalen Situation bedingten, Reaktion ansehen. Seien sie also nachsichtig, das wird sich vermutlich rational bald auch in deren Köpfen niederlegen.

Zitat (von Tasso0791):
Darf ich nachhinein noch dokumentieren dh genauer den Allgemeinzustand der Patientin beschreiben (aus dem Gedächtnis).
Klar, sich selbst Notizen machen und einen Vorgang beschreiben sit immer hilfreich. Aus rationalen Gesichtspunkten wird das wohl kaum nötig sein.

Zitat (von Tasso0791):
Eventuelle zeitnahe, ergänzende Dokumentation war nicht möglich.
Was hat einen denn daran gehindert?

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Tasso0791
Status:
Frischling
(48 Beiträge, 0x hilfreich)

Ich habe schon dokumentiert, möchte aber jetzt nachhinein genauer den Allgemeinzustand beschreiben dh wie ich die Atmung, Hautzustand etc wahrgenommen habe (alles war unauffällig)
Die ergänzende Dokumentation ist nicht möglich, da die Angehörigen die Pat. Akte noch nicht bei uns abgegeben haben

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118401 Beiträge, 39569x hilfreich)

Zitat (von Tasso0791):
Die ergänzende Dokumentation ist nicht möglich,

Man nehme ein Blatt Papier und einen Stift ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38103 Beiträge, 13920x hilfreich)

Und das möglichst bald, mache ein genaues Gedächtnisprotokoll, mit Zeitangaben. Du wirst es wahrscheinlich nicht brauchen, trotzdem, im Laufe der Zeit verschleift sich das im Gedächtnis doch immer.

wirdwerden

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
fb367463-2
Status:
Schlichter
(7422 Beiträge, 3087x hilfreich)

Ich würde aber unter diesen Umständen nicht im Nachhinein in der Akte herumschreiben. Macht ggf einen schlechten Eindruck, als wenn Sie was zu verbergen hätten. Lieber das erwähnte Gedächtnisprotokoll erstellen!

Viele Grüße aus Bonn!

Signatur:

"Valar Morghulis"

2x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Tasso0791
Status:
Frischling
(48 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank für eure Antworten, sie haben mir sehr geholfen und eigentlich bestätigt, dass ich richtig gehandelt habe.
LG

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9514x hilfreich)

In der Akte selbst würde ich auch auf keinen Fall etwas verändern. Ein ergänzendes Blatt Papier nehmen. Unterlassene Hilfeleistung kann vom Tatbestand her schon nicht vorliegen. Wenn überhaupt wäre es "fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen"

Rein praktisch wird es relativ entscheidend sein, was die Patientin selbst zum Hergang erzählt. Wenn sie die hier gemachte Darstellung bestätigt, müssen Sie sich keine Sorgen machen.

Im übrigen müsste ja auch erst mal jemand eine Strafanzeige erstatten.

1x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
guest-12303.07.2019 16:29:14
Status:
Lehrling
(1396 Beiträge, 429x hilfreich)

Stimmt, wenn man in die Akte schreibt, sollte man dies zumindest deutlich hervorheben.
Z.B.: "am xx.yy.zzzz wurde folgendes Gedächtnisprotokoll ergänzt: ..." Das dürfte problemlos sein, hat jedoch auch keinen anderen Wert, als jedes andere Gedächtnisprotokoll auf irgendeiner anderen Untrlage.

1x Hilfreiche Antwort

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